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3.0 von 5 Sternen Leonhardt auf Abwegen, 5. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Bach: Matthäus-Passion BWV 244 (Audio CD)
Zwischen 1985 und 1990 gab es eine bemerkenswerte Matthäus-Passion-Welle, nachdem die Pioniere der historisierenden Aufführungspraxis für einen Wandel in der Rezeption „Alter Musik“ gesorgt hatten. Nun wollten sich alle mit Rang und Namen (Label, Ensembles, Dirigenten), mit einem erneuten Statement, teilweise unter Revision früherer Positionen verewigen.

Die Interpretation Gustav Leonhardts, einer Kapazität auf dem Gebiet dieser Musik, verdient in jedem Fall besondere Aufmerksamkeit.

Seine Vorgehensweise ist besonders: In beiden Chören besetzt er die Sopran- und Altstimmen mit Sängern des Tölzer Knabenchores. Dazu gesellen sich jeweils vier Tenöre und Bässe.
Die Solo-Sopranpartien werden von den beiden Tölzer Sängerknaben Christian Fliegner und Maximilian Kiener gesungen.
Ein Unterfangen, das seine Berechtigung ausschließlich dadurch ableiten kann, dass Bach damals bei der Besetzung auf aktuelle Thomasschüler und ehemalige Absolventen angewiesen war. Er hatte nicht die Möglichkeit, für eine Karfreitagsaufführung der Matthäuspassion die besten Sänger des Landes um sich zu versammeln, so wie das heute bei einer Plattenaufnahme möglich ist.

Insofern ist die Besetzungsentscheidung aus Authentizitätsgründen für mich zu relativieren; künstlerisch halte ich sie für suboptimal bezogen auf den Chor und für gänzlich falsch, was die Solopartien betrifft! Leonhardt begibt sich damit leider auf Abwege.

Wenn ein etwa zwölfjähriger Junge in der Arie „Blute nur, du liebes Herz“ singt „Ach ein Kind, das du erzogen, das an deiner Brust gesogen...“, ist das geradezu grotesk!
Der in den Arien zum Ausdruck gebrachte (Welt)schmerz kann glaubhaft nur von erwachsenen Stimmen vermittelt werden.

Die getragenen Chorpartien (Eingangs-/Schlusschor, „Oh Haupt voll Blut und Wunden“) leiden durch die markante Knabenfraktion unter einem ähnlichen Mangel an Ausdrucksvermögen, werden aber technisch schön gesungen und sauber artikuliert.

Im anspruchsvollen Chor„Sind Blitze, sind Donner..“ überzeugt das Ensemble nicht. Es mangelt deutlich an Homogenität, die Knabenstimmen separieren sich und intonieren hier sehr bemüht im Stile einer Aufzählung (1.: sind Blitze, 2.: sind Donner...), so als würden sie einen Einkaufszettel vertonen. Kein Vergleich zu den Spitzenchören, etwa zum hierbei herausragenden Monteverdi Choir. Unverständlich, dass Leonhardt so etwas durchgehen lässt!

Jetzt zu den Stärken der Einspielung: Die Petite Bande mit Sigiswald Kuijken auf historischen Instrumenten spielend stellt zwei Orchesterfraktionen der Spitzenklasse, die in Harmonik und Rhythmik keine Wünsche offen lassen.

Christoph Prégardien ist für mich neben Peter Schreier die bestmögliche Besetzung als Evangelist. Er verbindet höchste Sangeskunst mit Empfindungstiefe ganz ohne Manieriertheit, exzellent!
Max von Egmond überzeugt als Jesus ebenfalls außerordentlich. Sein Baß vermittelt Stärke und Verletzlichkeit jederzeit angemessen.
Die übrigen Solisten, man beachte hier René Jacobs als Alt, machen ihre Sache sehr ordentlich.
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Bach: Matthäus-Passion BWV 244
Bach: Matthäus-Passion BWV 244 von Gustav Leonhardt (Audio CD - 1997)
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