Fashion Sale Hier klicken Fußball Fan-Artikel calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY

Kundenrezensionen

3,0 von 5 Sternen15
3,0 von 5 Sternen
Format: Audio CD|Ändern
Preis:7,49 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 21. Februar 2015
Von all seinen kontrovers diskutierten Werken ist SELF PORTRAIT wohl das umstrittenste. Immer noch gilt die Platte bei vielen an Dylan interessierten Leuten als sein größter Fehlgriff, noch vor DYLAN, KNOCKED OUR LOADED, DOWN IN THE GROOVE, CHRISTMAS IN THE HEART & SHADOWS IN THE NIGHT, Dylans vor wenigen Tagen veröffentlichter neuer Scheibe. Bei all diesen Platten covert Dylan ausschließlich oder größtenteils Fremdmaterial. Den Reaktionen auf SHADOWS IN THE NIGHT kann man, auch in diesem Forum entnehmen, dass Bob Dylan es immer noch schafft die Gemeinde zu spalten. 1970 war der Schock auf die Veröffentlichung von SELF PORTRAIT allerdings noch deutlich größer als jetzt bei seiner Neuen. Am bekanntesten ist sicherlich die What is this sh**?"-Kritik des Dylan-Fans und Kritikers Greil Marcus.

Ich habe SELF PORTRAIT zum ersten Mal im Frühling 1992 gehört. Damals habe ich Dylan so richtig für mich entdeckt, habe mir, soweit es das Portemonnaie zuließ, regelmäßig Platten von ihm gekauft und viele Scheiben auf Kassette aufgenommen. Von den 24 Songs die sich auf diesem Doppelalbum finden, habe ich nur 13 auf Kassette überspielt. Nicht auf meine Auswahl geschafft haben es bspw. Early Morning Rain, Let It Be Me, Copper Kettle oder Take A Message To Mary, die ich alle mittlerweile sehr gerne hören. Speziell Copper Kettle ist eines meiner Lieblingslieder. Ich finde, dass Dylan den Song fantastisch interpretiert &ja, auch singt! Anfang 1992 waren aber Scheiben wie HIGHWAY 61 REVISITED, DESIRE, HARD RAIN oder die wunderbare OH MERCY für mich richtige und maßgebliche Dylan-Werke. Da ich damals schon lange Zeit gerne Elvis hörte, war ich mit amerikanischem und auch von Country beeinflusstem Kitsch vertraut. Aber Songs wie Take Me As I Am oder vor allem I Forgot More Than You'll Ever Know gingen gar nicht. Und was hier The Boxer sollte war mir schleierhaft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich Dylan-Platten gibt, die ich vom ersten Hören an bis heute sehr mag (z. B. OH MERCY, JOHN WESLEY HARDING, NEW MORNING, TEMPEST), andere Scheiben hingegen verlieren für mich mit der Zeit. An DESIRE z.B. konnte ich mich lange nicht satthören, mittlerweile gehört DESIRE aufgrund der zweiten Seite zu meinen ungeliebtesten Dylan-Platten. Und dann gibt es von Bob Dylan Platten, die für mich anfangs nicht besonders zündeten, nach und nach aber Platz in mir gefunden haben. Hierzu zählt für mich neben u. a. SLOW TRAIN COMING & TOGETHER THROUGH LIFE eben auch SELF PORTRAIT. Grundsätzlich schließe ich mich der Aussage von Stephan Urban an, der hier über die ein oder andere Dylan-Scheibe, so auch über SELF PORTRAIT, eine Rezension geschrieben hat: Auch für mich gibt es keine schlechte Dylan-Platte!

