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94 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen den Zeitgeist: eine andere Sicht auf die Kreuzzüge
Vier Jahre nachdem Papst Urban II. im November 1095 zu den Kreuzzügen aufgerufen hatte, eroberte ein Heer von christlichen Rittern 1099 die Stadt Jerusalem. Spätestens seit der Aufklärung hat sich in Europa die Meinung durchgesetzt, dass diese Feldzüge barbarisch waren und nicht mit der Lehre von Jesus Christus zu vereinbaren sind.

Noch...
Vor 11 Monaten von Dr. R. Manthey veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Eine Ehrenrettung der Kreuzritter
Einem Religionssoziologen platzte angesichts zahlreicher Versuche von Wissenschaftlern und Medien, die Gewalt militanter muslimischer Gruppen auf „die Erinnerung an die lange Aggression seitens der Europäer“ (womit die Kreuzzüge gemeint sind) zurückzuführen und sie teilweise auch damit zu entschuldigen, der Kragen und so schrieb er dieses...
Vor 29 Tagen von Brigitte Hilgner veröffentlicht


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94 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen den Zeitgeist: eine andere Sicht auf die Kreuzzüge, 13. Mai 2013
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Vier Jahre nachdem Papst Urban II. im November 1095 zu den Kreuzzügen aufgerufen hatte, eroberte ein Heer von christlichen Rittern 1099 die Stadt Jerusalem. Spätestens seit der Aufklärung hat sich in Europa die Meinung durchgesetzt, dass diese Feldzüge barbarisch waren und nicht mit der Lehre von Jesus Christus zu vereinbaren sind.

Noch heute werden christliche Vertreter und manche Politiker nicht müde, sich für die Greueltaten der Kreuzritter zu entschuldigen, die viele Jahrhunderte zurückliegen. Dieses etwas irrationale Verhalten kennt man von der muslimischen Seite nicht, obwohl es auch hier ausreichend viele Gründe zur Entschuldigung gäbe, zum Beispiel in Richtung der Bewohner des indischen Subkontinents.

Rodney Stark versucht in seinem Buch nachvollziehbar zu begründen, warum die inzwischen gängige westliche Sichtweise über die Kreuzzüge falsch ist. Das ist insofern recht mutig, weil er sich damit nicht nur mit der muslimischen Auffassung, sondern vor allem auch mit den Vertretern der politischen Korrektheit anlegt.

Er schreibt (S. 17): "Nach vorherrschender Auffassung waren die Kreuzzüge ein Werkzeug des expansionistischen, imperialistischen Christentums, das Territorien eines toleranten und friedlichen Islam brutal unterwerfen, ausplündern und kolonisieren wollte."

Am Ende des Buches fasst er dann seine gut belegte Sichtweise folgendermaßen zusammen: "Die Kreuzzüge fanden nicht ohne vorhergehende Provokationen statt. Sie waren nicht die erste Runde des europäischen Kolonialismus. Sie wurden nicht wegen Land, Beute oder aus Bekehrungsabsichten geführt. Die Kreuzritter waren keine Barbaren, die die kultivierten Muslime schlecht behandelten. Sie glaubten ernsthaft, dass sie in Gottes Bataillonen dienten."

Der Text beginnt mit einer Beschreibung der Machtverhältnisse rund ums Mittelmeer um 600 nach Christus. In einem Küstenstreifen des nördlichen Afrika, in großen Teilen Europas und im Nahen Osten hatte sich das Christentum ausgedehnt. Das sah 200 Jahre später ganz anders aus. Mohammeds Erben hatten den Auftrag ihres Propheten angenommen und den Islam mit dem Schwert verbreitet.

Doch erst als die Muslime fast das ganze heutige Spanien beherrschten und Pilgerreisen ins "Heilige Land" nur noch unter Lebensgefahr möglich waren, reagierte der Papst. Der Autor erklärt im ersten Kapitel die Prinzipien der muslimischen Kriegsführung, ihre Eroberungsfeldzüge und danach ihr weiteres Vorgehen in den eroberten Gebieten. Mit religiöser Toleranz hatte es jedenfalls nicht sehr viel zu tun. Starks Ausführungen sind durch im Anhang aufgelistet umfangreiche Quellen belegt.

