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Kundenrezensionen

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Der amerikanische Journalist Tom Reiss ist der Chronist dieser wunderbar geschrieben, tief bewegenden Biographie. Der im Untertitel erwähnte großartige Mensch, Essad Bey, wurde 1905 in Baku geboren. Tom Reiss hat das Leben von Lev Abramowitsch Nussimbaums/EssadBeys/Kurban Saids mit größter Sorgfalt recherchiert und 2005 in New York und London als The Orientalist" auf den Buchmarkt gebracht. 2008 erschien das Buch, von Jutta Bretthauer übersetzt, auf dem deutschen Markt.

Essad Bay wurde in Baku, der Hauptstadt von Asserbadjan, als einziges Kind des sehr wohlhabenden georgisch-jüdischen Ölmillionärs Abraham Nussimbaum und einer russisch-jüdischen Intellektuellen, einer Revolutionärin die dem russischen Adel angehörte, geboren Von der Mutter weiß man nicht viel, sie hat den "Klassenfeind" geheiratet, beging 1911 Selbstmord. Der kleine Lev wurde von einer deutschen Kinderfrau, Alice Schulte, die ihm ein Leben lang bis zu seinem Tod präsent war, aufgezogen. Bis 1918 besuchte das recht aufgeweckte Kerlchen das Bakuer Gymnasium. Bis zu diesem Zeitpunkt war Baku die Ölhauptstadt der Welt. Viele jüdische, moslemische und christliche Ölbarone lebten bis dahin friedlich und harmonisch auf engstem Raum miteinander. Mit Ausbruch der Oktoberrevolution kam es auch in Baku zu Unruhen, Aufständen und Meutereien. Die Bakuer Ölmillionäre flohen in alle Himmelrichtungen, Abraham Nussimbaum floh über das Kaspische Meer, kehrte 1920 noch einmal zurück, während der 18 jährige Lev ohne den Vater in die deutsche Kolonie Helendorf floh. Auf komplizierten und verschlungenen Fluchtwegen landeten Vater und Sohn schließlich in Berlin-Wilmersdorf. Dort besuchte Lev das Russische Gymnasium, schloß 1921 seine Schulzeit ab. Mit 17 Jahren konvertierte er zum Islam, engagierte sich fortan in der islamischen Gemeinde, nannte sich nun Essad Bey. 1922 konnte er sich seinen größten Wunsch erfüllen, wurde Student für Orientalistik an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Er pflegte enge Kontakte zur Berliner Literaturszene, zu der unter anderem Pasternak und Nabokov gehörten. In Berlin führte er ein Bohemien Leben, liebte es in orientalischer Tracht, mit Fez oder Turban aufzutreten. In den Berliner Literaten Cafes war er mit seinem orientalischen Outfit ein bekannter Mann.

1928 erschien sein erster Roman "Öl und Blut im Orient" der ihn während der Weimarer Zeit zum unumstrittenen Orient Experten machte. Neben einer Stalin Biographie veröffentlichte er eine viel beachtete Mohammed Biographie. 1932 heiratete er die jüdischstämmige Fabrikantentochter Erika Loewendahl, eine nicht sehr erfolgreiche Dichterin der zwanziger und frühen dreißiger Jahre. Mit ihr ging er nach Amerika, erlangte auch dort eine gewisse Popularität. Er kehrte nach Nazi Deutschland zurück, trat der Reichsschrifttumskammer bei, fühlte sich eigentlich als zum Islam konvertierter Jude recht sicher. Als er dann jedoch 1936 Publikationsverbot erhielt wurde ihm der Boden zu heiß. Er floh über die Schweiz nach Italien. Im selben Jahr erschien sein wohl bekanntester Roman "Ali und Nina"eine herzzerreißende Liebesgeschichte zwischen einem Muslim und einer Christin. Als Autor benutzte er nun das Pseudonym Kurban Said.

