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am 16. Juni 2014
Zunächst einmal der Hintergrund zu diesem Buch, das ich allen Interessierten dringend empfehlen möchte:

Vor zehn Jahren wurde in Salzburg das Urteil im Prozess um die Gletscherbahnkatastrophe von Kaprun gefällt, das als das vielleicht umstrittenste in der österreichischen Nachkriegsgeschichte gilt. Nach rund zweijähriger Prozessdauer sprach der Salzburger Richter Manfred Seiss 16 Angeklagte von jeder Verantwortung an der Brandkatastrophe frei, die am 11. November 2000 immerhin 155 Menschen, darunter 92 Österreicher und 37 Deutsche, das Leben gekostet hatte.

Der Spruch des Einzelrichters Seiss provozierte einen Aufschrei unter den Angehörigen der Opfer, und wurde von Juristen, Politikern in aller Welt als ein von wirtschaftlichen Interessen geleitetes Skandalurteil gebrandmarkt. Doch die Revision vor der höchsten Instanz scheiterte in der Folge ebenso, wie die Bemühungen um eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Auch Versuche, die mauernde österreichische Justiz über Zivilverfahren in den USA auszuhebeln, schlugen fehl.

Zehn Jahre nach dem Urteil haben der deutsche Journalist Hubertus Godeysen und sein österreichischer Kollege Hannes Uhl nun die Brandkatastrophe und den darauf folgenden "Kriminalfall Kaprun" in ihrer Dokumentation "155 - Kriminalfall Kaprun" akribisch aufgearbeitet und damit das kapitale politische, und von der politischen Führung sicher so gewollte Versagen der Justiz im "Fall Kaprun" öffentlich gemacht. Unterstützt wurden sie dabei von der Salzburger Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat, deren Ermittlungsarbeit im "Fall Kaprun" von der vorgesetzten Justizbehörde nach eigenen Angaben immer wieder behindert wurde.

Bei ihrer detailreichen und spannenden Darstellung ging es den Autoren, denen bei jahrelangen Recherchen in der Alpenrepublik immer wieder Hindernisse in den Weg gestellt wurden, weniger um die bis heute ausstehende Bestrafung der für Bau und Betrieb der Gletscherbahn verantwortlichen Firmen, staatlichen Institutionen und zuständigen Mitarbeiter. Wie die meisten der überlebenden Opfer und Opfer-Angehörigen auch, suchten sie während ihrer mehr als fünfjährigen Recherche nach den juristisch Verantwortlichen für das Inferno am 11. November 2000. Denn nur so könnten sie dem umstrittenen Richter Seiss widersprechen, der bei der Urteilsverkündung zunächst den "lieben Gott" für die verheerende Feuersbrunst in der Gletscherbahn verantwortlich machte (Seiss wurde von den Medien mit dem Satz zitiert: "Gott hat für einige Minuten im Tunnel das Licht ausgemacht").

Später allerdings fand Seiss "den" Schuldigen in Form des baden-württembergischen Heizlüfter-Herstellers "Fakir". Das eigentlich für Badezimmerbetrieb gebaute Heizgerät, das unter Missachtung der Gebrauchsanweisung und einfachster technischer Grundlagen zerlegt und nachträglich in die Führerkabinen der Gletscherbahn eingebaut worden war, habe einen Konstruktionsfehler, meinte er und gab den Schwarzen Peter an die (in Österreich wenig populären) Deutschen weiter. Damit, so die Autoren, habe der Richter allerdings nur von zahlreichen Schlampereien und Fahrlässigkeiten abgelenkt, die zunächst auch ein vom Gericht bestellter österreichischer Sachverständige aufgedeckt hatte. Doch dieser, so bestätigte auch die Staatsanwältin Danninger-Soriat, wurde von den Verteidigern der 20 Angeklagten förmlich aus dem Prozess gemobbed, sein Gutachten daraufhin vollständig ignoriert.

Die Firma "Fakir" wiederum, ein Familienunternehmen mit Weltgeltung, wurde durch die falschen Beschuldigungen in den Ruin getrieben und später an türkische Investoren verkauft, auch wenn sie in den Folgejahren von allen Experten, von einer deutschen Staatsanwaltschaft und dem LKA Baden-Württemberg vollständig rehabilitiert wurde.

Insgesamt fällen die Autoren dieser spannenden Dokumentation ein vernichtendes Urteil über die zuständigen Teile der österreichischen Justiz. Die Wahrheitsfindung im "Fall Kaprun" sei schon allein wegen der möglichen negativen Auswirkungen der Katastrophe auf den wichtigen Tourismus in der Alpenrepublik behindert, oder gar blockiert worden. Außerdem vermieden der Staat Österreich und die zuständigen Institutionen durch das "erfolgreiche" Leugnen jeder Verantwortung potenziell riesige Schadenersatz-Zahlungen an die Opfer und deren Angehörige.

