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4,4 von 5 Sternen
Siegfried: Band 1. Siegfried
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Mai 2008
Wie haben wir auf ein neues Album von Alex Alice gewartet!

Es ist aber auch einfach zum Verzweifeln: Da liefert Alice mit "Das dritte Testament" eine zeichnerisch herrliche Arbeit ab, damals, als der Splitter-Verlag noch existierte, und dann hört man lange Jahre gar nichts mehr von ihm. Doch heute - der Splitter-Verlag frisch wieder auferstanden - schenkt uns Alice "Siegfried", eröffnet sein eigenes dreiteiliges Epos mit einem 72-seitigen (!) Band.

Der Umfang allein ist schon recht beeindruckend. Bei Dargaud und Splitter genießt Alice wohl nicht zu Unrecht einen so guten Ruf, dass man ihm solche Extravaganzen erlaubt. Und Alice schwelgt in dieser gestalterischen Freiheit: Besonders die Einleitung ("Ouvertüre") protzt mit riesigen Panels, herrlichen Farben, üppigen Naturdarstellungen. Bis überhaupt das erste Wort gesprochen wird, sind neun Seiten am Leser vorbeigezogen.

Wie "Siegfried" dabei ins Bild kommt? Nun ja, für das mittelalterliche "Nibelungenlied" hat Alice offenbar keine Verwendung gefunden. Er stützt sich lieber auf die älteren nordischen Sagen, vor allem aber auf Wagners "Ring des Nibelungen". Hier bedient er sich reichlich, ändert allerdings auch sehr viel ab, um den Stoff in das Comic-Format zu pressen. Ähnlich des "Dschungelbuchs" wächst Siegfried im Wald auf, ohne menschliche Bezugsperson; nur der zwielichtige Nibelung Mime (stilistisch ohne Scham an die "Muppets" angelehnt, inmitten des ihn umgebenden Realismus) ist sein Gesprächspartner und Pseudo-Vater. Im "Dritten Testament" waren großartige Bauwerke und Architektur Alices besondere Stärke - hier verzichtet er ganz bewusst darauf, was man ein bisschen schade nennen muss. Die opulenten Landschaftsbilder sind aber nahezu ebenbürtiger Ersatz. Die Geschichte erzählt sich dann auch mehr über Bilder denn über Sprache. Es wirkt zuweilen, als hätte Alice mehr den Film im Kopf gehabt, an dem er parallel zu den Büchern arbeitet - aber verkehrt muss man das auch nicht finden. Rein handlungsbedingt ist außerdem zu erwarten, dass die Serie in zukünftigen Bänden eine leicht andere Gewichtung finden wird, der gesamte erste Band mithin als "Einleitung" oder "Vorgeschichte" betrachtet werden kann.

Der Splitter-Verlag hat seine Sache auch recht gut gemacht. Nur manchmal stolpert die Übersetzerin über grammatische Eigenheiten des Französischen, die sich nicht ganz so sanft ins Deutsche übertragen lassen. Tatsächliche Fehler, die das Lektorat hätte entdecken müssen, finden sich eher in den 80 zusätzlichen Seiten der "Special Edition". Der Druck ist wirklich erfreulich farbenkräftig geworden, leider reagieren insbesondere die Seiten mit Layout auf schwarzem Grund auf Fingerabdrücke recht unschön.

Alice hat sich mit dieser Serie sehr viel vorgenommen, und auch wenn er die ersten Stufen mit Bravour gemeistert hat, wird sich erst mit dem zweiten und dritten Band herausstellen, wie brilliant er seine Vision in den letzten fünf Jahren durchgeplant hat, bevor er den ersten Strich aufs Papier gebracht hat. In gewisser Weise wird man auch den ersten Band aufgrund der nachfolgenden Teile beurteilen müssen. Vier Sterne hat der Band jedenfalls voll verdient - mir sei die Rückstellung des fünften aufgrund der genannten, wirklich kleinen Negativpunkte verziehen. Ohne Zweifel: Den nächsten Band muss ich noch schneller haben, als den ersten.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Siegfried. Der Ring der Nibelungen. Wagner. Schlagworte, die jedem Historiker, Opernfreund oder Liebhaber mittelhochdeutscher Texte das Herz überfließen lassen. Viele Comicfans werden vielleicht eher das Grausen kriegen, wenn sie diese Begriffe lesen. Doch der Name Alex Alice, der auf dem Cover des neuesten Fantasy-Albums über einem ziemlich düster dreinblickenden Jüngling steht, lässt aufhorchen. Dieser Ausnahmekünstler hat mit "Das dritte Testament" eine Comic-Trilogie erschaffen, die auch fast ein Jahrzehnt nach ihrem Erscheinen noch in aller Munde ist. Und dieser begnadete Illustrator nimmt sich dieses Heldenstoffes aus dem düsteren Mittelalter an? Dieses abgegrasten, wiedergekäuten und immer wieder hervorgeholten Rachedramas?

