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Die drei Oberleutnante führen in diesem Buch die Diskussion weiter, die sie 2011 an der Bundeswehruniversität München angefangen hatten, aber nicht zu Ende führen durften. Die Universitätsleitung war damals der Meinung, dass die öffentliche Debatte über das Selbstverständnis der Soldaten nicht an einer Universität geführt werden sollte. Dieses Buch ist daraufhin unter Mitwirkung des ehemaligen Generalinspekteurs Klaus Naumann und des Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes Ulrich Kirsch entstanden.

Das Buch behandelt die Identitätskrise der Soldaten in der Bundeswehr. Die Bundeswehr ist, nach der Abschaffung der Wehrpflicht, zu einer Freiwilligenarmee geworden und die Autoren fragen sich, wo sie im sozialen Kontext stehen und für was sie eigentlich ihr Leben riskieren! In der Öffentlichkeit wird die Bundeswehr nur negativ wahrgenommen. Diverse Skandale erschütterten die Armee: mangelhafte Ausrüstung für die Auslandseinsätze, Soldaten mit posttraumatischen Psychosen und wenig Betreuung, Kasernenschliessungen überall in Deutschland, Fehlplanungen bei Flugzeug- und Drohnenkäufen, Beschwerden der Patriot-Truppe in der Türkei über mangelnden Komfort, der Prozess gegen Oberst Klein wegen einer angeblichen Fehlentscheidung im Frontkrieg....

Die Autoren beklagen als zentrales Thema die mangelnde Wertschätzung der Soldaten durch die Gesellschaft. Durch die Abschaffung der Wehrpflicht sei die Bundeswehr zu "einer volksfremden Behörde" geworden, die mangelnde Souveränität der Bundesrepublik, der demographische Niedergang, die bewusste Feminisierung unserer Gesellschaft und unsere Distanzierung zu unserer eigenen Geschichte dürfte dabei eine Rolle spielen. Die Aufgabe von über 30 Garnisonen, die weitere Verringerung der Truppenstärke zerreisst das Band, das die Gesellschaft mit der Truppe verbunden hatte. Das vorgegebene Leitbild der Soldaten " schützen, helfen, kämpfen" reicht nicht alleine zur Motivation, wenn es von der Allgemeinheit nicht mehr wahrgenommen oder gar negativ belegt wird. Die starke, klassische Beschützerrolle der Streitkräfte schwindet seit dem Ende des Kalten Krieges und heutige Bundeswehreinsätze finden in fernen Ländern statt, zu denen die Bevölkerung überhaupt keinen Bezug hat. Es sind Reissbretteinsätze, eine Art Computerspiele, die irgendwo zwischen dem Pentagon, Brüssel und Berlin entworfen werden. Das tägliche Kampfgeschehen in Afghanistan oder die Ausbildungsmission in Mali interessiert heutzutage niemanden mehr in Deutschland. Anders als in den angelsächsischen Demokratien, wo die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung bewusst und stolz hinter den Einsätzen steht, fragt sich in Deutschland der Bürger, ob es einer Bundeswehr überhaupt noch bedürfe! Die Bürger geben sich der gefährlichen Illusion der Gefahrlosigkeit hin, da ein Krieg zwischen europäischen Bündnispartnern als unmöglich angesehen wird und die Verteidigung von Europa eher in die Hände von anderen "berufenen" Armeen gelegt werden sollte.

"Was ist also heute noch Soldatentum?", fragen sich die Autoren! Eine neue Generation von Soldaten wächst heran und das Fehlen von soldatischer Identität und Berufung machen den militärischen Dient in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft unattraktiv. Wie erklärt der Soldat heute seiner Familie, warum er die Belastungen des militärischen Dienstes auf sich nimmt und zur Waffe greift? Und wenn er dann zur Waffe greift, wie sind die juristischen und politischen Konsequenzen in unserer heutigen Bundesrepublik, wenn er abdrücken sollte?

Ich selbst war als Offizier in Afrika eingesetzt und erlebte damals schon eine "weichgespülte" Bundeswehr, die politisch und sozial ferngesteuert wirkte. Aber es gab noch ein großes Gefühl des Aufbruches, der Weltverbesserung, der unbedingten Nützlichkeit, sowie auch einer eigenen Identität. Heute hat die Bundeswehr keinen eigenen Generalstab, denn der sitzt im fünften Rang als Klatscher und Befehlsempfänger im Pentagon! Vor 15 Jahren war es noch für afrikanische Partner eine Ehre, in Deutschland ausgebildet werden zu können! Mittlerweile geht man lieber nach USA oder Frankreich, dort wo ein Soldat noch angesehen ist. Deutschland hat eine ALIBIARMEE und die menschliche Seite dieser Armee ist nicht mehr gesellschaftsfähig. Die Gesellschaft fordert mehr Maschinen und weniger Menschen! Der Beruf des Soldaten wird sinnentleert und immer unattraktiver.

