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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachrichten aus dem Zauberparadies auf Zeit
Eine nette kleine Liebesgeschichte möchte der Verleger gern haben von Tucholsky, denn "die Leute wollen neben der Politik und dem Aktuellen etwas haben, was sie ihrer Freundin schenken können" -- schon der fiktive Briefwechsel, mit dem Tucholsky 1931 seine Sommergeschichte einleitet, ist nicht so harmlos, wie sie daherzukommen scheint. Aber keine Sorge: "Schloss...
Veröffentlicht am 22. Oktober 2007 von weiser111

versus
3.0 von 5 Sternen Nett
Leichte Lektüre in netter Umgebung. Für die Zeit in der die Novelle geschrieben wurde bestimmt etwas Besonderes, in der heutigen Zeit jedoch recht brav.
Vor 15 Monaten von Tilman Trommsdorff veröffentlicht


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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachrichten aus dem Zauberparadies auf Zeit, 22. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Eine nette kleine Liebesgeschichte möchte der Verleger gern haben von Tucholsky, denn "die Leute wollen neben der Politik und dem Aktuellen etwas haben, was sie ihrer Freundin schenken können" -- schon der fiktive Briefwechsel, mit dem Tucholsky 1931 seine Sommergeschichte einleitet, ist nicht so harmlos, wie sie daherzukommen scheint. Aber keine Sorge: "Schloss Gripsholm" ist meilenweit entfernt von jedweder enervierenden Problemhuberei.
Der Erzähler Peter reist zusammen mit seiner Freundin Lydia, der "Prinzessin", für den Sommer nach Schweden und bezieht nach langwieriger Quartiersuche eine freundliche kleine Ferienwohnung in einem Nebentrakt von Schloss Gripsholm. Die beiden genießen unbeschwerte Tage, gewürzt mit pointierten Frotzeleien und klugen Überlegungen, und mit am witzigsten sind die Unterhaltungen mit den mehr oder minder Missingsch-durchsetzten Wortwechseln.
Ein Freund von Peter kommt zu Besuch, auch eine Freundin von Lydia findet sich für einige Tage ein, es kommt sogar zu einem erotischen Zwischenspiel ohne anschließende Eifersüchteleien oder sonstige Nachwirkungen. Und außerdem wird ein Kind aus einem bedrückend düsteren Kinderheim gerettet.
Die perfekte Sommergeschichte über perfekte Ferien, tatsächlich.

Tucholsky erweist sich dabei aber auch wieder einmal als scharfer Beobachter: Er erkennt z.B. den Zauber fremder Ortsnamen, "geladen mit alter Sehnsucht und bepackt mit tausend Gedankenverbindungen", doppelt so schön wie die Wirklichkeit der dahintersteckenden Orte, leider; er weist auf die sich abzeichnende Uniformität der Städte aller Länder hin; er liebt den regionalen Eigensinn des Ländlichen mit seiner "Käfersammlung von Leuten, die alle nur einmal vorkommen". Hier und noch öfter kann man einen Augenblick lang die tiefe Melancholie erkennen, die auch während der sorglosen Ferientage nicht ganz verschwunden ist. Schließlich haben sie die Kümmernisse "in der Gepäckaufbewahrungsstelle abgegeben" -- und von dort werden sie sie am Ende auch unverändert wieder abholen. Aber zunächst einmal sind sie die los.

Eine leichtfüßige und dennoch nicht oberflächliche Geschichte, eine Idylle auf Zeit, in die es nicht hineinregnet und die doch nicht kitschig ist -- dafür sorgen Tucholskys geistreicher Stil und sein lakonischer Witz, ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit.
Aber Tucholsky wäre nicht Tucholsky, wenn er nicht auch hier, mitten hinein in die perfekte Sommergeschichte, seine treffsichere Kritik an der ganz bestimmt nicht perfekten Gegenwart außerhalb der Sommeridylle auf Zeit einfließen ließe: Nicht von ungefähr ist die verbiesterte Herrscherin über die Kinderheim-Kinder (die meisten kommen aus Deutschland) eine Deutsche, deren Tyrannei jeden Anflug von Mitgefühl und Menschlichkeit abwürgt und stattdessen Denunziation und Misstrauen fördert. Ein so versierter Autor wie Tucholsky flicht schließlich das Kinderheim-Intermezzo nicht in die Idylle ein, um Seiten zu schinden.

