Kundenrezensionen


11 Rezensionen
5 Sterne:
 (7)
4 Sterne:
 (3)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbequeme, aber notwendige Wahrheiten
Das Buch ist eine Biografie und eine kritische Betrachtung des derzeitigen Seelenzustandes von uns Deutschen gleichermaßen. Man kann beides wohl auch gar nicht voneinander trennen. Denn Arnulf Baring hat als Kind noch die Schrecken des Krieges miterlebt, was ihn bis heute geprägt hat, und ihn auf unsere heutige Gesellschaft einen kritischen Blick werfen...
Vor 18 Monaten von Falk Müller veröffentlicht

versus
7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der streitbare Konservative, aber gewiß nicht der Unbequeme
Der Jurist und emeritierte Geschichtsprofessor Arnulf Baring ist bei einem größeren deutschen Publikum bekannt durch seine Fernsehauftritte, wo er sich in Gesprächsrunden meist durch eine von Parteiinteressen unabhängige Position auszeichnet. Nonkonformismus provoziert Anfeindung und Ausschluß und erfordert daher Mut und Beharrlichkeit. Wen das...
Vor 15 Monaten von Benedictu veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbequeme, aber notwendige Wahrheiten, 21. November 2013
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist eine Biografie und eine kritische Betrachtung des derzeitigen Seelenzustandes von uns Deutschen gleichermaßen. Man kann beides wohl auch gar nicht voneinander trennen. Denn Arnulf Baring hat als Kind noch die Schrecken des Krieges miterlebt, was ihn bis heute geprägt hat, und ihn auf unsere heutige Gesellschaft einen kritischen Blick werfen lässt.

Wie schon der Buchtitel verrät, ist dieser Blick durchaus unbequem. Unbequem deshalb, weil er bestimmte Dinge anspricht, die in unserer auf Konsens und Vermeidung jeden ernsthaften Diskurses gerichteten Gesellschaft eigentlich Tabu sind. Etwa wenn er erwähnt, dass zwei Millionen deutsche Frauen von sowjetischen Soldaten nach dem Krieg geschändet wurden - die größte Massenvergewaltigung in der Weltgeschichte. Oder wenn er richtigerweise feststellt, dass Deutschland heute in Europa genauso isoliert ist wie vor 100 Jahren - am Vorabend des 1. Weltkrieges. Alles unbequeme Wahrheiten, die nicht gerne gehört werden.

