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44 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historisch
Eine Zeitmaschine wäre schon etwas Tolles. Interessante Orte und Zeiten könnte man damit besuchen, ewige Mysterien aufklären, zum Zeugen weltbewegender Ereignisse werden – und natürlich die musikgeschichtlichen Kenntnisse auffrischen. So würde ich mich denn zuallererst an den Abend des 17. Mai 1966 teleportieren, in die Free Trade Hall in...
Veröffentlicht am 28. Januar 2006 von JR

versus
5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Finger weg von der MP3-Version !!!
Diese Version des großartigen Konzertes von Bob Dylan in der Royal Albert Hall 1966 wurde um ca. 10 min gekürzt! Die Angabe bei der Produktbeschreibung, die Aufnahme habe eine Laufzeit von 95:23 ist falsch. Sie geht lediglich 86:54. Wer also hofft, im zweiten Teil des Konzertes die Zwischenrufe der Zuschauer nach jedem Song zu hören, liegt hier falsch...
Veröffentlicht am 24. September 2012 von eskimo


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44 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historisch, 28. Januar 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Eine Zeitmaschine wäre schon etwas Tolles. Interessante Orte und Zeiten könnte man damit besuchen, ewige Mysterien aufklären, zum Zeugen weltbewegender Ereignisse werden – und natürlich die musikgeschichtlichen Kenntnisse auffrischen. So würde ich mich denn zuallererst an den Abend des 17. Mai 1966 teleportieren, in die Free Trade Hall in Manchester auf einer schönen grünen Insel namens England. An jenem Tag in jener Stadt in jenem Land findet nämlich das wohl berühmteste Konzert der modernen Populärmusik statt. Es stellt nicht nur einen Wendepunkt in der Karriere eines der grössten Künstler unserer Zeit dar, es öffnet nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte der Rockmusik – es repräsentiert auch ein unglaublich mächtiges künstlerisches Statement und zählt ganz einfach zu den schönsten und berührendsten Aufnahmen, die mir bekannt sind.
Der 17. Mai 1966 also. Free Trade Hall. Manchester. Die Beatles haben im Jahr zuvor mit „Rubber Soul“ ihr erstes experimentelles Meisterwerk veröffentlicht und arbeiten an ihrem Geniestreich „Revolver“. Die Stones ruhen sich noch auf dem grossen „Aftermath“ aus. Am Tag zuvor, dem 16. Mai, wurde „Pet Sounds“ von den Beach Boys veröffentlicht. Ebenfalls am Sechzehnten war die erste Doppel-LP aller Zeiten erschienen: „Blonde on Blonde“, ein Hit, kreativ wie kommerziell, der einen Bob Dylan auf seinem künstlerischen Zenit zeigte. Dieser Bob Dylan ist jetzt in Manchester. Er muss erschöpft sein, denn hinter ihm liegen Monate des Tourens. Amerika, Australien, Westeuropa. Der krönende Abschluss jetzt in England. Eigentlich könnte alles perfekt sein für Robert Zimmermann – er ist ein Kritikerliebling, die Intellektuellen mögen ihn, die Jugendlichen halten ihn für das Sprachrohr ihrer Generation – aber niemand hat ihn gefragt, ob er das auch sein will. Niemand hat ihn gefragt, ob er das Stehaufmännchen mit der Akustikgitarre und der Mundharmonika sein will, das allein auf der Bühne steht und feurige Protestsongs singt. 1965 hatte er mit den beiden erfolgreichen und heute als Klassikern verehrten „elektrifizierten“ Alben „Bringing it all back Home“ und „Highway 61 Revisited“ dem Folkgenre eine Absage erteilt: Auf „Bringing it all bach Home“ sang er in verschnörkelter Beatpoesie zwar noch brav gegen die herrschenden Verhältnisse an, wurde aber – O Schreck! – auf den meisten Songs von einer elektrischen Band begleitet. „Highway 61“ glänzte dann mit dem Bluesvirtousen Mike Bloomfield an der lauten E-Gitarre, beinahe konstanter Orgeluntermalung und kryptisch-apokalyptische Texte, die sich schlecht an Happenings grölen liessen. Blasphemie! Der Folk, das Genre der „Künstler“, der Intellektuellen, hatte in dem jungen Bobbie Dylan seinen neuen Heiligen gefunden, der nun gefälligst dieser Rolle zu entsprechen hatte. Dass er sich an den als kommerziell und vulgär empfundenen Rock „verkaufte“ wurde, vor allem von britischen Fans, alles andere als positiv aufgenommen. So ist es denn auch zu erklären, dass der Abschluss der mehrmonatigen Tour von 1965 und 1966 in England trotz „Blonde on Blonde“ und trotz dem Nummer-1-Hit „Like a Rolling Stone“ nicht ganz so triumphal ist, wie man denken könnte: Mit Beschimpfungen und Buhen sieht sich Dylan an den meisten Shows konfrontiert, sobald er die Akustikgitarre weglegt und die elektrisch verstärkte Hintergrundband auf den Plan tritt. Er lässt sich nicht beirren, aber er würde wohl lügen, wenn er sagen würde, dass die Ablehnung nicht an seinen Nerven zerrt.
