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68 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soltis Ring - Eine Aufnahme, die Maßstäbe setzte
Wie so oft im Leben Richard Wagners nahm hier eine im Grunde recht einfache Idee riesenhafte Dimensionen an. Kurz nach der Komposition des "Lohengrin" hatte er die Idee zu einer heroisch - idealistischen Oper über den größten Helden der deutschen Sagenwelt. Das Werk trug den Arbeitstitel "Siegfrieds Tod", war eine stark vereinfachte Version der jetzigen...
Veröffentlicht am 27. März 2007 von Martin Resch

versus
63 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erstklassige Sängerbesetzung, aber ansonsten fragwürdig...
Schon immer habe ich mich gefragt, wie ausgerechnet dieser "Ring" von allen Seiten so gelobt und zur "Referenzaufnahme" hochstilisiert worden ist. Ist es die nostalgische Verklärung dieser ersten "Stereophoniesternstunde", die Sehnsucht nach den gesanglichen Qualitäten dieser vergangenen Ära? Ich weiß es nicht...
Fangen wir beim Dirigat an: Solti...
Veröffentlicht am 28. September 2002 von MRuhnke


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68 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soltis Ring - Eine Aufnahme, die Maßstäbe setzte, 27. März 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Wie so oft im Leben Richard Wagners nahm hier eine im Grunde recht einfache Idee riesenhafte Dimensionen an. Kurz nach der Komposition des "Lohengrin" hatte er die Idee zu einer heroisch - idealistischen Oper über den größten Helden der deutschen Sagenwelt. Das Werk trug den Arbeitstitel "Siegfrieds Tod", war eine stark vereinfachte Version der jetzigen "Götterdämmerung" und sollte den Helden als Wagners Idealbild des von gesellschaftlichen Zwängen freien, unabhängigen Menschen zeigen. Nach der Flucht ins Schweizer Exil erschien dem Komponisten die Handlung nicht tiefgreifend genug ausgeschöpft, er dichtete eine Vorgeschichte und nannte sie "Der junge Siegfried". Auch dies ging Wagner noch nicht weit genug, also vertiefte er sich weiter in die germanischen und nordischen Götter - und Heldensagen, so entstand das Textbuch zu "Die Walküre" und schließlich als Vorabend "Das Rheingold".

1852 stand schließlich der Zyklus als dichterische Einheit fest und Wagner ging (diesmal in der "richtigen" Reihenfolge) an die Komposition. Insgesamt dreißig Jahre schrieb und komponierte Wagner an seinem unbestreitbar größten Werk, legte lange Pausen ein, in denen seine bahnbrechenden Musikdramen "Tristan und Isolde" und "Die Meistersinger von Nürnberg" enstanden und der Komponist musikalisch weiterreifte. 1874 beendete er schließlich mit den letzten Noten zur "Götterdämmerung" die Komposition des Zyklus, zwei Jahre später erklang der "Ring des Nibelungen" (die ersten beiden Teile hatte, ungeachtet der Proteste Wagners, bereits der Bayernkönig Ludwig II. uraufführen lassen) erstmals vollständig bei den neugegründeten Bayreuther Festspielen, von dort aus eroberte die Tetralogie sehr schnell die ganze Welt und stellt bis heute für jede wagnertaugliche Bühne und jeden ambitionierten Regisseur und Dirigenten eine hochwillkommene, da unbegrenzt ausdeutbare Aufgabe dar.

Die gewaltigen Dimensionen dieses Werks stellen nicht nur die Musiktheater vor große Herausforderungen, auch die Aufgabe, den Ring auf Tonträger zu bannen, ist nicht zu verachten. Man benötigt ein riesiges Orchester mit großem Nuancenreichtum, eine ganze Reihe hochklassiger Sänger und steht vor dem Problem, die musikalische Spannung über eine Dauer von mehr als 15 Stunden aufrechtzuerhalten. Natürlich nahmen viele Dirigenten diese Aufgabe an und so kann man heutzutage aus einer Vielzahl von Ring - Einspielungen wählen, von denen jede ihren Reiz besitzt.

Sir Georg Solti nahm sich Ende der 50er Jahre vor, die erste wirkliche Gesamtaufnahme (alle vorherigen Dirigenten hatten der Länge des Werks Tribut zollen und Kürzungen akzeptieren müssen) einzuspielen. Er wählte dazu mit den Wiener Philharmonikern das wohl beste und wandlungsfähigste Orchester der Welt und eine Vielzahl ausgezeichneter und erfahrener Sänger. Über das Ergebnis ist seit jeher viel diskutiert worden, viele halten diesen Ring für die Aufnahme, an der sich alle späteren Einspielungen messen lassen müssen. Dies mag etwas übertrieben sein, doch kann man Soltis Interpretation noch immer mit Einschränkungen als Musteraufnahme sehen. Solti läßt hier seiner Vorliebe für breite Tempi und gewaltige Orchestereruptionen freien Lauf und schafft so den leider oft schlecht kopierten, monumentalen Wagner - Klang, für den der Komponist, der doch zu kammermusikalischer Feinheit fähig war, berühmt und noch mehr berüchtigt ist. Solti läßt es aber nicht nur donnern. Wunderbar geraten ihm die Liebesszenen im ersten Akt der "Walküre", die Beleitung des Wotan - Monologes, Siegfrieds "Waldweben", das den grobschlächtigen Helden zum ersten Mal sympathisch erscheinen läßt und die Gestaltung der mystischen Götterfiguren, vor allem die Auftritte der geheimnisvollen Erda und ihrer Nornen. Weitere Beispiele für Soltis musikalische Feinfühligkeit würden den Rahmen dieser Rezension sprengen, nur muß auch gesagt werden, daß einige Effekte nicht unbedingt nötig gewesen wären. Um möglichst große Theaternähe zu erzielen, wurden einige "Spezialeffekte" verwendet, so eine Donnermaschine (von Wagner verlangt), Stierhörner, die einen unbestreitbar archaischen Klang haben, die Stimme des Drachen Fafner wird mit viel Hall unterlegt. Leider wurden die Sänger auch oft so platziert, daß der Eindruck von Auftritt, Bewegungen auf der "Bühne" und Abgang erzielt werden sollte, was bei dem hohen Lautstärkepegel des Orchesters manchmal zu Verständnisschwierigkeiten führt. Auch die technisch zum Bariton verzerrte Stimme Wolfgang Wingassens in der "Götterdämmerung" klingt für heutige Hörgewohnheiten etwas seltsam und läßt die dramatische Szene ein wenig albern erscheinen. Dies sind aber nur kleine Mängel in einer ansonsten ausgezeichneten Aufnahme, die man noch nach über vierzig Jahren fast uneingeschränkt genießen kann.