Baring mahnt daher eine neue Debattenkultur in Deutschland an, in der kontroverse Standpunkte zugelassen, ja sogar erwünscht sind. Denn eine "spannungslose Gesellschaft", die harte Kontroversen scheut, und statt dessen alles in einer "kommunikativen Unverbindlichkeit" erstickt, kann weder eine konstruktive Streitkultur, noch ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein entwickeln - unabhängig aller wirtschaftlichen Stärke. Dies zu zeigen, ist Arnulf Baring mit dem Buch gut gelungen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert, 24. November 2013
Von 
J. Raach (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Diese Autobiographie des streitbaren Publizisten Baring ist fesselnd in seiner Beschreibung seines Lebenswegs und dabei angenehm selbstkritisch. Baring vermittelt zahlreiche Einsichten in zeitgeschichtliche Zusammenhänge und spricht unbequeme Wahrheiten aus. So vor allem die Fehlkonstruktion des Euros und die Bedrohungen des vom politischen Mainstream getragenen Euro-Rettungswahn: "Der Euro wird uns nicht nur sehr teuer zu stehen kommen, er wird zugleich alles ruinieren, was wir in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben...Jetzt müssen wir damit rechnen, in eine ähnlich isolierte Situation zu geraten wie das Deutsche Reich 1914..." S. 342
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unangepaßter Zeitchronist, 30. Januar 2014
Von 
Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Der renommierte Historiker und Politikwissenschaftler Arnulf Baring legt mit diesem Buch seine Memoiren vor. Dabei handelt es sich um keine chronologische Abhandlung, sondern um eine Schilderung von Schlüsselerlebnissen, die sich um seine Kindheit im Berlin der Kriegs- und Nachkriegszeit, seine Erfahrungen als Journalist, Wissenschaftler und Zeitkritiker drehen. Offen gibt er zu, über keine wissenschaftstheoretischen Prämissen zu verfügen, sondern seine Urteile aus der Anschauung heraus zu fällen. Konkretes, die lebendige Erfahrung sei ihm wichtig, gesteht er. Damit gerät er für alle 1968er-Ideologen in den Ruch, ein Rechter zu sein, da nach einem Wort Joachim C. Fests die Realität immer rechts sei. Der Autor kritisiert die grassierende politische Korrektheit, deren Beginn er mit dem Historikerstreit 1986 ansetzt, als „linkelnde Kollegen“ Ernst Nolte am Zeuge zu flicken versuchten, nur weil er die ungeheuren sowjetischen Untaten weder übersehen noch bagatellisieren wollte. Konsequenterweise ist für Baring daher auch die Meinungsfreiheit das wichtigste Grundrecht. Unerschrocken meldet er sich zu „umstrittenen Themen“ zu Wort, sei es die Energiewende, die Euro-Krise oder die überbordende Armutszuwanderung. Die Erinnerungen sind ein leidenschaftliches Plädoyer für den Patriotismus der Deutschen, die nach seiner Meinung immer noch unter dem Banne des Holocaust stünden. Er setzt sich ein für die Bestimmung und die Durchsetzung deutscher Interessen vor dem Hintergrund aktueller Krisen. Im deutschen Interesse sei es auch, „verhängnisvolle Mythen“ der Geschichte zu revidieren, die unser Selbstbild nachhaltig beschädigen und uns politisch schaden. Das Werk ist eine spannend geschriebene Zeitkritik eines unbestechlichen und unangepaßten Beobachters.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen unser, 29. November 2013
Von 
Jouvancourt (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
*

Prof. Dr. Arnulf Baring, einer der größten deutschen Historiker, erklärt in seiner Autobiografie das Ende seines Redeverbotes. Er erzählt von bürgerlicher Normalität, von Bomben und Massenvergewaltigungen im 2. Weltkrieg, von seiner Familie, seiner Zeit im Bundespräsidialamt und seinen diversen beruflichen Engagements als Hochschullehrer, Chronisten und Autor.

Gerade habe ich ein früheres Werk von ihm gelesen: "Scheitert Deutschland". Erschienen ist es 1997! Es ist geradezu prophetisch, was er darin zum Beispiel über den Euro - 5 Jahre vor seiner Einführung - schreibt, obwohl er von Hause aus kein Wirtschaftswissenschaftler ist. Kapitelweise ist es genau so gekommen, wie er befürchtet hat! Deshalb beeindruckte mich dieses neue Werk von ihm ganz besonders! Vieles wird so eintreten, wie er es hier aufführt, und vieles gibt reichlich Stoff zum Nachdenken. Auch jetzt, im November 2013, warnt er nochmals dringend vor den gewaltigen Problemen des Euros und der hohen Schuldenberge, warnt vor den dramatischen Folgen des Bevölkerungsschwundes und empfiehlt eine intelligente, sichere Energieversorgung und eine Rückkehr zur Wehrpflicht.

Baring findet, dass 70 Jahre deutsches Schuldbewusstsein wegen des 2. Weltkrieges genug sind und wir unsere Nation vor dem Hintergrund von 1200 Jahren Geschichte würdigen sollten, die größtenteils sehr positiv zu bewerten sind! "Zwei Millionen deutsche Frauen wurden von sowjetischen Soldaten nach dem Krieg geschändet. Sie wurden Opfer der größten Massenvergewaltigung in der Weltgeschichte und müssen endlich als Kriegsopfer anerkannt werden. Die Seelenleiden des Weltkriegs sind für die Nachgeborenen nicht geringer als für die, die den Schrecken selbst erlebt haben. Die Jungen leiden nur anders. Diese Spätfolgen dürfen wir nicht länger ignorieren."

