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5.0 von 5 Sternen grandiose Oper, 19. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Palestrina (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Diese Oper würde ich von ihrer Bedeutung, ihrem emotionalen Gehalt und ihrer Kompositionskunst zu den wichtigsten seit der Spätromantik zählen.
Sogar an die Seite der Opern und Musikdramen Wagners.

Der Komponist verwendet einiges von Wagners Sprache - etwa die Leitmotive - und ist dabei absolut eigenständig in seiner Harmonik.
Pfitzner verwendet niemals oberflächlich Effektvolles und vielleicht ist das ja einer der Gründe, warum er nie zu solch großem Ruhm wie manche italienischen Opernkomponisten oder eben natürlich Wagner (dieser natürlich auch zu Recht) kam.
So könnte man meinen, dass diese Oper staubtrocken und ohne Schmiss daherkommt.
Allerdings gibt es hier einen 2. Akt, der genial, pointiert und äußerst witzig Scheinheiligkeit, Hinterhältigkeit und allgemeine niedere menschliche Eigenschaften zeigt.
Ich muss lange darüber nachdenken, das schon einmal so großartig gehört zu haben.
Vielleicht noch bei der Zeichung Mimes in Wagners Ring.

Das Libretto ist also KEINE Schwäche wie bei so vielen Opern.
Die Überraschung: Pfitzner schrieb es (auch darin Wagner ähnlich) selbst.
Die Begabung dafür hatte er also auch.

Pfitzner gilt als Spätromantiker, der Neuerungen auf kompositorischem Gebiet äußerst skeptisch gegenüberstand.
Speziell mit Busoni lieferte er sich einen Streit über Fortschritt oder (Nicht)-Fortschritt in der Musik, der hartnäckig und teilweise bösartig geführt wurde.
Im übrigen ist er gar nicht sehr konservativ in seinen kompositorischen Mitteln, sondern teilweise auch an die Grenzen der Tonalität gehend - darin Strauss nicht unähnlich.
Seine politischen Äußerungen führten dann zu seiner Total-Isolation nach dem 2. Weltkrieg und somit wurde Pfitzner nahezu vergessen.
"Palestrina" 2011 aufzuführen heißt erst einmal, dass man sich entschuldigen muss, dass man es macht und dann muss man erklären, warum man es macht.
Eine Oper auszuführen, die genial komponiert wurde, die ohne Plattheiten auskommt, sollte selbsverständlich sein.
Der Mann war Komponist und kein Politiker.
Strauss hat man den vermeintlichen "Vorwurf", kompositorisch konservativ zu sein, bei weitem nicht so oft gemacht wie Pfitzner, bei dem dies gebetsmühlenartig wiederholt wurde.

Schönberg nannte Pfitzner als einen, der neben Mahler, Strauss und einigen anderen an die Grenze der Tonalität vordrangen und die ihn beeinflussten und es förderten, dass er diese dann sprengte.
Das zeigt ein komplett anderes Bild aus dem Mund von einem, der es am besten wissen musste.
Schönberg stellte sich ebenso nach dem 2. Weltkrieg demonstrativ hinter (oder besser gesag vor) Pfitzner.

Wie auch immer, ist das eine grandiose - und kurzweilige - Einspielung des Hauptwerks eines der größten, aber leider auch verkanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Die Oper heißt "Palestrina" nach ihrer Hauptfigur (dem legendären italienischen Komponisten) und der Komponist/Librettist identifizierte sich offenbar mit diesem, da er den Druck, "modern" sein zu müssen wie dieser als Hauptprotagonist der Oper ebenso fühlte.
Historisch ist das alles nicht ganz korrekt, aber die Freiheit hat ja jeder, sein Libretto so zu gestalten, wie es der Handlung und dem angestrebten Zweck dient.
Die Zweifel und das Elend des Komponisten, an dem eine "modernere" Zeit vorbeizieht und der Widersprüche in sich selbst und zu seiner Zeit erkennt und dem sie zu schaffen machen: das ist stark verkürzt die Handlung.
Ein Anachronismus fast, und vielleicht Pfitzners eigener.
Der zweite Akt - wie oben erwähnt - bringt ein komplett um 180 Grad gedrehtes Bild, das lachen macht.
Und somit dem ernsthaften Rahmen des ersten und dritten Aktes etwas entgegensetzt, was man sofort als die typisch oberflächliche und stumpfe "große weite Welt" ausmachen kann, die Pfitzner als Konservativer so sehr verachtete.

Peter Schreier ist ein großartiger Palestrina, die Damen - Carola Nossek und Rosemarie Lang , beide jeweils in Hosenrollen - sind ebenso hervorzuheben.
Die Staatskapelle Berlin unter Otmar Suitner ist ein Klangkörper mit reichem, warmen Ton, den die Aufnahme einzufangen weiß.
Dass es sich um einen Konzertmitschnitt handelt, hält man nicht für möglich, weil sich zum einen die Nebengeräusche äußerst selten bemerkbar machen und die Intonation der meisten Sänger sehr gut ist.
Zum anderen erklärt sich daraus vielleicht die Lebendigkeit.

Eine meiner Lieblingsopern.
Jeder Opernliebhaber weiß sicher, wie schwer es ist, Aufnahmen seiner Lieblingswerke zu finden, bei denen die Interpretation stimmig ist.
Diese Aufnahme zähle ich dazu.
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Palestrina (Gesamtaufnahme)
Palestrina (Gesamtaufnahme) von Peter Schreier (Audio CD - 1993)
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