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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Jagd nach Skandalen ist nicht selten selbst skandalös", 17. Februar 2009
Von 
Arne Hoffmann (Springen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
Von 1996 bis 2006 hat sich das Vorkommen des Wortes "Skandal" in der deutschen Presse fast verdoppelt. Das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert, wie die Herausgeber des Buches in ihrem ausführlichen Vorwort erläutern: Als "Skandal" bezeichnete Vorkommnisse stärken gesellschaftliche Tabus und Normen, aber auch die Macht derjenigen Medien, die dieses Etikett wählen. Gleichzeitig lasse sich der Skandal paradoxerweise als "journalistischer Betriebsunfall" verstehen, denn das Bemühen um Objektivität und Differenziertheit trete hinter die Aufregung zurück. Während sich Journalisten mit dem vermuteten "gesunden Volksempfinden" verbünden, werden Individuen geopfert: Für die Menschen, die von der Empörungswelle erfasst werden, endet auch ein im öffentlichen Bewusstsein längst verschwundener Skandal nie. Sie bleiben oft ein Leben lang gezeichnet. Als Beispiel nennen die Herausgeber den ehemaligen Bundestagspräsidenten Jenninger, der auch zwei Jahrzehnte nach seiner skandalisierten Rede mit keinem Journalisten mehr sprechen möchte. Dabei könne im Zeitalter der neuen Medien jeder zum Objekt kollektiver Empörung werden. Zugleich sei es nur logisch, dass gerade infolge eines Verschwindens politischer Gegensätze der Skandal als offenbar mangelnde Integrität Einzelner eine Hochphase erlebe.

Das in dieser Einleitung Gesagte lassen 28 Studierende der Universität Hamburg in angenehm kritischen und gut vorbereiteten Interviews konkret werden. Die Palette der Befragten ist bunt: Natascha Kampusch findet sich dort ebenso wieder wie Thilo Bode und Catherine Millet. Und sie alle haben etwas zu sagen - ob sich der ehemalige Stasi-Spitzel Sascha Anderson durch den Bekenntniswahn unserer Gesellschaft an die DDR erinnert fühlt oder Ulrich Beck befindet, es könne einem fast Angst machen, dass die drohende Klimakatastrophe zum allgemeinen Glaubensbekenntnis geworden sei. Wie die Medien die vor Gericht geltende Unschuldsvermutung aushebeln, schildert die SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen anhand eines Missbrauchsprozesses, bei dem die Angeklagten zwar freigesprochen wurden, aber jetzt jeder ihre Gesichter kenne: "Ärzte behandeln sie nicht mehr; aus Bussen wurden sie von einigen Mitmenschen hinausgeworfen." Und die CSU-Abtrünnige Gabriele Pauli äußert Grundsatzkritik an den Journalisten: "In der Kommunikationswissenschaft geht man davon aus, der Pluralismus der Medien führe dazu, dass man sich seine Meinung aufgrund der Vielfalt frei bilden könne. Aber die Praxis sieht anders aus. Über manches wird wie gleichgeschaltet berichtet, über anderes gar nicht."

Alles in allem ist "Skandal!" ein Buch, wie man es sich wünscht: fesselnd, flott zu lesen, Erkenntnis bringend und relevant. Ich kann es empfehlen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswerte Lektüre, 15. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
Interviews mit Prominenten liest man in jedem Blättchen, mal halbwegs gut geführte, in der Regel aber sehr an der Oberfläche kreisende Gespräche. Nicht nur deshalb ist das von Bergmann und Pörksen herausgegebene Buch eine mehr als rühmliche Ausnahme. Auf jeder Seite, ja, in jeder Frage spürt man, wie tief die Studierenden ins Thema gehen, nachfragen und auch überhaupt keine Scheu vor kritischen Situationen mit Promis haben. Von solcher Lust an gutem Journalismus wünscht man sich mehr!

