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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schweißtreibend, 18. März 2010
Die Aufnahmen zu diesem Album gestalteten sich schwierig: neues Studio, begrenzte Sessionzeit, knifflige Kompositionen, wechselnde Besetzung, unerfahrener Producer... Bis das Titelstück "Brilliant Corners" endlich im Kasten war, brauchte es 24 Takes, wegen der ungeraden Taktzahlen und der ständigen Wechsel in die Doubletime. Einmal, vielleicht um den Tontechniker zu necken, tat Pettiford nur so als zupfe er die Saiten. Als beim Abhören dann der Bass fehlte, machte sich der ratlose Techniker schon an der Verkabelung zu schaffen, bis klärende Worte ihn erlösten. Grund genug, bei der nächsten Session Pettiford durch Chambers zu ersetzen, wie auch Ernie Henry durch den Trompeter Terry Clark substituiert werden mußte, da Henry ab sofort als Lead-Saxophonist in Dizzy Gillespies Bigband einstieg.
"Brilliant Corners" war bereits das dritte Album Monks für Riverside, aber das erste, das ihm endlich die Gelegenheit bot Eigenkompositionen aufzunehmen.
Außer dem vertracktem Titelstück, bei dem Monk während Henrys Solo generös pausierte, um ihn nicht in noch größere Schwierigkeiten zu bringen, wären da noch:

- der exzentrische Blues "Ba-lue Bolivar Ba-lues-are", der auch auf "Monk's Dream" zu hören ist, sowie auf zahllosen weiteren Scheiben der frühen 60er.

- "Pannonica", benannt nach der betuchten Baronin und Jazzmäzenin Pannonica de Königswarter, in deren Apartment Charlie Parker ein Jahr zuvor gestorben war. Monk ist hier am Glockenspiel zu hören, das er zufällig im Studio vorfand, da dort gerade Jingles aufgenommen wurden. Er spielt es mit der rechten Hand, während er mit der Linken am Piano begleitet.

- "Bemsha Swing", mit Duke Ellingtons Startrompeter Clark Terry und Paul Chambers. Max Roach ließ sich hier nicht davon abbringen eine Pauke einzusetzen, welche aus dem gleichen Grund wie das Glockenspiel im Studio herumstand, die er dann aber wie selbstverständlich in sein Set integrierte: eine swingende Pauke hört man nicht alle Tage.

- der Clifford-Barris-Standard "I surrender, Dear" mit Monk solo am Piano.
Zur Sicherheit bat der Produzent Monk noch eine Solonummer zum Besten zu geben, weil er Bedenken hatte, daß mit der Combo in der verbleibenden Zeit nicht genügend Material auf Band gebracht werden könne.

Souverän bewegt sich dabei Sonny Rollins in der monkschen Idiomatik. Nur wenige Monate nach der Einspielung seines richtungsweisenden "Saxophone Colossus" scheint er vor Selbstbewußtsein nur so zu strotzen.
Eines der skurilsten Alben Monks. Wegen konzeptioneller Inkohärenz aber nur 4 Sterne.

Sound: sehr gut

Aufgenommen in NY 1956

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Monks wichtigste Platte, 28. Juli 2012
Biographien von Thelonious Monk zu lesen, kann sehr spannend sein, denn "Mad Monk", wie seine Fans ihn nannten, war nicht nur sehr talentiert, sondern auch ein wortkarger Kauz von störrischer Originalität. Fast immer hüllte er sich in bedeutsames Schweigen, war kaum anpassungsfähig und völlig apathisch gegenüber dem Rest der Welt. Ohne auch nur einen Millimeter von seiner Haltung abzuweichen, hat er nie etwas getan, um seine Persönlichkeit und seine Musik leichter zugänglich zu machen. Manche Weggefährten deuteten seine Verschrobenheiten (z.B. trug er öfters mal ein Salatblatt am Jackett) sogar als sanfte Form des Wahnsinns, wobei der Nonkonformist in seinem Stoizismus gleichmütig die Nachteile seines akribisch erworbenen Rufs in Kauf nahm und am Ende sogar noch seine Seltsamkeit als eine neue Form der Logik zelebrierte. Zugeständnisse an seine Umgebung machte Monk in seinem unbeugsamen Unabhängigkeitsdenken und seiner infantilen Egozentrik grundsätzlich nie. So eigen Monk als Mensch war, so bizarr verlief auch seine Karriere und so ungewöhnlich fällt auch sein Spiel aus. Seine dichten, rauen und karikativ anmutenden Kompositionen erklingen im krassen Gegensatz zu den sauberen und leichten Klängen der heiteren Meister des Cool Jazz. Dass er ein genialer Jazzmusiker war, begriff man erst Jahre später. Begründet lag dies darin, dass man Monk lange Zeit nicht "live on stage" erleben konnte. 1951 wird dem nicht gerade pflegeleichten Musiker nach einem Drogenvorfall seine Cabaret Card, die Zulassung für öffentliche Auftritte in New York, entzogen. Seine glühende Anhängerin, die reiche Diplomaten-Gattin Pannonica De Koenigswarter, besorgte ihm 1957 einen Rechtsanwalt mit dessen Hilfe Monk seine Zulassung wiedererlangte. Im selben Jahr noch spielte er im Five Spot, einem Jazz-Lokal in Bowery, die legendären Sessions mit John Coltrane.