Einst schuf Odin einen Klumpen Gold, dem absolute Macht innewohnt. Doch sein Besitzer muss auf ewig der Liebe entsagen. Er versenkte das Gold im tiefsten Meer und ließ seine Tochter als Wächterin zurück. Fafnir vom Stamme der Nibelungen, in Liebe zu der Schönen entbrannt, umkreiste lange Gold und Frau. Er raubte jedoch das Macht verheißende Stück Metall, als sich seine Angebetete einem Sterblichen, einem Menschen, hingab.
Er brachte das Gold zu Mime, dem besten Schmied der Nibelungen, und ließ ihn einen Ring daraus schmieden. Doch der Verrat Mimes kam die Nibelungen teuer zu stehen. Ihre unterirdischen Gewölbe stürzten ein, ihr Schicksal hieß Verbannung und Zerstreuung in alle vier Himmelsrichtungen. Mime aber richtete all sein Trachten darauf aus, den Verräter Fafnir, der auch den Schmied betrogen hatte, zu richten. Doch wie? Der mächtige Nibelung verwandelte sich unter der Wirkung das Goldes zu einem grausamen und unbesiegbaren Drachen, der in der Tiefe der dunkelsten Höhle allein mit seiner Macht entschwand.

Mime zieht fort, und weit jenseits der Berge, sogar jenseits des verbotenen Waldes beginnt er mit seinem Ränkespiel, an dessen Ende Fafnirs Tod stehen soll. Als Werkzeug dient ihm ein Menschenkind, das ihm auf seiner Flucht anvertraut wird. Der Junge ist just die Frucht der verbotenen Liebe von Odins Tochter zu einem Menschen. Gerichtet vom Gottvater selbst und all ihrer Macht und Unsterblichkeit beraubt, verpflichtet sie sterbend Mime zu einem Versprechen. Er soll ihren Sohn Siegfried ohne die Götter und die Furcht vor ihnen erziehen. Doch der verräterische Mime hat seine eigenen Pläne mit dem Kind. In seinen Händen soll er zu einem Drachentöter heranwachsen, der für Mime den Ring Fafnirs erkämpft.

Schon auf den ersten Seiten reibt sich der Leser die Augen. Ist dies "Siegfried", die Sage um das Leben des mächtigen Drachentöters, oder ein Fantasymärchen, in dem Wesen, die an Zwerge, an "Der dunkle Kristall" des Muppet-Schöpfers Jim Henson oder an Gollum aus dem "Herrn der Ringe" erinnern, durch dunkle Wälder schleichen? Ist dies die berühmte Nibelungensage oder ein Ableger des Dschungelbuchs - denn die ersten Bilder des kleinen Siegfried, wie er mit Wölfen spielend durch den Schnee tollt, erinnern stark an Disneys Kinderfilm.

Doch die fantastischen Illustrationen Odins, Fafnirs und des Verrats an den Nibelungen nehmen gefangen, fesseln und begeistern nahezu jeden Betrachter. Atemberaubend schöne Bilder, grandiose Settings, wundervolle Ansichten einer tief verschneiten Welt und ein sich sehr stark zurücknehmender Erzähler machen schnell klar, dass hier ein Künstler am Werk war. Ein Zeichner, der das alte Gewand der Saga verlässt und behutsam modernisiert, der das Verstaubte liegen lässt und neue Ideen einbaut, die der Geschichte Sinn, Größe und Faszination verleihen.
Alex Alice ist ein wahrer Bilderrausch gelungen, der "Siegfried" zu einem wundervollen Fantasymärchen mutieren lässt. Doch auch der Tiefgang, die Tragik und Weisheit der nordischen Vorlage spiegeln sich in vielen Details, dem knappen Text und unzähligen Anspielungen wider.

Hier ist ein Comic-Band entstanden, der dank der exzellenten Druckqualität des Splitter-Verlags, des herrlich großen Formats des Bandes und des enormen Umfangs von über siebzig Seiten, vor allem aber dank seiner Bilder Geschichte schreiben wird - auch wenn man die eigentliche Sage rund um Siegfried erst in den Bänden zwei und drei erleben darf. Auf dieses Ereignis aber wird sich jeder Leser des ersten Teils freuen, ja, es herbeisehnen.

