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5.0 von 5 Sternen Ein großartiger MP-Klassiker - legendär, 31. Dezember 2006
Von 
Wilhelm Kaiser "Alexander" (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Ga) (Audio CD)
Diese Aufnahme von 1941 scheint leider aus den Augen der Musikfreunde verloren gegangen zu sein und rechtfertigt eine Wiederentdeckung. Immerhin hatte die Aufnahme mit dem Erscheinen als CD den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhalten. Die Stimmen der ausgezeichneten Solisten sind hervorragend abgebildet, allen voran der wunderbare Karl Erb, der in Doppelfunktion den Evangelisten und die sonstigen Tenorarien interpretiert. Allein dafür lohnt sich die Anschaffung. Auch die Chorleistungen sind prächtig, aber insoweit stellen die klangtechnischen Probleme an den Hörer gewisse Anforderungen. Eine kleinere Chorbesetzung hätte die klangtechnischen Probleme wahrscheinlich deutlich reduziert. Der Aufführung wurde stark gekürzt, was damals bei Tonaufzeichnungen im Hinblick auf die Kapazität von Schelllackplatten üblich war, aber die Kürzungen beschränken sich auf weniger spektakuläre Passagen. Die Aufnahme hat daher auf nur 2 CD Platz. Im Vordergrund stehen die solistischen Leistungen, aber die wichtigsten Chorpartien, wie "O Haupt voll Blut und Wunden", fehlen nicht.

Auch interpretatorisch handelt es sich um ein Meisterwerk ohne irgendwelche Schwächen. Es findet keine ermüdende Tempoverschleppung mit überzogenem Pathos statt. Dabei bleibt die musikalische Schilderung von enormer Eindringlichkeit, so dass man gar nicht anders kann, als aufmerksam und mit tiefer Anteilnahme zuzuhören. Die musikalische Leitung hatte Günter Ramin, der für diesen Aufgabenbereich geradezu begnadet war. Karl Erb gehört zu den größten Tenören, welche Deutschland jemals hervorgebracht hat, und galt als der führende Evangelist. Ebenso war er als Opern- und Liedersänger bekannt und beliebt. Vom Rang her ist er gleichberechtigt neben Franz Völker, Peter Anders und Fritz Wunderlich zu nennen. Der Klang dieser Stimme ist mit brillant nicht übertrieben bezeichnet.

Auch die anderen Partien sind blendend besetzt. Die Partie des Jesus wird von dem vielseitigen Bariton Gerard Hüsch dargeboten. Tiana Lemnitz war ein bekannter Star im Sopranfach und verfügte über ein großes Repertoire. Es versteht sich von selbst, dass sie keine Wünsche offen lässt. Nichts anderes gilt für die Altistin Friedel Beckmann, die sich neben Bühnenrollen auch als Konzert- und Oratoriensängerin einen ausgezeichneten Namen gemacht sowie in Tonfilmen mitgewirkt hatte. Der ausgezeichnete Bassist Siegfried Schulze war Thomaner und übernahm dort gelegentlich Solorollen, wie bei einem Zyklus von Bachkantaten, der von Leipzig über Rundfunk in alle Welt ausgestrahlt wurde. Thomanerchor und Gewandhausorchester bürgen sowieso für erlesenes Können.

