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am 4. Juni 2016
Dieses Buch ist wirklich ungewöhnlich und auch seltsam. Ich wollte es schon ewig lange lesen, habs mir aber nie gekauft. Bis heute. Leider hab ich nichtmal eine Stunde gebraucht um das Buch zu lesen, was ich sehr schade finde. Man hätte die Geschichte viel mehr ausbauen können (dann wäre der Preis auch gerechtfertigt) - jedoch ist die Lektüre inhaltlich sehr gut. Knapp. Kurz. Aber bewegend. Menschen, die sich nicht viel mit dem Thema der Einsamkeit und der Depressionen ausseinandersetzen, oder Jene, die nur die 0815 Ansichten davon teilen, werden das Buch möglicherweise garnicht verstehen. Es gab in fast jedem Tagebucheintrag von Mikke Hinweise, wie er sich fühlte. Selbst wenn er dabei nur von den Schildkröten geschrieben hat. Ich bin mir nicht sicher, ob die Autorin damit etwas Besonderes erreichen wollte, oder ob sie nur zeigen wollte, das Menschen auch Lachen können, obwohl sie innerlich zerbrechen. Vielleicht wollte sie einfach zeigen, dass die größte Einsamkeit niemals offensichtlich ist und das man die Menschen, die einen lieben, noch viel mehr leiden lässt als man selbst gelitten hat, wenn man einfach geht.
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am 3. April 2015
Mikke steht kurz vor seinem Abitur. Rein äußerlich mangelt es ihm an nichts. Er hat eine Freundin, eine Mutter, die ihn liebt und einen beständigen Freundeskreis. Und doch sieht es tief in ihm drin ganz anders aus. So anders, dass es zum inhaltlichen und stilistischen Bruch kommt. Nun schreibt nur dir Mutter. Sie erzählt von ihren Erinnerungen, von ihrem größten Verlust. Auch andere Weggefährten von Mikkel melden sich kurz zu Wort.

Mit 134 Seiten ist dieses Buch von Marit Kaldhol augenscheinlich ziemlich dünn geraten und dennoch holt einen das Thema förmlich aus den Schuhen. Hat man mit dem Lesen erst einmal begonnen, kann man das Buch bis zu seinem Ende nicht mehr aus den Händen legen, so ergreifend und realistisch beschreibt Kaldhol die Hürden des Erwachsenwerdens. Ein Buch, das betroffen macht und den Leser nachdenklich zurücklässt. Gleichzeitig stellt es für Betroffene aber auch eine Art Trostspender dar, unabhängig davon, auf welcher Seite man sich in seiner aktuellen Lebenssituation befindet. So ist man letztendlich doch nicht allein, sondern eine/r von vielen.
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TOP 1000 REZENSENTam 5. Februar 2012
Über "Allein unter Schildkröten" lässt sich eigentlich keine Rezension schreiben, ohne dass man elementare Ereignisse der Handlung vorwegnimmt. Wer dieses Buch völlig unvoreingenommen und ohne Vorahnungen auf den Handlungsverlauf lesen will, sollte sich vorher keine Rezensionen zu diesem Buch ansehen!

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'Von allen Tieren ist der Mensch das einzige Lebewesen, das über seine Existenz nachdenkt. Der Mensch fragt nach dem Sinn des Lebens und denkt darüber nach, warum wir leben und dass wir sterben müssen. Der Mensch ist das einzige Wesen, das in der Lage ist, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, das sich bewusst ist, dass wir eine reelle Wahl haben.' S.14