Unterschwellig spürt man den Unterton gleich, aber auf die Schliche kommt man dem Autor erst nach und nach. Der eigentliche Zauber dieser zeitlos scheinenden Sommergeschichte besteht nämlich gerade in ihrer von vornherein feststehenden Vergänglichkeit.

Aber egal -- den ganz besonderen Charme von "Schloss Gripsholm" macht einfach die lakonische, unpathetische und kitschfreie Sprache aus, in der Tucholsky dieses Paradies auf Zeit erschafft.

Und nun der Hinweis, dass die vorliegende Ausgabe nicht die empfehlenswerteste ist. Von all den vielen verschiedenen Ausgaben ist nämlich die billigste von Reclam auch die preiswerteste, denn deren Herausgeberin hat ganze Arbeit geleistet, und zwar informativ und klug, und vor allem ihr Nachwort, der Anmerkungsapparat mit seinen Sach-/Worterklärungen (und zwar nicht nur mit Kuriosa über die Könige Gustav den Verstopften und Adolf den Unrasierten), mit den Übersetzungen schwedischer und missing'scher Passagen und den Hinweisen auf biographische Bezüge im Roman.
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gute Unterhaltung mit Tiefgang, 6. Januar 2000
Von Ein Kunde
Ein herrlich geschriebener leichter Roman, der doch viel sprachlichen Witz und auch immer wieder zynische Anklänge hat. Die Geschichte selber ist sehr einfach. Ein Pärchen fährt in Urlaub und mietet sich als Urlaubsunterkunft ein Zimmer in einem kleinen verschlafenen Schloß, eben Schloß Gripsholm. Sie genießen ihre freie Zeit und streifen in Wanderungen durch die Gegend. Sie werden jedoch auch von einer Freundin von ihr und einem Freund von ihm nacheinander besucht. Die Episode des Besuches der Freundin hat mich dann doch etwas überrascht, wahrscheinlich hätte ich einfach nicht damit gerechnet, daß es bei einem Roman der 1931 zum ersten mal veröffentlicht wurde so ungezwungen zu einem Bericht über sexuelles Liebesspiel zu dritt kommen würde. Doch Tucholsky beschreibt auch solche erotische "Klippen" mit einer wunderbaren Sprache, die der Phantasie des Lesers alles überläßt und damit weder prüde noch pervers ist, wie es einige heutige Autoren scheinbar nötig haben. Alles in allem erscheint der Roman wie eine leichte Erzählung, doch bei genauem "Hinlesen" wird man schnell die andere Seite des Romans entdecken. Im Buch wird zum Beispiel immer darauf hingewiesen, daß der Urlaub irgendwann zu Ende geht... das Leben ist eben nicht immer nur unbeschwert. Oder auch die Episode mit dem kleinen Mädchen, daß im Internat in der nähe des Schlosses schrecklich unglücklich ist... Ein wirklich schönes Buch das man eben selber gelesen haben sollte, denn eine Zusammenfassung kann niemals die "wirkliche Geschichte hinter der Geschichte" beschreiben... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amuesant, spritzig, nachdenklich und ruehrend, 7. September 1999
Von Ein Kunde
Eine herzerfrischend romantisch-unromantische Geschichte wird hier erzaehlt. Die Zutaten: Lebenslust und Traurigkeit, Zaertlichkeit und Froehlichkeit. Und nicht zu vergessen, eine Messerspitze Erotik, die mit einer ordentlichen Prise Albernheit "entschaerft" wird.
Meister Tucholsky laesst hier entspannt seinen Wortwitz plaetschern und schafft auf seine unnachahmliche Art Atmosphaere mit mir unvergesslichen Wendungen, wie: "Ich sah sie an und sie sah mich an. Wir fassten uns mit den Augen bei den Haenden.", oder "Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele".
