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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der amerikanische Albtraum
Knockemstiff ist ein kleines, verschlafenes, dreckiges und ödes Kaff irgendwo in einer Senke im kargen Ohio. So wie die dort lebenden Anwohner kaum ihren Ort verlassen, so selten verirren sich auch Fremde dortin - denn ausser einem Pub, einem Autokino, einer schmuddeligen Tankstelle mit Gemischtwarenladen, einem heruntergekommendem Bolzplatz und einer kaum besuchten...
Vor 21 Monaten von Christian Mayr veröffentlicht

versus
17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Du kannst aus dieser Stadt fliehen, aber die Stadt flieht nicht aus dir.
Nachdem Donald Ray Pollocks zweiter Roman "The Devil All The Time" ("Das Handwerk des Teufels") auch in Deutschland bekannter wurde, hat der Liebeskind-Verlag nun nachgelegt und den Erstling dieses neuen Sterns am Himmel des Hard-boiled-Romans veröffentlicht. Anders als der zwar episodenhaft erzählte, doch letztendlich einer stringenten Geschichte folgende...
Vor 20 Monaten von Gavin Armour veröffentlicht


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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der amerikanische Albtraum, 1. Juli 2013
Von 
Christian Mayr "einmeier" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Gebundene Ausgabe)
Knockemstiff ist ein kleines, verschlafenes, dreckiges und ödes Kaff irgendwo in einer Senke im kargen Ohio. So wie die dort lebenden Anwohner kaum ihren Ort verlassen, so selten verirren sich auch Fremde dortin - denn ausser einem Pub, einem Autokino, einer schmuddeligen Tankstelle mit Gemischtwarenladen, einem heruntergekommendem Bolzplatz und einer kaum besuchten Kirche gibt es dort neben den langsam verfallenden Häusern und Wohnwagen einfach nichts, nichts Lebenswertes. Arbeitgeber sind die Plastik- und Papierfabriken in der Nähe - oder die Sozialhilfe. Den Alten und Jungen, selbst Kindern dort bleibt also nur noch die Flucht - die ausweglose Flucht in von Rassismus geprägtem, brutalem Hass, in Sex, in Alkohol- und Drogen- und Medikamentenmissbrauch und in gefährliche Gewalt.

Bei "Knockemstiff" handelt es sich um das eigentliche, bereits 2009 in den USA erschienene Debut des Autoren Donald Ray Pollock, das nach dem prämierten Erfolg des zweiten Romans "Das Handwerk des Teufels" nun auch in Deutschland erschien. Es handelt sich um eine Sammlung an 18 Kurzgeschichten, die in nur wenigen Aspekten sich gegenseitig ergänzen oder Bezug zueinander nehmen und deren zeitlicher Horizont sich schätzungsweise von den 60er Jahren - mit einem kurzen Rückblick in die 40er und 50er Jahre - bis zu den frühen 90ern erstreckt - denn Pollock gibt nur dezente Hinweise, die helfen, die Geschichten einzuordnen.

Dafür aber mangelt es nicht an expliziten, ausdrücklichen Darstellungen, die verstören, beeindrucken, nachdenklich stimmen, irritieren und schockieren: Voller Wucht packt Pollock energisch in seine Prosa einen amerikanischen, bedrückenden, beängstigenden und brutalen Albtraum, dem die Protagonisten nicht entkommen. Es ist ein bizarres, brutales Panoptikum, eine vollkommene Tragödie, in der seelische und körperliche Vergewaltigungen, Inzest, Missbrauch von Phsychopharmaka und Barbituraten an der Tagesordnung sind. Die Protagonisten versuchen mit Steroiden, Meskalin, LSD, PCP oder Heroin sich ihren eigenen Traum zu erfüllen, aus ihrer Realität zu flüchten und antworten bei den stets fehlgeschlagenen Fluchtversuchen einfach mit brachialer, roher Gewalt, egal ob Fremden oder ob Kindern oder den Ehefrauen gegenüber - die Einwohner von Knockemstiff sind stets geprägt von überschäumendem Hass, Rassismus und dem omnipräsenten Gefühl der absoluten Ausweglosigkeit aus dem tristen Dasein. Die Schilderungen der Geschichten und die Darstellung der Charaktere sind konsequent ohne Mitleid, ohne Sympathie, selbst ohne bewusste Antipathie für Täter oder Opfer, hart und kompromisslos, ohne Anflug von Humor oder gar Zynismus und nur selten findet man etwas, das noch vage an 'Menschlichkeit' erinnert. Jede noch so kleine Spur von Hoffnung wird konsequent erstickt und erdrosselt und ermordet.