Nachdem im zweiten Kapitel die ersten militärischen Erfolge des Christentums bei der Rückeroberung verlorener Territorien zur Sprache kommen, befasst sich das sehr interessante dritte Kapitel mit der Legende, dass Technik und Wissenschaft des Abendlandes denen der Muslime unterlegen waren. Der Autor belegt, dass muslimische Errungenschaften in den meisten Fällen aus der sogenannten Dhimmi-Kultur der assimilierten Völker (insbesondere Juden, Perser Inder) stammten. Selbst wenn man das nicht glauben will, so zeigen doch die Siege der zahlenmäßig viel kleineren Ritterheere wenigstens ihre militärische und technische Überlegenheit.

Kapitel sechs und sieben befassen sich mit den Kreuzfahrten bis zur Eroberung Jerusalems. Dabei zeigt der Autor, dass sich hier vor allem Netzwerke von nur wenigen adligen Großfamilien engagierten. Keineswegs aber hätten sich daran nur Ritter beteiligt, die in der Erbfolge zu kurz gekommen waren oder sich schlagen wollten. Ein Kreuzzug musste schließlich auch finanziert werden. Spätere Kreuzzüge wurden dann sogar von Königen angeführt.

Die letzten vier Kapitel beschreiben die Gründung, Verteidigung und Vernichtung der Kreuzfahrerstaaten sowie die übrigen Kreuzzüge. In diesem Zusammenhang geht der Autor auf den Vorwurf der Kolonialisierung ein. Er argumentiert, dass die heute übliche Definition von Kolonien auf die Kreuzfahrerstaaten nicht passt, denn diese Länder wurden keineswegs ausgebeutet. Ganz im Gegenteil: Für ihren Bestand waren umfangreiche finanzielle, materielle und personelle Aufwendungen von außen nötig. Daran scheiterten sie letztlich.

Bleibt noch das Argument, dass die mittelalterliche Metzelei der Kreuzfahrer nicht mit der christlichen Lehre vereinbar ist. Das kann man so sehen, wenngleich diese Einschätzung dann aber auf alle Kriege zutrifft. Man sollte allerdings beachten, dass sich Jesus in seiner Lehre nicht mit dem Verhalten großer Gemeinschaften, sondern vor allem mit dem einzelnen Menschen befasste.

Geschichte wird leider fast immer aus dem Blickwinkel der Gegenwart gesehen. Man muss dem Autor zustimmen, wenn er es für lächerlich hält, die Genfer Konvention auf die Kriegsführung im Mittelalter anwenden zu wollen. Man muss das, was geschehen ist, immer aus der Sicht der damaligen Verhältnisse und Regeln werten. Und dann sieht es ganz anders aus.

Blutige Massaker gab es auf beiden Seiten. Etwas anderes zu behaupten, ist in sich schon deswegen unsinnig, weil es menschliches Verhalten ignorieren würde. Es widerspricht aber auch völlig den historischen Tatsachen.

Heutige Kriege erscheinen nur deswegen weniger blutig, weil sie nicht mehr im Nahkampf ausgetragen werden. In Wirklichkeit ist die Metzelei nicht weniger schlimm.

Rodney Starks Buch liest sich nicht nur gut, es ist auch für Laien verständlich. Starks Argumente erweisen sich wegen ihrer inneren Logik als leicht nachvollziehbar. Und schließlich beruft er sich auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Vielleicht hilft dieses Buch, die Geschehnisse etwas rationaler zu betrachten.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Guter Überblick über die Kreuzzüge, 14. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Für mich als historischen Laien gibt dieses Buch einen sehr guten Überblick über die Geschichte der Kreuzzüge. Dass es nebenbei auch noch eine relativierende Darstellung der Geschichtsschreibung sein soll, ist ein interessanter Nebenaspekt.

Immerhin ist die Argumentation logisch und nachvollziehbar aufgebaut, die sehr umfangreichen Quellenangaben ermöglichen eine gewisse Überprüfbarkeit der Inhalte. Dass dabei der ein oder andere Seitenhieb zu anderen Historikern auftaucht, ist zwar etwas merkwürdig, aber letztlich kann man dadurch auch lernen, dass man die Geschichte sehr unterschiedlich beurteilen kann.