Auch bei den Sängern setzte Solti auf bewährte Qualität.

Wotan, oberster Gott und zentrale Figur des Zyklus wurde mit großen Sängern besetzt. Im "Rheingold" leiht ihm George London, lange Zeit Stammgast in Bayreuth und erfahren in der Partie seine Stimme. Er löst seine Aufgabe sehr gut, verleiht mit seiner mächtigen Stimme dem schwierigen Charakter des Wahrers der Verträge, der selbige oft nicht achtet, viel Kontur. Etwas anders sieht es in "Walküre" und "Siegfried" aus. Hans Hotter war über lange Jahre weltweit der "Wotan vom Dienst", kein anderer Sänger konnte in dieser Rolle mehr Erfahrung aufweisen und niemand hatte sie so sehr verinnerlicht. Leider litt Hotter an chronischem Asthma, das seiner Stimme zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits einigen Schaden zugefügt hatte. In der früher mächtigen Stimme macht sich ein starkes Zittern bemerkbar, lange oder hohe Noten werden ihm zur nur schwer bewältigten Aufgabe und auch die Textverständlichkeit ist nicht die Beste. Dafür gelingen ihm immer wieder wunderbare Momente, so in den langen Monologen in der "Walküre" und in der wundervollen Erda - Szene im "Siegfried".

Wotans Gemahlin Fricka wird ebenfalls von zwei Sängerinnen dargestellt. Im "Rheingold" ist die große Kirsten Flagstad zu hören, die, zwar schon mit etwas angejahrter Stimme, die jedoch den berühmten silbernen Klang nicht verloren hat, sich noch einmal als eine der besten Wagner - Sängerinnen präsentiert. In der "Walküre" ist es Christa Ludwig, die einen bleibenden Einduck hinterläßt, nicht nur, weil sie den Götterstreit gewinnt, sondern auch den indisponierten Hotter an die Wand singt. Auch in der "Götterdämmerung" liefert sie mit der bewegenden Darstellung der Waltraute eine ausgezeichnete Vorstellung.

Claire Watson wurde ebenfalls für zwei Rollen engagiert, die hervorragend zu ihr passen. Im "Rheingold" veredelt sie die Rolle der Freia, in der "Götterdämmerung" Gutrune mit ihrer schönen, klaren Stimme.

Die weiteren Götter sind mit Waldemar Kmentt (Froh), Eberhard Wächter (Donner) und dem alten Wagner - Helden Set Svanholm (in der für ihn recht ungewöhnlichen Rolle des schurkischen Loge, die er aber ausgezeichnet darstellt) rollendeckend und hochkarätig besetzt.

Die mysteriöse Figur der Erda wird in dieser Aufnahme ebenfalls von zwei Sängerinnen darsgestellt. Im "Rheingold" ist es Jean Madeira, die diese wundervolle Szene mit ihrem reinen Alt in geheimnisvolles Halbdunkel taucht, kaum schwächer, doch stimmlich etwas weniger beeindruckend schlägt sich Marga Höffgen im "Siegfried".

Als Alberich agiert hier jemand, dem diese Rolle wie keinem Anderen auf den Leib geschrieben schien. Gustav Neidlinger war mit seiner einmaligen Stimme und seinem großen schauspielerischen Talent prädestiniert für den machtgierigen Nibelungen und zeigt hier ein weiteres Mal, warum er als Idealbesetzung für diese Partie galt.

Sein Burder Mime, zuerst der unglückliche Schmied des Ringes und der Tarnkappe, schließlich Siegfrieds widerwilliger Ziehvater, wird von Paul Kuen ("Rheingold"), einem routinierten Darsteller der Rolle und Gerhard Stolze ("Siegfried") gesungen. Stolze schrammt hier des Öfteren haarscharf daran vorbei, den häufig begangenen Fehler zu machen und den unleidlichen Zwerg zur Karikatur werden zu lassen, deklamiert die Partie mehr, als sie zu singen, schafft aber immer wieder den Sprung zurück in die Gesangslinie und liefert so ein insgesamt recht überzeugendes Rollenportrait.

Brillant ist Walter Kreppel in der Rolle des sensiblen Riesen Fasolt. Von diesem Sänger kenne ich leider keine weiteren Aufnahmen, doch diese ausgezeichnete Leistung macht Lust auf mehr.

Ebenfalls ideal besetzt ist sein böser Bruder Fafner mit Kurt Böhme, dessen schwarze, mächtige Stimme sowohl den gierigen Riesen als auch den (leider recht stark verhallten) Drachen vor Augen entstehen läßt.