Es fällt schwer, einfach zu behaupten, dass dieser Roman 'gefallen' habe - dazu ist die Wucht und die Wirkung zu erschreckend. Zweifelsfrei aber schafft Pollock es, mich nachhaltig zu beeindrucken, zu intensiv, zu stark sind die Eindrücke, die er wort- und bildgewaltig inszeniert. Die sprachliche Qualität ist darüber hinaus beachtenswert - kein Wort, kein Satz zuviel, was sicherlich auch der sehr guten Übersetzung geschuldet sein muss. Ein starker, heftiger, extremer und durchaus grausamer Roman, der den Amerikanischen Traum in der Hölle stattfinden lässt. Ein Stück schonungslose Literatur über den amerikanischen Abgrund, überspitzt und doch erschreckend nah an oder sogar aus der Realität. Erschreckend - aber auch erschreckend faszinierend und erschreckend gut geschrieben.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Schattenseite Amerikas, 9. Juli 2013
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Gebundene Ausgabe)
Knockemstiff ist ein Kaff im südlichen Ohio und liegt irgendwo im Nirgendwo. Bereits die Erklärung, die Donald Ray Pollock zur Herkunft des Namens gibt, vermittelt eine Ahnung, wie die Menschen dort miteinander umgehen: Ein Wanderpriester kommt eines Tages dazu, wie sich zwei Frauen wegen eines Mannes schlagen. Der Priester bezweifelt, dass dieser Mann die ganze Aufregung wert ist und kommentiert das geschehen mit dem Satz "Someone should knock him stiff" - soweit die Überlieferung, gesichert ist diese Geschichte nicht.

Laut Wikipedia ist Knockemstiff heute fast eine Geisterstadt, wobei nach der Lektüre des gleichnamigen Buches vielleicht doch der eine oder andere Leser neugierig geworden ist und sich dorthin verirrt.

In diesem abgelegen Ort wächst der amerikanische Autor Donald Ray Pollock auf, der im deutschsprachigen Raum 2012 durch seinen sprachgewaltigen Roman "Das Handwerk des Teufels" bekannt wurde, der verdientermaßen mit zahlreichen europäischen Preisen ausgezeichnet wurde.

"Knockemstiff" nun ist der der Titel seiner ersten Veröffentlichung überhaupt, erstmals 2008 im Original erschienen, ein Band mit einzelnen Geschichten, die aber miteinander durch ihre Protagonisten verwoben sind und die sich in und um diesen Ort abspielen.

Die Menschen, die dort leben oder hängengeblieben sind, scheinen allesamt Verlierer zu sein, deren Leben mit dem amerikanischen Traum nicht das Geringste zu tun hat. Alkohol- und Drogenmissbrauch ist die Regel und nicht die Ausnahme. Ihr Leben ist ein einziges Elend, geprägt von Brutalität, ohne Perspektive, ohne Hoffnung und vor allem ohne Liebe. Dieser raue Umgang wird bereits den Kindern von klein auf vermittelt. Mütter werden beschimpft und halb tot geschlagen, wenn sie es wagen, sich schützend vor ihre Söhne zu stellen, deren Vätern sie mit roher Gewalt zu richtigen Männern ,erziehen` wollen. Manch eine/r hat und lebt noch die Illusion, aus diesem Loch herauszukommen und ihrem/seinem Leben die entscheidende Wendung zu geben. Vielleicht gelingt es, aber ich habe so meine Zweifel.