SELF PORTRAIT ist eine sorgfältige Produktion, an der neben Dylan und seinem damaligen Produzenten Bob Johnston zwischen April 1969 und März 1970 fünfzig Musiker beteiligt waren. Kritisiert wurde neben Dylans Songauswahl vor allem die Produktion von Johnston, der nach Ansicht vieler Fans und Kritiker die Songs mit zuckerpuderigen Streichern, Bläsern und Frauenchören zukleisterte. Hört man sich die aus etwa der gleichen Zeit stammenden Presley-Platten BACK TO MEMPHIS, THAT'S THE WAY IT IS, ELVIS COUNTRY oder ELVIS NOW an, so kann man einen ähnlichen, damals zeitgemäßen Sound hören. Von Dylan hatte man so etwas aber damals trotz NASHVILLE SKYLINE nicht erwartet. Die County-Platte voller Liebeslieder war ja schon Schock genug, nun kam Dylan mit kitschigen Popsongs und Countrystücken daher, dazu veröffentlichte er wenig neue eigene Songs, nahm vier Stücke vom seltsamen Isle of Wight-Konzert mit auf die Platte, nahm Instrumentalstücke (wo blieb der Dichter?) auf und gab zudem viele Traditionals als eigene Songs aus. Dazu sang er die meisten Stücke mit seiner erstmals bei NASHVILLE SKYLINE erprobten Country-Crooner-Stimme. Während viele Jungs im Urwald Vietnams einen falschen Krieg führten und sinnlosen Tod starben, veröffentlichte die Stimme einer Generation, der Dichter der Gegenkultur eine solche Platte und biederte sich gleichzeitig beim verhassten Establishment und den Rednecks des Hinterlandes an. Entsprechen waren die Reaktionen 1970.

Über die Gründe, warum Dylan SELF PORTRAIT einspielte und unter diesem Namen veröffentlichte, kann man spekulieren. Dylan selber gab an, dass er sich von seinem Image, eben jener Dichter einer Generation zu sein, verabschieden wollte. Außerdem seien damals viele Bootlegs seiner Musik im Umlauf gewesen, da habe er eben eine eigene offizielle Bootleg-Platte rausgebracht. Einige Kritiker/Fans empfanden/empfinden SELF PORTRAIT als (gelungenen) Versuch sein Publikum vor den Kopf zu stoßen. Das Dylan etwa ein Jahr an dieser Scheibe arbeitete und die Produktion sorgfältiger und aufwändiger als bei vielen seiner anderen Werke ist, spricht meiner Ansicht aber nicht dafür, dass er die Platte nur als Witz oder Publikumsbeschimpfung auffasste. Ich glaube, dass SELF PORTRAIT eben genau so ECHTER DYLAN ist, wie seine politischen Folksongs, Like A Rolling Stone, LOVE AND THEFT oder jetzt auch SHADOWS IN THE NIGHT. Robert Shelton äußert in seiner sehr lesenswerten und für mich unverzichtbaren Dylan-Biographie die Ansicht, dass Dylan mit SELF PORTRAIT den typischen Amerikaner anno 1970 bei seinen typischen Bedürfnissen erreichen wollte. Schaue man sich die Innenseite des Covers an, sieht man Dylan vor einem langwirtschaftlichen Gebäude und in Begleitung eines Huhns. Zu Zeiten von BLONDE ON BLONDE konnte sich wohl kaum einer vorstellen, dass Bo0b Dylan mal den sanften Family Man vom Land geben würde. Dylan war im Herbst 1969 mit seiner mittlerweile großen Familie zwar wieder von Woodstock nach New York gezogen, dennoch klingen viele Songs sowohl von SELF PORTRAIT als auch vom Nachfolger NEW MORNING nach dem provinziellen, ländlichen Amerika.