Das Urteil von Salzburg ist inzwischen rechtskräftig, Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof sind gescheitert. Die Hoffnungen der Opfer und ihrer Angehörigen auf eine Feststellung der "Wahrheit" im "Fall Kaprun" haben sich also nicht erfüllt. Obwohl der vom Salzburger Gericht ursprünglich benannte österreichische Sachverständige und später ein deutscher Experte die Fehler eindeutig auf Seiten der Österreicher sahen, beharren die Behörden der Alpenrepublik bis heute auf der letztlich unhaltbaren Behauptung, der Heizlüfter aus Baden-Württemberg sei schuld an dem Höllenfeuer gewesen.

Journalisten, die nachfragten, wurden im Wiener Justizministerium immer wieder abgewiesen. So erhielt das ZDF auf eine Anfrage zum zehnten Jahrestag der Katastrophe im Jahr 2010 die Antwort: " Verschwörungstheorien oder absurde Behauptungen haben in der österreichischen Justiz keinen Platz, sondern nur Fakten und die österreichischen Gesetze". Und Dieter Böhmdorfer, Justizminister während der Kaprun-Katastrophe, wiegelte im ORF-Fernsehen die Erkenntnisse der deutschen Staatsanwaltschaft mit den Worten ab: „…und das sich Deutsche bei uns wichtig machen, von der so genannten höheren Warte, das kennen wir, das halten wir aus.“

Ganz so souverän war denn der Umgang mit kritischen Journalisten wohl doch nicht, denn bereits vor dem Erscheinen des Kaprun-Buches wurde versucht, die Autoren juristisch einzuschüchtern. Übrigens: Der Hauptverteidiger im Kaprun-Prozess ist seit Dezember 2013 Justizminister in Wien, der Verteidiger des verantwortlichen Betriebsleiters der Gletscherbahn ist seit Juni 2013 Landeshauptmann (Ministerpräsident) des Bundeslandes Salzburg und der damalige Chefermittler im Range eines Polizeimajors ist seit Dezember 2008 Polizeigeneral und Leiter des österreichischen Bundeskriminalamtes (BKA).
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am 23. Oktober 2014
2014: Wieder wird die Frage vom DDR- Unrechtsstaat diskutiert. Man prügelt verbal aufeinander ein, verliert aber den offenen Blick fürs Wesentliche. Konnte es im Unrechtsstaat nicht auch im Kleinen Recht geben, im Rechtsstaat aber auch Unrecht? Wie wir schon bei Schlötterer (Macht und Mißbrauch) gesehen haben, glich das Bayern der frühen Nachkriegsgeschichte eher einer Putinschen Demokratur als einem wertorientierten Gebilde.

Und nun dieses Buch zur bösen Katastrophe von Kaprun. Einer absehbaren Havarie, in der Dummheit, Ignoranz und Mittelmaß die Verantwortung für das Leben von 155 Menschen tragen. Diese allerdings will man nicht übernehmen, ja man weist empört von sich, denn "Was nicht sein kann, darf auch nicht sein". Österreich, dieses Faszinosum aus kleinkariertem Gutleutetum und schneebedeckten Pässen, dieses ewig korrupte, alles zu Tode diskutierende Alpenkorea, konnte und wollte mit dem Kaprun-Prozeß keinen sauberen Schnitt machen, um all die hochkarätigen Sport-, Justiz- und Politfunktionäre ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Von vornherein stand der Freispruch fest, Beweismittel wurden vernichtet, Gutachten unterdrückt und manipuliert, Fachleute bis zum seelischen Zusammenbruch fertiggemacht, kaltgestellt, denn eine Nomenklatura der Titulierten drosch auf die unabhängigen Gutachter ein, bis diese krank an der Psyche schließlich aufgaben. Und sogar eine deutsche Firma musste dran glauben: der Heizgerätehersteller Fakir, der 670 000 einwandfrei funktionierende Wohnraumheizlüfter bereits weltweit ausgeliefert hatte, sollte wegen angeblich mangelhafter Produkte zum Sündenbock gemacht werden, obwohl seine Geräte zum Verbau in Zügen ausdrücklich nicht geeignet waren. Nun war allerdings einer dieser unprofessionell verbauten Lüfter in einem Tunnelzug eingebaut worden, den man flugs vom "Fahrzeug" zum "Verbringungsmittel" umtaufte. Eine der typisch österreichischen Schmäh-Schachzüge, die in ihrer manipulativen Bosheit von nichts zu übertreffen sind. Er, der Heizlüfter, hatte nämlich, neben hochentzündlichem Hydraulikölleitungen eingebaut (aus dem Flugzeugbau), zum Brand geführt, war allerdings vorschriftswidrig installiert. Alle Verantwortlichen wurden freigesprochen. Tumultartige Szenen im Gerichtssaal sind die Folge. Eltern, Ehegatten, Mütter brechen zusammen. Ein japanischer Vater (er verlor sein Kind) warf die Gerichtstür donnernd zu. Wer die Japaner kennt weiß, was solch ein Ausbruch bedeutet. Fakir verkauft mangels Nachfrage seine Produkte nicht mehr, der traditionsreiche Familiebetrieb wird an Investoren aus der Türkei verkauft. Und die Politiker redem vom Rechtsstaat Österreich, den es längst nicht mehr gibt.
Was uns der NSU-Skandal ist, ist für Österreich der Kaprun-Prozeß mitsamt der niedergeschmetterten Berufung geworden. Leider ins das spannende Buch anfangs etwas süßlich-gefühlig gehalten, entwickelt allerdings gegen Ende hin ungeahnte Wucht. Und das passiert in dem Moment, als eben der japanische (sic!) Opfervater die Tür vom Gerichtssaal knallend zuwirft.
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am 19. Juni 2014
Ich verfolge die Causa Kaprun von Anfang an und bin begeistert, dass die Autoren
gegen alle Anfeindungen dieses Buch veröffentlicht haben und es geschafft haben,
die wirkliche Wahrheit klar und verständlich darzustellen.

