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44 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für die Politik eines vereinten Europa, 4. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Dies ist die dritte Ausgabe des kleinen Büchleins von Machiavelli, die ich gelesen habe, und es ist für mich unbestritten die beste.
Machiavelli wendet seine Ratschläge an den Herrscher seiner Zeit zu Zeiten, in denen er in Ungnade fiel. Dementsprechend vorsichtig drückt er sich aus, zeigt aber auch großen Mut, indem er einen analytischen Realismus an den Tag legt, den man sich auch heute nur wünschen kann.
Von den Jesuiten verdammt, von seinem Fürsten verlassen, sinniert Machiavelli darüber, welches die Tugenden und welches die Untugenden eines Herrschers zu sein haben. Was zunächst unzeitgemäß wirkt, immerhin hat die Schrift ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel, entwickelt sich unter der führenden Hand von Patrick Horvath und der präzisen und modernen Übersetzung von Ralf Löffler zu etwas, das man einen "empirischen modernen Klassiker der Menschenkenntnis" nennen möchte.
Horvath erkennt die Notwendigkeit des Machiavellistischen Realismus für die moderne Zeit und zeigt auf, welche Punkte und welche Zusammenhänge im Leben Machiavellis dazu geführt haben, dass seine Machtpolitik (die eben eine absolut realistische ist und auch sein muss) für rücksichtsloses Herrschertum missinterpretiert wurde und wie sich dies über die Jahrhunderte hielt. Machiavellis Aufruf zu einem vereinten Italien und die Qualitäten, die er von denen verlangt, die nun einmal herrschen (mag einem das Wort schmecken oder nicht), hat heute nichts an Bedeutsamkeit verloren - vor allem mit Hinblick auf das vereinte Europa.
Machiavelli verlangt von seinem Fürsten nichts anderes, als sich jeder gute Bürger von denen erhofft, die er gewählt hat: Stärke, Tugendhaftigkeit, Charakterstärke, Mut, Integrität und die absolute Fähigkeit, Menschen richtig einschätzen zu können. Insbesondere Letztere ist eine Fähigkeit, die Machiavelli weit über die Maßen besitzt, und vielleicht ist es genau diese Fähigkeit, die ihm einen so schlechten Ruf eintrug. Machiavelli kann den schlechten Charakter eines Menschen erkennen und besitzt trotzdem die seltene und großartige Fähigkeit, dessen Stärken dennoch anzuerkennen und diese in Tipps für andere zu verwandeln. Umgekehrt kann er einen guten Charakter sehen und bemerken, wie sich der Entsprechende Schwächen leistet (indem er sich zum Beispiel mit den falschen Ratgebern umgibt oder zu freigebig ist), die ihn am Ende um seine Regierung bringen. Er beschreibt die Schmeichler und ihre Tücken, was einen echten Freund ausmacht und was nicht und wie man lernt, sich ein gutes Urteil zu bilden.
Dieses kleine Büchlein ist genau das, was der Machiavellismus-Streit braucht. Der kleine Preis und das äußerst ansprechende und kunstvolle Titelbild tragen ein Übriges dazu bei, dass ich hierfür fünf Sterne gebe.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Missverständlich?, 28. März 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Wie Carl von Clausewitz und Sunzi ist Niccolo Macchiavelli als eine der umstrittenen und gerne kopierten Größen auf dem Gebiet politisch-militärischer Philosophie bekannt. Machiavellis "der Fürst" etwa gilt auch heute noch als Pflichtlektüre für Politikwissenschaftler und Machiavellismus bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch eine skrupellos Machtpolitik, die den Erhalt des Staates mit aller Gewalt an oberste Stelle setzt. Dabei war Machiavelli selbst Zeit seines Lebens Republikaner und hat mit seinen "Discorsi" ein fundiertes Werk über die Politik in den Stadtstaaten des Renaissance-Italiens vorgelegt. Sein Fürst ist dabei Lorenzo II. de Medici gewidmet, dessen Familie die Republik Florenz wieder zerschlagen hatte, wobei Machiavelli gleichzeitig den Sohn Papst Alexander VI., Cesare Borgia, als Idealtypus eines Fürsten präsentiert.

Um "der Fürst" zu verstehen, darf man nicht vergessen, unter welchen Umständen dieses Werk entstanden ist. Nach der Rückkehr der Medicis an die Macht wollte sich der in ihrem Namen einst gefolterte Philosoph mit ihnen gutstellen und verfasste einen Fürstenspiegel, um sein Wohlwollen zu demonstrieren. Ob dies ernst gemeint war oder nicht, sei dahin gestellt, hatte Machiavelli doch auch Satiren und Komödien verfasst, in denen er deutlich als Zyniker erkennbar ist. Die totalitären und absolutistischen Töne, welche man am Fürst zu erkennen glaubt, sind wie der Fürst als Herrscher selbst, aus Sicht Machiavellis immer nur eine Übergangslösung zur Republik gewesen.

