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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schön gestaltet, gut geschrieben, leider an den entscheidenden Stellen unverständlich, 16. Dezember 2010
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln (Broschiert)
Das Buch ist vom Layout her aufwendig und elegant gestaltet, allerdings in einen billigen Paperback eingebunden. Auch sind viele Seiten invers gehalten (weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund). Fingerabdrücke sieht man leider sofort. Vor dem Lesen also bitte erst Handschuhe anziehen.

Der etwa 200 Seiten umfassende, reichlich illustrierte Text ist in 5 Kapitel untergliedert:
1. Aufbruch - Das Aufkommen des Konzepts Information nach dem Zweiten Weltkrieg
2. Auf dem Weg zum Anfang - Vorgeschichte und Vorläufer
3. Konsequenzen aus Sequenzen - Die Offenlegung der genetischen Information
4. Trillionen Transistoren - Die Revolution der Informationstechnologie
5. "Information ist physikalisch" - Ein neues Weltbild der Naturwissenschaft

Der Titel scheint ein Zitat eines populärwissenschaftlichen Weltbestsellers zu sein. Möglicherweise sollte hierdurch die Gewichtigkeit des Themas (und des Buches) angedeutet werden.

Der Autor macht deutlich, dass es sich bei dem Begriff der Information um kein klares, einheitliches Konzept handelt, obwohl er es nicht einmal in seiner vollen Breite auschöpft. Er beschränkt sich nämlich sehr weit auf die technologischen/biologischen/physikalischen Aspekte der Information, während die Semantik (Bedeutung) von Information für ihn kein wirkliches Thema ist. Dies ist bedauerlich, da Information ja erst nach einer Bedeutungszuweisung informieren kann. Für eine gleichfalls kurze Diskussion des Themas siehe z. B. Floridi: Information: A Very Short Introduction.

Aber selbst in dem vom Autor gewählten engeren Themenspektrum wird der Informationsbegriff dermaßen vielfältig und uneinheitlich verwendet, dass auch die bisweilen vorgenommene Unterscheidung zwischen "Information" und "Informationsgehalt" (S. 167: "Tatsächlich müsste die Überschrift zu diesem Kapitel 'Informationsgehalt ist physikalisch' heißen, aber in diesem Inhalt stecken auf jeden Fall Informationen, die damit auch physikalisch sind, und nach deren Repräsentation wollen wir suchen.") zu keiner wirklichen Klärung beiträgt.

Eigentlich hatte ich das Buch hauptsächlich wegen eben jenem Kapitel 5 "Information ist physikalisch" erworben, wird darin doch von der Entstehung eines neuen naturwissenschaftlichen Weltbildes gesprochen. Um es gleich vorweg zu sagen: Im Vergleich zu Das informative Universum: Das neue Weltbild der Physik (welches im Literaturverzeichnis aufgeführt wird) ist die Darstellung äußerst enttäuschend. Der Text ist zwar gut und lesbar geschrieben, von der inhaltlichen Seite her dann aber oftmals dermaßen ungenau und unverständlich, dass mich das Kapitel nicht wirklich weiterbringen konnte.

Beispielsweise heißt es auf S. 176: "Während unser Tintentropfen zerfließt, verbraucht er nach und nach alle Zufälligkeiten, die er durch die Vereinheitlichung seiner Mikrozustände gespeichert hatte. Dieser Prozess liefert uns dabei Informationen, da er auf viele Weisen auflaufen kann, und wir erst im Laufe des Prozesses die besondere Form kennenlernen, mit der er stattfindet. Und zwar solange, bis die Entropie ihren höchsten Wert erreicht hat und nichts Unerwartetes mehr geschieht. Dann wissen wir alles, was wir über den Zustand wissen können. Mit anderen Worten: Der Tintentropfen im Wasserglas hat den Zustand erreicht, in dem der Informationsgehalt des Systems der maximale geworden ist."

Als hätte ich es geahnt, folgt die Auflösung auf dem Fuße (176ff.): "Aus der Entropie ist längst die Information geworden, und diese Anekdote macht verständlich, was wir oben bemerkt haben, dass nämlich beide (rätselhaften) Konzepte dieselbe Tendenz haben, der Vorschrift des Zweiten Hauptsatzes zu folgen und einem Maximum zuzustreben. 'Maximale Information' meint, dass keine weitere Information mehr aufgenommen und im Träger der Information enthalten sein kann."

Ist dies etwa der heimliche Grund dafür, weswegen sich meine Daten-Laufwerke stets wie von selbst zu füllen scheinen, sodass ich mir schon bald wieder das nächst leistungsfähigere Modell zulegen muss?