Von der heutigen Form der Demokratie in Deutschland könnten wir uns verabschieden. Das Parlament ist zu einer reinen Farce geworden, die Koalition verhindert jegliche wirkliche andere Meinung- wir werden eingelullt wie kleine Kinder, denn Debatten sind unerwünscht, kontroverse Standpunkte werden bekämpft wie Verbrechen.

Professor Baring hält sich mit seiner provokativen Meinung nicht zurück. Mit 81 Jahren könne er sich erlauben, die Wahrheit zu sagen, ohne auf Parteien oder Mainstreamdenkweisen Rücksicht nehmen zu müssen! Ein Buch, das einen seitenweise den Atem verschlägt und unsere diffusen Sorgen um den Euro, die deutsche Integration in die EU, die deutsche Geschichte konkret darstellt.

Ein großer Historiker, ein spannendes Buch und viele unbequeme Wahrheiten sind es, denen wir uns hier stellen müssen!

.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtige zeitgeschichtliche Analyse, 3. März 2014
Von 
Jaroschek - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Wichtige zeitgeschichtliche Analyse
Baring nennt sein Buch ‚autobiographische Notizen‘. Ein Riss geht durch unsere Gesellschaft. Auf der einen Seite die immer kleiner werdende Zahl der Menschen, die Diktatur und Krieg erlebt haben, auf der anderen Seite die durch die 68er geprägte Nachkriegsgeneration. Bei ihrem langen Weg durch die Institutionen ist sie nun an den Schalthebeln der Macht angekommen. Vom Kindergarten bis zur Universität nehmen sie zunehmend stärkeren Einfluss und verändern das Wertbewusstsein der Gesellschaft. Warum ist es Menschen so schwer möglich, sich das Leben in einer Diktatur vorzustellen? Falsche Vorstellungen verzerrten das Geschichtsbild'. Das führt dann letztlich zur geistigen Umgestaltung.. Baring ist ein zuverlässiger Zeitzeuge. Menschen seiner Jahrgänge, also so ab 1920 bis 1932 waren zu jung, um verantwortlich für Verbrechen sein zu können, aber alt genug, die damalige Situation bewusst zu erleben.
Baring verurteilt, dass die Menschen der NS-Zeit verurteilend in einen Topf geworfen werden. Die Deutschen waren ein Volk der Mitläufer, aber Mitläufer sind keine Täter, sondern einfach Menschen, die am Leben hingen und sich deshalb angepasst verhielten. Er erinnert, dass der Holocaust ein absolutes Staatsgeheimnis war, selbst Juden wussten nicht, dass sie ermordet werden, wenn sie pünktlich an den Sammelpunkten erschienen, Als Kind hat Baring den Schrecken des Krieges u.a. bei der Bombardierung Dresdens erlebt. Er erlebte auch die Untaten am Kriegsende, denen u.a. 2 Millionen Frauen durch Vergewaltigung zum Opfer fielen. Manche Verurteilungen durch die nachfolgenden Generationen würden unterbleiben, nähme man zur Kenntnis, was Baring über die NS- und Nachkriegszeit schreibt. Hochinteressant sind seine Charakteristiken der wichtigsten Politiker der Nachkriegszeit wie Brandt, Wehner, Schmidt. Sein Urteil über die derzeitigen Politiker ist vernichtend, er bezeichnet sie als negative Auslese. Gelobt werden vor allem die drei Politiker, die wir der ehemaligen DDR verdanken: Merkel, Gauck und Gysi.
Den Euro sieht er äußerst negativ an, hier ist nur zu hoffen, dass er sich im Hinblick auf die Zukunft dieser Währung irrt. Hervorragend sind seine Aussagen über die Familienpolitik . Er macht deutlich, dass die Ehe keine reine Privatangelegenheit ist und deshalb unter den besonderen Schutz des Grundgesetzes gestellt wurde. Der Leser erfährt, dass Bürger in Frankreich ab dem dritten Kind keine Steuern zu zahlen brauchen und fragt sich, warum wir klugen Erfahrungen anderer Länder nicht folgen. Zur Zeit werden bei uns Kinder vorwiegend als eine Bedrohung des Wohlstandes angesehen. Baring macht eindringlich klar, dass Sexualität kein Konsumartikel und Abtreibung keine Bagatelle sind. Er beklagt die übersteigerte Selbstverwirklichung und das Verhalten, den Beruf wichtiger ist als die Kindererziehung zu sehen.
Dieses Buch ist enorm wichtig. Wäre das Wissen Allgemeingut, das Baring hier darbietet, wäre sicherlich vieles anders. Schülern wird zum Abschluss der Schulzeit das Grundgesetz geschenkt. Vermutlich schlummert es wie die Bibel ungelesen im Bücherschrank. Vielleicht wäre es besser, zum Schulabschluss eine komprimierte Kurzausgabe des Buches zu überreichen. Es ist so unterhaltsam zu lesen, dass man es durchaus jungen Leuten schenken sollte. Noch geht es uns gut, aber die Weichen zum Abstieg sind gestellt. Die Gesellschaft kann Änderungen vornehmen. Sie muss nur wissen, was falsch läuft.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vielschichtig wie plastisch erzählt, 29. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Autor Baring darf man zu den akademischen Publizisten zählen, die plastisch und mit einem Spannungsbogen schreiben und erzählen können.
Nun hat er eine Art Autobiograhie vorgelegt, die den weiten Zeitkorridor wie Erfahrungshorizont seines Lebens und seiner Zeit beschreibt und schildert. Baring ist sich der Subjektivität und Unvollständigkeit von Erinnerungen explizit bewusst und erhebt selten Anspruch auf "Objektivität" in seiner Biographie.
Seine Stärken liegen in der Charakterisierung von Menschen und Zeiten, das wirkt lebensnah und vital. Seine eigene Familie bietet eine respektable Startbasis für das Buch, Baring gelingen selbstkritische wie umfangreiche Beschreibungen seiner selbst, für die er die Meinungen von LebensgefährtInnen mit heranzieht. Das finde ich mutig und zeugt von einer gewissen Größe.