Immer wieder flechtet Machiavelli Auszüge aus der ereignisreichen italienischen Geschichte ein und lässt seine Bewunderung für Cesare Borgia durchblicken, dessen Feldzüge im Namen des Kirchenstaats viele Fürsten um ihre Herrschaft fürchten ließen und die Angst vor einem geeinten Italien heraufbeschwor. Für Machiavelli wäre diese kühne Vision eines anfangs autokratischen, aber geeinten Italiens eine Vorstufe für die künftige Republik gewesen. Der Fürst sollte mit eiserner Hand eine staatliche und politische Ordnung errichten, um später die Zügel in die Hände seines Volkes zu legen. Dabei forder Machiavelli immer wieder auch dass die Kriegskunst nicht zu vernachlässigen ist, sichert doch vor allem anderen sie den Herrschaftsanspruch eines Fürsten. Auch das, um die künftige Republik, vor ihrer vollendeten Transformation nicht zum Opfer fremder Expansionsgelüste werden zu lassen. Machiavelli billigt jedoch den Machterhalt, als oberste Priorität des Fürsten, etwas das pervertiert zur Verfolgung dynastischer und egoistischer Interessen folgen kann, die Machiavelli wiederum geißelt. Es ist besser zum Fürsten erhoben zu werden, denn als solcher geboren zu werden.

Schlecht sind Menschen nicht von Natur aus, aber laut Machiavelli durch die Art, wie sie ihre Ambitionen verfolgen. Ein Fürst der sich Machiavellis Idealen verpflichtet fühlt, sollte allerdings vor allem anderen seine geschichtliche Bedeutung im Auge haben, nicht aufgrund seines Gottesgnadentums, sondern der Aufgabe einen Staat zu führen und in die Republik zu geleiten. Dabei ist es kein Widerspruch, wenn dieser autokratische Übergangsfürst auch zu "bösen" Mitteln greifen muss, um den Staat als solchen zu erhalten. Ein Fürst darf nicht den niederen Interessen eines einfachen Mannes oder einer einfachen Frau verfallen und sich an fremden Partnern und Vermögen vergreifen, sein Amt dient dazu eine geschichtliche Aufgabe zu erfüllen, nicht sich selbst oder seine Dynastie zu bereichern. Dabei vertritt Machiavelli praktische Ansichten zur Kriegsführung und Landesverteidigung, welche seiner Ansicht nach auf einem stehenden Heer statt Söldnern basieren sollte, während Kriege nur geführt werden dürfen, wenn man sie gewinnen kann, nach der Maxime, ein verwundeter Feind ist dein schlimmster Feind, also kämpfe gegen keinen Feind den du nicht töten kannst.

Natürlich problematisch sind Machiavellis Ansichten dazu, dass es besser ist als Herrscher gefürchtet denn geliebt zu werden. Dem Volk unterstellt er ein treuloses Verhalten, Wankelmut und daher in kritischen Momenten geringes Interesse an staatlichen Belangen. Als Renaissance-Mensch der den Fall und Aufstieg von republikanischen Stadtstaaten erlebt hat, könnte diese Ansicht klarerweise aus eigener Enttäuschung und zynischer Resignation entstanden sein, wenn jene Massen, die einst der Republik, später einem neuen Herrscher zujubelten.

Friedrich der Große kritisiere Machiavelli, Napoleon I. schrieb ausführliche Kommentare zu "Der Fürst" und Benito Mussolini befasste sich mit diesem Werk. Für den einen mag das als Grund für Bewunderung Macchiavellis reichen, für andere ist es Beweis, dass er ein diktatorisches und ungerechtes System der Unterdrückung und Ausbeutung legitimiert, auch wenn das Ziel jeder Autokratie laut ihm schlussendlich die Republik sein sollte, denn nur in dieser kann die Regierungsgabe am besten genutzt werden und ein Staat sein volles Potential erlangen. Aber Machiavelli hat auch die Manipulierbarkeit des Volkes erkannt, das eben doch nicht eine überlegene Weisheit besitzt. Ob man Machiavelli auch heute noch ernst nehmen kann, gilt es zu hinterfragen, denn die Weltordnung welcher sein Werk und die Theorien entspringen ist heute Geschichte, wobei manches sich zu wiederholen scheint und sich so zeitlos zu bewahrheiten scheint. Die gefühlsmäßige Kritik am als faschistisch verdammten Staatensystem Renaissance-Italiens und der Theorien eines Niccolo Machiavelli greift mir eindeutig zu kurz, denn der Autor und Staatsphilosoph forderte klare Prinzipien und eine grundlegende Rechtsstaatlichkeit von einem Fürsten, dieser darf im Interesse des Staates über alle anderen Autoritäten hinweg handeln, aber dezidiert nicht aus persönlichen, familiären oder finanziellen Interesse.