Von Manchester hat er an diesem 17. Mai nichts anderes zu erwarten als das Übliche auf dieser Tour – Applaus bei den alten Nummern, Aufruhr bei den neuen. Auf die Bühne tritt er allein. Gott sei Dank, da ist die Akustikgitarre, da ist die Mundharmonika – erleichterter Applaus ist die Belohnung für den braven Dylan. „She belongs to me“ und die Lennon-Parodie „Fourth Time around“ werden freundlich aufgenommen, aber das Publikum scheint dem Frieden nicht ganz zu trauen. Sendet der dünne Mann auf der Bühne denn nicht verschmitzt-negative Botschaften an die hungrigen Fans? „She’s an artist, she don’t look back“ heisst es im Opener. Beim Gedanken, dass auch der „artist“ Dylan nach seinen jüngsten Ausflügen in das Reich der elektrisch verstärkten Musik nicht mehr zurückschauen könnte, lässt wohl in so manchem ein mulmiges Gefühl entstehen. „It’s all over now, Baby Blue“, einer der schönsten Songs von Dylan, hört sich hier wirklich an wie ein musikalischer Schlussstrich. „Es ist vorbei“, sagt Dylan. „Spielverderber“, denkt das Publikum. Trotzdem: Noch quietscht die Mundharmonika wie sie es sollte, die epischen elf Minuten von „Desolation Row“ lassen in ihrer Eindringlichkeit wohl niemanden unberührt und das wunderbare „Just like a Woman“ klang nie besser als hier. Es wird geklatscht. Den Publikumsliebling „Mr. Tambourine Man“ spielt Dylan dann allerdings leicht nachlässig, dehnt ihn auf qualvolle acht Minuten aus und verhunzt lustvoll die Mundharmonikaparts. Unheilschwanger ist das. Und nun das Erwartete, Befürchtete: Die Akustikgitarre wird entsorgt, die Hintergrundband um den Gitarristen Robbie Robertson betritt die Bühne. Robertson spielt eine Telecaster. Die sind bekannt für ihren besonders bissigen Sound.
Das fulminante „Tell me Momma“ wird noch mit zivilisiertem Applaus bedacht, aber spätestens als der Folkklassiker „Baby, let me follow you down“ modern interpretiert wird, reisst irgendwas. Viele klatschen immer noch, das darf man nicht vergessen. Nicht alle stehen Dylans künstlerischer Evolution feindlich gegenüber. Aber für den harten Kern der alteingesessenen Fans, die Ideologen, gibt es wohl in diesem Moment nur etwas, das schlimmer ist als der elektrische Dylan, und zwar einen elektrischen Dylan, der die heiligen Traditionals mit einer Backgroundband neu interpretiert, mit Gitarrensoli und stampfendem Schlagzeug, mit poppigen Orgelklängen. Jetzt wird nicht mehr nur applaudiert, sondern auch rhythmisch geklatscht, um die Band zu verwirren, es wird gebuht, es erschallen Rufe – „we want the old Bobby“ und anderes, weniger Schmeichelhaftes. Vor „Leopard-Skin Pill-Box Hat“ versucht das Publikum vergeblich, die Band zu übertönen und ein Weiterspielen zu verunmöglichen. Spätestens nach diesem energischen Blues ist klar, dass die auf dieser Aufnahme festgehaltenen Animositäten gegen Dylan nicht allein mit der Musik zu tun haben konnten – der elektrische Teil des Konzertes ist, selbst wenn man des Meisters geniale Texte subtrahiert – genialer, dreckiger Bluesrock, getrieben von einer hintergründigen Wut und Aggression, die man so nicht einmal im Punk findet. Nein, die Ablehnung gegen Dylan hat einen eher ideologischen Hintergrund – die Aussage des damaligen Vorsitzenden der kommunistischen Partei Schottlands, Dylan habe mit seinem Wechsel zum elektrischen Sound das Proletariat verraten, ist symptomatisch für die weltanschaulichen Turbulenzen der Sechziger.