Neben der umfangreichen wie facettenreichen und lebendigen Schilderung der verschiedenen eigenen Lebensphasen - inklusive der apokalyptischen Welt nach dem Bombenangriff auf Dresden - sowie der bundesdeutschen, politisch-gesellschaftlichen Entwicklung formuliert Baring seine teilweise markanten Positionen in ein, zwei Kapiteln zum Euro und zur aus seiner Sicht zu wenig nationalbewussten und zuviel "konsensorientierten", konfliktlosen Gegenwart der Merkel-Ära. Diese Kapitel mögen teilweise provokant formuliert sein, dass aber z. B. die Massenvergewaltigungen durch sowjetische Besatzungssoldaten ernsthaft mit einem wirksamen, gesellschaftlichen Tabu belegt sind, würde ich bestreiten. Baring läuft mir da etwas zu oft in eine selbst gesuchte Märtyrerhaltung, für die die handfesten und dauerhaften Folgen aber doch weitgehend fehlen.
Dennoch: Glänzend seine Darstellung /Analyse einer gewissen Inhaltsleere der neueren und aktuellen politischen und Multi-Medienwelt. Sehr gut erfasst auch Merkels Regierungs- und Herrschaftsstil.

Arnulf Baring findet am Ausgang des Werkes zu den transzendenten Fragen und Erfahrungen, die mir ausgesprochen sympathisch, weitläufig und nachfühlbar waren. Eine bemerkenswerte Seele, möchte ich meinen, ist Arnulf Baring schon.
Sehr schade finde ich, wenn sein facettenreiches, biographisches Werk auf den kleinen Teil seiner zeitkritischen und markanten Positionen zum Euro und Deutschland etc. reduziert/marginalsiert wird, wie es in den Rezensionen hier ansatzweise auch geschehen ist. Barings Titel wird damit vorschnell in ein Ghetto manövriert - von Anhängern nur jener krtischen Thesen.