Fazit:
Der Fürst ist eines jener Bücher, das die Gemüter erhitzt und dennoch sehr missverstanden aus dem Kontext gerissen immer wieder verdammt oder glorifiziert wird. Um sich selbst eine Meinung zu bilden, sollte man es natürlich auch heute noch lesen, da es zudem als Standardwerk der politischen Bildung gilt, aber nicht darauf vergessen, es auch im historischen Kontext zu betrachten.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für Politiker, 27. Januar 2008
Von 
Maximilian Schulz "nackenwiesel" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Mit den gängigen Vorurteilen Machiavelli gegenüber wird bereits in dem Vorwort aufgeräumt. Um den Berater der Medici und Vorbild für z.B. Thomas Hobbes aber wirklich verstehen zu können, sollte man sich doch näher mit seinen Werken beschäftigen. Und anders als die gängigeren Versionen dieses Werkes bietet dieses Exemplar eine zeitgenössischere Übersetzung mit Anmerkungen zu den etwas schwieriger zu interpretierenden Wörtern. Ein wirklich empfehlenswertes Buch das teilweise verblüffend nah am aktuellen Zeitgeschehen ist.
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33 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute und moderne Übersetzung, 21. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Warum man den "Fürst" von Machiavelli gelesen haben muss, das brauche ich wohl keinem Europäer, der Wert auf seine Bildung legt, auseinandersetzen. Welche Übersetzung man lesen sollte, das war bislang die Frage. "war" ... sage ich mit Bedacht, denn seit es diese hier gibt, ist die Frage beantwortet: Die Übersetzung von Ralf Löffler.
Gerade die veralteten, ungenauen und literarisch unbegabten Übersetzungen, mit denen man bislang vorlieb nehmen musste, haben einen schwerwiegenden Teil der Verantwortung für das leider allzu weit verbreitete falsche Verständnis des "Fürsten" zu tragen.
Hier hingegen hat sich endlich einmal jemand mit der Materie auseinandergesetzt, die Historie studiert, die Sprache gelernt und die Absicht analysiert und dann eine Übersetzung in neuer deutscher Sprache abgeliefert, die keine Missverständnisse schafft sondern ganz im Gegenteil dem Leser von heute ein klares Verständnis des Werkes ermöglicht.
Machiavelli-Neuleser sollten gar nicht erst eine andere versuchen sondern diese lesen. Auch Machiavelli-Kennern kann ich sie nur wärmstens ans Herz legen. Sie wird garantiert dazu beitragen, ihren Werkzugang zu verbessern.
Sollte es einen Preis für die beste Übersetzung eines fremdsprachigen Buches ins Deutsche geben, und das weiß ich nicht, sollte man diese Übersetzung, gerade wegen der kulturellen Relevanz des Werkes und seiner äußerst gelungenen Übertragung, dafür vorschlagen. Lob und Dank.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahrhaft fürstliches Lesevergnügen, 10. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Schulnote 1 für Übersetzung und Vorwort.
Endlich ein verständlicher Fürst.
Das Buch ist sowohl für politisches Verständnis wichtig und nützlich wie auch für den Alltag.
Ich kann mir diesen ganzen "Machiavellismus" wirklich nach Lesen dieser Ausgabe nur noch so erklären: 1 Esslöffel altes Deutsch, 2 Esslöffel fehlerhafte Übersetzung, 1 Prise Ignoranz, 1 Teelöffel mangelhaftes Geschichtsverständnis und 1 Liter moralinsaure Angst.
Machiavelli wird in dieser Ausgabe endlich die Achtung entgegen gebracht, die er verdient hat.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der beste Fürst!, 4. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Ich habe mir diese Ausgabe von Machiavellis Klassiker "il principe" für ein Seminar in der Uni besorgt und kann es nur weiterempfehlen!