Von manch einem Studierenden werden wir - wenn sie weiterhin so arbeiten -noch einiges hören in der Zukunft!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fragwürdige Vorgänge im Scheinwerferlicht der Vernunft, 9. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
'Skandal!' schreit das Cover dem potentiellen Leser in einem schmutzigen Orangeton entgegen. Mit diesem Akt der Verlautbarung reiht sich das Werk ein in denselben Prozess, der im eigenen Vorwort konstatiert wird, nämlich die Überanspruchung der Skandalisierung durch die Medienlandschaft. Dieses Cover wirkt i. m. A. unentschlossen zwischen nüchterner Allmacht des Wortes und reißerischer Aufmachung des Titels. Ein symbolträchtiges Foto wäre hier wahrscheinlich die bessere Lösung gewesen.

Dieses Buch über Medienskandale fährt eine bunte Mischung an Charakteren auf, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und auch die mehr oder weniger prominenten Interview-Partner dieser Autoren spannen einen üppigen Schirm an Moralvorstellungen und Lebensentwürfen auf, u.a. Erich Böhme, Natascha Kampusch, Darryn Lyons, Catherine Millet, Matthias Prinz und Günther Wallraff kommen zu Wort.

Hat man das informative, doch etwas langatmige Vorwort samt Einleitung gelesen, eröffnet sich dem Leser die Welt von 29 Interviews, die das Thema Skandal aus Sicht der Verursacher, der Profiteure, der Sündenböcke, der Verhinderer, Aufputscher und der Steuermänner zu beleuchten versuchen. Jedes dieser Interviews wird eröffnet durch ein Foto des Interviewten sowie einen kurzen Einleitungstext. Nach dem eigentlichen Gespräch findet sich noch eine gute halbe Seite mit einem kurzen Lebenslauf des Interviewten. Ein Lob gilt hier den Interviewten, die offenbar keinen Wert auf beschönigende Wiedergabe oder Bildbearbeitung gelegt haben, sondern zu authentischen Fotos angehalten werden konnten. Es ist ein Verdienst der Herausgeber, diese desillusionierende, aufklärerische Grundhaltung auch auf der visuellen Ebene so konsequent durchzuhalten. Ich möchte dazu raten, die Kurzvita der Befragten am besten noch vor dem Lesen des Interviews zurate zu ziehen, so derjenige oder diejenige einem nicht persönlich vertraut ist.

Unter der Leitung der beiden Herausgeber Jens Bergmann und Bernhard Pörksen haben insgesamt 28 studentische Autoren an diesem Band mitgewirkt, von denen 19 Frauen und neun Männer sind. Es ist einigen Interviews deutlich anzumerken, dass der hohe weibliche Anteil zu sehr einfühlsamen Ergebnissen geführt hat.

Wer nun eine Art Ratgeber erwartet, der einen sukzessiv von der Konstruktion eines Skandals bis zu seinen letzten Nachwehen erklärend an die Hand nimmt wie eine Art gebildete Kindergärtnerin, der sitzt einer Fehlannahme auf. Vielmehr kann man sich die Interviews als unterhaltsame Gespräche mit Menschen vorstellen, die ihre Erfahrung im Umgang mit öffentlichem Interesse schildern. Diese Interviews sind deshalb gut, weil ihnen eine profunde Vorbereitung der Autoren zu entnehmen ist. Diese Gespräche sind selbst, teilweise muss man sagen: leider, nicht skandalös. Mitunter mag hier aggressives Potential verschenkt oder abgeschmirgelt worden sein. Auch liegen die Momente der aufflammenden Bekanntheit in vielen Fällen (Röbel etc.) bereits Jahre zurück. So stellen die Gespräche eher einzelne Teile eines dreidimensionalen Puzzles dar, die nicht anstreben zwingend ein einheitliches Ganzes sein zu wollen und auch nicht sämtlich miteinander verknubbelt sind. Doch, wenn man so will, so findet man auf jeder Motivrückseite in kleinen blauen Lettern statt 'Ravensburger Ravensburger Ravensburger' in jeglicher Variation 'Skandal Skandal Skandal'.

Ich persönlich hatte den Eindruck, dass als Ausgangsbasis der Gespräche mitunter philosophische Positionen der Stoiker dienten, auch habe ich Nietzsches Theorie der missverstandenen Mündigkeit dreimal aufblitzen sehen, doch mag es sein, dass ich mich an dieser Stelle irre.