Hier ist ein vorzüglicher, vitaler Erzähler an der Arbeit gewesen. Auch ein lange nach einer richtig "männlichen" Vaterfigur Suchender, dessen innere, heterogene Eltern-Imagos tiefe Spuren nicht nur in Barings Nationalverständnis und Selbstwahrnehmung hinterlassen haben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der streitbare Konservative, aber gewiß nicht der Unbequeme, 25. Februar 2014
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Der Jurist und emeritierte Geschichtsprofessor Arnulf Baring ist bei einem größeren deutschen Publikum bekannt durch seine Fernsehauftritte, wo er sich in Gesprächsrunden meist durch eine von Parteiinteressen unabhängige Position auszeichnet. Nonkonformismus provoziert Anfeindung und Ausschluß und erfordert daher Mut und Beharrlichkeit. Wen das beeindruckt, der wird vielleicht wissen wollen, wer der Mensch Baring ist, und Gefallen an seiner Autobiographie finden.

Mit dem Titel "Der Unbequeme" ist allerdings weder das Buch noch der Autor zutreffend beschrieben. Das geht schon damit los, daß er ja nicht ohne Grund so oft in Fernsehsendungen eingeladen wird. Von "Ausschluß" kann überhaupt keine Rede sein. Baring erfüllt durchaus eine nützliche Funktion im Medienzirkus. Die FAZ schrieb, daß Sandra Maischberger ja nicht wüßte, was sie ohne ihn täte :-). Im übrigen wird man unschwer einsehen, daß ein gewisser Nonkonformismus sowieso gleichermaßen am rechten und linken Rand des beherrschenden Blocks der politischen Mitte in Erscheinung tritt. Es ist vielleicht ganz illustrativ, Arnulf Baring einmal mit Noam Chomsky zu vergleichen. Chomsky, der große amerikanische Linksintellektuelle, stößt zwar im universitären Milieu auf große Sympathie, in der amerikanischen Gesellschaft im ganzen aber eher auf Ablehnung. Chomsky erzählt, daß es in Boston bis zum Herbst 1966 unmöglich war, außerhalb geschlossener Räume eine Friedensdemonstration gegen den Vietnamkrieg abzuhalten, die nicht gewaltsam gestört und aufgelöst wurde. Die Medien hätten diese Gewalt auch noch begrüßt. Chomsky gehörte zu den ersten, die sich gegen diesen gesellschaftlichen Mainstream stellten und die Rolle der Premium-Presse tadelten. Bei Baring war es umgekehrt: Im linken Milieu der Freien Universität Berlin konnte er sich zwar als Widerständler fühlen, aber war es doch nicht in der deutschen Nachkriegsgesellschaft im ganzen. Übrigens sind beide Intellektuelle je auf ihre Art Patrioten. Zu ihrem achtzigsten Geburtstag haben sich die FAZ und die WELT mit beiden Denkern befaßt: Ihre Artikel zu Chomsky (6.12.2008) waren von Häme geprägt, die zu Baring (6.5.2012) überaus freundlich gehalten.