Eine bessere Besetzung für das Wälsungenpaar ist nur schwer vorstellbar. James King war ein Sänger mit außergewöhnlich mächtiger, jedoch sehr schöner und strahlender Tenorstimme, ein hervorragender Lohengrin und ein noch besserer Siegmund. In dieser Rolle erwarb er sich weltweit Ruhm und den wunderschönen ersten Akt der "Walküre" hört man hier nicht zuletzt dank ihm in einer kaum zu überbietenden Version. Ihm zur Seite steht die großartige Régine Crespin, auch sie eine erfahrene Wagner - Sängerin und eine der besten Darstellerinnen der Sieglinde, die ich kenne. Die Harmonie der Liebesgesänge, die den ersten Akt der "Walküre" beinahe zu einer eigenen Oper machen, hört man hier in einer kaum zu übertreffenden Schönheit, wozu natürlich auch Soltis sensible Orchesterführung ihren Teil beiträgt.

Gottlob Frick liefert hier eine recht eigenwillige, aber hochinteressante Interpretation des Hunding. Er wirkt sehr stoisch, fast roboterhaft, als hätte er keinen eigenen Willen, sondern würde von den Göttern wie eine Marionette für ihre Zwecke benutzt. Stimmlich ist er wie immer hervorragend, einer der besten Bässe, die es jemals gab. Die weit dankbarere Aufgabe des Hagen in der "Götterdämmerung" löst er bravourös wie kein Anderer.

Und nun zum Wagner - Traumpaar der 60er und 70er Jahre. An Birgit Nilsson führte damals kein Weg vorbei, wenn es darum ging, die Werke des Komponisten mit der perfekten Stimme aufzuführen und einzuspielen. Als Brünnhilde zeigt sie sich ein weiteres Mal in bestechender Form, die Macht ihrer Stimme ist beeindruckend wie eh und je und wen sonst hätte Solti für die wichtigste Frauenpartie im Ring engagieren sollen, als die schwedische Naturgewalt, die sich hier als die würdige Nachfolgerin der Flagstad (auch sie eine wunderbare Brünnhilde, man höre nur den legendären Furtwängler - Ring) und als Meßlatte für alle künftigen Sängerinnen präsentiert. Meiner Meinung nach ist Birgit Nilsson als Brünnhilde noch immer nicht übertroffen und wird es wohl in naher Zukunft auch nicht werden.

Und wo Birgit Nilsson ist, da ist Wolfgang Windgassen nicht weit. Der geniale Sänger - Darsteller war beinahe zwanzig Jahre lang Heldentenor Nummer eins in Bayreuth und weltweit einer der gefragtesten Wagner - Interpreten. Auch in dieser Aufnahme gestaltet er den Siegfried mit der ihm eigenen Sensibilität und gewinnt dem etwas plumpen Charakter des Helden viele Nuancen ab. Stimmlich war Windgassen ursprünglich eher im lyrischen Fach zuhause, bewältigte die extrem schwierigen Wagner - Partien, wie auch hier zu hören, mit seiner schauspielrischen Brillanz, die seine Darstellungen noch heute maßgeblich machen. Im Verein mit Birgit Nilsson hört man hier wirklich das ideale Wagner - Paar.

Bleibt noch der sensible Gunther von Dietrich Fischer - Dieskau zu erwähnen, der diese etwas undankbare Rolle sehr aufwertet und den unglücklichen Gibichungen zu einem wirklichen Handlungsträger werden läßt.

Auch die kleinen Rollen sind hier ausgezeichnet (Joan Sutherland als Stimme des Waldvogels!) und zum Teil mit späteren Stars (Lucia Popp, Gwyneth Jones, Helga Dernesch, Brigitte Fassbaender) besetzt.

Ob Soltis Ring nun die Referenz - Aufnahme ist oder nicht, dieses Urteil maße ich mir nicht an. Seit der Einspielung hat es noch sehr viele Aufnahmen von Wagners gewaltigem Zyklus gegeben und jede hat ihren eigenen Reiz. Nur soviel: Alle späteren Einspielungen sind mehr oder weniger von Soltig großer Pioniertat inspiriert und diesen Ring kann man jedem Wagner - Fan noch immer uneingeschränkt empfehlen, wozu das behutsame Remastering, durch das die Aufnahme entrauscht wurde, sein Teil beiträgt.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beindruckende, aber nicht durchgängig überzeugende Produktion, 12. November 2012
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Diese Box mit dem gesamten Ringzyklus besteht äußerlich aus vier Boxen mit je 3-4 CDs, die zusammen in einer großen Box stecken. Die großen und kleinen Boxen sind sehr schön und edel gemacht; die einzelnen CDs stecken in Papiertüten, die unpassend in der Anmutung dagegen ziemlich abfallen. Jede Oper hat ein dickes Beiheft mit Produktionsnotizen und kompletten Libretto, wobei nur Götterdämmerung die Regieanweisungen einschließt, was eigentlich nicht der Rede wert wäre, aber kritisch angemerkt werden muss, weil man sich in den Produktionsnotzen gefühlte 3 Dutzend Mal dafür rühmt, dass man in Klang und Aufnahme die Regieanweisungen in besonderer Weise umgesetzt hätte.

Die Aufnahmen entstanden als Studioaufnahmen zwischen 1958 und 1965, allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge (s. unten).

Als Komplettkommentar zum Dirigat: Solti interpretiert durchgehend eher zügig, lebhaft, dramatisch, hell klingend. Nicht immer, aber an vielen Stellen sehr differenziert, gelegentlich auch mal sanft. Das ist beindruckend, mitreißend und in seiner Analytik erhellend. Ganz überzeugt es mich aber nicht, denn im ganzen geht es mir zu schnell zu und die Dramatik ist mir zuweilen zu übertreben (vor meinem inneren Auge erschien mehrfach Ivanhoe auf hohem Ross oder Frodo auf dem Schicksalberg). Klangtechnisch ist es beeindruckend und differenziert, aber auch mit Einschränkungen, öfter mal etwas blechern, unscharf, übersteuert. Durchgängig gibt es auch immer wieder das Problem vieler Aufnahmen, dass das Orchester zu laut ist, so dass die Sänger entweder zugedeckt werden oder dagegen anschreien.

