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5.0 von 5 Sternen Spätmittelalterliche Polyphonie aus England, 3. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Geistliche Musik: Missa O Quam Glorifica; Ave Dei patris filia (Audio CD)
Robert Fayrfax (1464 - 1521): Geistliche Musik Vol. 1:
1. Kyrie - Orbis factor (nach dem Sarum-Ritus)
2.-5. Missa O Quam Glorifica (Gloria - Credo - Sanctus/Benedictus - Agnus Dei)
6. Hymnus "O Quam Glorifica"
7. Ave Dei Patris Filia
8.-10. Drei weltliche Lieder, von denen zwei Fayrfax mit einiger Sicherheit zugeschrieben werden.
Ausführende: Robin Blaze, Countertenor; Andrew Carwood, Tenor (nur weltliche Lieder); The Cardinall's Musick; Ltg. Andrew Carwood und David Skinner. Aufgenommen 23.-24. November 1994 in der Fitzalan-Kapelle des südenglischen Schlosses Arundel. Produzent: David Skinner. Toningenieur: Martin Haskell. Erstveröffentlichung 1995 als ASV CD GAU 142. Gesamtspielzeit: 74'26".

Nach Abschluss ihres 4 CDs umfassenden Ludford-Projektes wendeten sich The Cardinall's Musick und Andrew Carwood der wichtigsten musikalischen Gestalt der vorreformatorischen Zeit in England zu, Robert Fayrfax, dessen Musik, obwohl im Beiheft zu Recht als "spätmittelalterlich" bezeichnet, das 16. Jahrhundert in England entscheidend mitprägte. Fayrfax' Werke sind hauptsächlich in einer Handschrift überliefert, die mit dem Schloss Arundel in Verbindung gebracht werden kann, und daher hat man beschlossen, diese Musik in der uralten Kapelle des besagten Schlosses aufzunehmen. Das ist sicher dem "Originalklang" sehr förderlich, obwohl man anhand des im Beiheft abgedruckten Fotos erkennen kann, dass die Aufstellung der Mikros durch die Anwesenheit eines riesigen Sarkophags behindert wurde. Vielleicht hatte ich deshalb vor den Lautsprechern den Eindruck, den Chor gewissermaßen von der rechten Seite her zu hören.

Die 1504 entstandene Missa O Quam Glorifica ist ein ruhig fließendes, dichtes polyphones Geflecht, das, rein vom Klang her, oft eher an Ockeghem gemahnt als an Tallis oder Byrd. Vielleicht liegt das nicht nur am frühen Entstehungsdatum - es war gewissermaßen Fayrfax' Dissertation an der Universität Cambridge -, sondern an der komplizierten Führung der fünf Stimmen (Andrew Carwood verwendet im Chor sechzehn Stimmen: je drei Sopranistinnen, Altisten, Tenöre und Barytone plus vier Bassisten). Hörend lässt sich das alles nur bedingt nachvollziehen, und Andrew Carwood hat in seiner Einführung sicher Recht, wenn er feststellt, dass zum verstehenden, genussvollen Hören eine Partitur-Ausgabe gehört. Die fehlt mir, und den im Beiheft abgedruckten Text (Lateinisch/Englisch) vermochte ich wegen der vielen Stimmen und des natürlichen Halls in der Kapelle nur sehr bedingt zu verfolgen. Dennoch bleibt der Gesamteindruck überwältigend, vorausgesetzt, man dreht die Lautstärke nicht zu hoch (was aufgrund der Akustik zu Härten führen kann). Kein Wunder, dass diese gründliche Arbeit, zu der einiges an wissenschaftlicher Forschung seitens David Skinner gehörte, mit einem begehrten Gramophone Award ausgezeichnet wurde.

Von den drei weltlichen Liedern, die gewissermaßen in einem "Anhang" zugefügt wurden, stammen zwei wohl von Fayrfax selber, das dritte bleibt anonym. Sie werden von drei Solisten vorgetragen, wobei die Aussprache zwischen modern und zeitgenössisch zu schwanken scheint. Die abgedruckten Texte sind noch in einer Sprache, die gerade noch als Englisch zu erkennen ist und die auch ich als Engländer sehr schwer zu verstehen finde. Im Beiheft sind diese Texte nur in der alten Schreibweise und ohne jegliche Übersetzung abgedruckt. Die Aufführungen sind von erlesener Schönheit, wobei insbesondere auf den Countertenor Robin Blaze hinzuweisen ist.

Die deutsche Übersetzerin hat sich offenbar mit dem Begleittext mehr Mühe gegeben als in den vorangegangenen Gaudeamus-Beiheften, dennoch stolpert sie von Fehler zu Fehler, und ich würde jedem, der es halbwegs kann, empfehlen, sich ausschließlich mit dem englischen Text zu befassen.
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