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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Referenz, 2. Februar 2003
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Living Stereo - Otello (Audio CD)
Diese Aufnahme zu loben, bedeutet eigentlich Eulen nach Athen zu tragen. Andererseits sind die diversen Aufnahmen mit Placido Domingo oder Mario del Monaco als Othello dermaßen überpräsent, daß ein Extralob dieser recht alten Aufnahme (1960) nicht schaden kann:

Zwar gibt es stimmlich luxoriösere Aufnahmen (Karajan mit Tebaldi, del Monaco, Protti), aber kaum eine, bei der die gesamte Partitur so angemessen umgesetzt wird: Da wird nicht gebrüllt und nicht gequetscht, sondern tatsächlich gesungen. Und trotzdem ist in keiner mir bekannten Aufnahme das Drama so eindringlich und glaubhaft wiedergegeben.

Jon Vickers war der Heldentenor mit der vielleicht voluminösesten Stimme des letzten Jahrhunderts und dazu noch ein sehr kluger Interpret. Seine Stimme war nicht konzentriert und glänzend, sondern v. a. in der Höhe eher rau und brüchig, was er aber gerade in seinen besten Rollen - Tristan, Florestan und eben Othello - nutzte, um deren gebrochenen Charakter zu interpretieren.

Leonie Rysanek wirkt mit ihrer dunkel samtigen Stimme zwar ungewohnt fraulich für die Desdemona, aber gerade im Verein mit Vickers sehr glaubwürdig.

Tito Gobbi war der Jago schlechthin und ist in seiner Intensität (wenn auch nicht gesangstechnisch - seine "gehupten" hohen Töne sind etwas grenzwertig) bis heute unerreicht. Schon seinetwegen muß man diese Aufnahme eigentlich haben.

Wer in reiner Schönheit der Stimmen baden will, wird mit dieser Aufnahme nicht glücklich werden, der sollte lieber die schon erwähnte Karajan-Aufnahme oder die mittlere Domingo-Einspielung unter Maazel besorgen.

Die Intensität und Tragik des Othello dagegen ist hier unübertroffen getroffen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Besser geht's wirklich nicht, 6. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Living Stereo - Otello (Audio CD)
Tatsächlich ist dies die wohl summa summarum eindringlichste und adäquateste Einspielung dieses einzigartigen Werkes europäischer Musikgeschichte.

Dass diese Aufnahme allerdings so bekannt wäre, wie der Vorrezensent behauptet, wage ich zu bezweifeln. Sie steht nach wie vor im Schatten der Produktionen mit del Monaco und Domingo, zumindest was den Absatz betrifft. Dass diese Aufnahmen ihre Meriten haben, ist unbestritten! (Ich erwähne das nur, weil die beiden hysterisch-neurotischen del Monaco-Apologeten dieses Forums sonst wieder an meiner geistigen Gesundheit zweifeln...)

Jon Vickers überragt seine Kollegen jedoch bei weitem - er holt aus Otello heraus, was die Figur hergibt: er ist je nach Situation verzweifelt, rasend, depressiv, schmachtend und zärtlich. Anders als del Monaco gibt er den empörten, vor Kraft strotzenden Helden eher selten und legt auf die Schmerzensschreie des Protagonisten mehr Gewicht als auf den Schlachtruf. Seine brüchige, rauhe, keineswegs perfekt geführte Stimme verleiht der Figur aber eine Tiefenschärfe, die sich unvergesslich ins Gedächtnis einbrennt. Vickers Gesang ist, wie ein amerikanischer Kritiker einmal bemerkte, ein Triumph von Passion über den Stil. Dass er trotzdem musikalisch genauer und differenzierter singt als der italienische Kollege, spricht für sich...

Leonie Rysanek ist brillant als Desdemona, auch wenn sie ein wenig ältlich klingt und, anders als Freni oder de los Angeles, keinen mädchenhaften Charme zu bieten hat. Dafür ist die Rolle hier ausnahmsweise einmal als ein wirklich dramatischer Charakter gestaltet. Die kraftvoll tragende Stimme der Rysanek erweist sich Vickers' mächtigem Organ als ebenbürtig und stellt in den gemeinsamen Szenen ein Gleichgewicht her, dass man ansonsten eher vermisst (zumindest bei Vinay/Nelli, del Monaco/Tebaldi, del Monaco/de los Angeles, Domingo/Ricciarelli, Vickers/Freni und Cossutta/Price).

Auch Tito Gobbi verdient höchstes Lob für seinen unschlagbar hinterhältigen, intelligenten und dämonischen Iago. Dafür nimmt man die unüberhörbaren Ermüdungserscheinungen der Stimme gerne in Kauf. Kein anderer Interpret, vielleicht mit Ausnahme Valdengos (unter Toscanini) kommt an diese kluge und durchdachte, jeden oberflächlichen Effekt vermeidende Darstellung heran.

