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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brendel ist keine Bagatelle!, 27. Januar 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Klavierstücke (Audio CD)
Wenn Beethoven Klaviersonaten komponierte, gab es stets Reste, die in keiner Sonate Verwendung fanden und welche er entweder gesondert oder gesammelt veröffentlichte.
Die gesammelten Hefte aber sind von großer Wichtigkeit, da viele dieser Werke von großem künstlerischen Wert sind. Insgesamt gibt es drei solcher Publikationen, die der Meister als seine "kleinen Bagatellen" bezeichnete. Zu beachten gilt, dass die einzelnen Bagatellen keinen inhaltlichen oder thematischen Zusammenhang haben, sondern separat für sich selbst stehen.
Die Gattung einer freien, kleinen und unabhängigen Klavierkomposition wurde in der Romantik zu einem wichtigen Bestandteil der Konzertliteratur: Nicht mehr die große, in sich runde Sonate oder gar das Klavierkonzert sollten von so großer Bedeutung sein wie in der Wiener Klassik. Franz Schubert ebnete diesen Weg, den Beethoven eröffnete, durch seine Impromptus und seine unvollendeten Klaviersonaten; und Komponisten wie Robert Schumann, Frédéric Chopin oder Franz Liszt machten daraus eine hochvirtuose Kunst.

a) Die Bagatellen op. 33
Die sieben Stücke aus op. 33 stammen aus den Jahren 1801/ 1802. Einen Widmungsträger hat dieses "Heft", wie Beethoven es nannte, nicht, denn schließlich verwandte der Komponist für diese Stücke geradezu Abfallprodukte aus seinem frühen Sonatenschaffen. Im Einzelnen haben sie folgende Satzbezeichnungen: 1. Andante grazioso, quasi allegretto; 2. Scherzo. Allegro; 3. Allegretto; 4. Andante; 5. Allegro, ma non troppo; 6. Allegretto quasi andante; 7. Presto.
Alle Stücke stehen in freundlichem Dur, und das zeigt auch gleich das erste Stück: Zart und lyrisch scheint es eingangs zu sein, doch mitunter gebart es sich wild und ungestüm. Es schließt sich ein ausdrucksstarkes, fast rohes Scherzo an, das aber sogleich in tiefsinnige Mollregionen abschweift.
Wie ein sanftes Schlaflied wirkt die dritte Bagatelle, wohingegen die vierte den süßen Schlaf zu beschreiben scheint. Das Aufwachen illustriert das Allegro, ma non troppo der fünften Bagatelle. Die rollenden Akkorde könnten das Öffnen der Jalousie oder des Vorhangs darstellen.
Es folgt ein gutmütiges, liebevolles Andante, dessen lyrische Grundstimmung unverkennbar ist. Das kürzeste Stück mit nur knapp zwei Minuten ist die siebente Bagatelle. Pochende Akkorde entfalten sich nur kurz, ehe sie geradezu einbrechen in sich selbst. Schließlich schafft sich aber eine schöne, beständigere Melodie ihren Raum.

b) Die Bagatellen op. 119
Diese elf an und für sich kurzen Stücke sind zwischen 1820 und 1822 komponiert wurden, wobei anzunehmen ist, dass die ersten sechs ursprünglich für etliche mittlere Klaviersonaten vorgesehen waren. Auch sie haben keinen Widmungsträger. Die Sätze im Einzelnen lauten: 1. Allegretto; 2. Andante con moto; 3. A l'allemande ; 4. Andante cantabile; 5. Risoluto; 6. Andante - Allegretto leggiermente ; 7. Allegro ma non troppo; 8. Moderato cantabile; 9. Vivace moderato; 10. Allegramente; 11. Andante, ma non troppo.
Ein feines und zartgliedriges Allegretto eröffnet diesen Zyklus, woraufhin ein heilsames Andante folgt, dessen Lieblichkeit immer wieder durch das Grollen des Klaviers unterbrochen wird. Grazil schmiegt sich der folgende Tanz an seine heftigeren Akkorde an. Nun folgt ein liebliches Schlaflied, das aber schnell einem resoluten Satz weicht, dessen Name Programm ist: Wütend fährt er in die Tasten und stört Traum und Illusion mit seinem einnehmenden Realismus. Eine kurze Einleitung stellt Beethoven dem Allegretto der sechsten Bagatelle voran, das seltsam nach Moll moduliert.
Ein taumelndes, unsicheres Allegro Thema stellt die siebente Bagatelle. Dann aber folgt ein wundervolles Andante cantabile, das den Tonraum voll ausschöpft. Ein äußerst kurzes, dämonisches Vivace weicht Beethovens kürzester Komposition überhaupt: Nur knapp 15 Sekunden dauert das Allegramente an, das - kaum begonnen - schon wieder endet. Abschließend steht ein lieblicher Gesang, der alles Begonnene würdigt.