Was die Ozarks für Daniel Woodrell, ist Knockemstiff für Donald Ray Pollock - beide Autoren beschreiben ähnliche Menschen, Zustände und Ereignisse auf der Schattenseite Amerikas und verlangen ihren Lesern einiges ab.Dabei sind ihre drastischen Schilderungen oft kaum auszuhalten und gehen bis an die Grenze des Erträglichen. Nein, das ist keine "schöne Literatur", dafür aber höchst beeindruckend und den Leser im Innersten berührend - und ein klarer Favorit für mein Buch des Jahres!
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Du kannst aus dieser Stadt fliehen, aber die Stadt flieht nicht aus dir., 8. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Gebundene Ausgabe)
Nachdem Donald Ray Pollocks zweiter Roman "The Devil All The Time" ("Das Handwerk des Teufels") auch in Deutschland bekannter wurde, hat der Liebeskind-Verlag nun nachgelegt und den Erstling dieses neuen Sterns am Himmel des Hard-boiled-Romans veröffentlicht. Anders als der zwar episodenhaft erzählte, doch letztendlich einer stringenten Geschichte folgende Nachfolger, hat man es hier eher mit einer Sammlung an Kurzprosa zu tun, die sich erst im Lesefluß kaleidoskopartig nach und nach zu einem runden Gesamtbild zusammenfügt.

"Knockemstiff" ist ein Kaff in Ohio, dem der Autor entstammt. In einer Senke gelegen, umgeben von drei Flüssen und einer Bergkette, ist es vom Rest der Welt recht abgeschieden gelegen. Diesem Kaff ist Pollock in realitas entkommen, literarisch musste er wohl noch einmal dorthin zurückkehren, um sich frei zu machen von all dem Schmutz, dem Dreck und dem Hass, der die Menschen, die dort leben, zu vergiften droht. Es ist müßig, eine Zusammenfassung des Inhalts zu geben, man hat es mit einer Sammlung von Stories zu tun, die mal aus der Ichperspektive eines Protagonisten, manchmal auktorial erzählt, manchmal in den 50er und 60er Jahren, manchmal später angesiedelt sind. Je weiter das Buch mit gerade mal 250 Seiten voranschreitet, desto zeitnaher spielen die Geschichten, was allerdings zur Deptression, die das Lesen dieser Berichte aus dem Fegefeuer auslösen kann, nur beiträgt. Denn offenbar hat sich da wenig geändert zwischen 1956 und 2008.

Immer wieder wird hier erzählt von der Gewalt, dem Sadismus und dem alltäglichen Rassismus dieser Menschen am unteren Rande der Gesellschaft und von der Vergeblichkeit, diesem Leben entkommen zu wollen. Sei es der Alkoholismus, der diese Männer - denn es sind überwiegend Männer, deren Taten hier geschildert werden - befeuert und zu manchmal unberechenbaren Monstern macht, sei es ein nahezu natürlicher Hang, die Unwägbarkeiten und Illusionen des eigenen Lebens auf andere zu projezieren und diese dann die Enttäuschungen spüren zu lassen anhand gnadenloser Gewalt und Verhöhnung - nie gibt es hier einen Lichtblick, nie hat der Leser das Gefühl, es gäbe einen Ausweg aus dieser Hölle. Selbst jene, die der Stadt entkommen sind, tragen sie so tief in sich, daß sie das Gift aus der Senke in die Umwelt tragen.

Du kannst aus dieser Stadt fliehen, aber die Stadt flieht nicht aus dir.

Es gibt eine andere, in der amerikanischen Literatur sehr bekannte Stadt, die ebenfalls in Ohio liegt: Winesburg. Sherwood Anderson hat sie 1919 der amerikanischen Moderne geschenkt. Ein wahrhaft bahnbrechendes Buch, das mit Erzähltraditionen ebenso brach, wie mit den Tabus dessen, was erzählt werden konnte/durfte. Winesburg, Ohio war erfunden, sein Autor hatte es der Kleinstadt Clyde nachempfunden, in der er selbst aufgewachsen war. In seinem Klassiker verbinden sich die einzelnen Episoden durch eine einzige Figur, die immer wieder direkt oder indirekt auftaucht oder genannt wird, einen jungen Mann, der als Zeitungsredakteur des örtlichen Lokalblatts sozusagen den Überblick über die Geschehnisse in der Stadt hat. George Willard will hinaus in die Welt und dort reüssieren. In seinem jugendlichen Drang (obwohl er, wie wir im Laufe der Handlung lernen, kaum Erfahrungen im Leben gemacht hat bisher, auch nicht mit der Liebe) wird er für viele Einwohner der Stadt zu einer Projektionsfläche - im Guten (erotisch Guten zumal) wie im Schlechten.