Quo vadis, legionarius?

Bleibt zu hoffen, dass dieses brandaktuelle Buch entsprechend wahrgenommen wird!
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am 3. August 2013
Das Buch regt zum Diskutieren an. Nicht allem muss man zustimmen. Aber da mache sich jeder selbst ein Bild, wofür das Inhaltsverzeichnis sicher hilfreich ist:

(Inhalt)

Geleitwort des Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch
Geleitwort Soldatentum?! Zur Notwendigkeit einer Debatte, Klaus Naumann
Soldatentum im Rechtsstaat, Jochen Bohn

I. Selbstbild
Der Soldat als Gestalt, Felix Springer
Selbstblockaden, Stefan Gerber
Soldat und Söldner. Demokratie und Schlagkraft, Carlo Masala
Armee in zwei Welten, Marcel Bohnert

II. Fremdbild
Heldenlos – soldatische Identität in der Mediengesellschaft, Sascha Stoltenow
Kämpfer in postheroischer Zeit, Gottfried Küenzlein
Wofür kämpfen? – Die Notwendigkeit einer nationalen Sicherheitsstrategie, Fabian Schmidt
Bundeswehr und Öffentlichkeit: Militärische Tradition als gesellschaftliche Frage, Cora Stephan
Die Bundeswehr: Rechts und prekär? – Ein (welt)historischer Rahmen, Michael Wolffsohn

III. Feindbild
Von der Notwendigkeit des Feindes im Krieg oder Feindschaft und Krieg, Bernhard Schreyer
Der Soldat als Feindbild im Inneren?, Larsen Kempf
Soldat und Partisan als Antibürger, Martin Böcker

Nachwort der Herausgeber
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Die Bundeswehr hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert: von der Landesverteidigungs- und Wehrpflicht- zur Einsatz- und Freiwilligenarmee, von einer fast reinen Männertruppe zum durchgegenderten Großunternehmen, das eher darauf achtet, politisch korrekte Vorgaben – „Kampf gegen Rechts“, Multikulti, Frauenquote – umzusetzen, als sich um die ureigenste Domäne eines militärischen Verbandes, die Stärkung der Kampfkraft, zu kümmern. Die Bundeswehr soll nach Möglichkeit alles sein: attraktiver Arbeitgeber für jedermann/frau, mit Dienstzeitausgleich und Krippenplätzen am besten bis ins Einsatzgebiet, nur bloß nicht kriegerisch. Und das ist die Crux, mir der sich die drei Herausgeber – junge Offiziere der Bundeswehr – herumschlagen müssen. Sie dienen Deutschland, aber der Gesellschaft ist es egal, sie kennt ihre Soldaten nicht, nicht die heutigen und erst recht nicht die früheren. Nach 1945 wurde den Deutschen das ausgetrieben, wofür sie in der Vergangenheit berühmt waren: militärische Effizienz. Wenn alles andere wichtiger ist als das genuin Soldatische, wie können Bundeswehrangehörige daraus Identität schöpfen? Warum sollten sie gerade darauf stolz darauf sein, daß sie auf Beschluß eines Parlamentes, einer Ansammlung von Parteipolitikern, in Kriege geschickt werden und nicht mehr auf Befehl eines Kaisers, Königs oder Führers? Krieg bleibt Krieg, und eine Gesellschaft, die den Einsatz ihrer Soldaten nicht würdigt, läuft Gefahr, ihre Loyalität zu verlieren. Die Aufsätze dieses Bandes nähern sich dem Thema von unterschiedlicher Seite. Sie analysieren die Lage richtig, bieten aber keine Lösung des Problems an. Letztlich bleibt nur ein niederschmetternder Befund. Wer sich als Soldat für Deutschland engagieren will, muß mit Interesselosigkeit oder sogar mit Gegnerschaft rechnen. Wer es nur für Geld, das kostenlose Studium oder aufgrund mangelnder Alternativen tut, hat es leichter. Kriege sind aber mit solchen Soldaten nicht zu gewinnen.
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am 31. März 2015
Super Beiträge aus Wissenschaft und von Soldaten selber. Es wird mehr in dieser Art gebraucht um eine Diskussion zum Thema in Deutschland zu entfachen. Ob ich inhaltlich mit allem zustimme sei das eine, das andere ist eine gute neue Perspektive, mal nicht von Journalisten oder selbsterklärten Experten. Danke dafür!
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