"Allein unter Schildkröten" ist die Geschichte von Mikke. Die Studie eines Jungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, zwischen Schule und Studium, Familie und der weiten Welt, Glücksgefühlen und unerklärlicher Traurigkeit.
Der Leser begleitet Mikke nur einen kurzen Abschnitt in seinem Leben. Von Anfang Februar bis Mitte Mai ist man hautnah an Mikkes Seite, indem man seine nahezu täglichen Tagebucheinträge liest, und dann ist Mikke nicht mehr. Er hat seine Wahl getroffen. Es ist wie bei den kleinen Meeresschildkröten, die zufällig im Meer herumschwimmen.. Manche schaffen es, manche nicht. Mikke hat es nicht geschafft...
"Allein unter Schildkröten" ist kein Buch, das unterhalten will, sondern ein Buch über das Leben und den Tod, über den Sinn und auch den Unsinn des Lebens. Marit Kaldhol spuckt weder große Töne, noch bietet das Buch eine ausschweifende Rahmenhandlung oder große Aktionen der Protagonisten, vielmehr berührt sie durch den direkten Einblick in das Leben eines jungen Mannes und die Sinnlosigkeit seines frühen Todes. Der größte Schmerz für den Leser, den Tod Mikkes zu realisieren, liegt nicht in der Ungeheuerlichkeit seines Ablebens oder bildhaften Beschreibungen seines zu Tode kommens, sondern darin, dass Mikke einen so plötzlich zurücklässt, ohne, dass es dafür vorher eindeutig erkennbare Anzeichen gab und vor allem ohne Antwort nach dem Warum??? Mikke hat einen großen Freundeskreis, erlebt seine erste Liebe und sieht sich positiven beruflichen Zukunftsaussichten gegenüber, trotzdem ist er häufig von tiefer Traurigkeit und einer großen Einsamkeit erfüllt und zieht sich immer mehr in seinen Schildkrötenpanzer zurück.

'Der kleine Porzellanjunge mit der schief sitzenden Kappe und dem weißen Kaninchen im Arm ist aus dem Regal gefallen. Der Kopf ist abgebrochen und unter die Kommode gerollt. Nicht das erste Mal. Beim letzten Mal hat Mama den Jungen wieder gekittet.' S.59

Den ersten Abschnitt des Romans kann man als Leser noch mit einiger Fassung ertragen. Mikke erzählt in sein Tagebuch weder, das er sich umbringen will, noch das er depressiv ist oder das er sich einsam fühlt. Man ist nur Wegbegleiter während eines kurzen Stückchens seines Lebens, geht mit ihm in die Schule, recherchiert im Internet für den Biologieunterricht, erlebt mit ihm gemeinsam seine erste Liebe und irgendwann bleiben die Tagebuchseiten leer. Erst im Mittelteil des Buches muss man anfangen stark zu sein, wenn Mikkes Mutter von der Zeit nach seinem Tod und ihrer inneren Leere erzählt, aber auch von der Zeit als Mikke noch ein kleiner Junge war. Im dritten Akt kommen abschließend weitere Weggefährten Mikkes zu Wort: seine Freunde, seine erste große Liebe, der behinderte Sverre - der von Mikke betreut wurde, sein Ziehvater und sein leiblicher Vater. Alle versuchen mit dem tragischen Unglück fertig zu werden und von Mikke Abschied zu nehmen, in dem sie ihre Gefühle und ihre Abschiedworte schriftlich festhalten. In der Trauer können sie sich nur gegenseitig Halt geben, für den Tod Mikkes gibt es weder eine Erklärung, noch wird ihnen jemand ihre Briefe beantworten. Der einzige, der eine Antwort liefern könnte ist tot, Mikke ist tot.

"Allein unter Schildkröten" bringt dem Leser die Themen Depression und Selbstmord näher. Authentisch und in der Ich-Perspektive des Betroffenen und seines Umfeldes erzählt, berührt Marit Kaldhol ihre Leser sehr stark und erklärt außerdem, dass sich diese Krankheit und ihr schlimmstes Ende nicht mit einem großen Paukenschlag ankündigen muss. Real von diesen Themen Betroffene können aus Marit Kaldhols Roman Anzeichen herauslesen, mit denen sich eine Depression ankündigen kann und generell werden hoffentlich viele Leser für diese Krankheit sensibilisiert! Nur sollte man sich vor der Lektüre im Klaren darüber sein, dass man mit dieser emotionalen Erschütterung fertig werden muss, ohne dass einen Antworten in ein warmes Nest aus Geborgenheit und Zuversicht zurückholen.
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am 3. September 2015
Diese dünne, kleine Buch hat mich tief berührt. Es erzählt die Geschichte von Mikke und auch die seiner Familie, erst aus seiner Sicht, dann aus der Sicht seiner Mutter. Mikke ist ein außergewöhnlicher Junge, sehr naturinteressiert, vor allem an Schildkröten. Er ist Betreuer und Freund von Sverre, um den er sich kümmert, mit dem er ins Kino geht, sich unterhält und Ausflüge macht. Die Beziehung der beiden ist im Buch so wundervoll beschrieben, einfach menschlich und schlichtweg glaubwürdig. Auch Mikkes erste Freundin Siri ist, wie auch die anderen beschriebenen Figuren, ein einzigartiger, authentischer Charakter.
In diesem eigentlich so dünnem Buch ist so vieles beschrieben, wie es noch nie beschrieben wurde. Eigenschaften, die etwas ganz besonderes sind und doch nicht aufgesetzt wirken. Erzählungen, auf oft poetische Weise, die mich bis in den Kern aufwühlten, dass kein Auge trocken blieb.
Eine kleine, düstere Zauberkiste hat Marit Kaldhol durch dieses Buch erschaffen, so schön und doch bedrückend.
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am 16. Juli 2016
Lange habe ich überlegt: wie über dieses Buch schreiben? Dass über dieses Buch geschrieben werden muss, steht außer Frage.

