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am 13. Mai 2013
Ganz selten - nämlich dann, wenn sich die Portugiesin Maria Joao Pires des nach überirdischem Schubert-Spiels dürstenden Publikum erbarmt - wird uns scheinbar das große Glück zuteil, kurzzeitig Einblick in den Himmel zu bekommen. Wenn dann noch eine makellose Tontechnik (so wie hier) ihren Teil dazu beiträgt, ist das Glück praktisch schon vollkommen.
Schuberts kargste und trostloseste Sonate in a-moll (D 784) erfährt unter den Händen Pires' eine Deutung, die unglaublich viele Facetten dieses so sperrigen Werkes erfasst. Die oft kryptisch wirkenden Themen mit ihrer seltsam umhermäandrierenden Harmonien werden hier kongenial verknüpft und in einen sinnvollen Zusammenhang gestellt. Speziell der fragmentarisch wirkende, scheinbar ziellos umherschweifende Kopfsatz (der Schuberts Wanderer aus der "Winterreise" schon deutlich erahnen läßt) vereint so viele unterschiedliche Stimmungen, daß es oft schwer fällt, sie überhaupt alle zu erfassen. Pires schafft es aber auf unnachahmliche Weise, die ganze Bandbreite an Emotionen wie Hoffnung, Trauer, Niedergeschlagenheit, Unerbittlichkeit und Trotz so plastisch zu formen, daß das Werk eine ungeahnte Wucht entfaltet - nirgends wird dies deutlicher als in der Durchführung, die in dem fulminanten A-Dur-Akkord einen kurzen, aber markanten Höhepunkt erreicht. Technisch gesehen stellt das Werk außer im Finale keine hohen technischen Ansprüche, verleitet aber oftmals genau deshalb zu oberflächlichem und wenig tief empfundenem Spiel. Wenn es allen Einspielungen der Portugiesin jedoch an etwas niemals mangelte, dann ist es Inspiration und interpretatorische Intelligenz, die bis in die kleinste Anschlagsnuance reicht. Der zweite Satz könnte kaum stärker von diesem Charakteristikum profitieren: der langsame Aufbau der Spannungsbögen bis zu der hymnischen Passage in Des-Dur ist vortrefflich gelungen und überzeugt restlos aufgrund der minutiös ausgetüftelten Anschlagskultur. Wer jedoch nun ein zu lasches Finale erwartet, sieht sich sofort getäuscht: der zeitweilig fast schon orchestrale Züge annehmende Tonsatz verlangt dem Interpreten schnelle Läufe und undankbare Sprünge ab, die scheinbar an die Technik der Pianistin keine nennenswerten Ansprüche stellen. Der niederschmetternde Schluß wird so eindringlich vorbereitet, daß - wenn man es nicht besser wüßte - man kaum glauben kann, daß das so subtil interpretierte Werk derart kompromißlos enden kann. Pires macht jedoch keine Abstriche an die Dramaturgie, sondern lotet sie bis zum Äußersten aus und verstärkt die Wirkung dadurch noch, anstatt sie - wie bei vielen anderen Einspielungen üblich - abzuschwächen.
Wenn es je eine Definition für poetisches Spiel gegeben hat, dann liefert sie (neben Lipattis Chopin-Walzern) diese Interpretation der Moments musicaux. Pires läßt hier schon erahnen, weshalb ihre spätere Einspielung der Impromptus seit ihrem Erscheinen zu den immergrünen Aufnahmen des Klavierspiels gehört. Flexible Tempi, akribischer Anschlag, sorgfältig herausgearbeitete Mittelstimmen und ein untrügliches Gespür für den richtigen Stil machen diese Aufnahmen zu einem Lehrbeispiel für Pianistik auf allerhöchstem Niveau. Selbst die zwei frühen, vergleichsweise leichtgewichtigen Scherzi werden hier unvergleichlich charmant dargeboten und sind eine willkommene Zugabe auf dieser CD.
Pires und Schubert - für mich ein Gespann, das zu den glücklichsten Fügungen der Musikgeschichte zählt. Wer das für eine Übertreibung hält, sollte hier dringend reinhören und am besten gleich die Impromptus dazu nehmen. Ein Klavier kann eigentlich nicht singen - es sei denn, Maria Joao Pires sitzt am Instrument.
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