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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dokumentation der Zerstörung einer UNESCO-Weltkulturerbestätte, 19. Oktober 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Aleppo. Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe Geschichte, Gegenwart, Perspektiven (Gebundene Ausgabe)
Der 1947 in Aleppo geborene Prähistoriker und Honorarprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Mamoun Fansa war timediver® bereits als Direktor (1995 – 2011) des Landesmuseums Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg bekannt. Seine Begleitbände zu den Sonderausstellungen "Ex oriente lux?: Wege zur neuzeitlichen Wissenschaft" (25. Oktober 2009 - 24. Januar 2010) und "Gaza - Brücke zwischen Kulturen. 6 000 Jahre Geschichte: 6000 Jahre Geschichte. Begleitschrift zur Sonderausstellung des Landesmuseums Natur und Mensch" (31. Januar bis 05. April 2010) habe ich bereits rezensiert....

....und konnte auch seine 5000 Jahre alte Geburtsstadt, das arabische Haleb mit dem Beinamen Ash Shehba (die Graue) im Februar 2011 während meiner Nahost-Reise, kurz vor Beginn des syrischen Bürgerkrieges noch besuchen. In der Antike Jamschad genannt, wird die heute - vor Damaskus - größte Stadt des Landes türkisch und armenisch als Halep, kurdisch Heleb und aramäisch Ḥalab genannt. Im Jahre 1986 wurde ihre Altstadt in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbe aufgenommen und 2006 wurde Aleppo als erstem Ort die Bezeichnung "Kulturhauptstadt des Islam" verliehen.

Der im Oktober 2013 im Mainzer Nünnerich-Asmus Verlag erschienene Band beginnt nach einem Vorwort des Herausgebers mit einer Hommage an eine der schönsten Städten des Nahren Osten, die der schweizer Archäologe mit seinem mehrseitigen Gedicht "Aleppobegeisterung" zum Ausdruck bringt. Die nachfolgenden drei Kapitel beinhalten Beiträge weiterer Autoren aus verschiedenen Bereichen, wie dem Iranistiker und Gründer des Vereins "Freunde der Altstadt von Aleppo", Prof. i. R. Dr. Heinz Gaube, dem Nahost- und Islamexperten Marcel Pott, dem Islamwissenschaftler und ehemaligen Leiter des Deutschen Orient-Institutes, Dr. Udo Steinbach. Die curricula vitae der insgesamt sechs Autoren sind dem Anhang des Buches zu entnehmen.

Während das erste Kapitel der Stadtentwicklung bis in das 19. Jahrhundert hinein, der zum Teil durch Mikrokredite finanzierten Sanierung des alten Aleppo gewidmet ist, steht das zweite im Zeichen des Bürgerkrieges in Syrien. Bei seiner historisch-politischen verortung des Bürgerkrieges blickt Dr. Udo Steinbach bis in die erste arabische Revolte von 1916 – 1918 und deren nachfolgende Ereignisse bis in die Gegenwart zurück. Auch Marcel Pott beginnt seine Darstellung mit einer kurzen Vorgeschichte, die im März 2011 mit Unruhen im Süden des Landes angefangen hatte. Gleichzeitig bietet er eine Landkarte und zwei Ringdiagramme zur konfessionellen und ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung, bevor er auf den Einfluss des Iran und die Rolle der Großmächte im Kampf um Syrien eingeht. In Text beschreibt und in fantastischen Bildern zeigt Mamoun Fansa die sechs vom Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogenen UNESCO-Welterbestätten des Landes, zu denen neben der Altstadt von Aleppo auch die Altstadt von Damaskus, die Ruinen von Palmyra, die Altstadt und das Amphitheater von Bosra, der Krak des Chevaliers und Qal'at Salah El-Din sowie die sogenannten Toten Städte gehören. Tamim Quasmos "Vorläufige Überlegung" zum Wiederaufbau der Altstadt von Aleppo ist gleichzeitig ein Rückblick, dessen erneute Realisierung derzeit jedoch fern jeder zukunfstnahen Realität erscheint.

Im letzten Kapitel offenbart Mamoun Fansa mit seinen Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart, schließlich das Ausmaß der Zerstörungen in der Altstadt von Aleppo. Beeindruckende Bilder von Örtlichkeiten wie der Zitadelle, dem Basar, der Umayyaden-Moschee, wie sie timediver® noch von meinem Besuch der Stadt in Erinnerung sind, werden schockierende Aufnahmen ihres jetzigen Aussehens gegenübergestellt.

