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5.0 von 5 Sternen Orfeo ed Euridice - Das klassische Schulwerk, 13. November 2006
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Rezension bezieht sich auf: Gluck: Orfeo ed Euridice (Gesamtaufnahme(ital.),Aufnahme London 1981) (Audio CD)
Christoph Williald Gluck, geboren am 2. Juli 1714 im oberpfälzischen Erasbach ist bis heute der anerkannte große Reformator der Opernbühne, ohne den die Oper wohl irgendwann auf das Niveau des heutigen Fernsehprogramms herabgesunken wäre. Bereits als Kind zeigte er große musikalische Begabung, die nach Kräften gefördert wurde, und als Heranwachsender nicht die geringste Lust, in der Nachfolge seines Vaters als Förster durch Wälder und Auen zu streifen. Aus diesem Grunde riß er von zu Hause aus, schlug sich einige Zeit als Strassensänger durch, begann seine musikalischen Studien in Prag und Wien und landete schließlich im Mutterland der Oper, in Italien. Dort hatte sich im Laufe der knapp huntert Jahre (geht man vom Datum der Uraufführung von Moneverdis "Orfeo" als Geburtsstunde der Oper aus), die diese Kunstform bereits hinter sich hatte, so einiges verändert. Aus den Palästen der Fürsten und des hohen Klerus hatte sich die Oper zu einem Massenphänomen entwickelt (was eigentlich grundsätzlich zu begrüßen wäre), überall schossen öffentliche Musiktheater und Opernkompanien aus dem Boden, die Komponisten kamen kaum noch damit nach, die immense Nachfrage durch immer neue Werke zu befriedigen. Natürlich litt so das Niveau der aufgeführten Opern beträchtlich, in vielen Stücken gab es keinerlei nachvollziehbare Handlung mehr, nur der Genuß der Musik und die Anhimmelung des in jedem Theater anzutreffenden Gesangsstars (selbst ein Gigant wie Händel hatte seine liebe Not mit den verwöhnten Diven) stand absolut im Vordergrund. Das passte Gluck ganz und gar nicht.

Wie man aus der Geschichte und der heutigen Politik weiß, ist neben dem Beschweren die zweite Lieblingsbeschäftigung der Deutschen, Reformen und Reformationen zu erdenken. So auch bei Gluck, und seine Reformation war eine äußerst sinn - und wertvolle. Unter dem Motto, daß "die Musik der Poesie gehorsame Dienerin zu sein" habe, entwarf er die (in sich nicht gerade originelle, aber wichtige und richtige) Idee, jeden unnützen Zierat aus der Musik und unnötige Figuren aus den Textbüchern zu tilgen und die Handlung in den Vordergrund zu stellen. Die erste dieser "Reformopern" war die in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Raniero di Calzabigi entstandene "Orfeo ed Euridice", die am 5. Oktober 1762 in Wien (in Italien hatte niemand etwas von Glucks Ideen hören wollen) uraufgeführt wurde.

Diese Oper ist ein wahres Musterbeispiel dafür, was Gluck im Sinn hatte. Die Personen sind auf das Allernötigste (drei Rollen, ein Chor, wie im antiken griechischen Drama) beschränkt, die Musik verzichtet auf jeglichen Zierat, konzentriert sich auf das Vorantreiben der Handlung und charakterisiert die Gefühle und Temperamente der Bühnenfiguren. Leider interessierte sich zunächst kaum jemand für Glucks Reformideen, der Komponist selbst war unzufrieden und arbeitete die Oper mehrmals um. Langsam gewann Glucks Reformation immer mehr Anhänger (der Bedeutendste dürfte Mozart gewesen sein), auch die Gegnerschaft, die jede Umwälzung benötigt, formierte sich um einen Komponisten namens Piccini (der ein Bewunderer Glucks war) und es entwickelten sich heftige Debatten, Saal - und sogar Strassenschlachten, bis sich Glucks Idee schließlich durchsetzte und jedes Bühnenwerk, das man heute als "klassische" Oper bezeichnet, im Grunde nach Glucks Theorie funktionierte. Kaum ein anderer Komponist hat die Musik so nachhaltig geprägt wie der Förstersohn aus Erasbach. Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege.

