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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Muss, 8. August 2005
Von Ein Kunde
Dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle, für die Lateinamerika mehr ist als Salsa und Caipirinha. Galeano (Uruguay) schildert die Grundzüge der Lateinamerikanischen Geschichte von der Conquista bis heute (geschrieben in den 70'ern) und erklärt damit unter anderem, wie es sein kann, dass dieser an sich so reiche Kontinent so arm ist. Man mag ihm mangelde Objektivität und schwarz-weiß-Malerei unterstellen, aber die Fakten sprechen für sich, und davon "enthüllt" dieses Buch eine ganze Reihe. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass dieses Buch durchaus mein Weltbild verändert hat.
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5.0 von 5 Sternen Ein notwendiges Buch, 15. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Nunca seremos dichosos, ¡nunca!", zitiert Galeano im Schusskapitel General Urdaneta, der unter Simón Bolivar diente. Ein Ausruf, die sich auf das Schicksal Lateinamerikas bezieht, einen menschengemachten Fluch. Der Auftakt ein „Fehlstart", die so genannte Entdeckung ein „Geburtsfehler": ein gnadenloser Eroberungsfeldzug, eine brutale Heimsuchung der "Entdeckten"(siehe die Schilderungen von Fray Bartolomé de las Casas). Abgesehen vom bekannten Gemetzel: In den Kontinent fielen mit den Spaniern und Portugiesen Angehörige von rückständigen europäischen Nationen ein, von Ländern, die die neuen Territorien weniger besiedelten denn als Breiten betrachteten, aus denen sich massenhaft Begehrtes herausschaffen ließ, zuerst Gold und Silber, später Ackerbauprodukte. Werte, von denen die ausbeutenden Mutterländer vor allem insofern profitierten, als dass sie damit ihre hohen Auslandsschulden begleichen konnten. Das zeigt Galeano im Kapitel „España tenía la vaca, pero otros tomaban la leche" (S. 40 ff.): „La Corona estaba hipotecada" und sperrte sich, nach der Beendigung der Reconquista in einem fundamentalistischen Katholizismus erstarrend, gegen die „economía moderna", gegen den „capitalismo ascendente en Europa." Statt sich ebenfalls (industriell) zu entwickeln, und zwar auf eigenem Boden, lebte Spanien von der Ausplünderung in der Ferne. Die Beute ging freilich größtenteils an Länder wie England, von denen sich Spanien, mit seiner Rückständigkeit die Kolonien infizierend, seinerseits in Abhängigkeit gebracht hatte.

Den Kontrast zur Geschichte Nordamerikas seit der Eroberung arbeitet Galeano im Kapitel „Las trece colonias del norte y la importancia de no nacer importante" heraus (S. 170 ff.). An den Ausgangsbedingungen gleichartig ist, dass die Europäer sowohl im Norden als auch im Süden gnadenlos über die eingeborene Bevölkerung herfielen (die in Nordamerika allerdings viel weniger zahlreich gewesen sein soll), sie abschlachteten oder als billige Arbeitskräfte bis zur totalen Entkräftung ausnutzen, später ergänzt bzw. ersetzt von afrikanischen Sklaven. Doch: „(Los peregrinos del Mayflower) no eran soldados de fortuna, sino pioneros; no venían a conquistar, sino a colonizar; fundaron ,colonias des poblamiento’. (Los colonos de Nueva Inglaterra) no actuaron nunca como agentes coloniales de la acumulación capitalista europea; desde el principio vivieron al servicio de su propio desarrollo de su tierra nueva." Der natürliche Reichtum Südamerikas – Bodenschätze und fruchtbare Böden, die zur Schaffung von Monokulturen für den Export, nicht für den Eigenbedarf verführten - wurde zum Fluch: Es fehlte der Anreiz, der Druck (eines Mangels an gegebenem Reichtum, an „importancia", daher der Titel des Kapitels), jenseits der Ausbeutung der Erde eine Produktion aufzubauen, sich wirtschaftlich selbständig zu machen, einen „mercado interno de consumo" zu schaffen.

Demgemäß die Haltung der herrschenden Klassen in den lateinamerikanischen Kolonien: „estaban más vinculados al mercado extranjero que a la propia comarca". Für ihr eigenes Wohlergehen reichte die Fehlkonstruktion aus, der große, grobe Rest der Bevölkerung mochte zusehen, wo er blieb. Die falsche Richtung verfestigte sich, eine Steilvorlage für den Neokolonialismus: „El subdesarrollo latinoamericano no es un tramo en el camino del desarrollo, aunque se ,modernicen‘ sus deformidades; la región progresa sin liberarse de la ESTRUCTURA DE SU ATRASO ..." (Herv. durch mich, S. 317). Das Gefälle zwischen Nord und Süd des Doppelkontinents scheint unaufhebbar, früh hat die Ausbeutung in eine Richtung, nämlich in dies südliche begonnen, bedingt durch die Übermacht der USA. „Las colonias (diejenigen Englands) se hicieron nación (integrierten sich zu den Vereinigtenstaaten) y la nación se hizo imperio (...) Mientras el norte de América crecía, desarrolándose hacia adentro de sus fronteras en expansión (durch Einverleibung weiterer Territorien wie Louisiana, Florida, Alaska usw. ), el sur, desarrolado hacia afuera, estallaba an pedazos como una granada (Folge: Existenz vieler – schwacher - lateinamerikanischer Staaten).