Viele empfinden SELF PORTRAIT als abgeschlaffte und sehr schlechte Scheibe, bestenfalls als Witz auf Kosten des Publikums. Auf mich wirkt die Platte in großen Teilen sanft und entspannend. All The Tired Horses, Early Morning Rain, Let It Be Me, Belle Isle, Copper Kettle, Take A Message To Mary oder Wigwam höre ich immer wieder gerne. Ich mag auch Alberta 1 & 2, einmal als langsamer bluesiger Song, in der zweiten Version als flotteres Stück mit einer guten Harmonika. Neben den vielen (für mich)schönen sanften Liedern gibt es auch kraftvolle & groovige Songs. Days Of 49 ist klasse, Woogie Boogie ist ein fetziger Instrumentaltitel, It Hurts Me Too und Gotta Travel On halte ich auch für hervorragende Interpretationen. Living The Blues, einer von nur vier Dylan-Kompositionen, die bei der Veröffentlichung der Platte neu waren, passt gut in die Dylan-Songs der Jahre 1969 ist 1971 rein. In Search Of Little Sadie ist ein guter Countrysong mit expressivem und wie ich finde gutem Gesang. Im Zusammenhang mit SELF PORTRAIT darf auch der Humor nicht fehlen. Little Sadie ist praktisch der gleiche Song wie In Search Of Little Sadie, während sich Dylan aber bei letztgenanntem Lied gesangtechnisch von einer Kurve in die nächste schmeißt, dudelt er Little Sadie in fast schon Comedy-reifer-Version runter. Dass Dylan den Song in diesen beiden Interpretationen bringt, ist für mich sehr gelungen und ein Beispiel für Dylans Humor. Blue Moon und The Boxer sind auch so zwei Beispiele. In Blue Moon macht Dylan auf Bing Crosby, ehrlich gesagt hat das Charme und er macht das auch nicht schlecht, mit Frauenchor und Augenzwinkern. Mit The Boxer konnte ich zunächst gar nichts anfangen, das Original kannte ich nur allenfalls sehr flüchtig. Dylans Version ist sicherlich alles andere als eine charmante Hommage mit schönem Gesang, aber wie er hier mit sich im Duett singt und gleichzeitig Simon und Garfunkel auf den Arm nimmt, das ist doch großartig. Aber gut, sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Zwei Songs, I Forgot More Than You'll Ever Know & Take Me As I Am, entsprechen nicht meinem musikalischem Geschmack. Beide Lieder sind aber humorige und schön country-kitschige Botschaften an die Fans des reinen Dylan. Dazu noch vier Songs vom von vielen als seltsam empfundenem Isle Of Wight-Auftritt, das Ganze dann noch mit einem seltsamen Clown auf dem Cover und dem Titel SELF PORTRAIT veröffentlicht, fertig ist die Chose!

Auch wenn sich durch die mittlerweile vorbeigezogenen 45 Jahre bedingt der 1970er-Zeitgeist verabschiedet und die damalige Aufregung gelegt hat; gehört SELF PORTRAIT weiterhin zu den ungeliebtesten Dylan-Werken. Musikalisch müsste sich die Enttäuschung und Verwunderung eigentlich erledigt haben. Dylan hat später bspw. Songs wie Where Teardrops Fall, Moonlight, Life Is Hard oder Soon After Midnight komponiert und veröffentlicht. Für mich allesamt gute bis großartige Songs auf guten bis großartigen Platten. Ich denke, die Stücke hätten auch alle auf Dylans Doppelalbum gepasst. Aber zugegeben, diese Songs waren in einen anderen Rahmen eingebettet. Auf viele Leute wirkt SELF PORTRAIT eben zu prätentiös. Da ich aber einige Elvis-Scheiben aus der Zeit mag und über die American Recording-Platten das Werk von Johnny Cash kennen und schätzen gelernt habe, konnte ich Zugang zu SELF PORTRAIT und der etwas ähnlichen DYLAN von 1973 finden. Ich kann mich aber noch gut an meine erste Reaktion auf die Platte erinnern und kann daher manch negative Einschätzung nachvollziehen.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
...den man gegen eine weiße Wand schüttet, sei das 1970 erschienene "Self Portrait", hat Dylan (glaub ich) sogar selbst einmal gesagt. Sinngemäß sei dann das, das an der Wand haften bliebe, das was es wert sei aufgenommen bzw. näher begutachtet zu werden, während der Rest (zurecht) unbeachtet zu Boden rinnt - um zu Beginn meiner Rezension eine eigentlich schöne Metapher zu bemühen...