Dylan müsste müde sein nach der ganzen Reiserei. Er müsste wütend sein und erschöpft ob der Ignoranz seiner Zuhörer. Aber er lässt sich nicht beirren. Als auch „One too many Mornings“ niedergeklatscht wird, driftet er in eine psychotisch hingenuschelte, völlig unverständliche Geschichte ab und schliesst emphatisch mit „If only you wouldn’t clap so hard!“, was mit Gejohle quittiert wird. Für die folgende „Ballad of a thin Man“ setzt sich Dylan an die Orgel und rotzt leicht abgewandt vom Publikum den wunderbar passenden Text in den Saal – „Something’s happening here, but you don’t know what it is“. Die Botschaft kommt an, genau wie alle vorherigen Botschaften angekommen sind. Man kann es sich nicht vorstellen, aber die Atmosphäre in der Free Trade Hall lädt sich noch mehr auf. Die Luft ist zum Schneiden dick, und durchschnitten wird sie nach „Ballad of a thin man“ tatsächlich: über die Buhrufe, über das Klatschen und Johlen hinweg ist eine Stimme zu vernehmen, die voller Indignation und Wut der Bühne und dem verräterischen Bob das unvergessliche, unsterbliche Schmähwort entgegenschleudert: „Judas!“
Einige scheinen den Ausruf des gesichts- und namenlosen Zuschauers zu akklamieren, dann wendet sich Dylan dem Mikrofon zu und liefert eine Neudefinition von Coolness: „I don’t believe you“, schnarrt er, als hätte ihn das Wort nicht verletzt, als wäre es an seiner Sonnenbrille abgeprallt. „You’re a liar“, setzt er nach, und er klingt wie jemand, der sich seiner Sache sehr, sehr sicher ist. Er wendet den Rücken zum Publikum und instruiert die Band: „Play fucking loud!“ Sie entspricht diesem Wunsch und liefert eine trommelfellzerreissende Version von „Like a Rolling Stone“. Hier ist also der Künstler, der an seine Vision glaubt und im Angesicht der Ablehnung für sie kämpft, und der ganz nebenbei sein Genre transzendiert und revolutioniert. Hier ist also das bedeutendste Konzert der Rockgeschichte. Man kann es kaufen und diese historischen Momente immer und immer wieder miterleben. Man braucht eigentlich keine Zeitmaschine. Das ist irgendwie gespenstisch.
Dieses Album ist mehr als die Performance eines Künstlers auf seinem kreativen Höhepunkt. Es ist ein Mythos, der, fälschlicherweise nach der Royal Albert Hall in London betitelt, während dreissig Jahren das berühmteste Bootleg überhaupt war und erst 1998 als CD veröffentlicht wurde – es ist ein Dokument, ein Dokument der Reifung, der Neugeburt, des Widerstands und des sieghaften Einstehens eines Künstlers und seiner Band für etwas, woran er glaubt.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hier fehlen einem die Worte..., 9. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Darauf haben wir lange gewartet - und das Warten hat sich gelohnt. Hat man das legendäre 66er Konzert bislang nur auf Bootlegs bekommen, so ist es jetzt endlich in einer erstaunlich guten Klangqualität auf CD erschienen. Damals schockte Dylan einen Teil seiner Besucher, indem er den ersten Teil des Konzertes erwartungsgemäß akustisch vortrug, dann aber mit den Hawks - später The Band - ein gewagtes Experiment vollzog. Dylan nahm die E-Gitarre und rockte, bis ihn ein Fans sogar als Judas beschimpfte. Legendär. Doch Dylan machte nun, was ihm Spaß machte und was er konnte und bis heute noch tut: Rock'n'Roll . die Musik mit der er auch aufgewachsen ist. Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen Dylans Gesang und das Schlagzeug - beide peitschen sozusagen bei Tell Me, Momma den Song voran. Ein wahrer Genuß. Hier wird wie bei kaum einer anderen Aufnahme der Disput Künstler - Publikum deutlich. Und Dylan setzt sich durch. Grandios. Beim Hören dieser Aufnahme fehlen einem die Worte: Hat es je ein besseres Konzert gegeben? (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dramaturgie eines Konzerts, 17. Dezember 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Dylan vor 40 Jahren: Der junge, dünne Dichtergott mit der näselnden Stimme, dem die Songs nur so zuflogen, der eine riesige Fangemeinde um sich geschart hatte, der sich vor Vereherinnnen nicht retten konnte, das Idol von unzähligen Epigonen (und das mit 25 Jahren), jedes Konzert, das der Mann mit der Gitarre und der Mundharmonika bestritt, wurde zum Hochamt der Protestbewegung, Dylan war auf dem besten Weg, ein Säulenheiliger zu werden.