Bis dahin liest sich die farbenprächtige Biographie wie eine Mischung aus "Tausend und einer Nacht" und einem historischen Roman. Doch Märchen, die in irgendeiner Form einen Wahrheitsgehalt zum Inhalt haben, haben auch irgendwann einmal ein Ende und das muss nicht immer traumhaft schön sein. Die Ehe wurde geschieden, weil ihn seine Frau seit langem mit einem seiner besten Freunde betrogen hatte. 1938 zog sich Bey in eine Art Künstlerkolonie nach Positano zurück. Dort starb er 1942 im Alter von nur 37 Jahren, verarmt unter großen Schmerzen an einer Gefäßerkrankung, der Raynaud Krankheit.

Ein rundum gut erzähltes, einfühlsam erzähltes, spannendes, fesselndes, perfektes, aufwühlendes und nachhaltig bewegendes Buch das neben der Biographie dieser faszinierenden Persönlichkeit sehr ausführlich die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert beleuchtet und am Beispiel einer christlich-muslimischen Weihnachtsfeier die Erinnerung an eine Jugend wachruft, in einer wunderbaren, harmonischen Welt, in der alle Religionen an einem Ort friedlich nebeneinander leben konnten.
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am 8. Oktober 2008
Geben die verschlungenen Fluchtwege aufgrund der politischen Wirren im Gefolge des Ersten Weltkrieges - von Baku über das damalige Konstantinopel (Istanbul) bis ins Berlin der Nachkriegsjahre - schon Stoff genug ab für ein spannendes Buch, taucht uns der Autor mit einer überwältigenden Faktenfülle zudem mitten hinein in die Unheil bringenden Jahre der Weimarer Republik sowie in die erste Hälfte des Dritten Reiches und macht und so manches Geschehen nachvollziehbarer. Auch die Verstrickung Italiens in die Judenverfolgung wird - was selten geschieht - aufgezeigt. Ein Geschichten- und Geschichtsbuch der Extraklasse.
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am 24. März 2015
Der Autor beschreibt das schillernde Leben von Lev Nussimbaum alias Kurban Said alias Essad Bey, eines Juden aus Aserbeidschan, aus einer reichen Familie von Öl-Baronen stammend, der vor der Oktoberrevolution flieht. Der Autor beweist dabei wenig Distanz zur Person seiner Biographie und lässt sich von deren Anti-Kommunismus anstecken. Der "Orientalist" wandert zwischen den Welten, wird Muslim, ist erfolgreicher Schriftsteller in der Weimarer Republik, sympathisiert mit dem italienischen Faschismus, seine Bücher dürfen in Nazideutschland trotzdem nur unter anderem Namen erscheinen. Er stirbt in jungen Jahren in Italien an einer Krankheit. Der Autor schreibt interessant, ist aber in den historischen Details nicht immer zuverlässig und insgesamt sehr parteiisch.
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am 8. März 2009
Das Buch von Tom Reiss zeigt großartig wozu ein Journalist/Autor fähig sein kann, wenn er sich die Zeit nimmt selbst zu recherchieren. Es gelingt ihm auch - sehr ausführlich - historische Ereignisse mit dem Leben des Autors in Verbindung zu setzen, wobei ich als einzigen Kritikpunkt anführen möchte, dass speziell der Anfang des Buches für manche Leser etwas zu lang ist. Eine Straffung hätte da nicht geschadet. Allerdings wird man dann im Laufe des Buches für die Geduld belohnt und erhält ein unglaublich kompaktes Bild Europas zwischen den beiden Weltkriegen, wie ich es in dieser Form noch nicht gelesen habe. Abgesehen von der tragischen Geschichte des Protagonisten, ist dieses Buch wirklich ein spannendes und sehr informatives Werk aus historischer Sicht. Ich bin sicher, es gibt noch irgendwo auf der Welt Informationen, die es gilt auszugraben, um das Bild des unglücklichen Lev Nussimbaum zu ergänzen und ich hoffe, Tom Reiss ist immer noch dabei zu recherchieren.
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am 6. August 2010
Ich bekam das Buch geschenkt und konnte anfangs mit dem Themenfeld nicht viel anfangen. Wieso sollte es jetzt für mich spannend sein, dass "Essad Bey" vom Judentum zum Islam konvertiert. Aber davon handelt das Buch gar nicht vordergründig. Es geht vielmehr um eine abenteuerliche Biographie, die voller Brüche und Spannung ist.
Auch ist der Einstieg etwas zähflüssig, da der Autor den Leser in seine Recherchemethoden einführt, wen er alles interviewt hat und welche Teilstories er als Puzzlestücke bekommen hat. Das ist zwar gut, damit der Leser das Gefühl der Authentizität bekommt, unterbricht aber am Anfang den Spannungsbogen.
Sie müssen es sich so vorstellen, als wenn Sie in einen spannenden Tagtraum hineingezogen werden und immer wieder von außen unterbrochen werden.