Der Pianist Monk hat sämtliche handwerklichen Normen des Klavierspiels fast schon ketzerisch negiert. Monk besitzt dieses unkonziliante Klavier-Idiom, das im krassen Kontrast zur virtuosen Technik etwa eines Dave Brubeck steht: Ein Stil mit stahlhartem Anschlag, dissonanter Kürzellogik, verminderten Quinten, kryptisch eingestreuten Ganztonläufen als schütteren Beleg für Geläufigkeit und einer linken Hand, die sich lediglich auf Ein- und Zweitonakzente reduziert. Faszinierend sind die Räume, die Monk in seinen Soli mit eigenartig klingenden Akkordprogressionen grell ausleuchtet, der wilde rhythmische Schwung und die Art wie er ausdrucksstarke Pausen setzt. Raffiniert ist die Wahl seiner harmonischen Lösungen. In Akzentverschiebungen leitet er aus zerrütteten Harmonien neue Melodielinien ab, die aufregende Paraphrasen ihrer Ursprünge darstellen. "Brilliant Corners" aus dem Jahre 1956 ist Monk pur. Am Tenorsaxophon ist hier Sonny Rollins anzutreffen, der neben Art Blakey und Milt Jackson zu einem der wenigen kongenialen Monk-Partnern zählte, die mit den unkonventionellen Vorgaben des Pianisten auch umzugehen wussten. Rollins war, ähnlich wie Coltrane im Five Spot, genau das was Monk brauchte: Ein starker Saxophonist der hard-Schule, der ihm über den lyrischen Ausdruck als Gesprächspartner diente und Monk mit allen Regeln der Kunst den Grundton bereitete. Er reiht sich hier in eine illustre Schar von Sidemen ein, die in unterschiedlichen Formationen das Quintett vervollständigen. Der Opener "Brilliant Corners" fällt trotz seiner harmonischen Schönheit und der diskreten Klavierbassführung in seiner zerklüfteten Struktur aus bizarrer Melodie, jähen Tempowechseln und seinen mal acht-, mal siebentaktigen Formteilen so ungewohnt aus, dass er in zwei Takes montiert werden musste. Mit dem lautmalerisch betitelten "Ba-lue Bolivar Ba-lues-are" (benannt nach einem Hotel, in dem Madame de Koenigswarter zu dieser Zeit überwiegend residierte) folgt dann ein echtes Sahnestückchen. Nachdem ein sehr prägnantes 4-taktiges Blues-Motiv mit einer Dreierbewegung angehoben wird und nach einer Wiederholung in eine Art B-Teil übergeht, spielt Ernie Henry ein sehr modernes, kerniges Solo, während Monk sich mit seinem dezenten aber originellen Spiel von Oscar Pettifords Bassstimme tragen lässt. Das Solo von Sonny Rollins fällt dagegen etwas weiträumiger und härter aus, hält jedoch stets einen Bezug zur Pianobegleitung aufrecht. Pettiford erzählt noch eine traurige Blues-Geschichte, ehe Max Roach an den Drums schließlich eine seiner stilvollen Improvisationen vor das wieder einsetzende Hauptthema platziert.