Als Dokumentation der Geschichte und Zerstörung eines UNESCO-Weltkulturerbes verdient das Buch 5 Amazonsterne, gleichzeitig sollte es jedoch auch das nunmehr seit über zwei Jahre andauernde Leiden der syrischen Bevölkerung nicht vergessen lassen!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie mühsam restauriertes Kulturgut in Kürze zerstört wird, 24. Oktober 2013
Von 
Gromperekaefer "gromperekaefer" (Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aleppo. Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe Geschichte, Gegenwart, Perspektiven (Gebundene Ausgabe)
Neben den aktuellen Ereignissen werden in diesem Buch ebenfalls Rückblicke auf die verganenen Epochen vorgestellt. Aleppo hat sich zu einer Handelsstadt entwickelt, Blüte- sowie Niedergangszeiten wechselten sich dabei immer wieder ab. Insbesondere die politische Entwicklung spielte dabei eine massgebende Rolle. War man längere Zeit im Konfliktgebiet zwischen Mameluken und Osmanen geriet man schliesslich unter osmanische Verwaltung. Den Händlern gelang es die osmanischen Gouverneure ökonomisch mit einzubinden. Die dadurch entstehende politische Stabilität wirkte sich positiv auf die bauliche Entwicklung der Stadt aus. Das 16. Jahrhundert bildete den Schwerpunkt der Bauten, welche den heutigen alten Kern Aleppos ausmachen. Moscheen, Chane, Suqs und die typischen Hofhäuser wurden so errichtet.

Dieser kulturell wertvolle alte Teil der Stadt riskierte jedoch dem modernen Bauboom (Strassen, Hochhäuser) in den 50er, 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zum Opfer zu fallen. Denkmalschützer konnten aber die komplette Umsetzung des modernen Bebauungsplans verhindern. Ende der 70er Jahre bis 2010 kam es so zur Sanierung des alten Kerns, wo neben den Bauten ebenfalls die Strasseninfrastruktur instand gesetzt wurde. Die Renovierungen erlaubten der Stadt ebenfalls den Aufbau eines Kulturtourismus (z.B. Umwandlung eines Hofhauses in ein Hotel).

Der Leser bekommt ebenfalls einen Einblick in die Entwicklung des Bürgerkrieges, welcher von den anderen arabischen Staaten auf Syrien überschwappte. Hauptziel des Volkes ist die Befreiung von den Unterdrückungen des politischen Regimes. Dabei begann das Ganze recht harmlos. Friedliche Proteste in einer Kleinstadt Syriens wurden militärisch gewaltsam unterdrückt. Diese Vorgänge schwappten alsdann auf die anderen Städte über, waren anfänglich ebenfalls friedlich um wiederum vom Militär unterdrückt zu werden. Soldaten wechselten auf Seiten der Aufständischen, was zur weiteren Eskalation führte. Unter diese Unruhen mischten sich mit der Zeit islamische Gruppierungen (sunnitische, schiitische), welche von den Nachbarländern unterstützt werden (u.a. Iran, Saudi-Arabien). Obwohl die Revolte als jene des Volkes begann rücken somit andere Konfliktaspekte in den Vordergrund. Erschwerend kommt hinzu dass die Supermächte USA oder Russland übergeordnet agieren, allerdings ohne klare Richtlinie. Eine Lösung des Konfliktes führt nur über eine Entmilitarisierung über den Verhandlungsweg. Zusätzliche militärische Auseinandersetzungen vergrössern lediglich das Chaos und das Leid der Menschen. Die Grossmächte könnten hier eine wichtige Rolle übernehmen, falls der Wille dazu vorhanden wäre. Leider drohen dem Land jedoch ähnlich wie die Nachbarländer Irak oder Libanon für Jahre Unruhen.