Zum Inhalt werde ich nicht mehr vorwegnehmen als dies: Den ersten Teil füllt Mikkes Tagebuch, ein Heranwachsender kurz vorm Schulabschluss. Unregelmäßige Einträge am PC, was ihm so einfällt, seien es biologische Fakten über Meeresschildkröten, Alltägliches, das Leben, er selbst. Man wird in seine Gedanken hineingeworfen, ohne zu wissen, was es damit auf sich hat, was auf einen zukommt.

Dieser schmale Band mit seinen kurzen Abschnitten hat mich sprachlos gemacht, mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein unglaublich wichtiges Buch voller drängender Fragen und endlich einmal ohne eindeutige Antworten. Ohne, dass die Autorin zwanghaft versucht, irgendetwas zu erklären, verstehen, rechtfertigen zu wollen. Authentisch, schmerzhaft gibt sie die Gefühle und Reflexionen verschiedener Personen wider. Und benutzt dabei eine so klare Sprache, in der kein Wort zu viel ist, sondern jedes bis ins Mark trifft.

Fazit: „Allein unter Schildkröten“ von Marit Kaldhol ist eines der überzeugendsten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Berührend, bewegend, poetisch, still, intensiv, sensibel. Eine erfrischend andere und auch mutige Aufarbeitung eines ernsthaften, unbequemen Themas. Du musst Dich auf ungekünstelte Emotionen einlassen und darauf vorbereitet sein, dabei selbst stark mitgenommen zu werden.
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am 5. Oktober 2014
Mikke ist ein ganz normaler Teenager auf der Schwelle zum Erwachsenenleben. Er steht kurz vor dem Abitur, hat schon klare Studienpläne, versteht sich gut mit seinen Eltern, auch mit seinem Stiefvater, und liebt seine Freundin Siri. Manchmal unternimmt er etwas mit seinen Freunden, aber er verbringt seine Freizeit auch gerne mit Sverre, einem Jungen mit Down-Syndrom, um den er sich gelegentlich kümmert.
Von Kindesbeienen an interssiert sich Mikke für Reptilien, sein Lieblingsbuch als Kind war ein Bildband über Frösche, bis es komplett auseinanderfiel. Seit er eine Dokumentation im TV gesehen hat, ist Mikke nun auch von Meeresschildkröten fasziniert...

"Diese Reptilien existieren schon seit über zweihundert Millionen Jahren - aber heute gibt es nur noch sechs Meeresschildkrötenarten. Sie atmen mit Lungen. Ein einziger Atemzug reicht für eine halbe Stunde unter Wasser. Darüber hinaus haben sie die Fähigkeit entwickelt, über die Schleimhäute im Mund und Enddarm Sauerstoff zu absorbieren, so dass sie noch länger unter Wasser aushalten können. Süßwasserschildkröten mehrere Tage, Meeresschildkröten zehn Stunden, bei ausreichend hoher Temperatur und geringer Aktivität bis zu vierundzwanzig Sunden."

Diese Information steht in Mikkes Tagebuch, über das wir Mikke kennenlernen. Eine Zeitlang begleitet der Leser Mikke so sehr intensiv, erfährt was ihn so beschäftigt, wie er lebt. Doch plötzlich...