Einzelne Anmerkungen zu den Gesangsleistungen:

Rheingold (1958): Die Aufnahme bietet eine besonders geschlossene Ensembleleistung. Jeder Sänger scheint zu versuchen, sich harmonisch in das Gesamtgefüge einzufügen und dieser Harmonie Vorrang vor einer besonderen individuellen Note zu geben. Das macht besondere Stellen weniger besonders, weil sie weniger besonders interpretiert werden, kann aber duch den Gesamteindruck überzeugen. Einzig vielleicht etwas abfallend Svet Svanholm als Loge, der in der Stimmführung etwas Probleme mit dem Verbinden der Töne hat. Gustav Neidlingers Alberich hat mir gut gefallen. Er klingt weniger 'geckig' als auf anderen Aufnahmen, hat eine leicht Belcanotnote und betont so den leidenden Teil des sonst vielleicht ach so bösen Zwerges. George London als Wotan tritt kraftvoll und mit viel Präsenz auf. Weniger eloquent und intelligent als andere Wotandarsteller, aber überzeugend - für mich überzeugender als Hans Hotter in Walküre und Siegfried.

Walküre (1965): Hans Hotter als Wotan kann mich nicht wirklich überzeugen. Er singt zweifelsohne sehr lyrisch, differenziert und mit viel dramaturgischer Intelligenz. Wotan als politischer Stratege in dem komplizierten Geflecht der Figuren wird gut herausgearbeitet. So gesehen sehr überzeugend. Aber es fehlt ihm doch ein ganzes Stück Kraft für diese dominierende Figur und das für ihn viel zitierte 'wobbeln' ist an vielen Stellen zu vernehmen. Christa Ludwig bietet eine überzeugende Fricka (die mir besser gefallen hat als Flagstadt im Rheingold). Sie hat viel / mehr Persönlichkeit, wirkt präsenter und reflektierter, in den Streitgesprächen mit Wotan scharfzüngig disputierend. Birgit Nilson als Brünhilde ist in der Grundausstrahlung sehr dramatisch und ganz die hehre Kriegerin. Sie kann auch anders und singt manche Stellen für sie erstaunlich sanft und lyrisch (und sehr gut), aber vom Gesamteindruck muss man ihren Stil schon abkönnen - was ich nicht ganz kann, aber das ist eben Geschmackssache. James King als Siegmund und Regine Crespin als Sieglinde singen sehr schön und künstlerisch wertvoll. Es wirkt aber eben auch 'künstlerisch', etwas artifiziell und auf mich ein wenig 'ältlich'. Begeisterte jugendlich Liebe kam bei mir nicht an, zumindest nicht direkt, sondern mehr in ihrer abstrakten Form.

Siegfried (1962): Für Wanderer / Wotan und Brünhilde gilt ähnliches wie oben, wobei Hans Hotters Wobble-Probleme drei Jahr früher noch ein ganzes Stück weniger zu hören sind. Windgassen als Siegfried ist aufgrund der zwar silberklaren, aber im Kern eher schlanken Stimme Windgassens zwangsweise eine einseitige Interpretation. Den 'großen' Held oder den leidenden / leidenschaftlichen Held kann er nicht rüberbringen. Er wählt seinen Weg des reflektierten, denkenden, eher zurückhaltend-intensiv fühlenden Helden und Liebhaber. Das ist sängerisch großartig gemacht und erhellend, aber im ganzen fehlt mir doch etwas. Auch ist die Kombination mit der besonders stimmgewaltigen Nilson nicht ganz glücklich, der ihn in der Ausstrahlung so doch etwas arg unter dem Pantoffel hat. Gerhard Stolze als Mime ist mir zu 'geckig' interpretiert. Das ist ja ein häufiger gegangener Weg, den Zwergen als falsch, verschlagen und unaufrichtig darzustellen. Das ist einsichtig, mir aber in der Grundausstrahlung zu simpel und auf Dauer auch ein bisschen nervtötend.

Göttderdämmerung (1964): Ich weiß nicht, wie Windgassen es gemacht hat, aber hier klingt er voller und runder als im Siegfried; so gesehen für mich überzeugender, wenngleich in der Grundausstrahlung immer noch der Intellektuelle. Gottlob Frick als Hagen konnte mich sehr überzeugen. Er ist kraftvoll, aber doch auch fließend. Er klingt gefährlich und bedrohlich, aber doch auch differenziert. Auch Fischer-Dieskau als Gunter kann überzeugen. Er transportiert viel Persönlichkeit, leuchtet die Figur genau aus. Seine Stimme klingt dabei für ihn ungewöhnlich kräftig, was überzeugt. Einzig seine starken Endkonsonantenbetonungen irritieren ein bisschen, v.a. weil sie deutlich ausgeprägter sind als im Restensemble. Nilson als Brünhilde bietet am Ende einen sehr emotionalen, stimmlich beeindruckendn, aber doch auch ihre stimmlichen Mittel beherrscht einsetzenden Ausklang der Oper und des Gesamtringes.

