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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Streng und überzeugend, 5. April 2003
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Don Carlos (Ga) (Audio CD)
Zunächst etwas zur Oper selbst: Für mich die gelungenste Literatur-Umsetzung schlechthin (neben Falstaff): Verdi hat die unendlich vielen Charaktere der Vorlage auf fünf Hauptpersonen zusammengestrichen, die alle persönlich (verwandschaftlich oder erotisch) miteinander verquickt sind - mit extremen, auch politischen Folgen. Dadurch schafft er eine große dramatische Dichte, von der Schiller nur träumen konnte.

Von den meisten Kritikern wird die Giulini-Aufnahme mit Caballe, Domingo, Milnes, Verrett, Raimondi empfohlen - für mich zwar eine sehr schöne, in sich geschlossene Einspielung, aber mich überzeugt diese insgesamt noch mehr:

Da ist zunächst Carlo Bergonzis Carlos: Weniger jugendlich schwärmerisch als Domingo, dafür männlich herber, erwachsener und technisch besser (messa di voce!) und stilsicherer. Dadurch wirkt er auch im letzten Akt glaubwürdig statt kitschig. Sein "Io la vidi" ist eine Lehrstunde dafür, wie man Verdi singt.

Mich überzeugt auch Dietrich Fischer-Dieskaus Posa: Er ist sicherlich kein typischer Verdi-Bariton, schafft es aber - zumindest in dieser Aufnahme -, weitgehend zu vermeiden, dass seine Stimme in's "Poltern" gerät - ein Effekt, der (gerade auch bei Fi-Die öfter) entsteht, wenn ein lyrischer Bariton versucht, dramatisch zu klingen. Statt dessen verläßt er sich meist auf seine schöne, helle Stimme und elegante Phrasierung. Er schafft es, die politische Figur aus dem Schiller-Original zu erhalten.
Gerade das Auftrittsduett im zweiten Akt klingt bei Bergonzi und Fischer-Dieskau männlicher, energischer als in allen anderen mir bekannten Aufnahmen. Auch in seiner Sterbeszene ist der Deutsche glaubwürdig und mitreißend, ohne - wie etwa Sherill Milnes bei Giulini - rührselig zu werden.

Renata Tebaldi hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht mehr die Jung-Mädchen-Stimme, die man für die Elisabetta eigentlich erwartet (wie etwa Sena Jurinac). Dennoch überzeugt sie mich sowohl als liebende Frau als auch als gekränkte Königin. Und warum soll - wo doch das Stück mit der Realität ohnehin nur wenig zu tun hat - die Rolle nicht wie eine Art italienische Marschallin gesungen werden? Musikalisch zumindest ist die Tebaldi gerade in ihrer großen Arie und den Ensembles (etwas weniger in den Rezitativen) sehr anrührend: So zart und verletzlich habe ich sie selten gehört.

Mit großer, metallisch-voller Stimme und solider Interpretation ist Nicolai Ghiaurov ein sehr guter König.

Grace Bumbry ist eine sorgfältig artikulierende und technisch sauber singende, dabei enorm temperamentvolle Eboli mit jugendlich-schöner und sehr individueller Stimme - ihr Plus gegenüber der gesangstechnisch noch souveräneren, aber etwas zurückhaltenden Verrett bei Giulini.

Die Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt, insbesondere der Großinquisitor mit Martti Talvela, dessen Duett mit Ghiaurov zum Duell der Riesenstimmen wird.

Chor und Orchester spielen und singen präzise und mitreißend und werden von Sir Georg Solti streng zusammengehalten. Dessen sehr monumentale Auffassung und etwas langsamen Tempi passen gut zu der steifen Atmosphäre des spanischen Hofes.