Für mich war besonders spannend, wie der Autor zur Biographie nebenher die Geschichte Russlands, des Kaukasus, des Osmanischen Reichs und Deutschlands erzählt und viele Einblicke und Zusammenhänge darstellt, die ich bisher in keinem Schulunterricht und in keiner Doku gehört habe. Allein dafür war das Buch unbezahlbar.

In diese Umbrüche, der Oktober-Revolution, des russischen Bürgerkriegs, die Auflösung des Osmanischen Reichs, der Fürstentümer Turkistans und des Deutschen Kaiserreichs ist Lev Nussiumbaum verwickelt und sein Schicksal wird zum Spielball der Umstände. Diese Umstände und was er daraus macht, wie er als Träumer zum Schriftsteller wird und sich durch das Leben schlägt, ist so unheimlich spannend.

Auch noch einmal gezeigt zu bekommen, wie wild und verwegen die goldenen 20er Jahre der Weimarer Republik in Berlin waren, sind sehr erkenntnisreich.

Dieses Buch ist für den intensiven intellektuellen Genuss sehr geeignet, nicht zum schnellen durchlesen und abschalten.
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am 1. März 2015
Ich weiss nicht wieso, vor einigen Jahren stieß ich auf "Ali und Nino" und war hingerissen von diesem Buch. Ich habe es damals weiterverschenkt und den Autor fast vergessen. Auf der Suche nach Literatur über Banine (Bekanntschaft v. Ernst Jünger) stolperte ich dann über diese großartige Biografie über Essad Bey oder Kurban Said oder Lev Nussimbaum, wie man will. Mal vage und phantastisch und manches Mal die Geschichte(n) des Protagonisten als Erlebtes übernehmend, zeichnet Weiss ein flirrendes Bild von der russischen Revolution bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Ich habe viel neues über die russische Revolution, den Faschismus und allgemein über die Zeit viel neues gelernt.
Großartig. Kurzweilig. Am Schluss leider etwas verhuscht, und aquarellartig.
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am 1. Oktober 2008
... mitunter sehr langatmig erzählt. Autor Tom Reiss hat die spannende Biografie des aserbaidschanisch-deutschen Schriftstellers Lev Nussimbaum akribisch recherchiert und aufgeschrieben. Leider liest sich der zeitgeschichtliche Hintergrund seitenweise zu ausführlich, und oft fragt man sich mittendrin: 'Was hat das alles mit Nussimbaum zu tun?' Nussimbaums Lebensgeschichte allerdings ist so spannend, dass ich gerne zwischendurch ein paar der ausufernden Erklärungen überblättert oder quergelesen habe. Lev Nussimbaum wird 1905 als Sohn eines jüdischen Ölmagnaten in Baku geboren; die Mutter ' eine Anhängerin Stalins ' stirbt früh. Nach dem ersten Weltkrieg müssen Nussimbaum Senior und Lev unter abenteuerlichen Umständen vor antijüdischen Pogromen fliehen: über Iran, Istanbul, Paris bis nach Berlin. Dort landen die beiden ausgerechnet Anfang der dreißiger Jahre, als die Nazis an die Macht kommen. Lev erfindet sich neu, tritt zum Islam über, schreibt bedeutende Biografien u.a. über Stalin und Mohammed und avanciert als muslimischer Prinz zur Berühmtheit der Berliner literarischen Salons. Bis er vor den Nazis nach Wien und schließlich ins italienische Positano fliehen muss ... Es ist ein Verdienst von Tom Reiss den Menschen und Autor Lev Nussimbaum wieder aus der Vergessenheit hervorgeholt zu haben ' und Lust darauf zu machen, dessen Bücher zu lesen. Allen voran die wunderbare Liebesgeschichte 'Ali und Nino'.
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am 6. August 2010
Tom Reiss schildert in seinem Buch sehr interessant und sehr lesenswert den Lebensweg des Autors Lev Nussimbaum alias Kurban Said alias Essay Bey. Dessen Leben ist durch die Wirrnisse seiner Zeit auf verschlungene Pfade geführt worden. Dieses ungewöhnliche Leben schildert Reiss sehr eindrucksvoll und auch der ungewöhnliche Charakter Nussimbaums mit seiner Exzentrik kommt sehr gut zum Ausdruck.
Allerdings habe ich mich etwas gewundert, dass Tom Reiss es gewissermaßen als das Ergebnis seiner umfangreichen Recherche, die er sicherlich für dieses Buch betrieben hat, ansieht, herausgefunden zu haben, dass Essad Bey auch Kurban Said ist und das sich hinter beiden Synonymen Lev Nussimbaum verbirgt. Meines Wissens nach war diese Tatsache kein Geheimnis und ich hatte davon schon früher gelesen.

