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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Launige musikalische Einfälle und ein Text zum Naserümpfen, 26. Februar 2004
Von 
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Rameau - Platée / Les Musiciens du Lourve · Minkowski (Audio CD)
1745 uraufgeführt, handelt es sich bei Rameaus "Platée" nicht im eigentlichen Sinn um eine Oper, sondern, wie Rameau selbst tituliert, um ein "Ballet Bouffon", ein komisches Ballett. In den ausführlichen Aufsätzen, die das Libretto-Faksimile begleiten, wird hin und her überlegt, ob das Stück vielleicht sogar vom Genre her ein Unikat ist. Auf alle Fälle ist das Rameaus größtes Meisterwerk für die Bühne, auch wenn man über den nichtssagenden, albernen Text, wie schon damals manche Kritiker, die Nase rümpfen kann. Als "Platée" jedoch neulich in einer Pariser Produktion mit Minkowski am Pult im Fernsehen (wie ich meine, auf "3Sat") gezeigt wurde, konnte man gut nachvollziehen, wie es möglich war und ist, diesem Stück viel Spaß abzugewinnen.
Wie so oft im französischen Barocktheater geht es um eine Geschichte aus der antiken Mythologie, in der die Götter eine Hauptrolle spielen (und effektvoll, in Wolken schwebend, vom Himmel auf die Bühne gebracht werden). Jupiter und Juno haben sich verkracht, und Merkur tut sich mit Cithéron zusammen, um die beiden auf möglichst lustige Weise miteinander wieder zu versöhnen. Sie kommen auf die abstruse Idee, Jupiter so tun zu lassen, als wäre er in die lächerliche Najade (eine Wassernymphe, die über ein Reich von Fröschen im Marschland herrscht) Platée verliebt und wollte sie heiraten. Platée ist - nomen es omen - eine "Nymphomanin", bereit, jede Avance jubelnd zu akzeptieren. Nachdem "La Folie" erschienen ist und für ausreichende Tänze auf der Bühne gesorgt hat, holt Merkur Juno herbei, die die Hochzeit gerade noch rechtzeitig stoppt und sich so sehr über Platée amüsiert, dass ihre gute Laune wieder hergestellt ist und eine Versöhnung stattfinden kann. Die beleidigte Platée erteilt Schläge, soviel sie kann.
Die beiden CDs wurden 1988 von Radio France in Zusammenarbeit mit dem WDR aufgenommen. Von allen mir bekannten Erato-Aufnahmen Marc Minkowskis ist diese bei weitem die beste. Zum einen hat er sein Orchester bestens im Griff und sorgt mit allerlei launigen Einfällen dafür, dass Rameaus musikalisches Genius in jedem Augenblick hörbar bleibt. Dabei hat er allerhand zu tun, denn es gibt hier Sturmböen, Donnerschläge, Kuckucksrufe und Froschgequake in Hülle und Fülle, dazu die verschiedensten Barocktänze. Zum anderen gibt es hier gute bis sehr gute sängerische Leistungen. Das Vokalensemble Francois Herr macht seine Sache hervorragend; ich denke insbesondere an die Szene aus dem ersten Akt, wo Platée und der Chor mit Hilfe von französischen Vokabeln wie "quoi" und "toi" ins Quaken verfallen.
Aber auch die Solisten gefallen mir gut. Gilles Ragon klingt als Platée durchaus überzeugend, wie ein Mann-Weib. Höhepunkte bieten alle drei weiblichen Solisten: Jennifer Smith ist als La Folie perfekt (und produziert nebenbei einige entzückende Töne); Guillemette Laurens (Juno) tritt zum Schluss wie eine Furie auf die Bühne; und Véronique Gens zeichnet sich als L'Amour (im Prolog) wie als Clarine (1. Akt) durch ihre wunderbar klare, agile Stimme aus. Guy de Mey (Mercure), Vincent Le Texier (Jupiter), Bernard Deletré (Cithéron) und Michael Verschaeve (Momus) erfüllen alle Ansprüche.
Das 150-seitige Beiheft enthält das Libretto und viele Informationen. Allerdings hätte ich die eine oder andere Einwand gegen das hier abgedruckte Libretto. Der französische Text von 1745, hier als Faksimile wiedergegeben, enthält einige Passagen, die Minkowski so nicht übernehmen mochte; diese Passagen sind gekennzeichnet, aber die alternativen Texte, die Minkowski einsetzen lässt, werden nirgendwo angegeben. Und die englischen und deutschen Übersetzungen sind zum einen alles andere als wörtlich, was die Verfolgung des französischen Textes manchmal etwas schwierig macht, und zum anderen stellenweise fehlerhaft gedruckt. Das sind Minuspunkte, die wohl auf das Konto von Warner Music gehen.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen QUOI ????, 20. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Rameau - Platée / Les Musiciens du Lourve · Minkowski (Audio CD)
Dieses außergewöhnliche Werk begeistert mich derart, dass ich leider nicht mehr in der Stimmung zu einer ausführlichen und ernsthaft-gelehrten Würdigung bin. Also vielleicht einfach nur ein sprechendes Detail: Wie man (zu dem Text "quoi?, quoi?") aus einer simplen Oboe solche Töne herauslockt dass es justament wie das Quaken eines Frosches klingt -- das hätte ich zuvor schlicht nicht für möglich gehalten.
Rameau als Komponist ist ja auch sonst kein Kind von Traurigkeit, aber hier hat er sich selbst übertroffen (und gleiches gilt für die Ausführung durch Minkowski & Co). Dieses Stück hat glaube ich im ganzen Barock nicht seinesgleichen. Nichts schlimmeres als verstaubter, veralteter "Humor", gar noch in Opern und Singspielen, aber was hier geboten wird, ist meilenweit davon entfernt: sondern hier waltet wirklicher brillianter musikalischer Witz. Schon diese wahnsinnig zupackende und effektvolle Ouvertüre... und was danach kommt ist 2 CDs lang genauso mitreißend. Hurra!
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