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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cavalleria Rusticana / Pagliacci - Zweimal Verismo in Starbesetzung, 27. Mai 2007
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Rezension bezieht sich auf: Leoncavallo: Cavalleria Rusticana (Gesamtaufnahme) (ital.) (Audio CD)
Es gibt nicht wenige Komponisten, deren Ruhm auf einem einzigen Werk beruht. Der in Livorno geborene Pietro Mascagni ist einer dieser Fälle. Lange Zeit nahm man in der Musikwelt von dem Komponisten, der den völlig unbedeutenden Posten eines Musiklehrers und Blaskapellenleiters in Cerignola bekleidete, keinerlei Notitz, doch sollte sich dies mit seinem ersten Opernwerk grundlegend ändern. Der Mailänder Verlag Sonzogno schrieb im Jahr 1890 einen Wettbewerb für einaktige Opern aus. Mascagni, von seinem Posten alles andere als ausgelastet, nahm sich das Volksschauspiel "Cavalleria Rusticana" des Autors Giovanni Verga vor, eine nahezu ideale Vorlage für ein veristisches Musikdrama. Die Geschichte spielt im sizilianischen Bauernmilieu, beinhaltet viel Volkstümlichkeit, gepaart mit einem hohen Maß an Dramatik. Mascagni besaß die Gabe der großen Melodie und ein untrügliches Gespür für den dramatischen Atem einer Opernszene. "Cavalleria Rusticana" kann man eigentlich immer und überall spielen lassen, diese Oper hat ein Thema, das interantional und über Völker - und Kulturgrenzen hinweg verständlich ist, ein nicht zu häufig vorkommender Glückfall. Mascagni gewann mit seinem Beitrag den Wettbewerb, "Cavalleria Rusticana", uraufgeführt am 17. Juni 1890 in Rom, wurde der größte Triumph in der Karriere des jungen Komponisten und verbreitete sich in Windeseile über die ganze Welt.

Natürlich gibt es auch eine Vielzahl von Aufnahmen, sehr oft, wie auch hier, im Verein mit Leoncavallos "Pagliacci", da auch diese Oper sehr kurz ist und beide thematisch sehr gut zueinander passen. Oft werden auch beide Werke an einem Abend mit dem selben Ensemble aufgeführt. Hier gibt es auf zwei CDs Interpretationen der Opern von verschiedenen Dirigenten mit unterschiedlichen Ensembles. Der Star der Aufnahme ist beide Male Luciano Pavarotti, der seine Aufgaben sehr gut löst. Die Einspielungen stammen aus dem Jahr 1978, also aus der Zeit, als Pavarotti noch im Vollbesitz seiner einzigartigen Stimme war und außerdem bereits über die Erfahrung verfügte, komplexe, auch wegen der Kürze der Partien schwierige Rollen zu meistern. Am überzeugendsten wirkt er als leichtsinniger Turiddu in der "Cavalleria", eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben wirkt. Die "Siciliana", ein Volkslied, das, recht untypisch, in die Ouverture integriert ist, habe ich von keinem anderen Sänger der Rolle schöner interpretiert gehört, Pavarotti vermeidet im berühmten Trinklied das oft eingeschmuggelte hohe C, singt ansonsten sehr disziplinert und meistert die dramatischen Szenen mit genau der richtigen Mischung aus dramatischer Gestaltung und virtuoser Gesangstechnik. Ein wenig ferner liegt ihm der Canio in "Pagliacci". Wie so viele Sänger dieser Partie gelingt es ihm hier nicht, aus dem übermächtigen Schatten Enrico Carusos zu treten, auch wirkt seine eher leichte, am Belcanto geschulte Stimme, an einigen Stellen nicht ganz rollendeckend, ihm fehlt die dunkle Färbung des dramatischen Tenors, den diese Partie benötigt, und wie sie ein Valdimir Atlantow, Domingo oder Carlo Bergonzi besaßen. Nichtsdestotrotz hinterläßt er auch hier einen sehr guten Eindruck, vor allem im Verein mit seiner Lieblingspartnerin Mirella Freni gibt es hier wunderbare Gesangsleistungen zu hören, einzig die plakativen Schluchzer am Ende der berühmten Arie "Ridi, Pagliaccio" hätte er sich sparen können.

Die weitere Besetzung der "Cavalleria Rusticana" ist ausgezichnet bis grundsolide. Neben Pavarotti hinterläßt Julia Varady in der Rolle der Santuzza den nachhaltigsten Eindruck. Mit ihrem dramatischen Sopran interpretiert sie die Partie des verlassenen Mädchens, das schließlich furchtbare Rache nimmt, absolut überzeugend und bewegend.

Die Rolle des Fuhrmanns Alfio, das Instrument von Santuzzas Rache ist bei Piero Cappuccilli, dem bedeutendsten italienischen Bariton der 70er Jahre, sehr gut aufgehoben. Er macht aus dem betrogenen Alfio keinen düsteren Bösewicht, sondern interpretiert ihn als eigentlich heiteren Charakter, der, durch die Umstände in seiner Ehre gekränkt, zum Rächer wird. Stimmlich gibt es bei ihm nichts zu mäkeln, Cappuccilli ist nach wie vor einer der besten Baritone.