Die bedingungslose Verehrung der Folkgemeinde dürfte dem Meister allerdings nach einiger Zeit ziemlich auf die Nerven gegangen sein. Von Idolen wird leider allgemein verlangt, daß sie sich nie verändern, was man von Dylan, der sich über seine ganze Karriere hinweg niemals in eine Schublade pressen lassen wollte (passierte ihm trotzdem immer wieder), nun wirklich nicht verlangen konnte.

Drei hervorragende Alben lang (läßt man das etwas mediokre Debut mal außer Acht) hatte sich Dylan als Strassen - und Protestsänger mit Gitarre und Harmonika stilisiert, nun erinnerte er sich wohl seiner Highschool - Träume, mal in einer Band zu spielen wie Elvis. Gedacht, getan. Dylan holte sich zusätzliche Musiker ins Studio, schnallte sich die Elektrische um und nahm in kurzer Folge die drei Alben auf, die so etwas wie die "Heilige Dreieinigkeit" des Dylan - Kanons bilden: "Bringing It All Back Home", "Highway 61 Revisited" und das einzigartige Doppelalbum "Blonde On Blonde", meiner Meinung nach noch immer das beste Album der Rockgeschichte. Die Elektrifizierung des Dylan - Sounds löste, wie kalkuliert, einen Jubel - und Entrüstungssturm aus. Viele Fans waren ausgesprochen begeistert von der neuen Musik und den poetischer und kryptischer werdenden Texten, an denen die Dylanologen (ich hoffe, dieses Fach kann man irgendwann studieren) seit Jahrzehnten herumdeuteln. Die beinharte Folk - Gemeinde jedoch war von Gesinnungswechsel ihres Idols alles andere als begeistert, man fühlte sich verraten und verkauft, ausgerechtnet vom größten Hoffnungsträger seit Pete Seeger. Kurz gesagt, die Atmosphäre war ziemlich geladen, und Dylan ging auf Tour.

Dieses Konzert wurde am 17. Mai 1966 in der Free Trade Hall in Manchester (und nicht in der Royal Albert Hall, wie lange irrtümlich behauptet wurde, das nur nebenbei) aufgezeichnet und gibt ein beeindruckendes Zeugnis der Bühnenpräsenz Dylans zu dieser Zeit und der heftigen Reaktionen der Zuhörerschaft ab. In Amerika hatte man den Schock zum größten Teil schon verdaut, viele Fans waren den Weg mitgegangen, einige hatten sich abgewandt (Pech gehabt). In England sah die Sache noch etwas anders aus. Man wußte nicht,was man zu erwarten hatte, mit steigender Spannung erwartete man die Auftritte des Meisters.