Rücksicht auf das Kulturgut des Landes (insbesondere in den Städten) ist dabei Fehlanzeige. Was mühsam restauriert wurde liegt in kurzer Zeit in Trümmern. Sehr negativ ist der Missbrauch der Kulturobjekte als Militärstationen und Positionen für Scharfschützen (Persönlich hatte ich gehofft dass die diversen Gruppierungen die Kulturgüter mit mehr Respekt behandeln würden). Dadurch wurde schon sehr viel Bausubstanz zerstört, wobei auch noch kein Ende in Sicht ist. Dabei existiert in Syrien ein Reichtum an diversen Kulturgütern. Neben den Zerstörungen kam es ebenfalls zu Plünderungen archäologischer Stätten un Museen. Der letzte Teil des Buches zeigt einen Fotoüberblick mit Bauten vor sowie nach der Zerstörung respektiv Beschädigung.
Fazit : Insgesamt eine katastrophale Entwicklung, welche sich in Syrien und auch in anderen Staaten des Orients abspielt. Natürlich sind die Menschenleben mehr wert als Mauern und Steine. Als Kulturliebhaber schmerzt es aber trotzdem diese gewaltigen Schäden zu sehen, wo kurz zuvor in Kleinstarbeit mühevoll vieles restauriert worden war. Kulturell bedeutet der Bürgerkrieg für Syrien einen Riesenverlust. Ich besuchte selbst das Land vor genau zehn Jahren. Damals herrschte noch Ruhe, touristisch war das Land am Beginn des Aufbaus eines Wirtschaftszweiges, welcher für viele ein gutes Einkommen bedeutet hätte, insbesondere da das Land eine breite kulturelle Vielfalt besitzt (ältere Kulturen, Griechen, Römer, Christentum, Islam, das Land ist ein Schmelztiegel der religiösen Bewegungen). Der Bevölkerung Syriens wünscht man ein baldiges Ende dieser Unruhen, kulturell bleibt zu hoffen dass die meisten Schäden behoben werden können.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufrüttelnd - bildgewaltig - lesenswert, 12. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Aleppo. Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe Geschichte, Gegenwart, Perspektiven (Gebundene Ausgabe)
Ist man ein glücklicher Mensch, wenn man die Schrecken des Krieges nicht kennt? Nein, man kann sich nur als glücklicherer Mensch betrachten. Wie ein Hohn muss das in den Ohren der Bewohner Aleppos klingen. Seit zwei Jahren vergeht kein Tag ohne Angst, ohne das irre Pfeifen der Granaten. Kein Tag, an dem nicht ein Kulturerbe im Namen der Freiheit willkürlich beschädigt oder gar zerstört wird. Vorbei das quirlige Leben in den Souks, vorbei die Pracht der Umayyaden Moschee, vorbei das süße Leben in einer der ältesten Städte der Welt.
Aleppo erlangte erst durch den grausigen Bürgerkrieg des Assad-Regimes gegen die – wahrscheinlich nicht viel besser agierenden – Rebellen traurige weltweite Berühmtheit. Schon das allein ist eine Schande. Muss denn immer erst was passieren, damit man Notiz nimmt? Aleppo hatte die Voraussetzungen Metropolen wie Damaskus, Paris und New York den Rang streitig zu machen oder zumindest in ihre Bedeutungsnähe zu gelangen. Und nun? Einschüsse so weit das Auge reicht. Verängstigte Menschen aller Altersklassen. Zerstörte Kulturgüter, die die Eroberungszüge Alexander des Großen, die marodierenden Horden der Mongolen und französische Besatzungszeit überstanden haben.
Mamoun Fansa setzt dieser Perle des Orients mit diesem Buch zumindest ein literarisches und bildstarkes Denkmal, das kein Verblendeter zerstören kann. Kein Kriegstreiber wird den Siegeszug dieses Buches aufhalten. Kein Hetzer wird das Andenken an Aleppo jemals komplett auslöschen. Deswegen sind die Beiträge der Autoren so wichtig und in ihrer Vielschichtigkeit so bedeutend.
Als erstes fallen die beeindruckenden Bilder dem Leser auf. Geschickt werden Einst und Jetzt gegenübergestellt. Wow und Oje befeuern das Wechselbad der Gefühle beim Durchblättern. Widerwarten und Abscheu gegen die Zerstörer kommen auf, wenn man sorgsam die Texte liest. Doch es zeigt auch – wie es der Untertitel ankündigt – auch Perspektiven auf, Hoffnung keimt auf. Und schon ertappt man sich dabei, dass man sich das Ende des Krieges wünscht, auch um endlich diese einzigartige Stadt kennenzulernen. Und vielleicht gibt es bald auch Berichte über die Stadt, die nicht auf den Zeitungsseiten unter Aktuelles erscheinen, sondern im Sonderteil bei den Reiseseiten. Es wäre zu allererst den Bewohnern Aleppos zu wünschen.
Kennedy sagte: „Ich bin ein Berliner“, Reagan: „Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“. Jetzt ist es am Leser zu sagen: „Mister Obama (oder Towarisch Putin, Frau Merkel, Monsieur Hollande) read this book!“
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Aleppo. Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe Geschichte, Gegenwart, Perspektiven
Aleppo. Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe Geschichte, Gegenwart, Perspektiven von Mamoun Fansa (Hrsg) (Gebundene Ausgabe - 8. Oktober 2013)
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