Ebenfalls sehr überzeugend gibt Ida Bormida die Mama Lucia und Carmen Gonzales leiht der Lola ihren verführerischen Mezzosopran.

Eine wichtige Rolle spielt der Chor, der viele Szenen zu untermalen oder zu leiten hat. Der London Opera Chorus hinterläßt hier einen ausgezeichneten Eindruck, präsentiert sich als eingespieltes und virtuos geleitetes Ensemble. Dirigent Gianandrea Gavazzeni leitet das National Philharmonic Orchestra sensibel und inspiriert, insgesamt eine rundum empfehlenswerte "Cavalleria Rusticana" ohne naturalistische Effekthascherei, es gibt nur ein bißchen Peitschengeknalle in Alfios Fuhrmannslied.

Ähnlich wie Mascagni war Ruggiero Leoncavallo ein "One - Hit - Wonder" in der Opernszene. Zunächst ein unbekannter Pianist in Kaffeehäusern und Leiter umherziehender Operntruppen, beteiligte er sich an oben genanntem Wettbewerb, wurde jedoch nicht zugelassen, weil sein "Pagliacci" zwei Akte hat. Die Jury zeigte sich jedoch tief beeindruckt von der hochdramatischen Oper im Clownsgewand und empfahl das Werk wärmstens zur Aufführung, die den größten Triumph in Leoncavallos Leben bedeutete und ihn schlagartig weltberühmt machte. Ähnlich wie die "Cavalleria" behandelt "Pagliacci" ein Grundthema der Bühne: Das Altern, das Scheitern der Liebe und das mühsame Aufrechterhalten des Scheins. Zwar wird in "Zeit und Ort" angegeben, die Handlung spiele in einem kalabrischen Dorf im Jahr 1865, doch eine solche Tragödie kann sich immer und überall auf der Welt ereignen, was, neben der wundervollen Musik, die Popularität, die diese Oper noch heute hat, erklärt: Dieses Werk scheint mitten aus dem Leben gegriffen zu sein.

Viele Interpreten des tragischen Helden Canio hat es schon gegeben, noch immer am berühmtesten und noch heute für jeden Darsteller maßgeblich dürfte Carusos leider nur in Bruchstücken überlieferte Interpretation sein, aus dessen Schatten sich nicht einmal Pavarotti lösen kann.

Pavarottis langlährige Lieblingspartnerin auf Bühne und Tonträger, Mirella Freni liefert hier eine so eindringliche Leistung, daß sie den Tenor des öfteren etwas blaß erscheinen läßt. Ihre weiche, glockenreine Stimme passt optimal zu der flatterhaften Nedda, rundum überzeugend gelingt ihr die Darstellung sowohl der "realen" Person Nedda als auch der "Colombina" in der Komödie, die zum Drama gerät. Einzig Maria Callas vermag ihr in dieser Rolle Komkurrenz zu machen.

Tonio, der Intrigant, ist mit dem schwedischen Charakterbariton Ingvar Wixell absolut rollendeckend besetzt. Auch er gibt nicht den reinen Bösewicht, sondern vermag die Doppelbödigkeit dieser Partie überzeugend darzustellen.

Die weiteren Rollen sind mit Vincenzo Bello (Beppe/Arlecchino) und Lorenzo Saccomani (Silvio) mehr als solide besetzt.

Wie in der "Cavalleria" kommt dem Chor hier als Handlungsbegleiter ein sehr wichtige Rolle zu. Wieder überzeugt der London Opera Chorus auf ganzer Linie.

Diesmal steht Giuseppe Patanè am Pult, auch er löst seine Aufgabe ausgezeichnet und leitet das National Philharmonic Orchestra mit viel Gefühl für die Dramatik und die intimen Momente dieses Werks.

Insgesamt eine Aufnahme, die aus der Vielzahl der "Pagliacci"/"Cavalleria Rusticana" - Einspielungen durch die Leistungen der Sänger und die Interpretation der Dirhgenten herausragt.

Absolut empfehlenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Aufnahme - aber es gibt bessere Einspielungen!, 17. März 2014
Von 
Niklas Morgan "History Reader" (Berlin, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leoncavallo: Cavalleria Rusticana (Gesamtaufnahme) (ital.) (Audio CD)
Den Fans von Pavarotti kann man diese Aufnahme uneingeschränkt empfehlen. Sein typisches Timbre ist klar zu hören. Im Vergleich mit anderen Einspielungen dieser beiden klassischen Verismo Opern mögen die Geschmäcker ja verschieden sein. Mir persönlich singt Pavarotti an manchen Stellen zu "brüllend". Volles Rohr mit viel Vibrato. Dass dies auch anders geht, zeigen z.B. Jussi Björling in einer sehr guten Mono Einspielung oder di Stefano (mit Callas, wobei mir die Callas dort nicht wirklich gefällt). Letztendlich hängt es wie so oft vom persönlichen Geschmack ab, ob man einen Sänger/in besonders mag oder nicht.

Noch ein Hinweis. Der beim Schreiben aktuelle Preis von ca 30 Euro ist auch für eine Doppel CD nicht preiswert. Die MP3 Version kostet nur ein Drittel. Wer die Opern also kennt, und nur diverse Aufnahmen haben möchte, sollte das in Erwägung ziehen. Dann kann er sich gleich noch zwei andere Aufnahmen zum Vergleich gönnen.
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