***

Und hier kommt nun die große Schwierigkeit, die ich bei dem Verfassen dieser Rezension empfinde. Vielleicht sollte ich vorweg erwähnen, dass ich rein zufällig auf das e-book gestoßen bin - das Cover hat mich angezogen, und als ich sah, dass es nur recht wenige Seiten hat und ich es mir leihweise kostenlos herunterladen konnte, habe ich hier einfach mal den 'Blindflug' gewagt. Beim e-book gibt es häufig keinen Klappentext, und in dem Fall wusste ich tatsächlich überhaupt nicht, was da auf mich zukommt. Und deshalb vermutlich konnte mich das Buch so umhauen, denn was da kam, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.
Damit es anderen potentiellen Lesern ähnlich gehen mag, empfehle ich allen, die mit dem Gedanken spielen, dieses Buch zu lesen, vorab wirklich keine Rezensionen dazu zu lesen. Denn zwangsläufig wird hier zu viel verraten - auch wenn es sich dann immer noch lohnt, das Buch zu lesen. Denn es ist ein überaus intensives Buch, das einen nicht mehr aus den Fängen lässt, auch nach dem Lesen nicht... Wer das Buch also noch vor sich hat, kann an dieser Stelle die Entscheidung treffen, die Rezension nicht weiterzulesen.

***

... doch plötzlich brechen die Tagebucheinträge ab. Plötzlich übernimmt seine Mutter die Erzählung. Voller Verzweiflung. Denn Mikke ist nicht mehr.

"In meinem Hals flattern eingesperrte Vögel herum. Sie flattern in der Dunkelheit mit ihren Flügeln. Schlagen gegen die Wände. (...) Sie können nichts sehen in der Dunkelheit. Können ihre Flügel nicht ausbreiten. (...) Orientierungslos flattern sie da drinnen herum. Panisch."

Nichts an den Tagebucheintragungen Mikkes hat darauf vorbereitet, dass er den Entschluss fassen könnte, sich umzubringen. Kein Hinweis auf seine große Einsamkeit oder seine Traurigkeit im Leben. Und auch sein Umfeld hat er nichts davon merken lassen, hinterließ auch keinen Brief, in dem er etwas erklärt hätte, nur eine letzte SMS an seine Mutter: 'Hdl'.

"Wir reden und reden. Ich rede. Von fünf Litern Blut. Fünf Litern Schreie. Fünf Litern Stille."

Marit Kaldhol schafft in diesen Passagen eine unglaubliche Eindringlichkeit der Gedanken und Gefühle, so dass man selbst die Verzweiflung der Mutter spürt, das Gefühl hat, keine Luft mehr zu bekommen, in Sprachlosigkeit und Einsamkeit zu verfallen, zu zersplittern. Alles ist wahrhaft authentisch, nachvollziehbar, mitfühlbar. Die Fragen, die Schuldgefühle, die Unfassbarkeit...

"Wieso war ich überhaupt nicht beunruhigt, zu verreisen und dich allein zurückzulassen? (...) Warst du einsam? Oder war es spontan? War es für dich genauso überraschend wie für uns? Wieso habe ich nicht gespürt, dass du einsam bist?"

Ich muss gestehen, dass mir hier oft die Zeilen vor den Augen verschwammen, derart intensiv waren die Gefühle, die mir da entgegenkamen, mich in ihren Sog zogen. Dabei erzählt die Mutter nicht nur von dem Leben und den vielen Fragen nach dem Selbstmord Mikkes, sondern auch viel von ihrem Sohn als kleinem Jungen, so dass das Bild runder wird, man meint, ihn immer besser zu kennen - und genauso ratlos vor seiner Entscheidung steht, wie seine Familie, seine Freunde.
Nach der längeren Passage von Mikkes Mutter gibt es noch einen weiteren Teil im Buch, in dem alle anderen wichtigen Personen aus Mikkes Umfeld noch einmal zu Wort kommen. Mikke hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen, nun schreiben diejenigen einen, denen Mikke etwas bedeutet hat. Sein Vater. Sein Ziehvater. Seine Freundin. Seine Freunde. Und Sverre, der Junge mit dem Down-Syndrom.

"Das Leben birgt viele unheimliche Momente. Ein schwarzes Brunnenloch, das einen magnetisch anzieht. Plötzlich steht man am Rand. (...) Da helfen ein paar Arme, die einen festhalten, jemand, der sagt 'Hab keine Angst, alles wird gut!' Wenn man alleine ist, muss man versuchen, sich selbst zu umarmen. Oder um Hilfe rufen."

Jeder versucht auf seine Weise, mit dem tragischen Unglück fertig zu werden und sich von Mikke zu verabschieden. Sie schreiben sich ihre Gedanken und Gefühle von der Seele, auch wenn sie keine Erklärung mehr erhalten werden, ihnen die Antwort versagt bleiben wird. Denn derjenige, der ihnen die Antworten hätte geben können, ist tot. Mikke ist tot.

