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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der schöne Fischer, 4. September 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Schöne Müllerin (Audio CD)
Franz Schuberts drei Liederzyklen zählen zu seinen ganz großen Kompositionen. Der früheste Zyklus "Die schöne Müllerin" D 795 nach Gedichten von Wilhelm Müller, der heute eigentlich nur noch für seine beiden Gedichtzyklen - neben der "Müllerin" die "Winterreise", die Schubert ebenfalls vertonte - bekannt ist, zeigt uns einen zweigesichtigen Schubert: Er entwirft einerseits eine Idylle, zeigt den Weg zum Glück, um dann andererseits das Schicksal auf seinen Protagonisten hereinbrechen zu lassen. Die Texte kann der geneigte Hörer allesamt im gelungenen Booklet nachlesen.
Wenn man die vorliegende Aufnahme hört, in der der große Dietrich Fischer Dieskau vom genialen Gerald Moore begleitet wird, könnte man beinahe meinen, dass der Sänger eine Episode aus seinem eigenen Leben erzählt. Er singt mit voller Inbrunst und innerer Anteilnahme am Schicksal des wandernden Gesellen, der an der Liebe zur schönen Müllerin zerbricht.

Inhaltlich lässt sich der Zyklus in drei Teile untergliedern. Der erste Teil umfasst die Lieder Nr. 1 bis 10. Der rastlose Geselle besingt seine Wanderschaft im berühmten, zum Volksliedgut gewordenen "Das Wandern (ist des Müllers Lust)". Mit dem zweiten Lied führt Müller das Hauptmotiv des Zyklus' ein, den Bach. Der Protagonist lässt sich vom - verhängnisvollen - Rauschen des Baches leiten, bis er auf eine Mühle trifft. Während der Tonfall des ersten Liedes noch fröhlich und munter war, so mischen sich in die beiden nachfolgenden, die den Bach besingen, schon einige bitterere Elemente ein - eine Vorausahnung.
Im vierten Lied "Danksagung an den Bach" findet erstmals die schöne Müllerin Erwähnung, die des Gesellen Herz im Sturm erobert. Im Folgenden wird beschrieben, mit welcher Energie er ab jetzt zu Werke geht, die aber zunächst unbemerkt zu bleiben scheint. In seinem Gram wendet sich "Der Neugierige" wieder an den Bach, der seine inneren Wirrungen stumm aufnimmt. Als kongenial erweist sich der Komponist hier, der den jeweils divergierenden Tonfall der drei Gedichte punktgenau erfasst.
Von der Liebe beseelt schwelgt der Geselle in seinen Träumen, kann sich kaum mehr zurückhalten. Wie in Trance betrachtet er seine Geliebte jeden Morgen, schickt sich an, der Erste zu sein, der ihr den Morgengruß entgegenbringt. Selbst die Blumen - ein weiteres, häufig wiederkehrendes Motiv - bittet er um Mithilfe für sein Unterfangen, bis er schließlich endlich beisammen sitzt mit seinem Liebchen. Wie man sich denken kann, ist der Tonfall hier heiter, beinahe übermütig und keck.
Das hin und her geworfen Sein des Gesellen stellt Fischer Dieskau perfekt dar. Die Stimmungswechsel von munter und aufgeweckt zu traurig und fatalistisch setzt er eindrucksvoll und berührend um. Es ist immer wieder entrückend, welche Vielfalt an Klangfarben er aus dem achten Lied "Morgengruß" herausholt. Selbst dem altbekannten "Wandern" gewinnt er mit seinem beneidenswerten Begleiter noch etwas Neues, Fesselndes ab.

Der zweite Teil des Zyklus', der die Lieder 11 bis 13 beinhaltet, ist der kürzeste, was durchaus bezeichnend ist, da hier das Glück der beiden Liebenden beschrieben wird. Zunächst verkündet der Müllergeselle freudenvoll, dass die Müllerin nun sein sei. Er könne nicht mehr singen, da kein Klang der Welt das auszudrücken vermöge, was er empfindet. Einen Eindruck vom Einvernehmen der Glücklichen erhält der Hörer im Lied "Mit dem grünen Lautenbande". Schubert schlägt hier zufriedene, in sich ruhende Töne an. Wie sonst beinahe nirgendwo im Zyklus schmiegt sich die Klavierstimme nahtlos an den Gesang an.
Fischer Dieskau ist hier unübertroffen. Die Tiefe seiner Stimme, die warme Lyrik - passender könnte man den Habitus dieser drei idyllischen Gedichte nicht umsetzen. Auch die sehr gute Aufnahmequalität kommt diesem Umstand sehr entgegen.

Die letzten sieben Lieder berichten davon, wie die Liebe allzu rasch zerbricht wegen der Untreue der Müllerin und wie der Geselle daran zugrunde geht. Denn eines Tages taucht ein Jäger auf. Die Eifersucht des Protagonisten mag zunächst übertrieben erscheinen, doch bereits im 15. Lied "Eifersucht und Stolz" prangert der Dichter den "leichten, losen, kleinen Flattersinn" der Müllerin an. Der Gestus dieser Lieder ist wild, stürmisch und aufgebracht.
Dahingegen wirken die letzten fünf Lieder sanft. In ihnen verbirgt sich aber unsagbar viel Trauer und Lebensverneinung. Die Lieder 16 und 17 beschäftigen sich mit der Farbe Grün, die einmal als die Farbe der Liebe dargestellt wird, das andere Mal aber als die Farbe der Jagd, des Jägers und damit der Untreue. Auch die Blumen sind verdorrt, die dem Müllergesellen einst so wohl gesonnen waren. Anschließend folgt eine abstraktere Passage, in der sich der Müller mit dem Bach unterhält, was zur Folge hat, dass sich jener in diesen zur ewigen Ruhe niederlegt.
Die unendliche Weite und die entrückende Ruhe, die Fischer Dieskau hier erzeugt, die himmlischen Klänge des Klaviers - all das sorgt für ein musikalisches Spektakel, das ans Innerste rührt. Nie beispielsweise habe ich "Des Baches Wiegenlied" differenzierter gehört. Auch das recht sperrige "Der Müller und der Bach" macht das Duo zu einem Erlebnis.

Fazit: Auch wenn der Titel recht harmlos anmutet, so ist Schuberts Liederzyklus keine leichte Kost. Die vorliegende Einspielung jedenfalls wird immer eine gehobene Stellung in der Diskographie dieser anrührenden, zutiefst menschlichen Stücke einnehmen.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dietrich Fischer Dieskau, 11. März 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Schöne Müllerin (Audio CD)
DFD hat einfach eine tolle "Schubert-Stimme", es gibt wohl kaum einen Interpreten, der die Lieder von Franz Schubert mit diesem Ausdruck und dieser Dynamik interpretiert, Rudolf Schock vielleicht ausgenommen, diese Aufnahme ist allerdings meines Wissens nur sehr schwer zu erhalten. Gerald Moore als Pianist fügt sich unaufdringlich und großartig ergänzend ein - erste Wahl für alle, die Schubert und seine Lieder lieben!
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Die Schöne Müllerin
Die Schöne Müllerin von Dietrich Fischer-Dieskau (Audio CD - 1985)
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