"Knockemstiff", das allein schon durch seinen Aufbau und seine Anlage ganz klar auf Andersons Meisterwerk rekurriert, löst diese Möglichkeiten, die die Welt bieten, auf. Hier gibt es nicht nur keinen George Willard, es gibt nicht mal den Ansatz eines inneren Zusammenhalts zwischen den Einzelepisoden. Diese "schweben" sozusagen im Raum, frei aller Halterungen. Es will hier auch niemand "raus" - jeder in dieser Stadt scheint entweder zufrieden mit seinem Leben (in dem Sinne, daß es immer noch schlimmer geht) oder aber hat längst resigniert. Wo Anderson von einem Willen zum Aufbruch erzählt - inhaltlich, aber eben auch formal - und damit wahrscheinlich sehr gut den Geist der amerikanischen Moderne einfängt und wiedergibt, ist bei Pollock alles Resignation. Diese Menschen haben zu oft verloren, sind zu oft betrogen worden und haben zu oft gesehen, daß Freude immer nur zu Schmerz führt, als daß sie auch nur noch einem einzigen Versprechen, einer einzigen Verheißung Glauben schenken würden.

Daß Pollock im Gegensatz zu Anderson den Klarnamen der Stadt, die er meint, nutzt, ist schon ein Bekenntnis. Obgleich nie festgestellt wurde, warum Anderson nicht den Namen Clyde nutzte, versteht man, daß Winesburg eine Art Modell sein kann für die typische amerikanische Kleinstadt des Mittelwestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Keine Utopie und auch keine Dystopie, sondern einfach eine Art Fabelstadt die einen guten Durchschnitt der damaligen amerikanischen Gesellschaft (re)präsentierte. Knockemstiff ist - zumindest in Pollocks Augen - scheinbar ebenfalls eine typische Kleinstadt des heutigen Amerika, eine Post-Gesellschaft: Postmodern, postdemokratisch, postkommerziell. Und postemotional. Pollock führt seine zerstörten Kleinstadtbewohner gnadenlos vor, ohne Sympathie und ohne Hoffnung. Vielleicht seine Art der Therapie, diese Stadt doch irgendwie aus sich heraus zu bekommen. Es gibt hier keinen Querschnitt mehr, diese Menschen sind alle sogenannter "White Trash", sie sind sozusagen alle Bewohner des Trailerparks. Das erinnert alles ein wenig an jene Gesellschaft, die Debra Granik 2010 in dem Independent-Drama "Winter's Bone" ausstellte. Auch dort war die amerikanische Gesellschaft nur noch ein loser Haufen von Halbkriminellen, die immerzu schnelle Geschäfte und Deals abzuziehen bereit waren. Auch jene Welt war eine ohne Mitleid und bar aller Hoffnungen.

Die Hoffnungslosigkeit gilt vor allem für alles Erotische/Sexuelle. In beiden Werken erstaunt, wie stark Erotisches im Vordergrund steht. Doch was Anderson zur Metapher des Lebens, zur Allegorie jugendlichen Drangs und jugendlicher Aufbruchstimmung wird, ist bei Pollock nichts weiter als Krieg: Krieg der Geschlechter, Krieg der Generationen, Krieg gegen das Leben selbst. So gut wie nie werden wir hier Zeuge von Zärtlichkeit oder Liebenswürdigkeit. Diese Menschen kennen nur noch den permanenten Kriegszustand aller gegen alle. Was sicherlich damit zu tun hat, daß wir hier auch nahezu niemandem begegnen, der nicht alkohol- oder drogenabhängig ist. Crystal Meth, Marihuana (sowieso), Heroin und Speed (überhaupt Upper aller Art) sind die bevorzugten Drogen und jeder in diesem Tal nutzt sie. Um sich zu befreien von Ängsten, von den Härten des Alltags, aber auch von Träumen, die zu nichts führen als Enttäuschung - die dann auch wieder mit Drogen zu bekämpfen wäre. Wer in Knockemstiff aufwächst und lebt, der hat im Grunde das Leben hinter sich und vor ihm liegt das Pugatorium...