UNBEQUEME POSITIONEN?
Schauen wir uns doch einmal ein paar der angeblich so unbequemen Positionen Barings an. Ich beschränke mich ganz bewußt auf einfache Fragen, die im Prinzip aus verfügbaren Texten oder Quellen beurteilbar sind (die Euro-Frage ist das nicht):
• Hohmann | ein Antisemit?
Baring hat den CDU-Abgeordneten Martin Hohmann, der sich angeblich antisemitisch geäußert hatte, Anfang der nuller Jahre in Schutz genommen. Der amerikanische jüdische Intellektuelle Norman Finkelstein, der politisch Chomsky nahesteht, hat das aber auch getan. Und in der linksalternativen Zeitschrift "Kommune" gab es in den neunziger Jahren einen ganz sachlichen Aufsatz mit praktisch der gleichen Argumentation wie die in der Rede von Hohmann.
• Sarrazin | ein Rassist?
Baring hat Thilo Sarrazin und sein Buch Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen in Schutz genommen. Helmut Schmidt hat das mit Verweis auf entsprechende textliche Inhalte auch getan (s. Verstehen Sie das, Herr Schmidt?). Ebenso der sozialdemokratisch argumentierende Düsseldorfer Philosophieprofessor Gerhard Schurz und die türkischstämmige Necla Kelek.
• 8. Mai 1945 | Tag der Befreiung?
In seiner kontroversen Rede vom 8. Mai 1985 hatte der damalige Bundespräsident Richard von Weizäcker den Tag der bedingungslosen deutschen Kapitulation und das Kriegsende als den Tag der Befreiung ausgerufen. Es ist aber evident, daß angesichts vieler Nachkriegsverbrechen jene Deutschen, die sie erleiden mußten, das Kriegsende eben nicht als Befreiung erleben konnten. Nur mitleidlose Psychopathen sähen das nicht ein. Und 95% aller Menschen sind ja auch keine. Auch der linke Historiker Wolfgang Wippermann, der sich im Schulterschluß mit ZDF und Bildzeitung an der Abservierung von Eva Herman beteiligte, kam nicht auf die Idee zu behaupten, daß die Frauen, die zu hunderttausenden von Angehörigen der Roten Armee vergewaltigt wurden, sich befreit gefühlt hätten. Im Gegenteil, er hat auch noch korrekt darauf hingewiesen, daß viele Mädchen unter den Opfern waren (s. Dämonisierung durch Vergleich - DDR und Drittes Reich). Respektierung historischer Quellen und Mitmenschlichkeit haben nichts mit links und rechts zu tun und man muß daher kein Konservativer sein, um auch für diese Frauen einzutreten.

Das sind alles Positionen, die zwar parteipolitisch instrumentalisiert werden, in Wirklichkeit aber - wenn man alle Ängste, Nationalismen, Parteimitgliedschaften und Feindschaften abzieht - mit einem Mindestmaß an Vernunft und menschlicher Empathie einvernehmlich beurteilbar sind. Man kann sogar die These vertreten, daß die Mehrheit der Deutschen das so sieht oder sehen würde, wenn man es ihnen auseinandersetzte. Trotzdem bleibt richtig, daß Baring beherzter ist als manche andere, da er immerhin andere Konservative oder Landsleute in Schutz genommen hat. Ein Gefühl von Voltaire kommt jedoch erst bei einigen (amerikanischen) Linken auf, die sogar politisch und geographisch Fernstehende in Schutz nehmen, wenn die zu Unrecht attackiert werden.

FÜRS FERNSEHEN DER BEQUEME
Für die Fernsehanstalten ist es bequem, auf jemanden wie Baring zurückgreifen zu können. Denn bliebe die Meinungsbesitzerszene ganz unter sich, wären Diskussionsrunden so langweilig, daß überhaupt keiner einschaltete. Nun können alle auch noch denken, wir wären ein Land mit freier Meinungsäußerung. Das ist zwar nicht grundfalsch, aber man muß einmal Chomsky hören, um den Unterschied zu den USA zu ermessen. Und was ist das denn hier auch für ein angstgesteuertes System, in dem Martin Hohmann und Eva Herman abgeschossen werden, obwohl Aktenlage und Mehrheit dagegenstehen? Baring kokettiert mit seinem Status als Querdenker, er kritisiert aber nie das System in seinem Kern, sondern gefällt sich eher darin, daß es ihn hofiert. Baring läßt sich von den Mainstream-Medien einspannen und übersieht seine Instrumentalisierung. Oft sagt er, was die meisten denken, aber damit ist es dann gut. Nichts muß mehr passieren. Einer hat ja was gesagt. Der Mohr kann gehen und in der nächsten Talkshow kommt ein anderer konservativer Quotenkaspar und es beginnt das gleiche kurzweilige Spiel von neuem.