Fazit: Den oft zitierten Jahrhundert-Ring kann ich nicht sehen oder hören. Dafür kann mich Soltis Dirigat in seiner Dramatik und mit den leicht klanglichen Problemen nicht genüg überzeugen, ebenso Hotter als Wotan, Windgassen als Siegfried und ein bisschen auch Nilson als Brünhilde. Rheingold und Götterdämmerung würde ich fünf Sterne geben, Siegfried und Walküre vier. Im Gesamteindruck kann ich mich aber trotz der rein technisch bewunderswerten Leistung, die hinter diesem Mammutprojekt steckte, nicht zu mehr als vier hinreißen lassen.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Diese Aufnahme ist mein persönlicher Favorit, 23. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Ich kann eine ähnliche Geschichte erzählen wie 1 Rezension des Karajan Rings beschreibt. Ich war damals 14 Jahre alt und meine erste CD, die ich mir von meinem Taschengeld kaufte war ein Querschnitt des Solti Rings! Abends habe ich vor dem Schlafengehen diese CD bis zur Vergasung gehöhrt. Eigentlich war ich viel zu jung für Wagner, aber das hielt mich nicht davon ab mich in diese Musik zu verlieben, auch in die Interpretation von Sir Georg Solti. Als ich älter war habe ich mir dann den gesammten Zyklus gekauft und dann auch die klanglich überarbeitete Fassung, also diesen Zyklus.

Nun zum Ring: Wie schon im Titel erwähnt ist dies meine Lieblingsaufnahme und persönlicher Favorit. Der Grund liegt auf der Hand. Erstens weil Solti den Ring so einspielte wie Wagner es vorgesehen hat: Mit 6 Harfen, 18 Ambossen, den orginalen Stierhörnern (zwar reproduziert für diese Aufnahme, aber doch dem Original am Nächsten). Somit entsteht ein Orchesterklang, der einfach nur phenomenal ist. Jetzt sagen vielleicht wieder welche: Klar, Studioaufnahme. Aber genau das ist es was mir gefällt. Solti und John Culshaw ( der Produzent ) haben zusammen mit dem Orchester und den Sängern die ideale Interpretation gefunden. Die Wiener Philharmoniker sind für mich (ebenfalls wie für Sir Georg Solti) DAS Wagnerorchester schlechthin. Die Sänger brauche ich nicht extra zu erwähnen: Referenz. Vom ersten Ton im Rheingold bis zum letzten Takt in der Götterdämmerung hat mich noch nie eine Aufnahme so gefesselt wie diese. Solche Aussagen wie schwülstisch, flach, zu arg Bläserbetont und was weiß ich noch alles kann ich nicht nachvollziehen. Das Dirigat alleine fesselt einen so sehr dass es Hochgenuss pur ist. Die Sänger, von denen einige sagen sie würden schreien!(absolut lächerlich), haben die stimmliche Klasse hier gegenzuhalten. Aussagen wie: Die Sänger des Karajan Rings sind mit denen des Solti Rings ebenbürtig ist schlicht und einfach FALSCH! Nur einige wenige Ausnahmen, um mit Martti Talvela als Hunding einen zu nennen, können mit denen aus Soltis Ring mithalten! Warum? Ganz einfach deswegen: Weil zwischen 1950 und 1960 eine Sängerelite existierte, die es heute einfach nicht mehr gibt! Dies hat bereits mit dem Karajan Ring angefangen und zieht sich bis heute in die Gegenwart! Die Sänger von damals hatten die Zeit, die sie brauchten, um solch schwere Wagnerpartien meistern zu können. Auch haben Sie sich stimmlich darauf vorbereitet. Kirsten Flagstad, Astrid Varnay, Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger, Hans Hotter, Gottlob Frick, Kurt Böhme, Josef Greindl, die Liste lässt sich endlos weiterspinnen, allesamt sind bis Heute unerreicht. Im hochdramatischen Sopranfach und im Heldentenorfach ist das noch deutlicher zu spüren als im Bassfach.

Beispiele kann ich dutzend weise bringen: Gustav Neidlinger als Alberich. Vor ihm und nach ihm hat diese Rolle keiner besser gesungen als er. Ich denke nur an den Fluch, da bekomme ich heute noch Gänsehaut! Ohne stimmlich zu übertreiben singt er das alles mit einer Leichtigkeit die phenomenal ist! Der Wotan Monolog im zeiten Akt (der Dialog mit Brünnhilde ) Hans Hotter schafft es wie keiner diesen Monolog von Anfang bis Ende perfekt (stimmlich wie im Ausdruck) zu interpretieren. Der Monolog steigert sich im Orchester wie der Intensität der Stimme immer weiter bis zum Höhepunkt. Man kann die Enttäuschung Wotans, dass er Siegmund nicht für sich gewinnen kann, förmlich spüren. Oder der Hagens Mannenruf in Götterdämmerung: Orchester (mit den Stierhörnern) schaffen eine Stimmung die in keiner anderen Aufnahme so bedrohlich ist. Gottlob Frick singt den Hagen gewohnt erstklassig. Das sind nur 3 Beispiele und ich könnte noch viel mehr bringen.