"Wir wollen leben, Mikke! Nicht nur wir anderen - du auch! Wie konntest du das vergessen? Warum wolltest du nicht mehr? Was ist dir durch den Kopf gegangen (...)? Tausendmal am Tag stelle ich mir diese Fragen. Aber am meisten wünschte ich mir, dass du hier wärst."

Damit gelingt es Marit Kaldhol, wirklich alle Perspektiven abzudecken, jeden zu Wort kommen zu lassen, den Leser spüren zu lassen, wie betroffen es alle Menschen im Umfeld desjenigen macht, wenn jemand solch eine Entscheidung trifft. Dieses Buch erzählt eine sehr, sehr berührende und sehr authentische Geschichte, schafft eine emotionale Erschütterung.
Der Schreibstil ist oftmals fast nüchtern, wirkt oft recht einfach mit kurzen Sätzen - weist dabei aber eine Eindringlichkeit auf, der man sich nicht entziehen kann. Depression und Selbstmord - diesen Themen nähert sich das Buch nicht allmählich an, sondern wirft den Leser mitten hinein. Genauso überraschend, wie für diejenigen, die wirklich von solch einer Entscheidung überrascht werden. Denn nicht immer sind die Anzeichen dafür deutlich, auch Mikke hat nur dezente Hinweise hinterlassen, die sich hinter seinen Tagebucheintragungen lediglich erahnen lassen. Im Nachhinein.

Keine Sorge
Das klärt sich
Niemals

Für mich ein ganz besonderes Buch, das mich auch noch lange nach dem Lesen beschäftigt, das nachhallt. Das Buch hat mich echt umgehauen, und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man mit einer wirklichen emotinalen Erschütterung fertig werden muss, wenn man sich für die Lektüre entscheidet...

Zurecht ist dieses Buch mit dem Literaturpreis des norwegischen Kulutsministeriums ausgezeichnet worden und war nominiert für den deutschen Jugendliteraturpreis 2013 (Preis der Jugendjury).

© Parden
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am 9. Mai 2015
Inhalt:

Allein unter Schildkröten ist ein Jugendroman aus Norwegen, der unter anderem für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 nominiert war und die Geschichte von Mikke erzählt. Während seine Mutter mit ihrem Freund Urlaub in Chile macht, verbringt Mikke die meiste Zeit damit, einsam vor dem PC zu sitzen, interessante biologische Fakten zu sammeln und Tagebuch zu schreiben. Er geht nicht mehr zu Schule, ignoriert seine Freundin und bekommt seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle …

Figuren:

Mikke ist eine sehr schwierige Person, die ich ehrlich gesagt nicht immer verstehen konnte. Er wirkt sehr unnahbar und die Tatsache, dass er sich selbst über seine Gefühle nicht im Klaren ist, macht es dem Leser schwer, ihn einzuschätzen und sich in ihn hineinzuversetzen.

Nach einem dramatischen Ereignis (etwa bei der Hälfte des Buches) ist Allein unter Schildkröten nicht mehr aus Mikkes Sicht, sondern aus der seiner Mutter geschrieben. In diese wiederum konnte ich mich problemlos hineinfühlen, weil sie längst nicht so verschlossen war wie ihr Sohn.

Ganz am Ende kommen noch andere Charaktere zu Wort, was für ein schönes rundes Ende gesorgt hat.

Stil und Sprache:

Das Buch besteht nahezu ausschließlich aus unterschiedlich langen Tagebucheinträgen. Während einige gerade mal wenige Zeilen lang sind, umfassen andere immerhin zwei Seiten. Mich hat diese Form nicht gestört, wobei es mich offen gestanden auch nicht gerade begeistert hat, denn dadurch wirkt Mikke noch distanzierter und undurchsichtiger als ohnehin schon. Der Schreibstil an sich allerdings lässt gut lesen.

Handlung/Idee:

In Allein unter Schildkröten passiert nicht besonders viel, da sich das Buch vor allem auf die Gedanken von Mikke und die Gefühle seiner Mutter konzentriert. Mikke schreibt zwar hin und wieder davon, was in seiner Umgebung passiert, allerdings hat das mit ihm selbst nicht viel zu tun und man hat auch den Eindruck, dass ihn diese Dinge nicht sonderlich berühren. Das einzige, was ihn begeistern kann, sind Fakten zu Meeresschildkröten oder andere biologische Erkenntnisse, die er in seinem Tagebuch auch sehr ausführlich beschreibt.