JA KEINE SYSTEMKRITIK
Im Vergleich zu Arnulf Baring ist Helmut Schmidt nun wirklich ein Mensch, der nicht angepaßt ist. Schmidt äußert echte Systemkritik. Er kritisierte den Afghanistankrieg und er kritisierte die Rechtschreibform als Systemfehler der parlamentarischen Demokratie, die sich von der Bürokratie immer wieder austricksen ließe (von den EU-Bürokraten ganz zu schweigen). Das ist eine authentische und fundamentale Systemkritik, die jeden Demokraten hellhörig machen müßte. In Außer Dienst: Eine Bilanz, wo Schmidt sie äußerte, verzichtete er auch konsequent auf die amtliche Rechtschreibung. Wort und Tat im Einklang! Baring dagegen, der in der Biographie erzählt, aus welchem elitärem Elternhause er stammt, in dem Bildung ein besonders hohes Gut war, läßt nicht davon ab, so emsig wie ein Schuljunge Adverbien groß zu schreiben. Der aus einfacheren Verhältnissen stammende Philosoph Peter Sloterdijk täte das nie und die rebellische linke jungewelt.de auch nicht. Baring gehört mehr zum Mainstream, als er selber weiß; Sloterdijk und Schmidt und die Junge Welt jeweils auf ihre eigene Art nicht. Mit jeder Seite, die sie schreiben, bringen sie ihre Distanz zum Ausdruck. Das sind die Unbequemen, die es viel mehr verdienen, so genannt zu werden.

FAZIT
Wer darin folgt, daß Baring nicht ganz so vernünftig ist wie Schmidt und zugleich viel angepaßter und bei weitem nicht so unbequem ist, wie er tut, kann sich trotzdem seine Neugier auf dieses gut lesbare Buch bewahren. Es handelt von dem beachtlichen Leben eines deutschen Patrioten aus gutem Hause.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Unbequem, 13. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
ja, das ist er wohl, der Herr Baring- er sagt nämlich viele Wahrheiten und das macht ihn dazu-

lesen sollte man das Buch unbedingt- es enthält viel gelebte Zeitgeschichte und unendlich viel Wissen über die Zusammenhänge des Weltgeschehens! Wer die Wahrheit nicht wissen will und weiter dem Mainstream folgen möchte, sollte das Buch allerdings liegen lassen- es könnte doch zu unbequem sein, ins Denken zu kommen!

Spannend und unterhaltsam zu lesen, obwohl doch eigentlich ein "Sachbuch"

Kann ich nur jedem empfehlen, der über den Tellerrand hinausschau(t)en will!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Ein wertvolles Stück deutscher Zeit- und Geistesgeschichte, 27. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen (Gebundene Ausgabe)
Der Unbequeme hat gesprochen. Selbst wenn man Barings Positionen nicht samt und sonders teilt, sind seine autobiografischen Notizen inspirierend. Sie verbinden klare und streitbare Analysen mit essayistischem Schwung. Dazu kommt, dass der "Professor für Plauderei" (so hat ihn seine Mutter genannt) wirklich etwas zu erzählen hat. Seine Erinnerungen sind ein wertvolles Stück deutscher Zeit- und Geistesgeschichte: spannende Lektüre nicht nur für Historiker und Politikwissenschaftler.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Gesunder Menschenverstand und Lebensweisheit, 2. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenn doch das fußballtrunkene deutsche Volk wenigstens in den Spielpausen dieses Buch lesen würde...
Das Buch hat den unwiderstehlichen Charme der Plausibiltät. Ein Dank an diesen Autor!
Mir scheint, dass es nicht mehr viele seinesgleichen gibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Unbequeme - Autobiografische Notizen
Der Unbequeme - Autobiografische Notizen von Arnulf Baring (Gebundene Ausgabe - 18. November 2013)
EUR 21,90
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen