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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Originalfassung, intensiv und spannend, 14. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Abbado Golden Label: Boris Godunow (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Echte Fans werden vielleicht alte (russische) Aufnahmen in der (verschönten) Fassung von Rimsky-Korsakov vorziehen, aber diese Aufnahme bietet die 1872-74 Originalfassung von Mussorgsky (kantiger), ein exzellentes Orchester (Berliner Philharmoniker) und ein intensives und spannendes Dirigat (Claudio Abbado). Die Sänger sind alle zumindest kompetent, z.T. sogar grandios. Auch die "St. Basilius - Szene" der 1869 Urfassung wurde eingebaut. Höchste Empfehlung.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Fluch des bösen Tat - ein Kapitel aus der russischen Geschichte ichte, 3. März 2013
Von 
Wilhelm Kaiser "Alexander" (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Abbado Golden Label: Boris Godunow (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Modest Mussorgsky (1839 bis 1881) war es schon in seinem Erstlingswerk um die Schaffung eines russischen Volksdramas gegangen, um die Leiden seines Volkes ins Bewusstsein zu rücken, nicht aber um das Zarentum zu verherrlichen. Freilich lässt sich verkürzt sagen, dass sich die Bilder der damaligen Grausamkeiten in der Geschichte der Menschheit nur geändert und ihre örtlichen Schwerpunkte lediglich verlagert haben. Als Quellen hatte sich Mussorgsky des gleichnamigen Dramas von Alexander Puschkin, aber auch russischer Chroniken bedient. Die Handlung fällt in die Zeit nach dem Tod von Iwan Grosny, Iwan der Schreckliche genannt, als dessen Sohn Fjodor Iwanowitsch die Nachfolge antreten musste. Er war ein harmloser und weltabgewandter Träumer, der sich auch die Schwester des Bojaren Boris Godunows als seine Braut aufdrängen ließ, von Boris Godunow selber und von dem Metropoliten Hiob. Letzterer wurde später auf Betreiben von Boris Godunow zum Patriarchen und damit zum Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche bestimmt, die ihrerseits durch Boris Godunow ihre Unabhängigkeit erlangte.

Boris Godunow hatte selbst „politisch“ geheiratet, sein Schwiegervater war Chef der Geheimpolizei, die er selbst unter Iwan dem Schrecklichen aufgebaut hatte. Zar Fjodor verstarb bereits nach 14 Jahren seit seiner Krönung am 6. Januar 1598 im 41. Lebensjahr, ohne einen eigenen Nachfolger zu hinterlassen. Fjodors Halbbruder Dimitrij wurde bereits vorher im Alter von 8 Jahren ermordet, und im Volk wurde gemunkelt, dass Boris Godunow den Mordauftrag erteilt haben soll. Der Tod von Dimitrij wurde jedoch als Selbstmord mittels eines Dolches infolge eines epileptischen Anfalles dargestellt. Dass Boris Godunow letztlich zum neuen Zaren ausgerufen wurde, war von gewissen Zwangsläufigkeit. In diesem Stadium beginnt die Handlung der Oper, in deren Epilog Boris Godunow schon von düsteren Ahnungen gequält zur Krönung schreitet. Der katholischen Kirche war die Entwicklung ein Dorn im Auge. Enorme Hungersnöte und bedrohliche Zeichen, für die das leichtgläubige Volk empfänglich war, versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken.

Im ersten Akt beginnt dann die Geschichte, in deren Verlauf der (polnische) Mönch Grigorij - etwa im gleichen Alter wie der ermordete Zarewitsch Dimitrij ohne seine Tötung gewesen wäre – sich in die Rolle des Dimitrij hineinversetzt. Er war Zögling einer ausgezeichneten Jesuitenschule und beherrschte die orthodoxen Regularien perfekt: Damit war er auch der denkbar beste Komödiant für das polnische Spiel um die Eroberung der Macht im Osten. Am 16. Oktober 1604 rückte er in prächtigen Gewändern mit einem polnischen Heer in Russland ein, um sich als vorgeblich echter Zarewitsch den Zarenthron zu erobern. Der psychische Druck auf Boris Godunow wurde zunehmend größer, nachdem immer mehr Menschen und ganze Truppenverbände zu den Polen übergelaufen waren. Er zog sich immer mehr zurück und brach am 13. April 1605 tot zusammen. Dass er von einer vergifteten Speise aß, ist allerdings auch nicht auszuschließen. Die Handlung der Oper endet mit der Revolutionsszene auf einer Waldlichtung in der Nähe der litauischen Grenze, in deren Verlauf der falsche Dimitrij in Richtung Moskau zieht (allerdings ereilt auch ihn später ein schreckliches Ende, das aber nicht mehr Gegenstand der Opernhandlung ist).

Auf Fragen von Urfassung (1869) und Originalfassung (1874) oder Zwischenfassung 1872) einzugehen, kann hier wohl verzichtet werden.Summarisch kann gesagt werden, dass Claudio Abbado ein schlüssiges Konzept gewählt hat und das Ergebnis als großartige Tat bezeichnet werden kann. Das Aufgebot an Solisten ist entsprechend der Vielfalt der farbeinreichen Details ebenso enorm, wie die stimmlichen Leistungen aller Mitwirkenden grandios sind. Überzeugende Spitzenleistungen gehören dazu, mag es um subtile Handlungsfäden oder dramatische Szenarien gehen. Die Chöre (Slowakischer Philharmonic Chorus, Rundfunkchor Berlin und Tölzer Knabenchor) überzeugen in allen Belangen bei ihre reichhaltigen Aufgaben. Dass die Berliner Philharmoniker spitzenmäßig spielen, versteht sich quasi von selbst.
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