Bis auf diese Einträge, die mit der Handlung selbst ja kaum etwas zu tun haben, erfährt man leider kaum etwas und am Ende blieben auch viel zu viele wichtige Fragen unbeantwortet, was schade ist.

Obwohl hinter dieser Geschichte keine besondere neue Idee steckt, ist es an sich wirklich ungewöhnlich und mit nichts zu vergleichen, das ich bisher gelesen habe.

Fazit:

Ein Roman, der Eindruck hinterlässt und dessen ungewöhnlicher Protagonist im Gedächtnis bleibt.

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Der Klappentext verrät nur wenig über den Inhalt, so dass ich gar nicht wirklich wusste, was beim Lesen auf mich zukommt. Das ist in diesem Fall auch gut, denn mich hat der Verlauf der Geschichte sehr überrascht. Diese Überraschung, verbunden mit einem kurzen Schreck und Unglauben, macht einen großen Teil der Geschichte aus. Deswegen empfehle ich, vorab keine ausführlichen Inhaltsbeschreibungen zu lesen.

Die Geschichte wird in Tagebuchform erzählt. Die Einträge sind unterschiedlich lang, mal eine Seite, mal ist es nur ein Satz. Sie erzählen von Mikkes Leben und den Dingen, mit denen er sich beschäftigt. Auf den ersten Blick wirken diese Einträge unpersönlich, schaut man jedoch genauer hin, so sind sie voller philosophischer Gedanken und Fragen. Mit 134 Seiten ist das Büchlein eher dünn und ich habe es in der Badewanne in einem Rutsch durchgelesen. Somit konnte ich immer wieder in Ruhe innehalten und über das Gelesene nachdenken.
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am 9. September 2012
Wenn man „Allein unter Schildkröten“ besprechen möchte, kommt man nicht umhin, ein paar bemerkenswerte Dinge vorwegzunehmen. Als erstes taucht man in Mikkes Gedankenweilt ein, dessen Tagebuch wir lesen: Über die letzten Tage vor dem Abitur, die Trennung seiner Freundin, der Umgang mit dem kranken Sverre und dem Wissen, dass seine Mutter mit ihrem Freund Urlaub in Chile macht. Zunehmend scheint sich Mikke für Meerestiere zu interessieren, alles, was er Neues über sie erfährt, teilt er seinem Tagebuch mit. Doch von Eintrag zu Eintrag wird die Uhrzeit nicht nur später, seine Gedanken sind melancholischer und auch deprimierter gefärbt, bis es am 11. Mai um 3:42 Uhr heißt: „Jetzt schreib ich nicht mehr“ und dem Leser schlagartig bei der Hälfte des Buches klar wird, dass Mikke seinem Leben ein Ende setzt. Denn plötzlich liest man die Gedanken und Gefühle der verzweifelten und fassungslosen Mutter und schließlich endet das Buch mit Briefen seiner Freunde.
Durch die sehr persönlichen, auch lückenhaften Tagebucheinträge bleibt der Grund für Mikkes Entscheidung offen und vielleicht auch nicht nachvollziehbar, aber wenn die Kapitel der Erinnerungen der Mutter beginnen, identifiziert man sich plötzlich mit den ratlosen und fassungslosen Hinterbliebenen. Gerade das macht das Buch sehr realistisch. Die Autorin Marit Kaldhol hat eine wunderbar einfache Art, die Dinge und Geschehnisse klar aber berührend darzustellen. Wenn ich zur Mitte des Buches hin an eine 3-Sterne-Bewertung (nett für Zwischendurch) gedacht habe, ist das Buch doch 5 Sterne wert. Und ich glaube allmählich, dass genau das die Absicht der Autorin und der Grund für Mikke waren: Irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem man in einem Dahinplätschern ohne große Spannung gerät. Und alle Entscheidungen, die man in solch einer Gefühlslage trifft, ziehen gewaltige Konsequenzen nach sich.

Den Preis für dieses dünne und nicht auf jeder Seite vollständig beschriebene Buch auf 12,90 Euro festzusetzen, ist vom Verlag jedoch sehr dreist. Daher befürchte ich, dass „Allein unter Schildkröten“ nicht so viele Leser erreicht, wie es verdient.

Rezension verfasst für buecherkinder.de
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am 25. März 2016
Ich habe schon viele Bücher mit ähnlichen Inhalten gelesen. Keines davon hat mich so berührt und ist mir jemals so im Gedächtnis geblieben.
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