Was hier passiert ist - ist eine Schande für einen Rechtsstaat und die Verhöhnung
der Opfer und der Angehörigen......
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am 25. Februar 2014
Wer Österreich kennt der weiß, dass auch heute noch dem Tourismus alles untergeordnet wird - notfalls auch die Gerechtigkeit.
In der österreichischen Straf- und Zivilprozessordnung wimmelt es nur so von "Kuriositäten". Das Gutachterwesen in Österreich ist ein Skandal. Gutachter sitzen im Prozess am Richtertisch und führen sich auch so auf.
Daher finde ich die Vorgänge um diesen Prozess zwar unsäglich, aber leider wenig überraschend.
Die Korruption in der Alpenrepublik ist weit verbreitet und beginnt beim Obmann des Bienenzuchtvereins über die (relativ mächtigen) Bürgermeister bis hin in die Politik und offensichtlich auch die Justiz. Immerhin gibt es mittlerweile eine eigene Korruptions-Staatsanwaltschaft.
Wer sich mit diesem Land beschäftigt entdeckt verkommene Abgründe, die man im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts nicht mehr vermutet hätte.

Sehr bedrückend und sehr lesenswert.
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am 18. April 2014
Als in der Nähe Wohnende habe ich damals die Katastrophe miterlebt. Wenn der Bericht der Wahrheit entspricht, muss man sich fremdschämen. Aber leider kommen Fehlurteile auf der ganzen Welt vor - was natürlich keine Entschuldigung ist. Alles Mitgefühl den Hinterbliebenen!
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am 24. März 2014
Habe es innerhalb weniger Tage gelesen, spannend-fesselnd von Anfang bis Ende, auch wenn die Tragödie anfangs sehr bedrückend und emotional-bewegend beschrieben wird. Die Ermittlungen sowie der Prozess werden nachfolgend ebenso interessant geschildert, wobei man immer wieder nur den Kopf schütteln kann, wenn signifikante Fehler darüber entscheiden, dass niemand für den Tod von 155 Menschen verantwortlich ist. Die Geschichten um Beteiligte und Betroffene sowie eine gut verständliche Schreibweise lassen auch den weniger gut informierten Leser eintauchen in den Kriminalfall Kaprun - mehr als nur lesenswert!
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am 21. Februar 2014
Ein Tatsachenkrimi, der die Katastrophe von Kaprun und den darauffolgenden Prozess aufarbeitet - unglaublich, was in der österreichischen Justiz möglich ist! Dieses Buch muss man gelesen haben!
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am 26. Februar 2015
ich habe dieses buch in einem tag gelesen, weil ich es einfach nicht mehr aus der hand geben konnte. als österreicher muss man sich in dieser causa aufrichtig für unser (un)rechtssystem schämen und hat sich vor allen zu schaden gekommenen tief zu verneigen. all jene die zu diesem unrecht beigetragen haben sind eine schande für dieses land und dieses buch deckt dies umfassend auf. nach dem lesen dieses buches wird man vieles in österreich anders sehen als zuvor!
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am 7. März 2014
Das Buch ist sehr lebendig und einfühlsam geschrieben. Eigenartig ist es, wie mit Beweismittel und diversen Fremdgutachten umgegangen worden ist. Laut dem Urteil sprechenden Richter hat Gott für einige Minuten im Tunnel das Licht ausgemacht. Das Licht für eine faire und objektive Prozessführung ist offensichtlich gar nicht angeknipst worden.
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am 15. März 2014
Mutiger Beitrag zur fragwürdigen Judikatur in Österreich. Manche Tatsachen will man eben nicht zur Kenntnis nehmen und in der Urteilsfindung berücksichtigen. Spannend und berührend geschrieben. Keine Bettlektüre.
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