Tatsächlich sehe auch ich - und ich bin eigentlich glühender Dylan-Bekenner - in vorliegender Scheibe mehr ein Zwischendurchalbum, denn ein wohlkonzipiertes bzw. durchdachtes Studiowerk. Zwar sind hierauf enthaltene Songs - gleich ganze 24 an der Zahl (!) - nicht unbedingt schlecht, aber über gelangweiltes Mittelmaß kommen wirklich nur ganz wenige Tracks hinaus (auch die Dylan-Interpretation des Simon-Garfunkel-Hits "The Boxer" halte ich beispielsweise für reizlos und daher unnötig). Zudem finde ich auch die Aufnahmequalität nicht berauschend. Und ja: Freilich habe ich der Scheibe bereits mehrere wohlgesonnene Durchläufe - auch mit größeren zeitlichen Abständen dazwischen - gegönnt. Im Falle von His Bobness bin ich sowieso gerne bereit, diversen (gerade kontrovers diskutierten) Alben mehrere Chancen zu geben.
Bei "Self Portrait" hat's bei mir aber bis heute nicht richtig "Klick" gemacht. Irgendwie kommt mir die Scheibe wie ein halbgarer Mischmasch teils unliebsamer Songfragmente (klingt jetzt vielleicht ein bisschen gar streng, aber gut) vor, die der gute Bob halt ganz einfach nicht unaufgenommen lassen wollte. So richtig essenziell ist meines Erachtens überhaupt nur "The Mighty Quinn (Quinn The Eskimo)", das in dieser Originalfassung wohl unerreicht bleibt und einen typischen Dylan-Reiz oder Dylan-Charme innehat, der einfach zeitlos und wohl unzerstörbar ist. Von der vermutlich viel bekannteren Cover-Version (von der Manfred Mann's Earth Band), die einst - aber eigentlich noch vor Veröffentlichung des Originals, nämlich 1968 - sogar millionenfach verkauft wurde, kann man das eher nicht behaupten... (Anm.: Dylan hat den Song ursprünglich schon 1967 geschrieben, ihn dann meines Wissens aber nicht gleich selber aufgenommen bzw. nicht veröffentlicht).

Jedenfalls glaube ich, dass "Self Portrait" sogar für Dylan-Liebhaber verzichtbar ist und dass es sich dabei um das vermutlich schwächste Studiowerk Dylans aus jener Dekade handelt. Vielleicht ist hiesiger Silberling überhaupt eine der schwächsten Dylan-Scheiben auf dem Markt.
Naja, man muss ja - eben auch als Fan - nicht alles kaufen, wo Dylan drauf steht. Ich jedenfalls habe diese Scheibe relativ spät erstanden (vor allem wegen zuvor besagtem "Mighty Quinn", das ich dann halt doch einfach haben musste und wohl auch, weil ich schlichtweg neugierig war) und sie bei weitem nicht so oft zuhause aufgelegt wie vergleichsweise andere Platten des Meisters.
Meines Erachtens halte ich ja auch die dazugehörige (gar nicht vor allzu langer Zeit erschienene) Bootleg-Series-Ausgabe hierzu für entbehrlich - aber das ist wiederum eine andere Geschichte...

Vielleicht - es sei mir bitte noch erlaubt - sollte ich noch darauf hinweisen, dass ich anderen - ebenfalls nicht unumstrittenen - Dylan-Alben durchaus wohlwollend gesinnt bin. So halte ich z.B. Scheiben wie "Nahsville Skyline", "New Morning", "Street Legal", "Saved" oder auch "World Gone Wrong" (das nur mit Coverversionen bestückt ist) für sträflich unterschätzt. Aber auch das steht - bei Interesse - anderswo geschrieben...

Fazit: Trotz vieler gut gemeinter Anläufe meinerseits und trotz möglichst unvoreingenommener Herangehensweise an diese vieldiskutierte Dylan-Platte, ist mir "Self Portrait" - wie einigen anderen Dylan-Verehrern da draußen offenbar auch - ein kleines unlösbares Rätsel geblieben.
Ich weiß nicht, ob ein Bob Dylan auf dieses Album wirklich lange stolz war und wie er heute darüber denkt, aber ich glaube nicht, dass er es selbst zu seinen Bestleistungen zählen würde. Ich jedenfalls tu's nicht!