Somit starteten die Länder südlich des Río Bravo eher formal als real in die nationale Selbständigkeit, denn aus sich heraus waren sie nicht lebensfähig. Sie blieben wirtschaftlich extrem abhängig - und instabil besonders wegen der landwirtschaftlichen Monokulturen, die dem Schwankungen der Weltmarktpreise ausgesetzt waren. Die jeweilige Mehrheit der Bevölkerung litt; es profitierten die Minderheit der Großgrundbesitzer vor Ort und die Eigner ausländischen Kapitals, die allein im Eigeninteresse investierten und damit die Abhängigkeit zementierten Im 19. Jahrhundert kam Großbritannien mit seiner Finanzmacht eine herausragende Rolle bei „Bewirtschaftung" des Kontinents zu. Internationale "corporaciones" machten ihr großes Geschäft; dem Kapital, das eingespeist wurde, stand eine viel größere Menge davon gegenüber, die stetig abfloss. Die Gewinne gingen an der Bevölkerung mit ihrer Vielzahl an minifundistas, jornaloros, desocupados und pobres vorbei.

Aufbegehren wurde weiter und immer wieder erstickt. Die Riege der unterlegenen Anführer (der „héroes ayer traicionados", S. 337) reicht von José Artigas mit seiner „primera reforma agraria de América Latina" (S. 152 ff.) über Juan Manual de Rosas und seiner protektionistischen Politik (S. 237 ff.) bis zu den paraguayischen Präsidenten López (Vater und Sohn), deren Politik die Guerra de la Triple Alianza auslöste (S. 244 ff.) - Für die spätere Zeit sei beispielhaft Emiliano Zapata erwähnt; nicht zu vergessen, zumal als Herausforderer des „Imperiums", Fidel Castro.

Die Schieflage setzte sich im 20. Jahrhundert fort, mit asozialen, dem jeweiligen Land entfremdeten Oligarchien und das Kapital nach eigenem Gutdünken transferierenden „corporaciones" aus dem Ausland, vor allem aus den USA, aber z. B. auch aus der BRD. Gegebenenfalls unter Verwendung des Feigenblatts einer einheimischen Minoritätsbeteiligung, die der Unternehmung einen nationalen Anstrich geben sollte. Der Düsternis dieses „Schwarzbuchs" entspricht, dass der Leser vergeblich darauf wartet, ein Ausweg könne in Sicht kommen. Fest umrissene Perspektive, gar Lösungskonzept? Galeano bietet nichts dergleichen und spricht am Ende nur allgemein davon, dass es jede Menge „podredumbre" zu beseitigen gebe auf dem Weg zur „reconstrucción", die den Sturz der alten Machthaber zur Voraussetzung habe: „para que América Latina pueda nacer de nuevo, habrá que empezar por derribar a sus dueños, país por país. Se abren tiempos de rebelión y de cambio". In der Hand der (benachteiligten) Menschen mit ihrer Fähigkeit zur Bewusstwerdung liege es, das Schicksal zu wenden. (S. 337) Die Zustandsbeschreibung, die der Autor im 1978 verfassten Zusatzkapitel „Siete años después" gibt, ist freilich alles andere als dazu angetan, einen Hoffnungsschimmer oder eine Wendung zum Besseren auszumachen; als Paradebeispiel für die Macht der Reaktion, die der dauerhaften Verbesserung der Verhältnisse entgegensteht, kann ihm der Sturz Allendes dienen.

Die „venas" bluten also weiter. Unter Bedingungen, die Galeano in der Einleitung mit nüchterner Deutlichkeit aufzeigt; der Kontinent war fremdbestimmt und ist es weiterhin, weil er der „engranaje universal del capitalismo" (S. 16) nicht entrinnen kann, dem einseitig beherrschten Weltmarkt. Verlogen-ideologisch die Appelle, das Heil sei im uneingeschränkt „freien Handel" zu suchen, in einem vermeintlich „freien" Spiel der wirtschaftlichen Kräfte. Kommt es doch stets denjenigen zugute, die von der globalen Schieflage profitieren – und im Bedarfsfall, das eigene Interesse fest im Blick, selber protektionistische Maßnahmen für angezeigt halten. „Es América Latina la región de las venas abiertas. Desde el descubrimiento hasta nuestros días, todo se ha trasmutado siempre en capital europeo o, más tarde, norteamericano... (Todo ha funcionado) en beneficio des desarrollo de la metrópoli extranjera de turno, y se ha hecho infinita la cadena de las dependencias sucesivas (…) quienes ganaron, ganaron gracias a que nosotros perdimos: la historia des subdesarrollo de América Latina integra… la historia del desarrollo del capitalismo mundial." (ibid.)
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5.0 von 5 Sternen die Linke Südamerikas..., 7. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
ein Buch mit vielen Wahrheiten, auch wenn die Sicht natürlich einseitig ist. Wenn man die Region und seine Realität kennt, ist es eine interessante Horizonterweiterung
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Venas Abiertas de America Latina
Venas Abiertas de America Latina von Eduardo Galeano (Taschenbuch - 16. Juli 2009)
EUR 26,34
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