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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tieftraurige Musik, 21. Juli 2009
Von 
silbertanne4 "silbertanne" (Offenbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: The Desert Shore (Audio CD)
Desertshore ist keine Pop- oder Rockmusik. Diese Klänge von 1970 erinnern instrumental an sakrale Musik des frühen Mittelalters. Die Lyrik dagegen ist in Nicos persönlichem Wahrnehmungsvermögen gefangen und könnte von einem spirituellen Erlösungsgedanken kaum ferner sein. Desertshore ist in den Liedern ansprechender und weniger schräg als beim Vorgänger "Marble Index".
Das Album wurde wieder von John Cale produziert. Nico spielt Harmonium und Spinett, alle weiteren Instrumente kommen von John Cale.

SONGS

JANITOR OF LUNACY (4:01)
Eine Pianoeinlage führt in einen schweren Klangteppich von John Cales Orgel und Nicos Harmonium über. Dieser kathedralen-artige monotone Schwellton scheint den Hörer hypnotisieren zu wollen. Anschließend setzt Nicos verkündender Gesang ein. Das ist ein eindrucksvolles Beispiel für gotische Musik, zwei Jahrzehnte, bevor diese Musikrichtung Mode wurde.
Nicos seltbstkomponierte Lyrik kann als freie Assoziation interpretiert werden, obwohl hier Anspielungen auf Sterilisation und Abtreibung herauslesbar sind. Eine versteinerte Wiege und eine "tödlich-paralysierte ewige Erinnerung" sollen Hoffnung bringen ?
"Janitor of Lunacy" ist ein majestätischer Opener, den man nicht unbedingt als runterziehend empfinden muss, falls man den Text ignoriert.

THE FALCONER (5:39)
Ein Eric Satie-artige Klavier wird nach ca. einer Minute von Nicos sonor-schwellenden Harmonium abgelöst, der Track ist Kammermusik in reiner Form. Ab dem Satz "Angel of the Night" tritt Nicos Harmonium in den Hintergrund und der Song wandelt sich zu einem hübschen Piano-Track", der Falcone(e)r klingt für Nico jener Jahre durchaus freundlich und gar nicht schräg. Auch hier sollte man den Text nicht allzu ernst nehmen, Nicos Gesang ist eh schwer zu verstehen. Ich schließe nicht aus, daß Nico es phantsiemäßig gut gemeint hat: der ägyptische Sand, der Falke und Engel der Nacht.
Der plötzliche Stimmungs-Umbruch in "hoffnungslose innere Leere" mit "Silver traces erase my empty pages / candlelight" könnte eine selbstkritische Anspielung auf ihre bekannte Heroinsucht bedeuten, obwohl dieses Trauerspiel erst 5 Jahre später begonnen haben soll.
Es könnte aber auch silberner Mondschein bedeuten.

MY ONLY CHILD (3:27)
Die undurchdringliche Schwere der beiden ersten Songs weicht jetzt in lichtere und menschliche Sphären. "My only Child" ist ihrem Sohn (Vater Alain Delon) "Ari" Christian Aaron Boulogne gewidmet. "My only Child" ist ein instrumental freundlicher a capella-Song mit Kinderchor im Hintergrund. Spätestens hier zeigt sich, daß Nico zwar ihren avantgardistischen Stil von "Marble Index" beibehalten hatte, aber irgend etwas sagte ihr , daß die Songs auf Desertshore doch etwas weniger schräg sein sollten als auf "Marble Index". Immerhin arbeitete sie bereits für ihre vierte Plattenfirma, die drei vorherigen hatten die Verträge wegen Unverkäuflichkeit gekündigt.
Der Text ist selbstmitleidig, er zeigt Nicos unreflektierte Reaktion, warum sie ihr Kind weggenommen bekam. Ungeachtet der Tatsache, daß sie auch nach ihrem Wegzug aus New York ihren ungesunden Lebensstil nicht aufgeben wollte und alsbald eine bekannte Erscheinung der Pariser Drogenszene wurde.