Und da steht er, wie man es von ihm gewohnt ist. Alleine, die Gitarre umgeschnallt, mit der Mundharmonika (CD 1). Dieser erste Teil des Konzerts ist unfaßbar intensiv. Dylan spielt ein umwerfendes Set seiner besten Songs und gibt auch neues Material in einer akustischen Version zum Besten. Er beginnt mit "She Belongs To Me", einem seiner schönsten Lovesongs, "Fouth Time Around" und "Visions Of Johanna" werden mit unglaublicher Präzision und Intimität vorgetragen, "It's All Over Now, Baby Blue" spiegelt die Trauer über eine gescheiterte Beziehung wider, ohne Tränenzieherei und falsches Pathos, "Desolation Row", das berühmte Langgedicht von "Highway 61" spielt er ein einer phantastischen Akustik - Version, zum Ende des ersten Teils gibt er zwei seiner größten Hits zum Besten: "Just Like A Woman" und "Mr. Tambourine Man", letzeres ein wenig schludrig, man ahnt, daß Dylan sich von seinem alten Image verabschiedet hatte. Das Publikum wirkt von Song zu Song entspannter, das Idol hatte doch den "Pfad der Tugend" nicht verlassen. Nach jedem Lied wird begeisterter Applaus gespendet und man begibt sich erleichtert in die Pause.

Im zweiten Teil des Konzerts (CD 2) schließlich der Schock: Dylan hat die Akustische gegen eine elektrische Gitarre getauscht, auf der Bühne stehen die "Hawks" (später "The Band") und man beginnt mit einer turbogeladenen Version von "Tell Me, Momma". Der Schrecken sitzt. Zunächst ist das Publikum wie gelähmt, man kann es einfach nicht fassen, die Gerüchte sind also wahr, Dylan hat sich an den Rock 'N' Roll verkauft! Während der nächsten Songs ("I Don't Believe You", "Baby, Let Me Follow You Down", "Just Like Tom Thumb's Blues", alle unglaublich intensiv und schlichtweg hervorragend vorgetragen) spaltet sich die Zuhörerschaft. Viele sind begeistert, klatschen mit und bejubeln den "neuen" Dylan. Andere lassen ihrer Wut freien Lauf, es gibt ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, man versucht, durch Geschrei und Getrampel die Musik zu übertönen, vergeblich natürlich.

Was macht Dylan? Der fühlt sich in seinem Element, provoziert zusätzlich mit einer unglaublich arroganten Attitüde, für die man ihn nur entweder hassen oder lieben kann, man höre nur mal die Ankündigung von "Leopard Skin Pill - Box Hat", oder die ironische Bitte vor "One Too Many Mornings", doch bitte nicht zu laut mitzuklatschen. Zum Ende gibt er noch zwei seiner genialsten Songs zum Besten, die für die Situation nicht besser geeignet sein könnten. "Ballad Of A Thin Man", mit einer bis zur Grenze des Erträglichen Spannung vorgetragen, Dylan halb abgewandt am Klavier schleudert immer wieder "Something's happening here, but you don't know what it is, do you, Mr. Jones?" in die tobende Menge.

Und zum Schluß hört man eine Rocklegende entstehen. Jemand im Publikum ruft "Judas", erntet von der Wutfraktion begeisterte Zustimmung, von Dylan dagegen die berühmt gewordene Replik "I don't believe you, you're a liar!", dann wendet er sich zur Band um, sagt "Play f***in' loud!" und stürzt sich in die ultimative Version von "Like A Rolling Stone".

Mehr geht nicht, ich kenne kein besseres und dramatischeres Live - Album. Eine Dylan - Sammlung ohne dieses Konzert ist nicht denkbar.