Ich finde dass diese Aufnahme bis Heute Maßstäbe setzt! Deshalb für mich absolute Kaufempfehlung und volle 5 Sterne!
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eintauchen in den gewaltigen Strom der Musik, 20. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Der Solti-Ring scheint zu polarisieren: Von manchen als die beste Einspielung aller Zeiten in allen Kategorien gepriesen, wird er von anderen verächtlich abgetan. Die Erklärung ist einfach: Dies ist eine Darbietung der grossen Gefühle, zum vollständigen Eintauchen in den gewaltigen Strom der Musik und des Dramas. Wer sich auf kritisch-distanzierte Weise Wagners Werk vorsichtig anzunähern sucht, ist mit dieser Aufnahme gänzlich falsch beraten und sollte vielleicht eher zu Boulez greifen. Für alle anderen gibt es keine Alternative, die auch nur im Entferntesten an dieses Hörerlebnis herankommt.
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38 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Referenzaufnahme!, 9. März 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Im September 1958 begannen die Aufnahmen zu einem bis dato einzigartigen Projekt: Der ersten Gesamtaufnahme von Wagners sich aus vier Opern zusammensetzenden Musikdrama "Der Ring des Nibelungen". Als Dirigent: Sir Georg Solti, als Solisten: Ausnahmslos namhafte Künstler, als Orchester: die Wiener Philharmoniker. Heraus kam eine phänomenale Einspielung, die alle heute erhältlichen Aufnahmen mühelos in den Schatten stellt. Dazu tut das nagelneue Cedar Noise Verfahren sein übriges: Hervorragende Klangqualität ohne (!) störendes Rauschen in glasklarem Stereo-Sound!!!
Solti leuchtet die Partitur aus, wie es kein Zweiter je verstand. Bereits die Einleitung zum "Rheingold" zeigt die Perfektion, mit der Dirigent und Orchester hier zu Werke gehen. Ich habe noch in keiner Ring-Einspielung einen derart feinen Klangteppich gehört. Solti schafft es, jedes einzelne Instrument transparent werden zu lassen. Hier verschwimmt nichts (Wie es gerade in diesem Orchestervorspiel häufig der Fall ist: Karajan, Boulez); jeder Ton trifft sein Ziel. Und noch etwas fällt auf: Während in sämtlichen mir bekannten Aufnahmen der musikalische Übergang zum Auftritt Alberichs bei den Rheintöchtern abgehackt wirkt - geradezu so, als habe Wagner einen leichten Ausfall gehabt und die Struktur verloren - gelingt es Solti die unterschiedlichen Stimmungen - ausgelassener Gesang der Rheintöchter, düsteres Auftreten Alberichs - perfekt zu einer Einheit zu verschmelzen. Dies vermag der Szene erst ihren Schrecken zu geben.
Diese fulminante Linie halten Solti und die Wiener Philharmoniker das gesamte Werk (also immerhin knapp 15 Stunden) durch: Mal zart, leicht und geradezu schwebend (z.B. Gesang der Rheintöchter), mal bombastisch mit vollem Blech (z.B. Walkürenritt in der "Walküre" oder Auftritt der Riesen Fasolt und Fafner), mal spitz und treibend (Siegfrieds "Aufbruchgesang" in "Siegfried"), doch stets überzeugend.
Dazu gesellen sich Sängerinen und Sänger, die ihresgleichen suchen: Im "Rheingold" bietet Paul Kuen einen Mime, dessen Verschlagenheit geradezu hörbar wird. Set Svanholm kann als Idealbesetzung des Loge herhalten: so listig wurde diese Figur selten gesungen. Besonders stechen aber Gustav Neidlinger (Alberich) und Walter Kreppel (Fasolt) hervor: Neidlinger versteht es seiner Figur eine Stimme zwischen Perfektion und Wahnsinn zu verleihen. Damit legt er eine Interpretation an, die niemand mehr nach ihm gewagt hat: besonders in den modernen Aufnahmen wird durch ein leichtes "Krächzen" stets versucht, Alberich bedrohlich wirken zu lassen. Das dies aber besser funktioniert, wenn ab und an ein sanfter Bariton erklingt, geht den "modernen" Aufnahmen häufig verloren.
Nicht zu vergessen ist Birgit Nilsson als Brünnhilde. Keiner weiß, wo diese Frau diese Stimme hernimmt. Auch James King als Siegmund kann nicht genug gelobt werden. Ebenso verleiht Hans Hotter dem Wotan eine Stimme von großer Macht (Was George London im "Rheingold" leider nicht ganz perfekt gelang).
In "Siegfried" und "Götterdämmerung" schließlich stellt das Traumpaar Birgit Nilsson (Brünnhilde)/Wolfgang Windgassen (Siegfried) alles in den Schatten, was sich auf dem Wagner-Markt tummelt. Windgassen mag zwar nicht der perfekteste Sänger seiner Zeit sein. Was ihm an Stimme fehlt (soweit man das überhaupt sagen kann), macht er aber durch Ausdruckskraft wett. Er durchdringt seine Rolle derart, dass man jede noch so kleine Gefühlsregung in seinem Gesang spüren kann. Ein Siegfried, der seinesgleichen sucht!
Alle Künstler dieses 14-CD-Paketes zu nennen, wäre zuviel des Guten. Es lässt sich jedoch eines feststellen: Jeder (und wirklich jeder) macht seine Sache phänomenal.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da kommt wohl nichts mehr, 7. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
....was sich mit dieser Gesamteinspielung wird messen koennen. Da passt einfach alles. Allein wie man in dieser Aufnahme Nornen, Rheintoechter als auch Walkueren besetzt hat ist ohne Beispiel. Selbst bei bestem Willen lassen sich dieser Tage diese Kaliber nicht mehr finden. Mit dem Remaster laesst sich nun wirklich nichts mehr bemaengeln. Und bei dem Preis kann jeder Opern- bzw. Wagner Liebhaber nun wirklich nicht mehr vorbei gehen. Es sei den, er hat sie schon!
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Gesamtkunstwerk aller Beteiligten, 14. März 2007
Von 
Tilo Gorek (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Sir Georg Solti spielte 1958-1965 alle vier Dramen werksgetreu mit den damals neuesten Stand der Aufnahmetechnik ein. Die Sängerbesetzungen gelten bis heute als eine der besten, was auch die Klangqualität der Aufnahme betrifft. Ich hatte immer nach einer Aufnahme gesucht, die Wagners Anweisungen bei der Umsetzung des Werkes folgte. Mit dieser Aufnahme hatte ich sie gefunden. Im Vergleich zu neueren Aufnahmen, die vielleicht pathetischste, doch auch immer noch eindruckvollste Aufnahme.