Warum aber nur 3 Sterne? Vielleicht liegt es daran, daß der Rezensent in den vergangenen Monaten zu viele solcher Geschichten gelesen hat, vielleicht liegt es aber auch daran, daß der Aufbau dieser Stories ohne echten Zusammenhalt (was Pollock ganz geschickt nutzt, denn so sind diese beschriebenen Leben: ohne Halt, schon gleich ohne Zusammen-Halt) nie, an keiner Stelle, auch nur ansatzweise einen Schimmer Hoffnung bereit hält. Dabei spricht ja Pollocks eigene Geschichte eine andere Sprache, denn er hat den Absprung ja geschafft, er selbst wäre ja das positive Gegenbeispiel zu all dem Elend dieser Stories. Doch auch wenn es nur 250 Seiten sind: Ununterbrochen diesem Elend zu folgen, das sich dann eben auch recht eindimensional anhand von Drogen und schlechtem Sex darstellt, ist auf Dauer ermüdend, trist und - ja - langweilig. So wichtig Pollocks Beobachtungen sind im Kontext der amerikanischen Wirklichkeit, es bleibt Prosa, es ist kein Sozialbericht, und insofern auch einer Dramaturgie verhaftet, die es hier einfach nicht gibt. Was schade ist, was aber zugleich eben auch ein Schwachpunkt des Buches ist.