c) Die Bagatellen op. 126
Die sechs Bagatellen aus op. 126 stellen Beethovens letzte Komposition für Klavier überhaupt dar, wenn man einmal vom Klavierarrangement der Großen Fuge op. 134 absieht. Obwohl Beethoven zu dieser späten Zeit seines Lebens - diese Bagatellen wurden 1824 komponiert - keine Klaviersonaten mehr komponierte, so unternahm er doch noch einige Versuche und verfasste Skizzen, welche er dann gesammelt veröffentlichte. Es handelt sich um hochvirtuose Stücke mit tiefer Ausdrucksvielfalt. Sie sind auch weitaus länger als die vorherigen Bagatellen aus op. 119. Im Einzelnen lauten sie: 1. Andante con moto; 2. Allegro; 3. Andante; 4. Presto; 5. Quasi allegretto; 6. Presto - Andante cantabile e con moto.
Ein zartes, aber um nichts weniger resolutes Andante steht der Reihe voran. Ein einen teuflischen Ritt nachstellendes Allegro beschreibt die zweite Bagatelle deutlich in Moll.
Nun folgt ein versöhnliches Andante, dessen Tiefsinnigkeit divin und typisch beethovensch ist. Nun folgt eine von Beethovens wenigen Kompositionen in h moll, von der der Meister selbst meinte, sie sei die dunkle Tonart. Und er lässt sie bei Leibe düster, dunkel und ohne Ausweg erscheinen. Dennoch ist diese vierte Bagatelle nahe am Transzendieren.
Es schließt sich ein rundes, sauberes Allegretto an. Ein stürmisches Presto eröffnet die letzte Bagatelle. Doch quasi wie vor dem Anblick einer großen Sache erschrickt es und verstummt; denn nun folgt ein herrliches Andante, das den Urtypus dieser Satzbezeichnung wiederherzustellen scheint: Es ist nie schleppend, immer markig und stets sehr singbar. Ein prächtiger Abschluss!

Weiterhin befinden sich auf dieser CD ein Rondo in C Dur op. 51,1: Ein rundes und ruhiges Gelegenheitswerk des Komponisten. Das Allegretto in c moll WoO 53 ist ein düsteres Jugendwerk Beethovens. Das Klavierstück in B Dur WoO 60 hingegen ist ein Abfallprodukt der Hammerklavier Sonate.
Als krönender Abschluss befindet sich eine von Beethovens bekanntesten Klavierkompositionen auf der CD, nämlich die Bagatelle in a moll WoO 59 "Für Elise".

Alfred Brendel zählt für mich neben Wilhelm Kempff und Claudio Arrau zu den großartigsten Pianisten des vergangenen Jahrhunderts. Genauso wie für die Klaviersonaten nimmt er sich auch für diese weniger ambitionierten Werke viel, viel Zeit. Sie gedeihen unter seinen Händen unfassbar gut! Die Tonqualität ist 1a.

Fazit: Es lohnt sich, sich auch mit den kleineren Klavierkompositionen des Meisters auseinanderzusetzen, zumal Brendel diese phänomenal interpretiert.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beethoven im Kleinformat groß interpretiert!, 24. Juli 2002
Rezension bezieht sich auf: Klavierstücke (Audio CD)
Beethovens Bagatellen sind eine bunte Schar von lyrischen bis launischen Charakterstücken, die dieser im Laufe der Zeit komponiert hatte und dann zu drei Heften zusammenfügte.
Alfred Brendel gelingt es, den Charakter dieser kleinen Stücke genau zu treffen und so wird in jedem Stück ein musikalischer Kosmos für sich ausgearbeitet. Das Spektrum bei diesen Miniaturen reicht von kleinen Studien (z.B. bei op.119/9 über Synkopen) bis zu größeren Ausarbeitungen wie etwa op.33/1 in Rondoform oder op.126/6 als kleiner umgekehrter Variationensatz, der Ähnlichkeiten zu den Arietta-Variationen aus der letzten Sonate op.111 aufweist.
Zusätzlich findet sich auch noch das graziös-elegante Rondo op.51/1, das altbekannte "Für Elise", ein Allegretto in c-moll und ein Klavierstück B-Dur das zur Zeit der großen Hammerklaviersonate entstand, welche ebenfalls in B-Dur steht.
Allzu oft wurden diese Stücke nicht eingespielt. Es gibt noch eine Einspielung von Mikhail Pletnev, allerdings kommt Brendel mit seiner Interpretation Beethovens Geist wohl etwas näher. Daher ist diese CD eigentlich all denen zu empfehlen, die Beethovens Klaviermusik schätzen und eine noch relativ unbekannte Seite des großen Sonatenkomponisten kennenlernen wollen. Denn dieser hatte auch im Kleinformat etwas zu sagen.
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Klavierstücke
Klavierstücke von Alfred Brendel (Audio CD - 1997)
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