Zurückkommend auf Karl Erb kann vielleicht noch die Wirkung von Interesse sein, die Karl Erb auf seine Zuhörer machte und die ein Leser der Kölnischen Zeitung in einem Brief Nr. 153 in aller Ergriffenheit beschrieb, der am 24. März 1940 veröffentlicht wurde: Das Kölner Ereignis der Osterwoche war die Aufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach im Kölner Dom der persönliche Höhepunk dieses Ereignisses, wenn man von der Größe des Werkes und seines Schöpfers und Meisters, wenn man auch von den großen Leistungen aller mitwirkenden künstlerischen Kräfte eine solche Unterscheidung machen darf, die Begegnung mit der Vollkommenheit einer männlichen Stimme: Karl Erb, schon lange der einzige, der diese hehre Aufgabe so voll erfüllen kann, sang wie immer den Evangelisten, und doch nicht wie immer. Er sang ihn mit einer unfassbaren übermenschlichen unirdisch-wirklichen Vollendung, im edlen Ton so wunderbar getragen von der himmelanstrebenden Höhe des Raumes und diesen herrlich erfüllend, er sang ihn so makellos schön und vom Geiste der Offenbarung beseelt, wie man ihn nie zuvor gehört hat und auch nie wieder hören wird, es sei denn im Kölner Dom und von Karl Erb. Den Zuhörern blieb - und so kann dieser Brief nichts anderes werden als ein Hymnus an eine männliche Stimme - vor diesem Dreiklang von Ton, Wort und Geist keine andere Zuflucht als die letzte Ergriffenheit." Im Münchener Merkur war 1950 über Karl Erb zu lesen: "in ungebrochener Spannkraft ist er der alte Magier geblieben, ein Stimmzauberer von vollendeter Musikalität und mit einer Aussprache, bei der jedes Wort verständlich ist."
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5.0 von 5 Sternen Eine der ergreifendsten Aufnahmen der Matthäus-Passion, 21. April 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Ga) (Audio CD)
Die Aufnahme wurde unter schwierigsten Bedingungen im Krieg 1941 gemacht.
Unter den zahllosen Aufnahmen der Matthäuspassion hat diese für mich in vielerlei Hinsicht den absoluten Ehrenplatz verdient.
Ich kenne keine Aufnahme, die dermaßen ergreifend auf mich wirkt. Die an heutigen Maßstäben gemessenen technischen Unzulänglichkeiten zerstören diesen Eindruck nicht. Es stimmt mich tief traurig, daß die Aufnahme (der damaligen Aufnahmepraxis geschuldet) gekürzt ist. Das ist ihr einziges Manko.
Nach allem, was man über die damalige Zeit und über Ramin lesen kann, war eine Aufführung der Matthäuspassion von einem heiligen Ernst getragen, der heute wahrscheinlich so kaum noch zu finden ist. Man spürt dies aus jedem Takt der Musik. Auch die Instrumentalisten spielen mit einer Leidenschaft, die hörbar über die technische Perfektion gesetzt wird und emotional eine starke Wirkung entfaltet. Ich möchte dazu 2 Beispiele anführen: In der Altarie "Erbarme dich" schluchzt die umspielende Geige tatsächlich zum Steinerweichen (was irgend jemanden, wie ich las, veranlaßt hatte, das Spiel technisch auf niedrigem Niveau anzusiedeln - ich glaube, es ist ein Spiel auf höchstem Niveau). Überhaupt finde ich diese Altarie in ihrer Ausdruckskraft in keiner moderneren Aufnahme jemals wieder so erreicht. Das zweite Beispiel findet sich in der Abendmahlseinsetzung. Hier werden durch das Spiel der Streicher die Christusworte in's Hymnische überhöht; man sieht buchstäblich den sich öffnenden Himmel. Auch diese Passage klingt, wenn man sie einma bei Ramin gehört hat, in modernen Aufnahmen durchweg vergleichsweise belanglos. Dies sind nur 2 Beispiele. Es ließen sich sehr viele anführen.
Wenn man sich vor Augen hält, wie die Aufnahme technisch entstanden ist, nämlich daß die einzelnen Nummern wild durcheinander aufgenommen wurden (je nach Anwesenheit von Solisten usw.) und es einen ständigen Kampf gegen die Stoppuhr gab (wegen der Begrenztheit der Aufnahmekapazität der Schellackplatten), ist es unfaßbar, daß Ramin es dennoch vermocht hat, bei der Gesamtaufnahme dies nicht nur nicht merken zu lassen, sondern darüberhinaus die Passion mit einer Inbrunst zu vermitteln, die bis heute so einzigartig erscheint.
Und wie "modern" sein Aufführungsstil trotz allem war, läßt sich erkennen, wenn man die Aufnahme mit der noch 2 Jahre älteren unter Mengelberg (übrigens ebenfalls mit Karl Erb) vergleicht.
Die Solisten sind alle von überragender Qualität, auch wenn sie vermutlich nicht immer den heutigen Vorstellungen entsprechen.
Wobei Karl Erb sicher überhaupt der Gipfelpunkt ist. Hier möchte ich auf die Rezension von Wilhelm Kaiser verweisen. Manchmal wählt Karl Erb ungebräuchliche Betonungen, die aber immer außerordentlich nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Wie eben überhaupt die ganze Aufnahme.
Mir geht es hier ähnlich wie bei den Casal'schen Aufnahmen der Cellosuiten: Diese sehr frühen Aufnahmen sind immer wieder technisch überboten worden; aber nicht in ihrer bekenntnishaften Ausdruckskraft. Und obwohl sich viel seitdem geändert hat an technischen Möglichkeiten und Wissen um die barocke Aufführungspraxis, sind diese alten Aufnahmen von einer zeitlosen Gültigkeit und intuitiven Erfassung dessen, was nach heutigem Wissen an Verborgenem in dieser Musik steckt, geprägt. Sie haben im besten Sinne etwas Religiöses, das ja auch sicherlich ein Hauptanliegen Bachs war.
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