Ob man das auch von dem geplanten - und in Arbeit befindlichen - Zeichentrickfilm sagen kann, sei dahingestellt. Ein Trailer existiert bereits, unverkennbar auf dem Artwork von Alex Alice fußend, wirkt er aber noch ein wenig kitschig und naiv.

Stefan Erlemann
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Oktober 2012
Ich schreibe hier eine Rezension, die für alle drei Bände gelten soll.

Großartig.
Das wärs eigentlich schon. Ich habe nichts an der Geschichte auszusetzen. Sie ist wunderbar erzählt, die Zeichnungen sind umwerfend, die Chraraktere und Landschaften eine Mischung aus High-Fantasy und Märchen.

Mit der originalen sage oder anderen Umsetzungen des Stoffes hat die Reihe dagegen wohl eher weniger zu tun, wie ich durch Wikipedia schließe, aber da ich diese nicht kenne, hat es mich auch nicht im geringsten gestört.

Damit der Artikel nicht zu inhaltslos erschein, hier ein paar Dinge, die mir besonders gefallen haben:

- Siegfrieds Situation, in der er keine menschlichen Vorbilder kennt und sich in seiner Entwicklung an Vorbildern aus der Natur orientiert, ist sehr gut erfasst und ein Kernelement der Geschichte.
- Verschiedene zeitliche Ebenen durch die einrahmende Erzählperspektive (den Satz versteht man wohl erst beim Lesen).
- Die Entwicklung der Charaktere, die alle ihre eigene Motivation mit sich bringen. Besonders Mime hat mir dabei gefallen. Sein Charakter schwankt zwischen bösartigem Egoismus und den Schuldgefühlen durch seine Rolle und Taten in der Vergangenheit. Dazu ist er tragische und komische Gestalt in einem und nicht allein für ein paar Slap-Stick-Witze in der Story, auch wenn er damit die Erzählung hin und wieder auflockert.
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am 27. März 2015
..., aber es ist ein massenkompatibler Band, der sich vor allem ästhetisch in eine ganze Reihe aktueller fantastischer Comics (Lanfeust/Troll von Troy, Planet ohne Erinnerung etc.) eingliedert, aber dadurch eben nichts besonderes ist. Gewiss zeichnet sich Alex Alices Band durch zeichnerisches und malerisches, wie kompositorisches Können aus. Sucht man jedoch den Vergleich z.B. mit Jimmy Stepanoff, dann fallen dramatische Welten auseinander. Es ist ein wenig, wie mit Fritz Langs und Harald Reinls Verfilmung des Nibelungenstoffes. Reinl ist nicht schlecht, gewiss um Längen besser als Uli Edel, aber eben kein Fritz Lang. Wie bei Lang, lassen sich auch bei Stepanoff Inspirationen in der Kunstgeschichte finden. Kompositionen, Bild- und Formfindungen lehnen sich an die thematisch entsprechenden grafischen Arbeiten von Max Slevogt, Ernst Barlach oder Josef Hegenbarth an, ähneln aber auch Franz von Stuck und schließlich Fritz Lang.
Begibt man sich auf eine Bildreise durch die Kunstgeschichte der ästhetischen Auseinandersetzung mit dem "Nibelungenstoff" (sei es das Nibelungenlied, die Wagnerische Interpretation oder beider Wurzeln in der europäischen Mythengeschichte), fallen noch weitere visuelle Querbezüge auf (zur Lektüre z.B. Ulrich Schulte-Wülwer: Das Nibelungenlied in der deutschen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, Giessen 1980. Katalog: Die Nibelungen; Bilder von Liebe, Verrat und Untergang, München 1987).
Alex Alices Siegfried ist ein gutes Geschenk für eine/einen Fantasybegeisterte(n) Jugendliche(n), welche(r) mal erwähnte, dass er/sie das Nibelungenlied "cool" findet. Jeder, der sich intensiver mit Stoff, seinen inhaltlichen und gesellschaftlichen Bezügen/Bedeutungen, sowie progressiven visuellen "Interpretationen" befassen möchte, sollte sich weiter umschauen.
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am 27. Juli 2015
Alex Alice ist meiner Meinung nach einer der besten Zeichner dieser Zeit und mit diesem Auftakt einer spannenden Reihe hat er dies nur verdeutlicht. Seine Zeichnungen sind Fanatisch und die Geschichte faszinierend, ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich daran bemäkeln könnte. Die anderen Bücher stehen schon auf meiner Liste und auch die Suche nach einem Kunstdruck des Covers :)
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