Tullio Serafin dirigiert wie gewohnt mit großer Sensibilität und dramatischem Gespür, das Orchester läßt jedoch leider die Brillanz und Präzision etwa der Wiener Philharmoniker in der Karajan-Aufnahme vermissen.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klassischer Othello, 22. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Living Stereo - Otello (Audio CD)
Diese 1960 in Rom entstandene Aufnahme von Verdis vorletzter Oper ist bis heute mein Favorit. Die Darsteller der Hauptpartien, Leonie Rysanek als Desdemona, Jon Vickers als Titelheld und schließlich Tito Gobbi, einer der besten Charakterdarsteller der italienischen Oper, in der Rolle des Jago sind Spitzenbesetzungen, die nicht nur gesanglich, sondern auch stimmschauspielerisch, ihre Rollen optimal gestalten. Vickers' Stimme, beim ersten Hören vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, eignet sich ideal für die Figur des gebrochenen Helden. Ich ziehe ihn klar Mario del Monacos Darstellung vor, dessen Portrait mir im ganzen zu eindimensional bleibt, wobei ich auch eingestehen muß, daß ich für sein permanentes Fortissimo-Singen keine rechte Sympathie aufbringen kann. Gobbi schließlich zeichnet ein furchterregendes Bild des Jago; er ist zwar zum Zeitpunkt der Aufnahme stimmlich über seinen Zenit hinaus, kann aber mit seiner überlegenen Stimmtechnik diesen Mangel sehr gut kaschieren. Letztendlich trägt auch die überlegene Leistung Tullio Serafins entscheidend zur Gesamtqualität der Einspielung bei. Feinnervig und farbig zeichnet der Dirigent Verdis Meisterwerk nach, und Chor und Orchester des Opernhauses Rom bringen Leistungen, die darauf schließen lassen, daß schon im Vorfeld der Produktion diszipliniert und sorgfältig gearbeitet wurde.
Es gibt m.E. nur zwei Aufnahmen, die ernsthaft mit dieser in Wettbewerb treten könnten: Toscanini (1947), klangtechnisch natürlich bescheiden, und die Karajan-Produktion von 1961 mit den überragenden Wiener Philharmonikern, die aber mit Mario del Monaco (siehe oben) und Aldo Protti Sänger beschäftigt, die Serafins Protagonisten deutlich unterlegen sind.
Die technische Qualität der Serafin-Aufnahme ist nicht überragend, sorgt aber durch die digitale Neuabmischung für gute Durchhörbarkeit. Das Textbuch ist leider nur englisch; das Libretto italienisch/englisch. Deshalb nur 4 Sterne.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht einwandfreie, aber gelungene Aufnahme, 24. Juni 2011
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Living Stereo - Otello (Audio CD)
Die Aufnahme besticht durch eine gute Gesamtleistung und ist zwar nicht perfekt, aber für jemand, der nur eine Aufnahme der Oper sucht durchaus eine respektable Lösung.

Das Orchester spielt sehr attackierend und zugreifend mit sehr viel Verve. Bei den Sequenzen mit viel Schlaginstrumenten bekommt das manchmal diesen leicht scheppernden Sound, der bei italienischen Opern zuweilen auftaucht. Auch - v.a. in den Massenszenen - werden die Stimmen manchmal einen Tick zu sehr zugedeckt. Auch die Chöre treten sehr bestimmtend auf, was oft beeindrucken ist, manchmal ein kleines bisschen enervierend.

Vickers als Otello ist besticht durch große Präsenz und einen volltönenden Sound, ohne aber je die Kontrolle über die Stimme zu verlieren oder gar zu schreien. Oft sehr beeindruckend. Dabei interpretiert er auch emotional und differenziert und mit überzeugenden Phrasierungen. Nur in den ruhigeren, emotionaleren Sentenzen des letzten Aktes finde ich ihn nicht zart genug, sondern für diese Stellen zu kraftvoll.

Gobbi als Jago ist nahe an der Grenze zur Perfektion. Er ist der hinterhältige, bösartige Intrigant par excellence. Seine Bosheit ist richtig böse (vielleicht einen Tick zu ostentativ). Er changiert brilliant zwischen säuselnder Liebdienerei und bösartiger Gehässigkeit. Dabei singt er vollmundig, fließend, guter Technik und Stimmkontrolle.

Rysanek als Desdemona kann dabei mithalten. Sie ist eine echte Powerfrau, die den beiden Jungs Paroli bieten kann. Wenn sie sich mit Otello fetzt, wird man an Elizabeth Taylor und Richard Burton in der Katze auf dem heißen Blechdach erinnert. Nur in den gefühlvollen Teilen (im Weiden-Lied und im Ave Maria) kann sie nicht ganz überzeugen. Hier fehlt ein ganzes Stück Gefühl und Innigkeit.

Andrecolli als Cassio klingt im Vergleich zu den drei Protagonisten ein ganzes Stück dünner, der so als reines Opfer der Ränkespieler mächtigerer Spieler erscheint. Er gibt eher den sehnsüchtigen Jüngling als den kampfestüchtigen Hauptmann.

Alles in allem eine gelungene Aufnahme mit kleinen Schwächen, die man im ganzen empfehlen kann.
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Living Stereo - Otello
Living Stereo - Otello von Jon Vickers (Audio CD - 1999)
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