LE PETIT CHEVALIER (1:12)
Wie Nico es 1970 geschafft hatte, die Stimme ihres Sohnes Ari aufzunehmen ? Er lebte damals nicht bei ihr und die Mutter war in der Familie Delon nur für kurze Besuche erwünscht. Wahrscheinlich stammt die Stimme Aris aus Tonbändern früherer Jahre, er war 1970 schon acht Jahre alt.
Der "Petit Chevalier" hier klingt im Song wie ein Kleinkind. Gockenspielartige leise Klänge, Cembalo und John Cales Viola im Hintergrund begleiten diesen kurzen Song.

ABSCHIED (3:02)
Bereits die ersten Töne von Harmonium, Viola und Cembalo klingen so dramatisch, daß man schon ein Martyrium durchlebt, bevor ihr Gesang einsetzt. Die ideale Begleitmusik für Karfreitag. Das in altertümlichen Deutsch gesungene Lied ist das allertraurigste auf "Desertshore". Obwohl Nico aus Deutschland stammt, intoniert sie Deutsch in einer so gedehnt-monotonen Aussprache, daß man eine unbekannte Fremdsprache vermutet.

AFRAID (3:27)
Der melödiöseste Titel auf Desertshore, der von einem minimalistischen Piano begleitet wird. Einen ähnlich hübsch klingenden Song hat Nico erst wieder 15 Jahre später mit "My funny Valentine" auf "Camera Obscura" gebracht. Beide erinnern mich an eine Piano-Bar. Im Text fehlen die melancholisch bis resignativen Untertöne auch hier nicht. Ursprünglich war das Lied "You are beautiful and you are alone" betitelt, typisch Nico.

MÜTTERLEIN (4:38)
Der einzige Track, der mir auf der CD nicht so gefällt, auch wenn er vom Klang nicht aus dem Rahmen fällt. Nicos Stimme sowie ihr Harmonium klingt so was von monoton, und dieser Text noch ... Nico gefällt mir weniger, wenn die Stimme zu penetrant und absichtlich monoton klingt.

ALL THAT IS MY OWN (3:54)
Hier klingt John Cales Viola orientalisch, die Tasteninstrumente verhalten sich im Hintergrund. Irgendwie erinnert mich das Lied an das fernöstlich flirrende "All Tomorrows Parties. "Desershore" mag das Zusammentreffen von Wüste und Meer bedeuten.

FAZIT:
Desertshore ist ein tieftraurige moderne Klassik. Wem diese Musik zusagt sollte sich noch "The Marble Index" und "The End" zulegen. Jene drei CDs sind meiner Ansicht das ultimative Werk von Nico, "Desertshore" ist instrumental das zugänglichste von den dreien. Leider sind keine Boni auf der CD.

"Deshertshore" war übrigens auch der Soundtrack für Philippe Garrell's Experimentalfilm "La Cicatrice interieure", mit dem Nico zu jener Zeit in Paris zusammen wohnte.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitlos und universell, 21. Mai 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Desert Shore (Audio CD)
Wenn es zeitlose Musik gibt, dann ist es diese. Und gleichzeitig klingt sie absolut modern. Wenn ich diese Nico-Klassiker wie The Falconeer oder Janitor Of Lunacy höre, setzt ein Schauder ein, der mich zu Sommerabenden meiner Kindheit zurückführt, der tief in der deutschen Mythologie wühlt, und das, obwohl der Film, aus dem diese Musik eigentlich stammt, "La cicatrice intérieure", u.a. in Island und in der afrikanischen Wüste gedreht wurde. Ein Beweis mehr für den universellen Appeal der Sängerin, über alle Landesgrenzen hinweg. John Cale, der Freund aus Velvet-Tagen, hat Nico's Stimme und Harmonium in magische Klang-Mäntel gehüllt und eins der Stücke, Le Petit Chevalier, wird gar von Nico's Sohn Ari, damals ca. 7, auf französisch gesungen.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Werk zum nachdenken., 15. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Desert Shore (Audio CD)
Es muß so 1970 gewesen sein, als diese Platte erschien. Bis heute wirkt sie zeitlos schön und schaurig. Ein Meisterwerk, besonders "Mütterlein" & "Abschied". Sehr zu empfehlen.
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The Desert Shore
The Desert Shore von Nico (Audio CD - 1993)
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