Dringendste Kaufempfehlung!!!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörend-Genialer Live Auftritt, 7. März 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Bob Dylan hat mit diesem Konzert 1966 Rockgeschichte geschrieben. Mit seinen Platten dieser Zeit hatte er schon bewiesen wie genial seine Verbindung von Rockmusik mit gesellschaftskritischer Haltung und intelligent-surrealen Texten war. Und auf den Konzerten seiner damaligen Europa-Tour, zeigt er auf, wie einzigartig und verstörend er als Live-Performer ist. Und das nicht nur zum Schrecken der braven Bürger, sondern auch zur Empörung der aufrechten orthodoxen Linken, die es einfach nicht verstehen wollen, dass Dylan sich mit dieser Musik viel subversiver mit der Gesellschaft auseinandersetzt, als mit seinen Protest-Songs. Den ersten Teil des Konzerts spielt er noch allein mit der Akustikgitarre. Unglaublich seine Kunst des Betonens und sein Gefühl für Sprachrythmus. Im zweiten Teil legt er dann mit seiner Begleitcombo, die sich später "The Band" nennen sollte, einen höllisch harten Set hin. Vor "Like A Rolling Stone" passiert es dann. "Judas", schreit einer aus der Menge. "Ich glaub' Dir nicht, Du bist ein Lügner", erwidert Dylan. Leadgitarrist Robbie Robertson feuert die Mitspieler an und schon schraubt die Truppe mit "Rolling Stone" den Lautstärkepegel noch ein paar Dezibel höher. "Live 1966" gehört in den Plattenschrank eines jeden, der sich ernsthaft mit Rockmusik auseinandersetzt. Übrigens wurde das Konzert, das hier zum ersten Mal offiziell und regulär veröffentlicht ist, gar nicht in London mitgeschnitten, sondern ein paar Tage früher in Manchester. Aber da sich dieser Name für die bislang nur als Bootleg kursierende Aufnahme inzwischen verfestigt hat, gab auch Columbia/Sony diesem Album den "falschen" Titel.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rock-Geschichte, 9. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Dieses Konzert sorgte seit 1966 für Furore unter Dylan-Fans. Und bis 1998 waren zwar unzählige Bootlegs im Umlauf, aber in dieser Qualität war das Konzert nicht zu haben. Auch heute fällt beim Hören noch der gewaltige Unterschied zwischen dem rein akustischen ersten Teil des Konzerts (CD 1) und dem "Rock"-Teil mit der Band "The Hawks" auf, der nach der Pause gespielt wurde und auf CD 2 zu finden ist. Diese Doppel-CD ist definitiv ein Stück Rock-Geschichte, nicht zuletzt wegen des bekannten "Judas"-Ausrufes aus dem Publikum, der von Dylan mit "I don't believe You! You`re a liar" beantwortet wurde. Was aber passiert wäre, wenn Dylan an diesem Abend dem Publikum gegeben hätte, was es wollte, möchte ich als Dylan-Fan mir gar nicht erst vorstellen (vermutlich wäre Dylan immer der Mann mit Akustik-Gitarre und Mundharmonika geblieben). Ungeklärt bleibt jedenfalls immer noch, wie der Titel "Royal Albert Hall Concert" bei den Bootlegs zustande kam, denn dieses Konzert stammt nicht aus der Londoner Halle, sondern aus Manchester. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen digitalisierte power!, 9. Dezember 2010
Von 
Stephan Urban "stevo" (wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
schön, dass solche prätiosen ausgegraben werden, und dann auch noch um diesen preis!

ich schreibe diese rezi jetzt gar nicht, um leuten die eh schon fast alles von dylan haben, zu sagen, dass sie dieses album auch haben müssen, nein brauchen!
ich schreibe das hier, um jeden, der den namen bob dylan schon mal gehört hat, klar zu machen, dass man hier geschichte erleben kann und das um einen preis, der in anbetracht der ausstattung der doppel-CD mit umfangreichem booklet und schöner box und dem gebotenen musikalischen wahnsinn beinahe grotesk niedrig ist.