Eine klasse Übersetzung, die sich flüssig liest und im Gegensatz zu anderen Ausgaben durch seine zeitnahe Wortwahl überzeugt. Alle wichtigen Begriffe wie "virtù" und "fortuna" werden bei ihrer Einführung vom Übersetzer in einer Fußnote genauer erläutert.

Ein schönes Layout und gute Übersichtlichkeit machen Spaß beim lesen und arbeiten!

Eine gelungene Ausgabe, die einfach Spaß macht und ein Klassiker der politischen Ideengeschichte, den kein politisch Interessierte verpassen sollte!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kalt, objektiv, berechnend aber nicht böse, 6. Februar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Es wurde ja erst Obama empfohlen dieses Buch zu lesen und das nicht ohne Grund.

Doch zu aller erst zur Sprache. Der Übersetzer hat sich Mühe gegeben manchen Worten, die im Originaltext eine facettenreichere Bedeutung haben, gut in Randnotizen zu erklären. Damit finden man sich in den besten Bedingungen wieder, den Text so gut zu verstehen wie es in Deutsch möglich ist.

Der Inhalt selbst baut ein Bild eines erfolgreichen Fürsten bzw. politischen Anführers auf, der nicht isoliert für sich stehen darf, sondern immer in aktuelle Geschehnisse und Planungen eingeflochten ist.

Es wird darauf eingegangen wie einem Gutes und auch Schlechtes zum Verhängnis werden kann und warum manchmal das eine dem anderen vorzuziehen ist und ein anderes mal nicht.

Doch neben den unmoralischen Verpflichtungen geht er auch auf die Natur der (politischen) Menschen ein und was nachzuahmen und was zu vermeiden ist.

Die Erklärungen sind reichlich mit historischen Beispielen ausgeschmückt die leicht zu verstehen sind auch wenn einem diese Details nicht geläufig sind.

Allen in Allem eine sehr gute Arbeit des Herrn Machiavelli und auch eine gute Leistung des Übersetzers.
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5.0 von 5 Sternen klassiker der literatugeschichte!, 6. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
wer schon immer wissen wollte, wo unsere machtkonstrukte herkommen und wie sie funktionieren, darf durchaus auf diesen klassiker der weltgeschichte zurückgreifen, der über die jahrhunderte keineswegs an präzision und inhaltlicher richtigkeit verloren hat.
mit machhiavellismus assoziiert man heutzutage nichts gutes, wer dieses buch liest, wird allerdings schnell feststellen, dass der gute macchiavelli auch nur unser aller bestes im sinn hatte...
ob die tatsächlichen ergebnisse die darin zum ausdruck gebrachten hoffnungen erfüllen, muss jeder selber entscheiden... ;)
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sehr gut gelungen, 26. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
Die Kunst der Übersetzung besteht nicht darin den ursprünglichen Text möglichst wortgetreu zu übersetzen, sondern den Inhalt , den der Autor darlegen will, in eine andere Sprache zu übertragen. Des Weiteren gibt es Eigenarten in jeder Sprache, die man nur und ausschließlich sinngemäß übersetzen kann. Hierbei (beim "Fürsten") muss man auch noch (wie Leseratte es bereits erwähnte) auch die jeweilige Zeit berücksichtigen, in der das Buch geschrieben wurde. Eine Sprache ändert sich kontinuierlich, sie ist lebendig. Da kann man nicht stur beim alten Ausdruck bleiben! Insofern verstehe ich die Kritik an der Übersetzung überhaupt nicht. Der Inhalt wird hier deutlich und leicht verständlich dargelegt. Ein Buch, das sich sehr gut lesen lässt und auch wegen der guten Übersetzung empfehlenswert ist.
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9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fürstentum und Herrschaft, 7. Juni 2009
Von 
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
"Der Fürst" gehört für mich zu den zehn lesenswertesten Büchern, die je geschrieben wurden - auch wenn ich mich an dieser Stelle nicht festlegen will, welches die neun anderen sind ...

So gleichzeitig schnörkellos, klarsichtig und kühlen Herzens wurde meiner Kenntnis nie zuvor und nie danach über Politik, Geschichte und menschliche Schwäche geschrieben. Absurderweise geriet gerade der realistische Blick auf die Menschen Machiavelli zum Vorwurf - als wäre derjenige, der die Übel beim Namen nennt, für sie verantwortlich. Tatsächlich war Machiavelli mehr Moralist als die meisten Gutmenschen, die mit seinem Namen Intrige, Herrschsucht und Rücksichtslosigkeit assoziieren. Er zeigte mit mathematischer Präzision auf, was schlechte Politik ist und welche Folgen sie hat. Schlechte Politik ist Wankelmut, Denkfaulheit, Schwäche, Lasterhaftigkeit, Verschwendung und Willkür, und all dies führt zur Menschenschinderei, zu Umsturz, Krieg und Niedergang und endlich zum Verlust der Herrschaft - aber erst, nachdem der Herrscher über die Leichen der Beherrschten gegangen ist.