Was mir besonders interessant erscheint, ist die Tatsache, dass man durchaus Parallelen zur heutigen Entwicklung im mittleren Osten ziehen könnte. Auch wenn der militärische Einsatz des Westens im entsprechenden Gebiet nicht direkt vergleichbar ist, so bekommt man doch bei der Schilderung von Gräultaten ein gewisses "Déjà vu"-Erlebnis. Auch die derzeitige Kriegsmüdigkeit (Kosten!) kann man nachvollziehen, ebenso wie die Folgen davon. Insofern wäre eine Fortschreibung der Geschichte auch noch interessant.

Insgesamt ein sehr lesenswertes und angenehm zu lesendes Buch. Erwähnenswert auch noch die schöne Verarbeitung (Lesebändchen).
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politisch inkorrekt, 1. Juli 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Immer wieder höre ich die Mär von den "brutalen Kreuzügen der katholischen Kirche". Meist sind diese Vorurteile einseitig und von wenig Wissen geprägt. Ich bin dankbar, dass Rodney Stark in seinem Buch "Gottes Krieger" mit den Mythen, Legenden und Vorurteilen aufräumt. In dem sehr gut lesbaren Werk stellt er das Wissen über Grund, Verlauf und Nachwirkungen der Kreuzzüge ins Heilige Land kompakt vor.
Der amerikanische Religionssoziologe sieht einen expansiven und aggressiven Islam, der seit dem frühen siebten Jahrhundert die christliche Welt erobert und provoziert, als eigentlichen Auslöser der Kreuzzugsbewegung. Er weist nach, dass der Islam bei weitem nicht so tolerant war, wie er immer wieder dargestellt wird. Rodney Stark stellt an zahlreichen Beispielen aus Handwerk, Landwirtschaft und Militärtechnik dar, dass es in Europa nie ein "dunkles Zeitalter" gegeben hat. Er vertritt die Meinung, dass der Islam sein Wissen in den Naturwissenschaften den unterjochten Völkern in Indien, Persien oder Nordafrika zu verdanken habe. Nach deren Assimilation war es mit der islamischen Überlegenheit" relativ schnell vorbei, so der Autor.
Ich empfehle das Buch allen, die im Lehramt die junge Generation über die Kreuzzüge informieren müssen oder sich persönlich für das Thema interessieren.
Ein Bonus hat das Buch: Im Internet kann man sich zusätzlich die elektronisch Fassung herunterladen.
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41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Geschichtsdogma wird in Frage gestellt, 8. Juni 2013
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Nach gängiger Geschichtsauffassung wurden die Kreuzzüge unter dem Vorwand der Verteidigung des Christentums vor allem zur Verwirklichung rein weltlicher Machtinteressen gegenüber dem Muslimen, aber auch dem Byzantinischen Reich instrumentalisiert. Der Autor zeigt im Buch, dass dieses Geschichtsbild so nicht stimmt. Zum Beispiel beschreibt er, dass der Byzantinische Kaiser Alexios, der ja die europäischen Christen um militärische Hilfe gegen die 150 km vor Konstantinopel stehenden Seldschuken gebeten hat, schließlich den Kreuzfahrern sogar in den Rücken gefallen ist. Unerwiderte europäische Hilfe gab es also schon damals.

Das Buch beginnt nicht mit den Kreuzzügen, sondern der Autor beginnt zunächst mit der Ausbreitung des Islam in den Jahrhunderten zuvor und zeigt, dass die Kreuzzüge auch durch zahlreiche islamische Versuche ausgelöst wurden, das christliche Abendland zu erobern und zu kolonialisieren. Er erinnert hier etwa an das Jahr 732, als ein großes muslimisches Heer in Frankreich eindrang und erst von einem fränkischen Heer unter Karl Matell gestoppt werden konnten - sonst wäre Europa heute womöglich muslimisch. Fazit: Das Buch ist eine spannende, informative Geschichtslektion.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen anschaulich und nachvollziehbar, 3. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch bietet einen neuen Blick auf die Kreuzzüge. Nach einer Durchsicht zeitgenössischer Quellen und neuer Literatur ergibt sich Folgendes:

* War die islamische Kultur der westlichen voraus? Nein. Es gab damals nur die Kulturen der unterworfenen Völker (Juden, Griechen, Syrer, Perser). Die Illusion des islamischen Fortschritts ergibt sich daraus, dass die Namen der Autoren arabisiert wurden. Nach der Islamisierung der Bevölkerung kam es zur Stagnation. Dagegen gab es im frühen Mittelalter militärische und landwirtschaftliche Fortschritte in Europa.