ps.: stabiler Pappschuber mit den Originalcovern der Erstveröffentlichungen
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der maßstabsetzenden Aufnahmen, 18. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Bevor ich zum Ring 2007 nach Bayreuth gefahren bin, habe ich mir den klangtechnisch verbesserten Solti-Ring teilweise wieder angehört. Vergleicht man die Jahrhundert-Sänger Nilsson, Windgassen, Kuen, Neidlinger, Frick und mit einigen Abstrichen auch Hotter mit den gesanglichen Leistungen, die zur Zeit auf dem Grünen Hügel geboten werden, kann nur ein katastrophaler Niedergang des Wagner-Gesangs stimmlich, darstellerisch und vor allem in der bei Wagner so wichtigen Diktion konstatiert werden. Teilweise sind es Anfänger, die präsentiert werden. Früher war die Bayreuth-Mitwirkung Krönung einer Sängerkarriere. Bei Gottlob Frick zum Beispiel, versteht man im Solti-Ring jedes Wort auch in den sängerisch so schwierigen Mannenrufen. Hagens Wacht wird mit unglaublich eindrucksvoll gestaltet. Die Schwurszene mit Nilsson und Frick ist eine geradezu unvergessliche Demonstration sängerischer Dramatik. Der Schlußgesang der Brünnhilde jubelnde Wonne. Die gewiss nicht schlechte Brünnhilde der diesjährigen Festspiele Linda Watson wirkt im Vergleich mit Birgit Nilsson wie eine ins hochdramatische Fach verirrte Soubrette. Hans-Peter König ist bis zu den Mannenrufen ein durch aus achtbarer Hagen. Danach ist ihm die Luft ausgegangen. Der letzte Akt war nur noch Quälerei. Im Vergleich mit Frick ist er nur ein schmalbrüstiges "Bässchen".Wobei mir bewußt ist, dass eine Studio-Aufnahmen schwerlich mit einer Live-Aufführung zu vergleichen ist. Die beste Live-Aufnahme, die ich kenne stammt vom großen Ring-Dirigenten Hans Knappertsbusch. Musikalisch vorbildlich, sängerisch hervorragend. Wer die Lebendigkeit einer Live-Aufführung gegenüber der Studio-Produktion bevorzugt, sollte auf diese Aufnahme zurückgreifen. Trotz allem setzt der Solti-Ring vor allem durch das unvergleichliche, heute in dieser Qualität nicht mehr vorhandene Sängerensemble Maßstäbe und wird deshalb immer eine der Referenzaufnahmen bleiben.
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5.0 von 5 Sternen Ein Gesamtkunstwerk, 26. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" ist ein so umfangreiches Werk, dass es schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, eine rund um zufriedenstellende Aufnahme zu bekommen. Der Solti-Ring ist insgesamt eine sehr gelungene Aufnahme und wird von vielen (wahrscheinlich zu Recht) als Referenz gelobt.

Es handelt sich um eine Studio-Aufnahme in Stereo, die mit zahlreichen Effekten angereichert wurde (Donnerschläge, Hammerschläge, veränderte Stimme Windgassens in Götterdämmerung, etc.).
Die Wiener Philharmoniker spielen exzellent; vor allem die Soloinstrumente überzeugen völlig (z.B. Siegfrieds Horn). Sir Georg Solti verfolgt einen sehr dramatischen Ansatz. Verglichen mit den späteren, zumeist lyricheren, Interpretationen könnte man Soltis Version als eher konventionell bezeichnen; sie dürfte den meisten Wagner-Klischees entsprechen. Ich mag aber gerade den heldischen, monumentalen Wagner. Hier sollte jeder nach seinen eigenen Vorlieben entscheiden. Der Chor der Wiener Staatsoper singt sowohl textverständlich als auch stimmlich auf hohem Niveau.

Die Rollen sind fast ausnahmslos gut bis hervorragend besetzt:
Wotan wird von George London (Das Rheingold) und Hans Hotter (Die Walküre/Siegfried) gesungen. London hat eine starke, mächtige Stimme, was gut zum jungen Wotan passt. Hans Hotter überzeugt vor allem interpretatorisch. Wie er die Figur durchdringt ist fabelhaft. Stimmlich merkt man jedoch schon, dass er seinen Zenit schon lange überschritten hat.
Brünnhilde wird von Birgit Nilsson gesungen. Mit ihrer klaren Stimme erreicht sie alle Spitzentöne mühelos, die Textverständlichkeit ist jedoch nicht optimal.
Wolfgang Windgassen ist der Siegfried. Obwohl er nicht sehr heldisch klingt, überzeugt er durch seine intelligente Gestaltung und sein technisches Können.
Gottlob Frick singt den besten Hagen, den ich bislang gehört habe; auch Hunding gelingt ihm hervorragend.
Das Wälsungenpaar von James King und Regine Crespin lässt keine Wünsche offen. Der erste Akt der Walküre und die Todesverkündung gehören zu den Highlights dieses Rings.
Gustav Neidlinger zeigt auch hier, dass er zu den führenden Interpreten des Alberich zählte - perfekt! Mime wird von Paul Kuen (Das Rheingold) und Gerhard Stolze (Siegfried) gesungen. Während Kuen die Rolle eher larmoyant interpretiert, gibt Stolze Alberichs Bruder sehr verschlagen, was einen starken Kontrast zu Windgassen darstellt. Für Überinterpretiert halte ich das nicht. Der 1. Akt des Siegfried wird durch ihn zu einem meiner liebsten Teile des Rings.
Wotans Gattin Fricka wird im Rheingold von Kirsten Flagstad, in der Walküre von Christa Ludwig, die auch die Waltraute in Götterdämmerung singt, gleichermaßen stark gesungen. Beide sind würdige Gegenpole zu den beiden Wotanen.
Gunther wird von Dietrich Fischer-Dieskau gesungen, der eigentlich nicht als idealer Wagner-Sänger angesehen wird, dessen Stimme aber gut zu der Windgassens passt und durch den diese interessante Rolle deutlich aufgewertet wird.
Set Svanholm als Loge ist auch nicht immer sehr verständlich, singt die Rolle dafür aber durchgehend. Auch alle anderen Rollen sind nahezu ideal besetzt (insbesondere Erda, Fasolt, Donner und die Nornen und Rheintöchter in Götterdämmerung).