Dennoch duempelt die Geschichte nicht in seichten Gewaessern vor sich hin. Selten zwar, aber unvermittelt und dadurch umso ueberraschender bricht sich seine Bitterkeit an den scheinbar unverbesserlichen Schwaechen der Menschheit Bahn. Um sich gleich darauf mit Humor an die eigene Menschlichkeit zu erinnern.
Wie so oft, wenn ich Tucholsky lese, muss ich bei vielen seiner Gedanken zustimmend schmunzeln und wenige Saetze spaeter stelle ich ueberrumpelt fest: jetzt hast Du auch mich in meiner zufriedenen Selbstgefaelligkeit "ertappt".
Der Inhalt ist in wenigen Saetzen zusammengefasst. Ein junges Paar faehrt nach Schweden in die Sommerfrische. Sie verbringen dort fuenf Wochen im Anbau eines alten Schloesschens, eben des Schloss Gripsholm. Grosse Abenteuer sind in der laendlichen Idylle nicht zu erwarten, aber dennoch gelingt es ihnen, ein kleines Maedchen aus einem uebel gefuehrten Kinderheim zu "befreien" und mit seiner Mutter zu vereinen. Dann geht es wieder zurueck in den Alltag. Nichts davon ist spektakulaer. Aber die Sprache und die allgemeine, versoehnliche, entspannte Grundstimmung dieses Werkes tun Seele und Herz wohl.
Kurz: Dieses Buch "schmeckt" wie Erdbeereis mit gruenem Pfeffer an einem lauen Sommernachmittag.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen leichte Literatur mit Tiefgang, unwiederstehlich schön, 22. März 2004
Zuerst fühlte ich mich sehr unsicher, als ich anfing dieses Buch zu Lesen. Kurt Tucholsky, als bekannter Kritiker in die Geschichte eingegangen, seinen anspruchsvollen Schreibstil, als auch für seine Leichtigkeit der Worte und seinen Humor, sollte dies ein Buch für mich sein?
Die ersten Seiten verwirrten mich zuerst zutiefst. Eine Frau, die in vielen durcheinander gemixten Dialekten spricht und ein Mann, von dem man nicht so genau weis, wie sein Charakter aussieht, wie sollte sich eine Geschichte hieraus entwickeln?
Doch von Seite zu Seite wurde die Struktur klarer: Der Mann und die Frau wollen einen Urlaub in den skandinavischen Ländern verbringen und landen so, eher durch einen Zufall auf einem Schloss, Schloss Gripsholm. Dort erleben sie eine tief gehende Liebe, frei von jeglichem "geschnulze" oder übertriebenen Liebesbekundungen, jedoch voll von keuscher und weniger keuscher Erotik, verpackt in leicht-fließende Worte, von denen man gefangen genommen wird.
Eigentlich werden in diesem Buch 2 Geschichten erzählt: Zum einen die einen Liebespaar und zum anderen die Geschichte eines armen Mädchens, welches von ihrer Mutter aus Zürich in ein Mädcheninternat gesteckt wurde, in dem sie unter der schrecklichen Herrschaft eines "Drachens" leben muss.
Die Geschichten fügen sich auf wundersame weise perfekt ineinander und der Leser ist gezwungen, das Buch an einem tage durchzulesen, da es durch die Spannung die durch die Worte von Tucholsky heraufbeschworen wird, man sich in der misslichen Lage wiederfindet das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können.
Deshalb mein Rat an Sie: Lesen Sie das Buch, lesen Sie und entdecken Sie wie spritzig, lebendig und farbenfroh ein Liebesroman auch ohne jeglichen touch eines Groschenromas sein kann!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tucholsky zwang mich dazu, 16. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Fünf Sterne klicke ich nur ungern an. Sehr selten eigentlich. Erst recht, wenn das Erzeugnis schon allseits fünf Sterne erhält. Und doch:

Der erste, leichtere Teil von "Schloss Gripsholm" verdient bereits *mindestens* fünf Sterne: Da charmiert schon der pfiffige Einstieg, ein Briefwechsel des Autors mit dem Verleger über Romanprojekte und Honorare. Ein einziger Satz bugsiert das Buch dann - plötzlich und doch ganz leicht - in die eigentliche Sommergeschichte, in eben das gewünschte Romanprojekt hinein, lässig und unbeschwert fließen Handlung und Sprache, herrlich kantig, aber sympathisch wirkt der Ich-Erzähler mit seinen zwei Kumpeln Karlchen und Lydia (die ist auch seine "Prinzessin"). Das Plattdeutsch-"Missingsch" gibt Tucholsky wundervoll wieder, nebst königlichen Wortneuschöpfungen und kreativer Fortschreibung der deutschen Grammatik; dabei protzt der Erzähler nie mit seinem Sprachzauber, sondern wahrt stets augenzwinkerndes Understatement.

Ja, und dann kommt die Schöne aus Pernambuco, bald darauf spitzt sich die Sache um das kleine Mädchen zu. Bei der Auseinandersetzung ums Kinderheim entdeckte ich Gründe für eine Herunterstufung auf vier Sterne: Weiterhin gut erzählt, doch hier wirken Details unrealistisch, zudem verstand ich den dramaturgischen Sinn dieses Handlungsstrangs nicht.

Ich bin immer noch nicht ganz glücklich mit diesem Abschnitt; aber schlecht ist er auch nicht und bringt darum nur ein paar Zehntelsterne Abzug.

Und so zwang Tucho mich dazu: Aufgerundet fünf Sterne für diese intelligente, liebenswerte, unterhaltsame Sommerromanze.

PS.
Die 1963er-Verfilmung Schloss Gripsholm mit Giller/Tiller verharmlost Lydia als heiratswütiges neckisches Dummchen und entfernt wesentliche Buchstränge; der liebenswert intelligente Ton des Buchs ist weg. Von der 2001er-Verfilmung Gripsholm mit Nöthen/Makatsch kenne ich nur den Trailer, der Streifen scheint dramatischer und politisch zu sein.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amuesant, spritzig, nachdenklich und ruehrend, 9. September 1999
Von Ein Kunde
Eine herzerfrischend romantisch-unromantische Geschichte wird hier erzaehlt. Die Zutaten: Lebenslust und Traurigkeit, Zaertlichkeit und Froehlichkeit. Und nicht zu vergessen, eine Messerspitze Erotik, die mit einer ordentlichen Prise Albernheit "entschaerft" wird.
Meister Tucholsky laesst hier entspannt seinen Wortwitz plaetschern und schafft auf seine unnachahmliche Art Atmosphaere mit mir unvergesslichen Wendungen, wie: "Ich sah sie an und sie sah mich an. Wir fassten uns mit den Augen bei den Haenden.", oder "Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele".
Dennoch duempelt die Geschichte nicht in seichten Gewaessern vor sich hin. Selten zwar, aber unvermittelt und dadurch umso ueberraschender bricht sich seine Bitterkeit an den scheinbar unverbesserlichen Schwaechen der Menschheit Bahn. Um sich gleich darauf mit Humor an die eigene Menschlichkeit zu erinnern.
Wie so oft, wenn ich Tucholsky lese, muss ich bei vielen seiner Gedanken zustimmend schmunzeln und wenige Saetze spaeter stelle ich ueberrumpelt fest: jetzt hast Du auch mich in meiner zufriedenen Selbstgefaelligkeit "ertappt".
Der Inhalt ist in wenigen Saetzen zusammengefasst. Ein junges Paar faehrt nach Schweden in die Sommerfrische. Sie verbringen dort fuenf Wochen im Anbau eines alten Schloesschens, eben des Schloss Gripsholm. Grosse Abenteuer sind in der laendlichen Idylle nicht zu erwarten, aber dennoch gelingt es ihnen, ein kleines Maedchen aus einem uebel gefuehrten Kinderheim zu "befreien" und mit seiner Mutter zu vereinen. Dann geht es wieder zurueck in den Alltag. Nichts davon ist spektakulaer. Aber die Sprache und die allgemeine, versoehnliche, entspannte Grundstimmung dieses Werkes tun Seele und Herz wohl.
Kurz: Dieses Buch "schmeckt" wie Erdbeereis mit gruenem Pfeffer an einem lauen Sommernachmittag.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Lieblingsbuch, 28. Juli 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich liebe dieses Buch. Es ist das einzige Buch, welches ich mehr als drei Mal gelesen habe (ich schätze, dass ich es jetzt so ca 6-9 Mal gelesen habe).

Ich habe früher enorm viel gelesen und lese jetzt immer noch gerne. Aber nicht ein Autor hat so geschickt soviel in ein so kleines Buch kombiniert und dass dann alles noch so leicht und unkompakt wirken lassen. Gleichzeitig ist eine unheimliche Lebensnähe dabei. Zum Beispiel fährt das Päarchen aus Schweden zurück und ihnen kommt ein Schiff entgegen und beide erfasst Wehmut, weil die Leute auf dem Schiff Ihrem Urlaub entgegen zu fahren scheinen. Aber Tucholsky bemerkt sehr treffend, dass immer die Leute auf dem fremden, leuchtenden Schiffs so glücklich scheinen und die Leute auf dem entgegenkommenden Schiff wahrscheinlich ähnliche Gedanken haben.