Tatsächlich halte ich "Self Portrait" mit 2 Sternen geradeaus für einigermaßen gerecht bewertet. Eingefleischte Dylan-Sammler werden vermutlich dennoch früher oder später zu vorliegendem Werk greifen - vor allem solche, die angeblich das Gewissen plagen soll, wenn ihnen eine Dylan-Scheibe nicht gefällt ;) Aber selbst Leute, die aus einem solchen Holz geschnitzt sind, "dürfen" großzügig und mit gutem Gewissen einen Bogen um dieses insgesamt eher verunglückte Songsammelsurium machen...

Noch einmal: Nichts für ungut, liebe Fans - aber das hier ist bestimmt keine Meisterleistung des GROSSEN Bob, den ich grundsätzlich wirklich zutiefst gern habe und sehr zu schätzen weiß!

Alles in allem unterdurchschnittlich - geht so:++

P.S. Manchmal ist es besser, weiße Wände in ihrem ursprünglichen Zustand zu belassen...
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
jaja, das ist eine seltsame platte, selbst für dylan, selbst wenn man die berg- und talfahrten seiner studioalben mitverfolgt und in kenntnis der bootleg-series zumindest einige hintergründe erahnen kann.
ich meine hier auch keinesfalls die qualität der songs, der musik, ich meine vielmehr die mal mehr, mal weniger grobe abweichung von der erwartungshaltung seines publikums.

ich kann das ja auch gar nicht bös' meinen, oder will hier jemand ernsthaft behaupten, es gäbe wirklich eine schlechte platte von dylan? nee, sowas gibt es genausowenig wie einen kaputten rolls royce oder eine gute modern talking platte...
wenn man mal wirklich was schlechtes von his bobness findet, relativiert sich das sicher mit der zeit, oder sagen wir satirisch zugespitzt: man hat es eben nicht gleich verstanden...

hier mischt nun dylan eigenkompositionen mit eigenwillig interpretierten coverversionen von so geschmeidigen songs wie "early morning rain" (gordon lightfoot) oder "the boxer" (paul simon).

ich denke mal, er tat es, um zu zeigen, dass diesen songs etwas fehlte, ein schuss dylan nämlich.
er geht durchaus mit respekt an diese songs heran, er nimmt ihnen die glätte, die perfektion des originals, baut ecken, kanten, schikanen ein und malträtiert sie mit seiner stimme. nachher kann man das original fast nicht mehr hören...

auch sind große songs hier drauf, "like a rolling stone" in einer holterdipolter-version, "the mighty quinn" wogegen der manfred-mann-cover-hit klingt, wie frisch aus der hitparade geflüchtet, naja und der superraunzer "wigwam" den wohl fast jeder kennt (und der sonst meines wissens nur auf compilations zu finden ist) - um nur einige zu nennen.

also: eine superscheibe, der ich die volle punkteanzahl verweigere, weil ich sie wohl noch nicht ganz verstanden habe (sic!), nichtsdestotrotz eine echte dylan und aus einer ernstzunehmenden sammlung nicht wegzudenken.