Negativ fiel mir vor allem auf, dass die Besetzung nicht homogen ist (Wotan, Fricka, Erda, Waltraute, Mime und die Rheintöchter werden von verschiedenen SängerInnen gesungen) und dass die Tonqualität obwohl auf hohem Niveau in den späteren Teilen deutlich besser ist als im Rheingold.

Die vorliegende Box besteht aus einer stabilen, optisch ansprechenden Pappbox, die vier Pappkassetten der selben Qualität enthält. Jeder Oper liegt ein dickes Textbuch in Deutsch, Englisch und Französisch bei. Enthalten sind außerdem Inhaltsangaben und informative Texte des Produzenten John Culshaw über die Aufnahmebedingungen. Leider wurden die Original-Regieanweisungen Wagners durch kürzere Beschreibungen ersetzt.

Alles in allem ist diese Aufnahme im Gesamteindruck aber so gut, dass ich nichts anderes als fünf Sterne vergeben kann. Eine klare Kaufempfehlung!
Als Alternative wäre der Krauss-Ring von den Bayreuther Festspielen 1953 zu empfehlen.
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63 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erstklassige Sängerbesetzung, aber ansonsten fragwürdig..., 28. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Schon immer habe ich mich gefragt, wie ausgerechnet dieser "Ring" von allen Seiten so gelobt und zur "Referenzaufnahme" hochstilisiert worden ist. Ist es die nostalgische Verklärung dieser ersten "Stereophoniesternstunde", die Sehnsucht nach den gesanglichen Qualitäten dieser vergangenen Ära? Ich weiß es nicht...
Fangen wir beim Dirigat an: Solti läßt einen rustikalen, energiegeladenen, aber in meinen Augen auch flachen Wagner spielen. Sein Hang zu dynamischen Effekten, zu Energieausbrüchen und Hervorhebung der "lauten" Passagen der Partitur tut dem Werk insgesamt nicht gut. Passagenweise ist das nicht ohne Reiz, wer läßt sich nicht gerne mal vom Walkürenritt bedröhnen oder von Siegfrieds Todesmarsch zu Tränen rühren. Aber wo bitte sind die leisen, spannungs- wie emotionsreichen Passagen der Partitur, die Verwandlungsmusik in Walküre II, das Vorspiel II des Siegfried und die Waltrautenerzählung? Die verkommen bei Solti zu Pausenfüllern auf dem Weg zum nächsten fortissimo-Ausbruch, böse gesagt.
Das wäre alles vertretbar, ginge es nicht teilweise an die musikalische Substanz des Werkes: Die Gesangsstimmen müssen buchstäblich hinter dem Orchester zurückstehen, musikalische Details wie rhythmische Feinheiten werden nicht selten niedergewalzt. Passagenweise spielt Solti mehr gegen die Sänger, als mit ihnen. Da sind andere Dirigenten, auch Zeitgenossen dieser Aufnahmen, in ihrer Ring-Erkundung deutlich weiter (Furtwängler, Böhm, Karajan!).
Dabei gibt doch gerade die Sängerbesetzung keinerlei Anlaß zur Klage: Das gilt besonders für das fulminante Paar Nilsson/Windgassen, aber auch für eigentlich alle Nebenrollen. Angesichts der stimmigen Besetzung lohnt es sich kaum, über Detailfragen nachzudenken, etwa ob der "Walküren"-Wotan mit Hans Hotter nicht eine Spur zu leicht besetzt ist oder ob es G. Stolze (Mime) mit seiner stimmlichen Charakterisierung (Karikaturisierung) nicht übertreibt.
Was mich jedoch an diesem Ring immer gestört hat, war die Aufnahmetechnik. Über die Einspielung diverser Effekte und Sounds mag man ja noch schmunzeln, aber die Musikaufnahme an sich ist IMHO mißlungen: Das Orchester ist in 2 Teile gespalten, an den äußersten Rand der Stereobasis gedrängt, dabei immer dominant, wuchtig und sehr präsent vom Klangbild her. Die Sänger sind fast ausnahmslos weit in der Tiefe abgebildet, zumeist mittig im "leeren Raum", klingen dabei oft wenig differenziert und schlecht verständlich. Neben diesem räumlichen Effekt, der noch zu tolerieren wäre, stimmen die Lautstärkeverhältnisse nicht, sowohl innerhalb des Orchesters, noch tragischer aber im Zusammenklang mit den Sängern, wobei letztere fast immer den kürzeren ziehen. Irgendwie klingt das Ganze sehr bewußt gestaltet und gemahnt an viele Pop-Produktionen jener Zeit, wo man mit "Pingpong-Stereo" zufrieden war. Trotz aller objektiven Mängel erscheint der Bayreuther Böhm-Ring da in jeder (tontechnischen) Hinsicht überlegen, was erstaunlich ist angesichts der idealen Studiobedingungen der Decca. Von aktuellen Produktionen (Sawallisch, Haitink etc.) oder der Karajan-Einspielung gar nicht zu reden.
Fazit: Uneingeschränkte Bewunderung für die Sängerbesetzung, aber von der Orchesterarbeit wie von der Aufnahmetechnik her ist dieser "Ring" nur ein historisches Überbleibsel, was heute seltsam antiquiert wirkt. Vielleicht wird er deshalb von einigen so geliebt.
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