Deshalb nur gute 3 (3,5) Sterne.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, abgründig und geradlinig, 6. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Gebundene Ausgabe)
Ich mag Pollocks Schreibe. Er kommt schnell zur Sache, ohne große Umschweife direkt auf den Punkt. Dabei schildert er keine bedeutsamen Ereignisse; er legt sein Augenmerk auf die Verlierer und Versager. Das Leben in Knockemstiff liegt für Pollocks Protagonisten in trübem Licht. Manche schuften in perspektivlosen Jobs und enden als alkohol- und drogenabhängige Kleinkriminelle auf der Straße. Andere verharren untätig und folgen dem miserablen Vorbild ihrer Eltern. Häusliche Gewalt, skrupelloser Sex, mitleidloser Umgang, die Folgen des Versagens vor Augen. Ein ewiger Kreislauf. Pollock treibt es für den Leser ungemütlich auf die Spitze. KNOCKEMSTIFF ist in einzelne Geschichten unterteilt. Jede für sich bietet Stoff für eine längere Story. Doch der Autor reiht ein Elend ans nächste. Hier gibt es keinen Ausweg, keinen Lichtschimmer.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wuchtig, aber altbekannte Themen, 2. Januar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Gebundene Ausgabe)
Bei der Bewertung dieses Buches bin ich zwiegespalten: Ich habe nur die deutsche Übersetzung vorliegen und das englische Original nicht gelesen. Für die Übersetzung gilt: Die Sprache ist unverblümt und brutal. Sie trifft den Leser mit ziemlicher Wucht, was die Faszination dieses Buches ausmacht. Die Geschichten selbst sind schnell umschrieben mit "der amerikanische Albtraum in der Provinz". Weil der Autor ein - wie ich finde - begnadeter Erzähler und Beobachter ist und die Sprache den Leser einfängt, war ich von den Buch zunächst begeistert. Dann aber habe ich mir gedacht: eigentlich kennst Du diese ganzen Geschichten über versiffte Rednecks und "White Trash" zur Genüge. Und eigentlich willst Du das irgendwann nicht mehr lesen. Das hat etwas von der vielzitierten "ewigen Wiederkehr des Gleichen". Also: Nach reiflicher Überlegung statt fünf nur drei Sterne. Aber der Autor hat es als Erzähler wirlich raus!
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5.0 von 5 Sternen Echt Hardcore, 16. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Taschenbuch)
Man spürt förmlich die beklemmende Atmosphere dieser Kleinstadt Knockemstiff in Ohio, die der Autor mit einer sehr drastischen und bildhaften Sprache zu beschreiben weiß. Beim Lesen bleibt einem manchmal die Luft weg. Auch empfehle ich "Das Handwerk des Teufels". Das ist meines Erachtens noch viel härter. 5 Sterne
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grausig starke Literatur, 27. September 2013
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Gebundene Ausgabe)
Diese an der Vorlage von Sherwood Andersons Klassiker „Winesberg, Ohio“ orientierte Komposition von Stories offenbart die düstere Seite der amerikanischen Freiheit, nämlich jene, in Regionen absterbender Zivilisation zu degenerieren und seelisch abzusterben. Das liest sich so grausig, weil es realistisch und folgerichtig erscheint. Wo die Gemeinschaft als soziokulturelles Wesen scheitert, da gerät der Mensch als „vereinzelter Einzelner“ in den Albtraum. Nur wird das hier nicht dokumentiert, sondern zu einem erstklassigen literarischen, zweifellos weltliterarischen Ereignis. Der extreme Stoff kommt der deftigen Gestaltungsweise des Autors entgegen. Nichts, was er beschreibt, ist belanglos, während die gegenwärtige „urbane“ Short-Story in Deutschland leider oft nur Befindlichkeiten zu bieten hat. Bei Pollock erscheint hingegen alles existentiell.
In Knockemstiff funktionieren nur noch der Dollar, der Minimalkonsum und die Drogen. In den rostigen Trailern und verkommenen Häusern regiert archaische Brutalität, gepaart mit einem aller Scham entkleideten Sexualtrieb, der kaum mehr mit „Libido“ zu tun hat. Übrig bleibt schweigende Verzweiflung. All die von ihr befeuerten Sehnsüchte unterstreichen in ihrer Unerfüllbarkeit nur die Ausweglosigkeit. Alle sitzen sie „in der Senke“, der Niederung von Knockemstiff, fest. In der Falle! Was sie sich wünschten, blieb unerfüllt, also werden grausig-schöne Scheinwelten generiert. Schwach und verlassen sind alle; aber jene, die noch über eine leidlich funktionierende Physis verfügen, suchen hart abzugreifen, was sie für einen kurzen Kick brauchen. Jedoch bleiben auch sie letztlich unbefriedigt zurück. Was bleibt überhaupt? – Ekel, Hilflosigkeit, Krankheit. Alle haben alles verloren, aber Exklusion wäre ein Euphemismus für diesen finalen Endzustand. Sie verstoffwechseln Junk-Food, büßten dadurch jede körperliche Kontur ein, verödeten sich das Hirn mit Giften; und dennoch vegetiert da ein Ich in ihrem Körper, das sie mit Schamgefühlen quält..
Häufig schreibt der Autor aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen, weil sie schutzlos besonders traumatisch getroffen werden. Daß das Böse eine Konstante im Menschlichen darstellt, ist eine Erfahrung, die zum Leben gehört; in „Knockemstiff“ aber schwingt das Böse das Szepter. Man stellt es sich geradezu wie von einem modernen Alfred Kubin illustriert vor. Und man ist froh, wenn es vorbei ist. Aber sicher darin, ganz große Literatur und eine düstere Fortschrift zu Sherwood Anderson und William Faulkner gelesen zu haben. Ersterer spielt in „Winesburg, Ohio“ noch mit subtilem Humor. Der aber ist bei Pollock gar nicht am Platze. Nur Bitternis. Gut, eine Ausnahme: Zwar ebenfalls bitter, aber ich las die charmanteste Geschichte über die Demenz eines alten Mannes … –
Stünde man in Knockemstiff, man wollte sogleich fort. Aber vermutlich käme kein Bus. Alle Handelnden wollen weg, außer jene, die von der düsteren Gravitation „der Senke“ wie festgehalten sind. Aber keiner schafft es, sich zu retten. Und die Hölle sind wieder mal – immer die anderen. Manchen gelingt eine Art Flucht, aber gerade die bringt sie um, woanders ebenso elendig, wie es ihnen in der traurigen Heimat beschieden schien.
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4.0 von 5 Sternen Schlimmer geht immer !, 18. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Kindle Edition)
Pollok erzählt da weiter wo Charles Bukowski aufhört.
Kaputte Typen aller Art, irgendwo im Nirgendwo der USA
Perspektivlosigkeit allerorten. Hartz IV währe dort der Himmel auf Erden.

Mir geht es gut, danke !
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen White Trash, 24. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Kindle Edition)
Hier wird der White TraSh erbarmungslos- und hoffnungslos beschrieben.
Ein großartiges und manchmal schockierendes Buch. Eine faszinierende Beschreibung der anderen Seite der amerikanischen und nicht nur der amerikanischen Gesellschaft. Sehr empfehlenswert.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen knockemstiff, 29. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Knockemstiff (Kindle Edition)
klasse buch, fesselnd von der ersten bis zur letzten seite, es ist brutal und schonungslos geschrieben, nichts für
zartbesaitete leser
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Knockemstiff
Knockemstiff von Donald Ray Pollock (Gebundene Ausgabe - 24. Juni 2013)
EUR 18,90
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