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TOP 500 REZENSENTam 19. Februar 2012
Hintergrund:
1984 ereignete sich im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh die 'Katastrophe von Bhopal', bei der in einem Werk des amerikanischen Chemiekonzerns Union Carbide Corporation mehrere Tonnen giftiger Stoffe freigesetzt wurden. Schätzungen der Opferzahlen reichen von 3800 bis 25000 Toten durch den unmittelbaren Kontakt mit der Gaswolke.

Inhalt:
In Indra Sinhas Roman werden die Ereignisse von Bhopal nach Khaufpur verlegt. Im Mittelpunkt des Romans steht Animal, ein 19-jähriger Junge, der durch den Chemieunfall seine Familie verloren hat, dessen Rücken sich im Alter von 6 Jahren völlig verdreht hat und der sich nur auf vier Gliedmaßen fortbewegen kann. Animal bespricht Kassetten eines Journalisten und erzählt seine Geschichte, berichtet von den Bewohnern von Khaufpur, vom Elend der Armen und von der Ignoranz des verantwortlichen US-Konzerns.

Mein Eindruck:
Die Idee mit den besprochenen Kassetten hat mir sehr gut gefallen und vermittelt ein authentisches Bild von Animals Leben und von den Folgen der Chemiekatastrophe. Dabei ist die Lektüre sowohl inhaltlich als auch formal nicht immer einfach, denn Sinha erzählt von unvorstellbarem Leid und lässt Animal in einem Kauderwelsch aus verschiedenen Sprachen, in Neologismen und in seiner ganz eigenen Weise sprechen (z.B. 'Apokalis' oder 'Schurnaliss'). So entstehen Wortneuschöpfungen wie 'jamesbondieren', 'gekebabt' oder 'gebiryanit' und Sätze wie 'Der Säugling häckset onausgesetzet'. Und so macht die Lektüre - trotz des oft unschönen und sehr berührenden Inhalts - viel Spaß, und sprachlich und stilistisch entdeckt man beim Lesen immer wieder Begriffe, die völlig grotesk und komisch sind, den Leser zum Lächeln bringen.

Mein Resümee:
Ein großartig übersetzter, sehr nachdenklich machender Roman, der dennoch humor- und hoffnungsvoll ist. Ich wünsche 'Menschentier' sehr viele Leser!

'Die sind reich, die haben alles. Warum gönnen sie uns nicht mal Gesundheit?'

'Die Hoffnung stirbt an Orten wie diesen, denn die Hoffnung lebt in der Zukunft, und hier gibt's keine Zukunft, wie kann man denn an morgen denken, wenn man die gesamte Kraft benötigt, um das Heute durchzustehen?'
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am 16. Januar 2012
Animal, der fledermausohrige Affe, war früher mal ein Mensch. Nach einem grossen Chemieunfall in Khaufpur ist er verkrüppelt. Mit ihm hat es ziemlich alle Einwohner der Grossstadt getroffen, zumindest die Armen. Seit mehr als 230 Jahren warten sie auf Entschädigung oder überhaupt auf eine Prozess gegen die Kampani.
Da trifft die amrikanische Ärztin Elli ein und errichtet auf eigene Kosten eine Klinik im Armenviertel. Die medizinische Versorgung ist umsonst! Doch keiner kommt. Die Armen befürchten einen Trick der amrikanischen Kampani. Sie halten eisern durch. Als es kurz vorm neuen Prozessauftakt möglichwerweise zu einem Deal zwischen der eigenen Regierung und der Kampani kommt, tretten etliche Betroffene in den Hungerstreick.
Vor diesem Szenario beschreibt Animal das Geschehen um ihn und seinem Viertel. Seit dem Unfall kann er nicht aufrecht gehen und bewegt sich auf allen Vieren, deshalb der Spitzname. Trotzdem hegt er mit etwa 20 Jahren Gefühle zu den Damen in seiner Bekanntschaft. Auch die Ärztin Elli (er soll sie ausspionieren) hat es ihm angetan, vor allem als sie andeutet, er könne in Amrika vielleicht operiert werden. Dann aber entdeckt er Ungeheures. Die Erzählung folgt 23 von Animal besprochenen Tonkassetten. Die letzten beiden ist er im Delirium oder Fiebertraum oder im Paradies oder ... Sie bringen die Handlung weder voran noch zu einem annehmbaren Abschluss. Man weiß nicht, sind es Wunsch- oder Wahnvorstellungen.
Die Erzählung ist zudem stilistisch eigenwillig und zwar bereits im Original. Das hat die Übersetzerin Susann Uraban ausgezeichnet mitgenommen. Man wird ziemlich bald gewarnt: "Wenn du meine Geschichte hören willst, mußt du meine Art zu erzählen ertragen" (S. 11). Die Balance zwischen Tragik und Schelmenroman gerät außerordentlich gut. Das Elend der Hauptpersonen wird greifbar und verständlich. Bei Demonstrationen gegen die Gerichtsgebaren und die Regierung wird schon zu Steinen gegriffen udn man bleibt auf der Seite der Werfer. Der tragische Unfall wird nicht genau erläutert, es genügt das, was er anrichtete. Das Gift ist immer noch im Boden, im Wasser und in den Herzen der Betroffenen.
Menschentier ist ein grossartiger Roman über das Leben nach einer großen zivilisatorischen Katastrophe und der Umgang damit in einem Land, dem man keine grosse Bedeutung beimisst. Personen, Beziehungen und Handlung im Stadtvierteil sind durchwegs glaubhaft und ins Mark gehend. Wären da nicht die unnötigen Kassetten 22 und 23 wäre es ein überragendes Werk.
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