Tom Reisss beschreibt die geschichtlichen Hintergründe, die das Leben von Lev Nussimbaum bestimmt haben, ausgesprochen detailliert und es kommt zum Ausdruck, dass er sehr umfangreich recherchiert hat. Um an dem Buch gefallen zu finden, muss man sich für Geschichte interessieren. Ist das der Fall, dann ist das Buch ein Fundus an Informationen. Für mich waren vor allem die Beschreibungen aus dem Kaukasus und dem revolutionären Russland sehr interessant. Vor allem der Kaukasus ist eine Region, über die der Rest der Welt nicht allzu viel weiß. Da ich selber zu denen gehöre, die kein genaueres Wissen über diese Region haben, kann ich diese Ausführungen nicht beurteilen. Gleiches gilt für die interessanten Schilderungen des Untergang des osmanischen Reichs.
Auch die Beschreibungen der Weimarer Republik sind ausgesprochen informativ und prinzipiell auch richtig. Besonders die Beschreibungen des Lebens zu dieser Zeit sind authentisch. Allerdings neigt der Autor dazu, Fakten zu generalisieren und so Vorgänge auf einige Ursachen zu reduzieren. So bekommt man beispielsweise den Eindruck, der Nationalsozialismus sei vor allem durch die Freikorps entstanden, was eine zu große Vereinfachung ist. Doch trotzdem halte ich dieses Buch als einen guten Beitrag, um sich mit der Zeit auseinander zu setzten, man sollte allerdings auch auf andere Quellen zurückgreifen, um sich ein fundiertes Bild über die Revolution und die sich anschließende Weimarer Republik zu machen.
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am 8. September 2013
Der Orientalist - ist ein beeindruckendes Buch über die Umbruchzeit nach der Oktoberrevolution der Bolschewiki und die gnadenlose Umsetzung ihrer Ziele in Russland, Mittelasien und in Aserbaidschan, bevor der Held des Romas das rettende Berlin der Zwanziger Jahre erreicht.
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am 7. Dezember 2008
Ein packend geschriebenes Buch, sehr bewegend und ein ungewoehnlicher Abriss eines noch ungewoehnlicheren Lebens, das den Leser auf eine Reise quer durch Europa und den Orient mitnimmt. Sehr akribisch recherchiert, mit vielen interessanten Seitenblicken auf die Geschichte der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und die jeweiligen Geburtsstunden zweier diktatorischer Regime. Ein absolutes Juwel.
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