Das zentrale Stück "Pannonica" ist eine seltsame Ballade mit den für Monk so typischen schwierigen Intervallen. Düster, beschwörend, unheimlich und wunderschön zugleich zeichnet es eine Hommage an Monks wohlhabende Gönnerin. Durch das schleppende Tempo, die Dissonanzen für die für zwei Saxofone gesetzte Melodie, Rollins' mächtiges Solo, den 33-taktigen Chorus und den fragilen Celesta Sound entfaltet das Stück die Kraft einer überirdischen, zauberhaften Emanation, die der Beschreibung der selbstlosen Gönnerin sehr nahe kommt. Die Celesta ist ein kleines Stahlstabklavier mit dem anmutigen Klang eines Glockenspiels. Entdeckt hatte Monk das Instrument einst in einer Ecke in den Reeves Sound Studios. Er platzierte die Celesta direkt neben dem Flügel, sodass er mit der rechten Hand diese hellen Klavierphrasen spielen konnte, während er mit der linken Hand seinen typisch harten Pianoanschlag zelebrierte, so wie es seinem unakademischen Spiel entsprach. Mit den Händen flach über der Klaviatur, die Finger ausgestreckt und nicht gekrümmt, traktiert Monk mit perkussiver Emphase unter Missachtung jeglicher klassischer Dogmen des Fingersatzes die Tasten. In diesem Stil liegt auch seine Vorliebe für Dissonanzen begründet, denn mit den flachen Fingern hatte er Probleme große Intervalle und Oktaven zu greifen. Beim Wechsel mit der rechten Hand von der Celesta auf den Flügel fällt die Rhythmusgruppe automatisch ins Double-Time-Feeling. Sowohl bei Rollins' Saxofonsolo als auch bei Monks eigenem Solo-Chorus. Die Pannonica-Ballade ist ein wunderbares Beispiel für die konsequente motivische Entwicklung, die den Komponisten Monk so besonders machte. Kleine Achtelnotenmotive werden durch aufsteigende Triolen, mutwillige Akkorde und die für Monk so charakteristischen Intervallsprünge verbunden. Das Grundmotiv wird quasi aus einem einzigen Kern gesponnen, einer absteigenden Achtelnotenlinie aus vier Tönen. Diese Rückführung des Improvisierens auf die intervallische Permutation kleiner musikalischer Floskeln ist sozusagen das chiffrierte Monkische, das die Klangwelt des Solitärs so anders macht. Im Gegensatz zu einem Charlie Parker, der seine Stücke auf dem Fundament von langen, komplexen Achtelketten konstruierte, kreiert Monk eine Assemblage aus vielen winzigen, kantigen Mosaiksteinchen, die sich in sperrigen Tonfiguren zu einem einprägsamen Kaleidoskop fügen. Mit "I Surrender Dear" lässt Monk dann noch ein kurzes, sehr charmantes und treuherziges Pianosolo folgen, dessen Stimmung unmittelbar aus "Pannonica" abgeleitet wurde.

Geschlossen wird das Album mit dem "Bemsha Swing", einer seiner populärsten Kompositionen. "Bemsha Swing" ist ein rhapsodischer Blues in acht Takten mit einer extrem kurzen, einfachen kompositorischen Struktur und einer kinderliedartigen Melodie. Der eigenartige Reiz des Stückes entsteht durch eine Ganztonskala, die die Melodie in der Schwebe zwischen Moll- und Dur-Erwartung hält, sowie die donnernden Kesselpauken von Max Roach, der mit seinen schweren Geschützen die Allüren des Themas verstärkt. In der Originalversion von 1952 wurde das Stück noch mit allerlei disharmonischen Ornamenten garniert, die den "Bemsha Swing" in einem subversiven Akt zu einer exaltierten Parodie auf die empathisch übertriebene Genieästhetik der Bebop-Euphorie machten.
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5.0 von 5 Sternen Super Scheibe, 10. Februar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Erstaunlich ist fuer jemanden der Monk kennt immer wieder wie anders er selber seine Werke Musiklaisch interpretiert. Diese CD ist fuer mich das beste Beispiel dafuer! Die Aufnamequalitaet ist super.
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5 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Monk's Durchbruch, 23. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Brilliant Corners (Audio CD)
Der Name Monk, lässt einen Nachdenken, Mönch, war er wohl keiner,
Thelonious, ein Zungenbrecher, Beiname ( Middlename ) Sphere,
rundet das Ganze ab, er war schon wohlbeleibt. Die Musik ist einzigartig, super Aufnahmequalität, super Sideman, Kompositionen vom Feinsten . Brilliant Corner allein verdient einen Artikel, als Komposition hört sich unscheinbar an, hat es aber in sich, 7 Takte Mittelteil, Thema im 2.Chorus verdoppelt,Ensemble spielt alles unisono inkl Drums and Bass !! Es gab nie einen kompletten Take, musste geschnitten werden, trotzdem ein Meisterwerk.
Mit diesen Aufnahmen erlangte Monk den Durchbruch.
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Brilliant Corners
Brilliant Corners von Thelonious Monk (Audio CD - 1999)
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