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5.0 von 5 Sternen Temperament und Gefühl, 7. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: The 6 Partitas (Audio CD)
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So unverhofft dieses Werk in meinen Besitz gelangte, so eindrucksvoll erstürmte es mein Herz.
Aber eins nach dem anderen: Zunächst war da die Neugier auf die Neueinspielung Bachs Partiten von András Schiff für ECM 6 Partiten Bwv 825-830. Nach einer Hörprobe derselben war der Jagdinstinkt doch erst richtig geweckt. Es schloss sich ein erbitterter Vergleich mit der zweiten ebenfalls noch frischen Aufnahme von Murray Perahia Partitas 1,5 & 6 passend zu Bach: Partitas Nos. 2, 3 & 4 an.
Das Ergebnis ist nun dieser Kauf, nachdem plötzlich beide nicht mehr ganz zufrieden stellen wollten und ein segensreicher Tipp diese, durchaus seltener zu findendende, Aufnahme bescherte.
Schiff hat eine großartige Neuinterpretation geschaffen, im Gegensatz zu seiner Einspielung von 1983 bei DECCA, die sehr gefühlvoll, etwas zurückhaltend aber angenehm neutral war, scheint er die Werke nun neu durchdrungen, scharf analysiert und reifen gelassen zu haben, um sie mit unvergleichlicher Exaktheit neu zu fassen und wiederzugeben. Er spielt die Anschläge auch bei höchstem Tempo so sauber, fast hintereinander als wären sie auf eine Schnur gereiht. Das ist beeindruckend und eine Meisterleistung, aber muss unweigerlich Fragen aufwerfen, insbesondere für jeden, der noch keine Aufnahme der Werke besitzt.
Im Vergleich macht Perahia wahre Mätzchen mit den Stücken. Mit ungleich viel mehr Emotion, lässt er keinen Zweifel daran, dass Bach die Partiten als Tänze schuf, was bei ihm jedoch auch auf Kosten von Stringenz und Stetigkeit geht.
Wo liegt jetzt die Lösung? Bach können wir nicht mehr Fragen.
Nun vielleicht lässt sich das verschmerzen, denn was Angela Hewitt mit ihrer Einspielung von Juni 1996 (Partiten 1,2 und 4) und Januar 1997 (Partiten 3, 5 und 6) darbietet, die hier als Doppel CD erhältlich sind, das könnte wahrlich die Antwort sein. Jedenfalls klingt ihr Spiel wie die logische Konsequenz aus den beiden vorerwähnten. Wo sich zwei Herren meisterlich und mit hohem eigenen Stellenwert vergleichsweise abmühen, da fliegt Frau Hewitt scheinbar mit Leichtigkeit an ihnen vorbei.
Ihr Spiel ist so flink und temperamentvoll, dass das Staunen schon fast kein Ende findet. Schier unglaublich noch dazu, wie sie es schafft, dabei auch so exakt und akzentuiert zu bleiben. Sie fegt prächtig dahin um gleich wieder ein unvergleichliches Gespür für Ruhe und Pause zu haben. Selten wurden Pausen mit einem Klavier schöner gespielt. Das Ganze wirkt so schlüssig und wie aus einem Guss, dass es gar nicht anders vorstellbar scheint. Das ist Temperament und gleichzeitige Beherrschung. Das lässt sich auch vielleicht gar nicht lernen oder erarbeiten. Vielleicht ist der Schlüssel etwas, über das die beiden Herren in dem Maß einfach nicht verfügen. Etwas zu dem es einer Frau bedarf, dieser Frau! Vielleicht ist es einfach ein unbeschreibliches Gefühl.
Gefühl für die Leichtigkeit der Tänze, Gefühl für die Pausen und Wendungen, Gefühl für den Fluss der Emotionen. - Weh dem, der jemals in Verlegenheit gerät, beim Tanz mit Frau Hewitt, sie angemessen zu führen.
In der scheinbaren Leichtigkeit von Bewegungen offenbart sich erst ihre Fertigkeit, die absolute Beherrschung und das Erreichen eines Niveaus, das wahre Akzentuierung erlaubt. Hewitt beherrscht dieses Instrument und diese Stücke, dass es eine riesige Freude ist und schickt die beiden Herren förmlich in die zweite Liga. Eine wundervolle Einspielung.

Der Klang der Aufnahme aus dem Beethovensaal in Hannover ist ausgezeichnet. Sauber direkt und sicher nicht zu hart. Fast wirkt es anfangs so, als stünde der Flügel auf einem riesigen Teppich, das spricht für eine durchdachte Positionierung der Mikrofone, die sich auf das Instrument und nicht den Widerhall des Raumes konzentrieren.
Das beiliegende Heftlein enthält darüberhinaus eine interessante Abhandlung von Frau Hewitt zum Werk im Zusammenhang mit Bachs Leben und Wirken, sowie Analysen zu den Tanzsuiten im einzelnen (Englisch, Französich und Deutsch).

Wer eine meisterhafte vielleicht etwas akademische Neuinterpretation der Partiten, Bachs erster selbstveröffentlichter Werke (Gesamtveröffentlichung 1731) zur Abwechslung sucht, der möge sich alternativ auch die Schiffsche zu Gemüte führen, aber an dieser Einspielung von Angela Hewitt kommt im Grunde erst einmal niemand vorbei.
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The 6 Partitas
The 6 Partitas von Angela Hewitt (Audio CD - 1997)
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