Den jungen Autorinnen und Autoren, die zum Teil gar nicht mehr so jung sind, ist in jedem Fall zu wünschen, dass sie ihre Neugierde nicht verlieren und weitere Versuche im Feld des Journalismus unternehmen. Viele Fragen sind gute Fragen. Sie suchen nicht die Verlautbarung und nehmen Abkehr von der oberflächlichen Dümmlichkeit, die in Fernsehen und Printmedien Überhand genommen hat.

Es ist ganz und gar erstaunlich, was hier zwischen zwei Buchdeckeln Platz gefunden hat. Leider entspricht die Verarbeitungs- und Materialqualität des Buches nicht den hohen Zielen, die inhaltlich angestrebt werden: Papierqualität und Bindung sind stark verbesserungswürdig.

Mein Fazit: Ich würde das Buch noch einmal kaufen. Doch ich habe es ja schon.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Empörungskommunikation und mehr, 16. August 2011
Von 
Manfred Piwinger (Wuppertal Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
Das Werk resultiert aus einem Lehrforschungsprojekt und enthält 29 Texte von Studierenden der Universität Hamburg auf dem Weg in den Journalismus. Einleitend geben die beiden Herausgeber Jens Bergmann, geschäftsführender Redakteur des Wirtschaftsmagazins brand eins, und Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft, ein zwar kurze, aber sehr genaue Beschreibung über die Inszenierung öffentlicher Empörung. Der Skandal wird von ihnen als "journalistischer Ernstfall" angesehen, die Medien werden als Befeuerer kollektive Erregung geoutet. Die Texte der jungen Studierenden sind im eigentlichen Sinne keine Texte, sondern allesamt Interviews mit Beteiligten und Betroffenen. In zwei Fällen kommen Sachkundige zu Wort: der Soziologe Ulrich Beck und der Medienanwalt Matthias Prinz. Die Mehrzahl der Interviewten sind der Medien- und PR-Szene zuzuordnen. Namen wie die von Günter Wallraff, Hans Leyendecker und Volker Lilienthal, der den größten Schleichwerbeskandal der ARD aufdeckte, sind den meisten ebenso geläufig wie die von Moritz Hunzinger und Fritz Goergen, ehemals politischer Berater von Jürgen Möllemann. In weiteren Interviews äußern sich Wolfgang Kubicki über seine Rolle im Prozess um Schmiergelder und Lustreisen bei der Volkswagen AG und Thilo Bode zum "Nerv treffen" über die Arbeit von Greenpeace. Eine Reihe engagierter Förderer haben das Lehrforschungsprojekt an der Universität Hamburg unterstützt. Somit waren für die Studierenden auch Reisen ins Ausland möglich. Herausgekommen ist dabei u.a. ein äußerst lebenswertes Interview mit Darryn Lyons, dem Inhaber einer der größten Paparazzi-Agenturen der Welt, über sein Geschäft, die Ruhmsucht der Stars und ihren "faustischen Pakt mit der Presse". In die gleiche Kategorie gehören Gespräche mit Clarence Mitchell (Er ermöglichte die beispiellose Medienkampagne auf der Suche nach der verschwundenen "Maddie".) sowie mit Dietmar Ecker, der dem Entführungsopfer Natascha Kampusch zur Seite stand.
Was dieses äußerst anregende und sorgfältig recherchierte Buch zu etwas Besonderem innerhalb der Skandalliteratur macht, ist der Umstand, dass die aufgegriffenen Fälle - zwar allesamt noch im Bewusstsein der Öffentlichkeiten vorhanden - a posteriori untersucht werden: Wie waren seinerzeit die Umstände? Welche Handlungsoptionen gab es? Was ist davon geblieben? Was ist aus den Betroffenen geworden? Jeder Fall für sich ist ein Lehrstück und gewährt uns Einblick in den komplexen Prozess von Skandalverläufen. Das Buch enthält sich jeder Effekthascherei. Erkennbar ist das Bestreben der Herausgeber, Handlungsmuster aufzzuzeigen und die ihnen zugrunde liegenden Motivationsstrukturen aufzudecken. Hinterher verstehen wir manches besser und gewinnen auf vielfältige Weise eine neue Sicht auf die Dinge. Erst durch den gewählten Forschungsansatz ist das möglich. Es wäre wünschenswert, weitere Universitäten folgten diesem Lehrstück angewandter Forschung.
Manfred Piwinger
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Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung
Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung von Jens Bergmann (Broschiert - Februar 2009)
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