* Sind die Kreuzzüge frühe Beispiele für europäischen Kolonialismus? Nein. Es handelt sich nicht um Ausbeutung des Nahen Ostens; vielmehr wurde der Aufbau aus Westeuropa finanziert. Den Bauern ging es besser als zu islamischen Zeiten.

* Waren die Muslime toleranter als die Christen? Nein. Ungläubige wurden in islamischen Ländern unterdrückt. Dass Saladin die Einwohner Jerusalems verschonte (und kein Massaker anrichtete wie die Kreuzritter zuvor), entsprach dem damaligen Kriegsrecht: Die Bevölkerung wird (nur dann) geschont, wenn eine Stadt sich vor der Erstürmung ergibt.

* Waren die Kreuzzüge berechtigt? Ja, denn ihnen gingen Jahrhunderte islamischer Provokationen voraus, die sich zuletzt intensivierten.

* Waren die Kreuzzüge Fehlschläge? Nicht unbedingt. Ja, weil der Zugang zum Heiligen Land nicht dauerhaft gesichert wurde. Nein, weil der Islam aufgehalten wurde und Europa dadurch christlich blieb.

***

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es bietet eine Geschichte der Zusammenstöße zwischen Christentum und Islam seit Mohammeds Zeiten und geht besonders auf Spanien und Frankreich (Karl Martell) ein. Auch die Situation in Süditalien, wo Muslime, Normannen und Byzantiner gegeneinander kämpften, wird eingehend diskutiert. Denn im Verlauf der Kreuzzüge zeigte sich, dass der byzantinische Kaiser gern gegen die Kreuzritter intrigierte und sich dafür auch mit den Türken und Arabern verbündete. Im Gegensatz zu den Hilfszusagen an die Kreuzritter hielt der die Verträge mit Saladin ein.

Die Kreuzzüge endeten, weil die Erfolge nicht dauerhaft waren und die Heere sich später u. a. wegen Kompetenzstreitigkeiten verzettelten. Zudem wurden die hohen Kosten (insbesondere die Steuern auf den Klerus) bemängelt. Nach zwei Jahrhunderten waren die christlichen Festungen im Heiligen Land nicht mehr zu halten.

Es stimmt also nicht, dass die Kreuzzüge ein europäischer Überfall auf den Nahen Osten waren, der der Bereicherung diente. Das Gegenteil stimmt: Es ging um Religionsfreiheit und die Ritter mussten zur Finanzierung ihr Vermögen verkaufen bzw. verpfänden.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt auch geschichtlich interessierte Laien, 6. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Gerade für Nichtakademiker oder Historiker, die einen anderen thematischen Schwerpunkt haben, ist dieses Buch sehr hilfreich. Ein umfassendes an Quellen überbordendes Thema wird exemplarisch zusammengefasst und schafft einen Überblick. Dass der Verfasser eine weltanschaulich christliche Position bezieht ist erkennbar. Gerade dies unterscheidet ihn wohltuend von der Zusammenstellung einer bloßen Quellensammlung, von welcher die Fachwelt nun wirklich nicht noch eine zusätzliche benötigt. Der christliche Ansatz des Verfassers lässt den heutigen Standard des Christentums erkennen: Keine Rache, keine Revanche. Christliche Positionen sind anderen Weltanschauungen oder dem Atheismus nicht nachrangig sondern gleichberechtigt zuzuordnen.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtiger Blickwinkel - verbesserungsfähige Ausarbeitung, 18. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Es gibt eine Reihe von Büchern und deren Autoren, welche die Kreuzzüge in den letzten Jahrzehnten behandelt haben. Die weitaus meisten dieser Bücher, wenigstens in deutscher Sprache, behandeln dabei, was zuerst recht logisch klingt, die direkten Umstände der Kreuzzüge ab der Ausrufung durch Papst Urban II. im Jahr 1095 und die Taten der beteiligten. In der längst vergangenen Epoche der Romantik konzentrierte man sich bei der Betrachtung gerne auf die Ritterlichkeit, in unseren Tagen eher auf die Grausamkeiten. Beide Seiten haben eines gemeinsam: sie sind zu einseitig. Und diesen Fehler wiederholt Rodney Stark in seinem Buch "Gottes Krieger" selbst. Nun ist das populärwissenschaftlich geschriebene Buch mit 400 Seiten auch deutlich zu dünn, um jeden Aspekt aus jedem Sichtwinkel zu beleuchten und erhebt auch gar nicht diesen Anspruch. Dem Autor geht es darum, Blickwinkel und Informationen, die bisher zu wenig Beachtung fanden oder völlig ausgeblendet wurden zu bennen und einzubringen. Dieses Ziel erreicht das Buch weitestgehend.