Was vereint dieses Buch? Eine Sommergeschichte, schön leicht und nicht pathetisch oder verschönernd. Eine Liebesgeschichte (nicht so kitschig einfach, sondern eine mehr weltmännische Liebe), eine der erotischsten Szenen die ich jemals gelesen habe, eine Philosphie über die Menschen (mit einem hervorragendem Bezug auf die Gladiatorenkämpfe bei den Römern), eine Hymne auf die Freundschaft, eine Wunsch-Autobiographie Tucholskys (wer sich dazu ein bisschen einliest, merkt dass der autobiografische Anschein nur täuscht), einen leichten und lebensfrohen Humor mit einer noch nicht zynischen Melancholik.

Es gibt zu dem Buch einen Film, der ausnahmsweise mal gut gemacht ist; dem Buch in gewisser Weise gerecht wird. Und ausnahmsweise ist auch der Soundtrack super. Das ist das einzige Produkt, bei welchem ich Soundtrack, Buch und Film besitze und alles ist schon allein für sich genommen schon top.

Auch ist es egal, ob man zuerst das Buch liest, oder zuerst den Film (wie ich).

Das eigenartige ist: als ich aus der Schule kam, ordnete ich Tucholsky so unterbewusst, unkonkret zu Fontane (schrecklich: Effi Briest) oder Kafka (durchgeknallter Freak mit Vaterpsychose) ein. Was für ein Fehler.

Der Film zeigte mir erstmal, wie modern Tucholsky eigentlich ist. Das viele seiner Gedanken noch heute aktuell sind. Es gibt viele schöne Gedichte von ihm. Sein herrliches Spiel mit der Sprache. Diese Unverbissenheit in Bezug auf das eigene "Ich".

Nach dem Lesen des Buches war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Kauf eines umfangreichen Tucholsky Kompendiums. Kann das Buch nur empfehlen; und angesichts seiner Größe und des niedrigen Preises hat man auch nicht viel (Zeit und Geld) zu verlieren, aber viel zu gewinnen.
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4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.
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4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöne Geschichte mit ein wenig Tiefgang!, 13. April 2005
Der Kern der Geschichte ist der Sommerurlaub eines jungen Pärchens in Schweden. Es werden Freunde getroffen, Späße gemacht und ein kleines Mädchen kennengelernt, welches im naheliegenden Internat lebt und sehr unter der herrschsüchtigen Internatsleiterein zu leiden hat.
Tucholsky vereint hier eigentlich alles, was ein gutes Buch benötigt. Größtenteils muss man bei diesem Buch schmunzeln, wenn nicht gar lachen (wenn z.B. von einem Esel namens Joachim die Rede ist, wenn Späße mit anderern eher konservativen Touristen gemacht werden oder die aus verschiedenen Dialekten bestehende Sprache), andererseits fehlt auch nicht der Tiefgang, so wird doch beispielsweise über die Liebe an sich nachgedacht oder die Tatsache das eigentlich nichts von Dauer ist. Dazu noch ein wenig unscheinbare, eher hintergründige Erotik.
Ebenfalls sehr gut gefiel mir, das der Autor nie einen Handlungsstrang zu sehr ausgereizt hat. Erst kommt ein Freund zu Besuch, einige Seiten später eine Freundin, irgendwann konzentriert sich dann alles mehr auf die "Rettungsaktion" des Mädchens u.a. Man legt das Buch also nicht so schnell weg, weil immer was Neues passiert.
"Schloß Gripsholm" eignet sich durch seine sommerliche, gelöste Stimmung perfekt um in ein paar schönen Stunden im Garten, auf dem Balkon oder im Park gelesen zu werden. Eben ein heiteres, fröhliches und teilweise auch ein wenig nachdenklich machendes Buch. Lesen! :-)
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Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte
Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte von Kurt Tucholsky (Gebundene Ausgabe - 31. Januar 2006)
EUR 3,95
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