Alles in allem also eine sehr schöne Aufnahme und eine strengere, dafür erheblich weniger rührselige Interpretation als die Giulinis, die gekrönt wird durch den idealen Don Carlo von Carlo Bergonzi.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Imposanter Don Carlos, 14. April 2007
Von 
K.H. Friedgen "friedgen" (Burgbrohl, Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Don Carlos (Ga) (Audio CD)
Sir Georg Solti (1912-1997) war über Jahrzehnte, zumindest ab 1960, ein Künstler von weltweiter Bedeutung und Ausstrahlungskraft und in dieser Beziehung zu seiner Zeit nur mit Leonard Bernstein und Herbert von Karajan zu vergleichen. Mich hat er, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als Operndirigent stets mehr zu überzeugen gewußt als mit seinen zahlreichen Aufnahmen aus den Bereichen Konzert und Oratorium.
Wenn ich seine riesige Opern-Diskographie Revue passieren lasse, so muß ich gestehen, daß der hier zur Debatte stehende DON CARLOS aus dem Jahr 1965 mich immer besonders beeindruckt hat. Solti war nicht nur m.W. der erste Dirigent, der das Werk völlig strichlos* aufnehmen ließ, sondern er hatte hier auch eine wahre musikalische Sternstunde.
Zunächst einmal stand ihm ein überragendes Sängerensemble zur Verfügung, in dem es keine ernsthaften Einbußen zu verzeichnen gibt, selbst wenn man bei Renata Tebaldi einige Probleme mit den hohen Tönen in Kauf nehmen muß und vielleicht auch mit Dietrich Fischer-Dieskau als Posa nicht ganz einverstanden ist, obgleich auch er um eine stimmschöne und rollendeckende Gestaltung bemüht ist. Die übrigen drei Hauptakteure sind auf jeden Fall von allererster Güte: Zunächst Carlo Bergonzi in der Titelpartie. Er war, wie ich schon mehrfach angemerkt habe, unbestritten der geschmackvollste und stilreinste italienische Tenor der 2. Jahrhundert-Hälfte, und hier übertrifft er auch Plácido Domingo deutlich, obgleich dieser bei Giulini (EMI, 1971) eine seiner besten Leistungen in Gesamtaufnahmen abgeliefert hat. Bergonzi macht das jugendliche Feuer und die Tragik der Figur auf ganz unnachahmliche Weise glaubhaft. Eine Traumbesetzung! Die Amerikanerin Grace Bumbry, uns allen vom Bayreuther Grünen Hügel wohlbekannt, singt eine großartige Eboli, die sich hinter keiner anderen zu verstecken braucht. Ihr berühmtes "Lied vom Schleier" bringt sie in feiner Abstufung, und ihre große Arie aus dem 4. Akt wird mit Leidenschaft und Feuer geboten. Ein weiterer Höhepunkt ist der junge Nicolai Ghiaurov in der Rolle des Königs Philipp. Seine große Arie "Sie hat mich nie geliebt" ist wunderbar durchgeformt und kann den Vergleich mit seinem Landsmann Boris Christoff in jeder Beziehung aushalten, wenn ihm auch die psychologische Durchformung der Rolle noch nicht ganz so überzeugend gelingt wie seinem erfahreneren Kollegen. Sehr erfreulich ist, daß er in dem Finnen Martti Talvela als Großinquisitor einen ebenbürtigen Partner zur Seite hat. Beide gestalten ihre große Auseinandersetzung zu einem wahren Duell der Giganten. Die kleineren Rollen sind ebenfalls alle gut besetzt, herausheben möchte ich noch Tugomir Franc als Mönch und Joan Carlyle als klangschöne "Stimme vom Himmel".
Soltis Aufnahme ist eine hochklassige Alternative zu Carlo Maria Giulinis späterer Produktion von 1971 (EMI), die gleichfalls mit den Kräften der Londoner Covent Garden Opera aufgezeichnet wurde. Vereinfachend könnte man sagen, daß Solti den dramatischen Aspekten des Werkes mehr Gewicht verleiht als sein italienischer Kollege, der dafür den lyrischen Momenten der Partitur mehr Raum gibt. Soltis Dirigat ist unopulent und dezent, erfüllt aber die großen Chorszenen, wie das berühmte Autodafé, mit einzigartiger Dramatik. Andererseits ist es ein Erlebnis für sich, wie feinsinnig und kammermusikalisch er das Vorspiel zur Gartenszene des 2. Aktes ausspinnt.
Sehr zu begrüßen ist die ausgeglichene, ganz unspektakuläre Aufnahmetechnik, die allen Aspekten der Partitur voll gerecht wird. Die DECCA hat dem 3 CD-Album ein ausführliches Begleitbuch beigegeben, das auch das vollständige italienische Libretto mit Übersetzungen, darunter auch deutsch, enthält. In jeder Hinsicht vorbildlich!
*) Gabriele Santini hatte 1961 mit Spitzenkräften der Mailänder Scala für DGG die erste fünfaktige Fassung aufgenommen. Diese ist aber an mehreren Stellen, wenn auch unwesentlich, gekürzt.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Referenzaufnahme, 28. Dezember 2000
Rezension bezieht sich auf: Don Carlos (Ga) (Audio CD)
Die insgesamt beste Aufnahme des Werks; unter der rundum guten Leitung Soltis gelingen Meilensteine wie Grace Bumbrys Eboli, Bergonzis Infant und (überraschend) eine differenzierte Darstellung Philipps durch Nicolai Ghiaurov. Besonders beeindruckend: der meist unterbesetzte Baß-Dialog des Großinquisitors (meisterhaft und gewaltig: Talvela) mit dem König. Dagegen fallen die angestrengte Renata Tebaldi und Fischer-Dieskau leider ab.
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