So beginnt Stark sein Buch nicht mit dem Aufruf zur "bewaffneten Pilgerfahrt" sondern schon deutlich früher. Er weist darauf hin, dass jenes "Heilige Land" in das die Kreuzfahrer zogen, eben nicht seit jeher islamisch war sondern mit Waffengewalt eingenommen wurde - unter erheblichem Blutvergießen und Leid. Weiter führt er aus, dass die Zustände für Nichtmuslime, anders als es die idealisierte Sichtweise Lessings in Nathan der Weise, keineswegs von Toleranz und einem friedlichen, gleichberechtigten Miteinander bestimmt wurden, sondern von der Position des mit Sondersteuern, Berufsverboten und allerlei Auflagen "Beschützten", dessen Beschützer sich über die Jahrhunderte immer wieder in Gewaltausbrüchen an Juden und Christen ausließen. Dies traf denn auch die christlichen Pilger (die Entstehung der Pilgerei umreißt Stark ebenfalls grob), die eigentlich als Geldquelle ähnlich den heutigen Touristen gerne gesehen wurden.

Erst auf dieses Grundwissen baut Stark dann seine Interpretation der Quellen und Daten auf. Dabei widerspricht er mit plausiblen Argumenten der verbreiteten Meinung, die Kreuzritter seien imperialistische, gewinnorientierte Männer ohne Aussicht auf Erbe oder einen hohen sozialen Stand in Europa. Er legt dar, welche Kosten für die Kreuzfahrer materiell und sozial entstanden, wie ihre Aussichten waren und spricht an, was sie auf sich nahmen. In dem Rahmen wäre, bei aller gebotenen Kürze, wünschenswert gewesen, dass Stark auch den Austausch vor Ort beleuchtet und stärker auf die "einfachen" Leute im Tross bzw. den jeweiligen Kreuzzügen eingehen würde. In den Medien aufgekommene Kritik, Stark würde weder die spanische Reconquista noch die Slawenkreuzfahrten oder die Niederschlagung der Katharar einbeziehen ist unangebracht. "Gottes Krieger" behandelt ausschließlich jene "bewaffneten Pilgerfahrten" in den Orient, lässt dabei auch Erscheinungen wie den Kinderkreuzzug beiseite und geht auch nur selten und sehr unvollständig auf die Zeiten zwischen den Kreuzfahrten ein.

Den Berichten über die Kreuzfahrten selbst merkt man an, wie viel Sympathie Stark jenen Generationen von Menschen entgegenbringt. Völlig legitim versucht er bspw. zu differenzieren, wer für die Pogrome gegen die deutschen Juden verantwortlich war - die Differenzierung endet jedoch ohne eine angebrachte Darlegung, ob und wie die nicht beteiligten Anführer sich zu den Verbrechen positionierten. Ob es Bestrafungen dafür gab, Schutzmaßnahmen gegen Wiederholungen, all dies bleibt unbeleuchtet und somit kann seine Differenzierung nicht dazu verhelfen, Schuldzuweisungen zu entkräften oder den gewünschten neuen Blick vom Vorwurf der Befangenheit loszusprechen.