die tonqualität ist ganz ordentlich, wenn auch unterschiedlich, sie reicht von sehr gut bis überdurchschnittlich. und 24 dylan songs sind um diesen preis sicher kein verhau und um die fünf eier, die ich dafür gelöhnt habe schon gar nicht.
11 Kommentar|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juni 2007
Irgendwo steht, Dylan wollte mit "Self Portrait" eine Platte machen, "die man unmöglich mögen kann". Das ist gescheitert. Zwar gibt es genug Leute, die sie für sein schwächstes Werk halten, und auch der Meister selbst scheint sie eher als Fingerübung betrachtet zu haben. Aber was mir an dem Album so gefällt, ist gerade die Leichtigkeit, mit der Dylan hier unbekümmert in den Schmalztiegel greift, das Augenzwinkern, mit dem er (auch seine eigenen) Hits völlig schief singt und zerstört, und wie er den Mond anheult: "Let it be me", "Copper Kettle" - eingerahmt von Country-Hadern wie "Alberta". Das ist großes amerikanisches Pop-Kino, das einen spielerisch vom Zwang des Alles-ernst-Nehmen-Müssens befreien kann. "Wir haben ein paar Songs an die Wand geklatscht, und was nicht runterfiel, kam auf die Platte", scheibt Dylan in seinen "Chronicles". So einfach kann das Leben sein. Danke, Bob!
55 Kommentare|25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juli 2001
Wenn man die wirklich umwerfende bis jetzt zwei Bände umfassende Dylan-Biographie von Paul Williams liest - wo ich mich ähnlich wie bei Greil Marcus oder Georg Seesslen gar nicht mehr traue zu dem jeweiligen Thema überhaupt einen Satz zu schreiben - bleibt u.a. eine Kernaussage hängen, nämlich die, daß er immer gemacht hat, wonach ihm gerade war, auf seinen Platten, in seinen Konzerten etc. - Dylan ist sicherlich zusammen mit Bowie d a s Chamäleon der Popmusik, beide sprachen in diesem Zusammenhang auch oft von dem Aufsetzen der entsprechenden Maske, der grundlegende Unterschied jedoch ist, daß Bowie ein Trendmacher, ein Pulsmesser ist, während bei Dylan Stil und auch Qualität (!) seines Auftretens extrem willkürlich ist. (So war die von Marcus attestierte Übereinstimmung von Dylan und dem kulturellen Wendepunkt im Zeitgeschehen 1965 eher Zufall denn Absicht.)
Bei letzterem bleiben wir mal stehen, denn wenn ich z.B. die latente Feindschaft einiger meiner kulturell eigentlich verläßlich orientierten Freunde betrachte (vor allem der ostdeutschen, die ihm seinen garstigen Auftritt in Weissensee Mitte der 80er einfach nicht verzeihen wollen) -, wird mir immer wieder klar, wie sehr diese gnatzige, zornig-gelangweilte Seite des Meisters aneckt. Vielleicht verständlicherweise. Für seine beiden angeblich - ich bin hier momentan etwas vorsichtig - größten Plattensünden "Selfportrait" (1970) und "Knocked Out Loaded" (1986) gibt es zwei interessante Erklärungen:
"Selfportrait" besteht laut Dylan ausschließlich aus Aufnahmesessions, in denen sich die Musiker warmspielten, bevor sie zu den "richtigen" Songs übergingen. Die Frage, die Williams hieraus verständlicherweise ableitete, ist, wo sind die dann folgenden Aufnahmen geblieben? Er hält es für möglich, und einige rätselhaften Äußerungen Dylans stützen diese Vermutung, daß er eine Menge von großen Songs einer geheimen Schatztruhe gleich zurückhält, und man wie bei Picasso nach seinem Tod seinen Augen nicht trauen wird und einige Kapitel seiner Biographie neu geschrieben werden müssen. Faszinierende Vorstellung, in der Tat. Vor allem, wenn man sich anhört was an nicht verwendeten Outtakes zu den Alben bisher durchgesickert ist: "I'll Keep It With Mine" von 1964 zum Beispiel ist einer der besten Dylan-Songs, der erst auf der Zusammenfassung "Biograph" veröffentlicht wurde. "Knocked Out Loaded" die aus mehreren Jahren einfach zusammengestückelt wurde und grauenhaft haarsträubend ist, ist wahrscheinlich als eine Art Rache an COLUMBIA gedacht, wegen deren mangelnder Unterstützung bei seinem Vorgängeralbum. Das merkwürdige an dieser Platte, daß sich auf ihr einige sehr gute Songs befinden, die aber völlig herzlos hingematscht wurden und daß vor allem keinerlei Zusammenhang zwischen den Songs zu existieren scheint, alles wirkt zutiefst sinnlos. Unter anderen Umständen, z.B. rauh und einfach, mit nur drei Musikern wie bei der "John Wesley Harding" und einem Sänger, der bei der Sache ist und man hätte es wohl zu den besseren Werken zählen können. Ich denke, bei beiden Alben ist es aber auch ein deutliches und beabsichtigtes "Leck mich am Arsch" an sein Publikum, daß er für sein permanentes Schubladendenken oft über einen Kamm scherend verachtete.