zum zeitpunkt dieses konzertes war dylan 25 jahre alt, er tritt seinem publikum mit einer akkustischen gitarre, einer mundharmonika, seiner stimme und einem selbstbewußtsein auf eine art entgegen, dass einem die luft weg bleibt.

wie immer variiert er die song's, manches klingt beim ersten reinhören ein wenig geschludert, aber bei genauerem hinhören offenbart sich hier zerbrechliches, fragiles, intimes, agressives, rebellisches, lyrisches, alles perfekt microgetimt, alles authenthisch, alles zu seiner zeit und alles großartig.

es gibt wohl keine liveaufnahmen von his bobness, die jeden kalt lassen, aber das emotionsgewitter, dass er hier auf der ersten CD entladet, sucht wohl seinesgleichen.
alleine diese CD ist den kaufpreis locker wert.

...und dann kommen die "hawks" dazu, die später einfach "the band" heißen sollten. dylan hat die elektrische umgeschnallt und zieht und zerrt die "hawks" polternd hinter sich her, ein teil des publikums ist begeistert, ein anderer empört, dylan reagiert zum einen mit seiner typischen arroganz, letztlich mit wut und die letzten songs der zweiten CD gewinnen dadurch an intensität, an sprengkraft, an athmosphäre wie man das zb auf "before the flood" erst gar nicht zu suchen braucht.

auch heute noch ist "like a rolling stone" am ende dieser CD unglaublich, damals gehörte das wohl mit zum ärgsten, was im jahre 1966 geboten wurde.

der sound hingegen ist alles andere als historisch. die erste CD transportiert dylans bühnenpräsenz gänsehauterzeugend aus den lautsprechern, lediglich die publikumsgeräusche inclusive applaus klingen etwas verwaschen, aber wer muß das schon so genau hören...

bei der zweiten CD tut sich die tontechnik merklich schwerer, es fehlt ein wenig an transparenz, der sound ist ein wenig dünn und neigt bei hoher lautstärke zur lästigkeit, so sind sie halt, die live-bandaufnahmen aus den 60ern.