Andere Autoren stellen den Sachverhalt exakt umgekehrt (aber meines Erachtens kein bisschen richtiger) dar. Beispielsweise heißt es bei Sedlacek Äquivalenz von Information und Energie: Auf der Suche nach den Grundbausteinen der Welt, S. 17: "Die Boltzmann-Beziehung macht Information zu einer Eigenschaft der physikalischen Realität und setzt fehlende Information gleich mit Entropie. Im praktischen Leben kann man beispielsweise sofort die Entropie einer leeren DVD angeben. Wenn die DVD 4,7 GB Speicherplatz besitzt, dann beträgt die Entropie der DVD in GB-Einheiten, genau 4,7." Bei Sedlacek besitzt eine DVD also maximale Entropie, wenn sie leer ist, bei Fischer hingegen im vollen Zustand (wenn sie keine weiteren Informationen mehr aufzunehmen in der Lage ist).

Das neue Weltbild der Naturwissenschaften beruht in der Darstellung Ernst Peter Fischers ganz wesentlich auf der Gleichsetzung von Entropie mit Information. Dies mag ja alles sein (wenngleich ich es bezweifele), nur hätte ich dafür ein wenig mehr Begründung erwartet. Ohne tiefergehende Begründungen wirkten viele seiner Formulierungen auf mich letztlich verwirrend (178): "Organismen können ihre Unordnung klein halten, aber nur auf Kosten der sie umgebenden Natur. Wer Informationen abgeben - sie vergessen will (...), muss damit die Umwelt belasten, deren Information folglich steigt. Dafür muss Energie aufgewendet werden, und dies rettet nicht nur den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik vor seiner teuflischen Widerlegung. Dies bringt Information und Energie gleichsam auf Augenhöhe, was konkret bedeutet, dass Information genau das ist, was die Überschrift dieses Kapitels besagt, nämlich physikalisch."

An der Stelle hätte er auch schreiben können, dass der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik damit widerlegt sei. Es hätte für mich keinen wirklichen Unterschied mehr gemacht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vom Mendels Klostergarten zum Silicon Valley, 11. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln (Broschiert)
Heute weiß auch der letzte Hinterwäldler, dass wir in einem Informationszeitalter leben. Dabei vergessen wir leicht, dass der Begriff der Information, der uns heute selbstverständlich erscheint und so leicht von den Lippen geht, eigentlich eine verhältnismäßig kurze Geschichte hat. Und was vielen auch nicht bewusst ist: Information ist auch ein naturwissenschaftliches Konzept.

Der Siegeszug der Informationstechnologie - vom Computer bis zum Internet, vom Telegrafen bis zum Smartphone - wurde erst möglich, nach dem Mathematiker und Physiker die vielfältigen Phänomene rund um Information und Kommunikation in ein abstraktes Begriffssystem einordnen konnten. In einem schön illustrierten, populärwissenschaftlichen Buch des Wissenschafts-Publizisten rekonstruiert Ernst Peter Fischer wird die Geschichte der naturwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Information. Die mathematischen Grundlagen - etwa das duale Zahlensystem oder der Logarithmus - werden knapp erläutert. Auch die großen Forscher werden vorgestellt: Claude Shannon, Alan Turing, Charles Babbage (der die erste mechanische Rechenmaschine entwickelte) und Alda Lovelace (die einen Algorithmus für diese entwickelte und als die erste Programmiererin bezeichnet werden darf).

Bei der Darstellung werden verschiedene Stränge der Wissenschaftsentwicklung miteinander verknüpft: Die mathematischen Grundlagen, die Entwicklung der Informationstechnologie, die physikalische Bestimmung von Entropie und Information und das Konzept des genetischen Codes - die letzten beiden Punkte zeigen, dass Information eine Tatsache der Natur ist und nicht nur ein menschliches Artefakt.

Der Autor Ernst Peter Fischer ist ein versierter Vermittler von naturwissenschaftlichen Wissen und dessen Einbettung in Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Sein Stil ist allgemeinverständlich, ohne dabei zu platt oder unpräzise zu sein. Allerdings merkt man schon, welche Themen Fischer mehr oder weniger liegen: Die Blüte des Silicon Valleys und die Entwicklung des Internets stellt er eher oberflächlich und ohne tiefere Einsicht dar, während er der Genetik sein Herzblut widmet und sie dadurch einen unverhältnismäßig großen Anteil an der Textmenge des Buches einnimmt. Nicht das Genetik nicht spannend wäre - von Gregor Mendels Experimente im Klostergarten bis hin zur Entdeckung der Doppelhelix liefert sie eine Vielzahl lesenswerter Geschichten. Aber die hat Fischer bereits in vielen anderen Büchern umfassender und besser nacherzählt. Doch im Zusammenhang mit Information, Computer und IT scheint Genetik nur ein Nebenthema zu sein, und Fischer arbeitet die Verbindung zum Hauptthema nicht immer klar heraus.

Das schmälert aber nur wenig die Qualität des Buches, zumal es ansonsten nur wenige populärwissenschaftliche Sachbücher auf Deutsch gibt, die uns helfen, die Grundlagen unseres Informationszeitalters zu verstehen.
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Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln
Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln von Ernst Peter Fischer (Broschiert - 13. September 2010)
Gebraucht & neu ab: EUR 4,89
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