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5.0 von 5 Sternen Klangschönheiten der Friedenssehnsucht, 7. Dezember 2012
Von 
André Beßler (Bremen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
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Rezension bezieht sich auf: Kol Nidrei / Cellokonzerte (Audio CD)
Der unter dem Namen Pablo Casals bekannt gewordene Cellist, Komponist und Dirigent hat zeit seines Lebens auf die katalanische Namensform Pau Casals bestanden. Dies nicht nur, weil Katalanisch die Sprache war, für die er sich stets einsetzte, sondern auch, weil das Wort Pau in Katalanisch Frieden bedeutet. Seine Lebensumstände mögen einer musikalischen Laufbahn zunächst nicht immer förderlich gewesen sein, doch Einsatz und Entdeckerfreude wiesen ihm den Weg zu dem, was sich uns in der Tonkunst offenbart. Auf der Höhe seines Schaffens unternahm Casals weltweite Konzerttourneen als Cellosolist und bildete in den Jahren 1906 bis 1933 zusammen mit dem Pianisten Alfred Cortot und dem Geiger Jacques Thibaud das wohl berühmteste Trio der Musikgeschichte.

Casals große Hoffnungen richteten sich auf ein demokratisches Spanien. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs stellte er sich öffentlich auf die Seite der Republik. 1939 ging er ins Exil nach Prades in Frankreich, wo er spanische Flüchtlinge unterstützte. Nach dem Sieg der Falangisten übersiedelte er nach Puerto Rico, dem Herkunftsland seiner Mutter. In einem weiteren Schritt gegen die Diktatur Francos erklärte er 1945, nicht mehr öffentlich aufzutreten, bis die westlichen Demokratien ihre Haltung zum Franco-Regime ändern würden. Er konzertierte mehrfach auf Einladung der Vereinten Nationen, denen er mit sehr viel größerem Vertrauen begegnete, als viele von uns es heute tun würden. Gestorben 1973, hat Pau Casals die Wiederherstellung der Demokratie in Spanien nicht mehr erlebt. Es ist hilfreich für den Hörer, diese Hintergründe zu kennen.

Für den Freiheitsfreund spiegelte sich in den hier vorgelegten Kompositionen Dvořáks, Elgars und Bruchs etwas zutiefst Menschliches. Sein Schwelgen in Klangschönheit, das sorgfältige Ausloten kompositorischer Details und eine recht einzigartige hymnisch-romantische Deutung der von ihm aufgeführten Kompositionen zeigen uns die Seele des großen Cellisten. Casals gefühlvolle Darbietung ist gekennzeichnet von dem Streben nach einer Vermenschlichung der Musik, die den Hörer gewissermaßen in die Interpretation einbezieht. Für mich ist das Hören dieser Aufnahmen stets wie eine Reise in eine versunkene Welt, von der nach zwei Weltkriegen nur vage Ahnungen an ihre Zeit und ihr Lebensgefühl übrig geblieben sind. Ich bin den Dirigenten, den Ensembles, vor allem jedoch Pau Casals sehr dankbar, etwas davon für das Heute fruchtbar gemacht zu haben.
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