in anbetracht des gebotenen, kann man das aber problemlos verschmerzen, eine bestie von einem livealbum, ein muß, nicht nur für dylan-verehrer!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da lag was in der Luft, 18. August 2003
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Warum dieses Konzert, das unter Kennern und Dylan-Fans absoluten Legenden-Status inne hat, erst 1998 von Columbia veröffentlicht wurde, ist ein Rätsel, welches jedoch nichts mit der Qualität dieses Konzerts zu tun haben kann. Dass Dylan bei diesem Auftritt gerade dabei war, vom Protestsänger und Vorreiter der Folk-Musik zum Rock'n'Roll-Star zu werden, und dass deswegen viele seiner Fans zu dieser Zeit empört waren, was in dem legendären Judas-Ruf vor dem letzten Song mündete, soll erklärend zur Beschreibung dieser unverzichtbaren CD hinzugefügt werden. Doch auch ohne all das gäbe es keinen Zweifel an der Wichtigkeit dieses Konzerts für jeden Rock/Pop/Folk-Freund.
Die erste Hälfte des Konzerts, logischerweise auf CD 1 dokumentiert, zeigt 7 Nummern aus den drei 1965 und 66 veröffentlichten Alben Dylans, welche von musikalischer und textlicher Vielseitigkeit mehr zu bieten hatten als alles zu diesem Zeitpunkt jemals dagewesene. Dylan präsentiert diese Songs, u.a. wunderschöne und unheimlich lange, gerade textlich unglaubliche Werke wie "Desolation row" und "Visions of Johanna", jedoch allein mit Gitarre und Mundharmonika, also quasi im Stil der zurückgelassenen Folk-Zeit.
Das ist alles große Musik, steht jedoch im Schatten der Band-Performance auf CD 2, auf der 8 Songs, scheinbar spontan aus dem gesamten Repertoire des Meister-Songschreibers herausgepickt, mit einer Wildheit und einem Schwung vorgetragen werden, die bis dato niemand in dieser Form erwarten konnte.
Die E-Gitarren, die Drums, die Rock-Orgel, in mitreißenderer Manier gespielt als jemals zuvor und selten danach, in Verbindung mit Dylan's charakteristischem Gesang und seiner Mundharmonika - ein Sound, der einzigartig ist und bleiben wird, und einfach nur genüsslich von Musikfreunden zu verkonsumieren ist. Dylan hat später nie wieder so gespielt, und wenn man die Qualität dieser Musik erfasst hat, und sich dann die Titelliste ansieht, liest man Titel wie "Tell me momma", "Baby, let me follow you down" oder "Just like Tom Thumb's Blues", Songs, die ansonsten nur absoluten Dylan-Insidern bekannt sein können, und sicherlich nicht das songschreiberisch höchste Gut Dylans.
Was wäre nur geschehen, wenn Dylan mit seinen anderen Songs an anderen Abenden so jongliert hätte...vielleicht hat er es sogar getan und nur die damaligen Konzertbesucher haben es mitbekommen...unglaublich. Der Spruch "da lag was in der Luft" ist nirgendwo angebrachter als hier; woher dieses Espirit kam, man weiß es nicht, man weiß nur, es war da, und es beschert uns heute noch ein einzigartiges Hörerlebnis.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bob Dylan Live 1966, 28. März 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
die erste hälfte akustisch- die zweite hälfte elektrisch.
dylan legt los- she belongs to me aus bringing it all back home. hypnotisch schon mal. bewegende versionen der blonde on blonde klassiker 4th time around und visions of johanna. letzteres in der besten mir bekannten version vorgetragen, traumhaft rythmisch fliessend, ebenbürtig mit den lyrics, in ihrer bekannt leuchtenden wahrheitssprache, sprich, poesie.
its all over now baby blue- womöglich die erste warnung für aufmerksame hörer.
das großartige gedicht "desolation row" dann, in nuschelnder manier, regnet es unweigerlich auf den zuhörer, nein, nicht auf ihn, in ihn hinein, in sein herz das beinah explodiert ob der symbolik.
zehn minuten später eine sehr schöne just like a woman version und dann schliesslich der mr.tambourine man. etwas gelangweilt vorgetragen, muss ich sagen, stört aber nicht, absolut nicht.
die zweite hälfte...
tell me, momma..."common babe, im your friend!"
war er das wirklich noch? überrollt und zertrampelt kommt sich ein großer teil der audienz vor. derweilen will bob doch nur spass haben. und dass er dabei spass hat, merkt man an der explosiven version eines alten liedes.
i dont believe you. er deutet das an, was er minuten später direkt ins gesicht sagt. vergewaltigt er etwa folkperlen? nein.
baby, let me follow you down. es gelingt ihm. es ist wie ein theaterstück.
und so weiter, bis zum ende.
ballad of a thin man- er ist da! und mit ihm die band
like a rolling stone
i dont believe you
womöglich das symbolischste kunststück des letzten jahrhunderts. eine abrechnung, gewollt oder ungewollt.
eine revolution, beabsichtigt oder unbeabsichtigt.
jedenfalls vorgeführt
von einem
begnadeten
KÜNSTLER
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5.0 von 5 Sternen top, gerne wieder!, 8. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
alles war in Ordnung, gerne wieder, vielen Dank , die Ware war wie im Angebot beschrieben erste Klasse und schnell bei mir!
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Finger weg von der MP3-Version !!!, 24. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) (Audio CD)
Diese Version des großartigen Konzertes von Bob Dylan in der Royal Albert Hall 1966 wurde um ca. 10 min gekürzt! Die Angabe bei der Produktbeschreibung, die Aufnahme habe eine Laufzeit von 95:23 ist falsch. Sie geht lediglich 86:54. Wer also hofft, im zweiten Teil des Konzertes die Zwischenrufe der Zuschauer nach jedem Song zu hören, liegt hier falsch. Auch der berühmte "Judas"-Ruf nach Ballad Of A Thin Man wurde weggeschnitten! Für mich als grußer Dylan Fan eine herbe Enttäuschung!
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