Wenn ich hier nur vier Punkte vergebe, so wegen der vorliegenden Übersetzung von Ralf Löffler. Diese erhält von mir bei weitem nicht das Lob, das ihr von anderen Rezensenten gezollt wird.

Es beginnt damit, dass Löffler Machiavellis zentralen Begriff "principato" mit "Fürstentum" übersetzt. Machiavelli versteht darunter, wie Löffler selbst schreibt, nicht ein Land mit festen Grenzen unter der Führung eines adligen Fürsten, sondern einen dynamischen politischen Prozess der Etablierung und Erhaltung von Macht; sowohl Praxis wie auch Ergebnis militärischen und politischen Handelns. Das altmodische deutsche Wort "Fürstentum" wird dem aber ebenso wenig gerecht wie das Löfflers umständliches Universitätsdeutsch der knappen und klaren Diktion Machiavellis.

Ich ziehe die - leider nur noch antiquarisch zu erwerbende - Übersetzung von Friedrich Blaschke der vorliegenden Übersetzung weit vor. Blaschke übersetzt "principato", wie ich finde, besser, mit dem Wort "Herrschaft".

Ein anderes Beispiel (ich könnte weitere anführen):

Die Passage im 3. Kapitel

"Però e Romani, vedendo discosto gli inconvenienti, vi remediorno sempre; e non li lasciorno mai seguire per fugire una guerra, perché sapevano che la guerra non si leva, ma si diffirisce a vantaggio di altri"

übersetzt Löffler:

"Deshalb haben sich die Römer ihrer Probleme angenommen, sobald sie sie im Anzug sahen, und ließen sie sich auch nicht auswachsen, um einen Krieg zu vermeiden. Denn sie wussten, dass Krieg nicht vermieden, sondern nur zum Vorteil der anderen hinausgeschoben werden kann".

Das ist nicht nur holprig, sondern auch in mehrfacher Hinsicht missverständlich. Löffler übersetzt "vedendo discosto gli inconvenienti" mit "sobald sie die Probleme im Anzug sahen", was den Sinn eher entstellt als dass es ihn wiedergibt. "Discosto" heißt nämlich so viel wie "in der Ferne"; also die Römer nahmen sich der Probleme ("inconvenienti") schon an, wenn sie sie nur in der Ferne sahen (und nicht schon im Anzug). Und "seguire" mit "auswachsen" statt mit "herankommen" zu übersetzen, geht mir auch zu weit vom Urtext weg. Was vom Urtext weggeht, ist solange hinzunehmen, wie es der Lesbarkeit und Verständlichkeit in der Zielsprache dient. Das tut "auswachsen" aber gerade nicht, im Gegenteil. Denn das Wort "sich auswachsen" hat im Deutschen, je nach Kontext, zwei fast gegensätzliche Bedeutungen: nämlich die Bedeutung "durch Wachstum verschwinden" sowie die Bedeutung "zunehmen". Zu guter Letzt muss man als Leser erst einmal überlegen, worauf sich die Worte "um einen Krieg zu vermeiden" beziehen: ist gemeint, dass die Römer sich ihrer Probleme annahmen, um einen Krieg zu vermeiden; oder dass sie sich die Probleme nicht auswachsen ließen, um einen Krieg zu vermeiden? Nein, gemeint ist, dass sie eben einen Krieg eben nicht vermeiden wollten, sondern bereit waren, ihn zu führen.

Blaschke dagegen:

"Daher beugten die Römer immer vor, weil sie die Ereignisse voraussahen, und ließen sie nicht erst herankommen, nur, um einen Krieg zu vermeiden; denn sie wussten, dass man einem Krieg nicht entgeht, sondern ihn nur zugunsten der Gegner aufschiebt."

Das ist die klare, lässige, elegante und rhythmische Sprache, die auch Machiavelli auszeichnet. Und die er auch heute noch dem dunkel verworrenen Geschwurbel späterer Politiktheoretiker voraushat, ob sie nun Hegel oder Fichte, Adorno, Habermas oder Luhmann heißen. Von dem Talkshowgeschwätz unserer heutigen Politiker ganz zu schweigen.
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Der Fürst
Der Fürst von Niccolò Machiavelli (Broschiert - 2. September 2007)
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