Und in diesem Problem wiederholt Stark einen weiteren Fehler, den er selbst anspricht und versucht durch sein Buch zu korrigieren: so wie diejenigen, welche die Kreuzzüge heute durch die Bank verurteilen, ablehnen und pauschal mit negativen Attributen belegen, so löst auch Stark einzelne Ereignisse und Personen aus dem Kontext und stellt diese mitunter ohne Kontext dar. Wenn er Hattin als Beispiel der Grausamkeit Saladins anführt und die angebliche Gnade bei der Kapitulation Jerusalems demaskiert fehlt eine ausführliche Einordnung in die Verhaltensmuster Saladins in seinen immerhin 24 Jahren Kriegsführung und Regentschaft. Das diesem viel verklärten Herrscher eine in Relation zu anderen historischen Person größere Aufmerksamkeit in "Gottes Kriegern" gewidmet wird intensiviert den Eindruck.

Ein weiteres Beispiel: die Einnahme von Jerusalem und das anschließende Massaker durch die ersten Kreuzfahrer dient vielen Historikern und solche die Geschichte nutzen als Beispiel für die abschreckende Intoleranz und Gewaltätigkeit der europäischen Christen. Dieses Urteil aus der Postperspektive ohne die Zustände und Regeln der Zeit anzuerkennen ist gefährlich nahe an der Klitterung, dem Verdrehen und Mißbrauchen der Geschichte. Denn, und so argumentiert Stark, war es im Mittelalter (und, nebenbei, auch in der Antike) nicht unüblich nach einer Belagerung, umso mehr einer verlustreichen, den Soldaten die Stadt für eine bestimmte Zeit zu überlassen, auf dass sie plündern, vergewaltigen und morden konnten. Das war auch im Falle der muslimischen Eroberung zuvor und danach nicht anders. Einzig die Kapitulation konnte dies eventuell verhindern oder zumindest abmindern. Der Autor führt jedoch zudem ins Feld, in welchem Zustand die Kreuzritter Jerusalem belagerten, wie ihre Aussichten aus der Wertung der damaligen "Experten" waren und wie sich die Belagerten ihnen gegenüber verhielten. Er führt dies nicht als Entschuldigung aus, dies betont er, sondern nur als Erklärung.
Hier gibt es einen weiteren Grund zur Kritik an Starks Buch. Dem Leser wäre ein ausführlicherer Vergleich mit der Eroberung andere Städten der Zeit oder auch epochenübergreifend sicher hilfreich gewesen, umso mehr wenn verschiedene Parteien, Fraktionen, Religionen etc. verglichen würden. Schnell würde deutlich dass, egal ob im Reich der Azteken, in Europa, dem Orient oder Asien eine unüberschaubare Zahl ähnlicher Ereignisse nahelegt, dass dieser Gewaltausbruch die Regel und nicht die Ausnahme war. In der neuen Stringenz die Stark mit seiner Einleitung eröffnete wäre der Vergleich mit der muslimischen Eroberungswelle des 7. und 8. Jahrhunderts angebracht gewesen, wenigstens aber ein ein Blick auf die Ereignisse im byzantinisch-islamischen Konflikt welche dem Hilferuf des Kaisers Alexios vorausgingen. Nicht um selbst zu urteilen sondern um zu vergleichen ob das Urteil über die Kreuzfahrer nicht auf falsch dargestellten Verhältnissen fusst.

Ein wiederkehrendes Motiv ist das Verhältnis der Byzantiner zu den Kreuzfahrern. Hier betont Stark wiederholt den Verrat als immer wiederkehrendes Motiv hinter den übergriffen der Europäer auf ihre orthodoxen Glaubensbrüder. Das mag faktisch (meist) zutreffend sein und wird ebenfalls zu wenig beachtet, erweckt aber den Eindruck einer Schuldzuweisung. Diesem wäre m.M.n. durch die Thematisierung der Verhältnisse und Streitigkeiten unter den Kreuzrittern selbst leicht zu begegnen gewesen. Die Argumentation, dass ohne Versorgung und Unterstützung, zudem brüskierte und bereits im Vorfeld mißtrauische Ritterheere gar nicht anders konnten als Konstinopel zu attackieren klingt plausibel und ist ein vielversprechender Ansatz, verdient aber eine eingehendere Betrachtung als die wenigen Absätze / Seiten, die sich bei Stark finden. Dafür hätte er bspw. die viel zu kurze und oberflächliche Vorstellung der Ritterorden auslassen können, zumal mit den vorgestellten Templern und Johannitern / Maltesern zwar die größten und bekanntesten, aber bei weitem nicht alle angesprochen wurden.