Auch das ist teilweise verständlich, denn vor allem von verkappten Dylan-Fans hört man dauernd, warum klingt er nicht mehr wie auf "Blonde On Blonde" und ähnlichen Schwachsinn? Es gibt jedoch - und das finde ich beachtlich und faszinierend - kaum eine Dylanplatte die einer anderen ähnelt. Gerade 1970 nach den Experimenten "John Wesley Harding" und "Nashville Skyline", auf der er so klingt, wie ein verschnupfter Presley, muß er wirklich die Schnauze voll gehabt haben. Vielleicht auch gerade weil jenes Presley-Hawaigitarrenalbum von ihm nicht halb so ambitioniert wie "JWH" eingespielt ist und trotzdem sein größter Verkaufserfolg wurde. Dann sagt er halt, fickt euch und alle Kritiker stürzen sich auf ihn und prophezeien sein Ende. Hier kommt dann auch diese undurchdringbare Dylanmaske ins Spiel und in den Folgejahren zu seinen furchtbarsten Alben kamen dann interessanterweise große Würfe zustande.
PS: Noch etwas zu der erwähnten Vorsicht: Die ganze Welt findet diese zwei Alben Scheiße, der Einzige, der sie meines Wissen verteidigte, war Diederichsen, er schrieb zu "Selfportrait" in einer Kevin Rowland-Kritik, es wäre von "voll von anfänglich unentdeckten Mutigkeiten und Ideen". Ich kenne auch sonst keinen Kritiker, der bei einem "Knocked Out Loaded"-Song (dem Opener, glaub ich) verschwendetes Potential für ein zweites "Maggies Farm" hörte und auch "Brownsville Girl" als Ballade lobte, wäre da nicht die extrem mangelhafte Ausführung. Das sollte einem zumindest den Anlaß für ein nochmaliges, vorurteilfreieres Hören geben. Mag er oft von unerträglicher Intoleranz sein, von Musik versteht er was.
11 Kommentar|33 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Februar 2003
Das Album ist freilich ein Schock für jene, die lediglich Highway 61 oder Blonde on Blonde kennen... denn irgendwie klingt auf diesem Album alles so seicht, country-like, ja regelrecht reaktionär, und man mag kaum fassen, dass das vom selben Mann stammt, der 65/66 die Welt musikalisch in einem Maße provozierte, dass es jedem Fass den Boden ausschlagen musste...
gleichwohl trotz der vermeintlichen Seichtheit liebe ich dieses Album. Denn natürlich ist es Kitsch auf einem höheren Niveau (und richtig kitschig kann es gar nicht sein angesichts der Stimme, die Dylan zelebriert). Songs wie "Let it be me" oder "Take a message to Mary" sind so wundervoll, dass ich gar nicht genug davon bekommen kann. Ohne Frage: Hätte Dylan in seiner Karriere - ein Wort, das er nicht mag - nur solche Scheiben aufgenommen, dann müsste man sich krämen, aber das hat er eben nicht... er hat so viele Facetten, so viele Dimensionen, dass die hier gezeigte eine weitere wundervolle mehr ist in einem erfüllten Musikerleben... eine Dimension, die ich nicht missen will. Wenn's draußen schneit, es richtig gemütlich wird, dann höre man diese CD.
11 Kommentar|27 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Juli 2001
Was bei Dylanologen ja gerne vergessen wird ist, daß Dylan einer der großen unterschätzten Humoristen dieser Tage ist. Das fing früh bei seinen herrlichen Pressekonferenzen an und gipfelte erstmals auf dieser Platte: Ich kann mir redlich vorstellen wie sich alle Beteiligten die Bäuche gehalten haben, als erstmals die Masterbänder durchgehört wurden. Höhepunkt ist natürlich das vollkommen falsch gesungene /The Boxer". Aber auch vermeintliche "Hits" wie "All The Tired Horses" sind nichts als gute Scherze die überdauert haben. "Seht her, ich gebe euch einen Haufen zu Lachen, und ihr analysiert noch immer bierernst" mag sich der Meister gedacht haben. Und recht hatte her. Heute gebraucht man vielleicht Worte wie "Dekonstruktion", aber in Wahrheit steckt hinter jeder Maske wieder eine Maske. Bevor ich endgültig abschweife: Selfporträt ist eine höchst unterhaltsame Songsammlung und auch wer "Like A Rolling Stone" einmal zerstörerisch lasch hören will, wird vom Urheber bedient
44 Kommentare|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Häufig ist es ja so das man den Bohei der um manche von Dylans Richtungswechsel und angeblich furchtbare Alben gemacht wird nicht recht nachvollziehen kann wenn man "damals" nicht Live dabei war.