Von "Orfeo ed Eurdicie" gibt es so viele Bearbeitungen (Gluck allein veröffentlichte drei Versionen), daß bald jedes Theater seinen eigenen "Orfeo" im Repertoire zu haben schien. Musiknummern wurden eingefügt und gestrichen und es wurde eifrig in die Handlung eingegriffen.

Die hier besprochene Aufnahme ist der rundum geglückte Versuch, die Wiener Urversion aus dem Jahr 1762 erklingen zu lassen. Im Geiste Glucks verzichtet der Dirigent Riccardo Muti auf jede unnötige Verzierung, leitet das Philharmonia Orchestra ohne Capricen, sondern treibt die Handlung der Oper zügig voran.

In der Urversion war die Rolle des Orpheus mit einem männlichen Alt, also einem Kastraten zu besetzen. Da man heutzutage von der "Sitte" abgekommen ist, Knaben mit besonders schöner Stimme zwecks Erhaltung dieser zu kastrieren (ein prominentes Opfer wäre beinahe Joseph Haydn geworden, den nur ein rechtzeitig einsetzender Stimmbruch davor bewahrte), wird heute, sofern Orpheus nicht zum Tenor oder gar Bariton transponiert wird, eine Sängerin mit dieser Aufgabe betraut. In diesem Falle ist es Agnes Baltsa, die weder im Gesang noch in der Darstellung Wünsche offen läßt. Der trauernde Sänger gelingt ihr rundum glaubhaft, sie singt unkapriziös und unangestrengt, eine sehr gute Leistung dieser oft unterschätzten Sängerin, die hier fast die ganze Oper im Alleingang zu stemmen hat.

In der recht kleinen Rolle der Euridice, die kaum Chancen hat, sich zu entfalten, überzeugt Margaret Marshall auf ganzer Linie. Auch sie stellt sich in den Dienst des Werks und trägt zum positiven Erscheinungsbild dieser Aufnahme bei.

Die einzige Partie, der Gluck ein wenig Verzierung zugestanden hat, ist Amor, der Liebesgott, der Orpheus zu seiner gefährlichen Mission auffordert. Dieser ist bei Edita Gruberova, jahrelang unschlagbare Meisterin der Koloratur, in den allerbesten Händen.

Ein äußerst wichtiger Bestandteil eines gelungenen "Orfeo" ist der Chor, der einen großen Anteil an den Gesangspartien hat. Der Ambrosian Opera Chorus zeigt sich hier souverän und rundet den rundum positiven Eindruck,den diese Aufnahme hinterläßt, ab.

Insgesamt ist diese Einspielung durchweg zu empfehlen. Das Preis - Leistungs - Verhältnis könnte kaum besser sein. Achtung: Das Libretto gibt es hier nut auf italienisch und englisch.
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4.0 von 5 Sternen Wer es dynamisch und transparent mag, ist hier richtig- eine sehr stimmige Aufnahme, 8. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Gluck: Orfeo ed Euridice (Gesamtaufnahme(ital.),Aufnahme London 1981) (Audio CD)
Es ist ja letztlich alles Geschmacksfrage.

Ich habe die Leipziger Aufnahme mit Bumbry mit dieser hier verglichen und komme zu dem Schluss, dass mir diese unter Muti einfach sympathischer ist: Das Tempo ist dynamisch, der Klang schön transparent, alles klingt etwas heller und differenzierter. Und die Stimme Baltsas ist mir persönlich eben lieber, ebenso die von Gruberova. Sie passen auch zur gesamten Aufnahme, die wunderbar stimmig ist (dies gilt insbesondere im Vergleich zur Aufnahme unter Minkowski, die mir etwas gestückelt erscheint).
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