Im Buch finden sich viele Gedanken und Fakten, die andernorts gar nicht oder viel zu wenig beachtet wurden, von den sozialen Strukturen innerhalb der Kreuzfahrer bis zur politischen und militärischen Position der neu gegründeten Staaten. Motivation und persönliche Konsequenzen werden ebenso angesprochen, die Organisationsprobleme und die problematischen Beziehungen zu Byzanz. Seine Argumentation bleibt meist plausibel, fundiert auf Quellen und Fachliteratur. Einzig die angesproche, leichte Einseitigkeit der Beleuchtung trübt den runden Eindruck dieser Arbeit etwas - dies kann aber eine Folge des mangelnden Umfanges oder dem gewünschten starken Fokus auf die neuen Erkentnisse sein - getreu dem Motto: darüber haben andere bereits ausreichend berichtet. Dem Autor per se Befangenheit vorzuwerfen, zumal er an einer christlichen Universität arbeitet, halte ich für übertrieben und seinerseits fragwürdig.

Das Buch erschien in einem gut lesbaren, stabilen Druck inklusive Leseband. Die Übersetzung des Originals aus dem Englischen ist manchmal etwas holprig bis unbefangen, wie die Übersetzung des Titels "God's Battalions" in "Gottes Krieger" erahnen läßt. Das schlägt sich auch in einer Reihe von orthographischen Fehlern nieder, mit denen man allerdings m.E. leben kann. Man darf hoffen, dass bei der nächsten Auflage nachgebessert wird.

Alles in allem ein erfrischendes Buch mit einer Reihe von Informationen und Denkanstößen, welche die Behandlung dieses Themas dringend nötig hat - umso mehr diese Phase der Geschichte in politischen und sozialen Debatten häufig als Argument heutiger Positionen benutzt wird. Die Geschichte wird dieses Buch sicher nicht neu schreiben und als einzige Informationsquelle ist dieses Buch unbrauchbar. In Kombination mit anderen Monographien kann es aber in der Tat ein "neues Licht" werfen und ich hoffe, andere Historiker werden diese Spuren weiter verfolgen und umfassender darlegen.
Das Buch erhält von mir in jedem Fall eine Kaufempfehlung, egal wie man dem Christentum, den Kreuzzügen, dem Islam oder Byzanz gegenüber eingestellt ist, in jedem Fall kann dieses Buch anregend und informativ sein.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Guter Überblick über die Phase der Kreuzzüge, 26. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liefert einen guten Überblick über die Kreuzzüge und deren Vorgeschichte. Die Vielfach erzählte Geschichte der bösen Kreuzfahrer und ihres imperialistischen Strebens nach “Kolonien“ wird stark relativiert. Die Argumentationskette ist für aber verständlich und gut nachvollziehbar gewesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen War längst überfällig, 22. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Endlich ein Buch über die Kreuzzüge, das nicht von dieser elenden "Wir Europäer sind an allem schuld"-Geisteshaltung getragen wird. Stark räumt mit vielen Legenden auf, die die Historiker in den vergangenen Jahrzehnten über die Kreuzzüge in die Welt gesetzt haben. Er stellt sie zudem auch in einen größeren geschichtlichen Kontext und behandelt vor allem auch die Vorgeschichte, die von anderen Historikern gerne unter den Tische gekehrt wird. Leseempfehlung.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Darstellung der Kreuzzüge, 24. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht (Gebundene Ausgabe)
Endlich werden die Kreuzzüge objektiver dargestellt ohne die übliche kulturelle Unterwürfigkeit , die heute meistens kundgetan wird und zu hören ist. Sehr interssant
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Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht
Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht von Rodney Stark (Gebundene Ausgabe - 30. April 2013)
EUR 22,95
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