Ein Beispiel: Die von manchem Fan inbrünstig verabscheuten religiösen Alben. Keine Meisterleistungen aber durchaus nett anzuhören und als Ergänzung im riesigen Katalog seiner Bobheit durchaus willkommen.
Man sieht also: manches relativiert sich mit den Jahrzehnten - und als Späteinsteiger hat man es, wie gesagt, eh leichter sich von den gängigen Meinungen zu lösen.

Aber in Sachen Self Portrait? Dieses wirr zusammengekloppte Doppelalbum bei dem teils schlampig musizierte, und eh schon allenfalls mittelmäßige, Nummern mit Zuckerguss übergossen wurden - das völlig zusammenhanglos alte Stücke als Live Darbietungen bot ... und uninspirierte Coverversionen?

Nein, die Songs sind nicht alle so katastrophal schlecht wie man bei einer ein Stern Rezension vermuten muss, aber wirklich herausragendes kann ich hier beim besten Willen nicht entdecken.
Und als ganzes, und darum geht es ja hier, ist das Teil aufgrund der nicht erkennbaren Struktur wirklich unanhörbar - Was ich erst kürzlich, als ich es angeregt durch eine Diskussion über exakt dieses Album mal wieder gehört habe (allerdings habe ich es nicht bis zum Schluss geschafft, ist einfach harter Stoff), erneut feststellen musste.

Self Portrait nervt nämlich einfach. Erst nur ein bisschen und schließlich, mit fortschreitender Spieldauer, immer mehr. Ob Self Portrait eine bewusste Provokation war oder einfach nur Selbstüberschätzung eines Künstlers der durch all die Verehrung die ihm Entgegenschlug glaubte das selbst seine Fürze nach frischem Apfelkuchen riechen?
Oder war es doch einfach, ganz profan, Ausdruck einer kreativen Krise und künstlerischer Orientierungslosigkeit? Im Endeffekt ist es egal.

Es ist und bleibt Murks - eben einfach ein richtig schlechtes Album.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. November 2005
Hier zeigt Dylan seine traditionellere Seite mit persönlichen Lyrics und vielen Bezügen auf seine familiäre und bürgerliche Herkunft. Ein besonders Lob geht an die musikalische Begleitung, A-Gitarren, Bass uns satte drums mit ner Violine oder Mundharmonika verstärkt bringen einen zum Mitswingen oder rocken. Vorzüglich auch Orgel + Steel Guitar die auf einigen Tracks geradezu überwältigend dazu kommen. Tolle Songs, die oft gar nicht nach Dylan klingen, sondern eher nach Country Feten oder Tanz Schuppen. Das swingt und macht Spaß. So viel Musik und so viele gute Songs: "Alberta" in beiden Versionen wirkt als Eintänzer und Rauschschmeisser. Boogie on...
Besonder stark finde ich die damalige b-seite der 'lay Lady Lay' 7" Single "Copper Kettle (The pale Moonlight)" das für mich persönlich zum intensivsten und Schönsten zählt, was Bob je auf Platte veröffentlicht hat. "Like A Rolling Stone" in einer Live Verson. Minstrel, Comedy , all american Folk Tradition vom Feinsten; all das und mehr findet sich hier auf dem Selbst Bildnis von Bob, seinem Statement zu seinen Wurzeln im mittleren Westen der USA.
0Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Oktober 2015
„What is this s***?“ Nur aus Nostalgiegründen gekauft, vor allem, weil ich mal den Track "Wigwam" wieder hören wollte. Das "Self Portrait" von Bob Dylan ist und bleibt auch nach über 40 Jahren uninspiriert, kraft- und ideenlos und ist schlichtweg überflüssig.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

7,49 €
7,49 €