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5.0 von 5 Sternen Hitler hatte eine Religion, und zwar eine "Kriegsreligion"., 15. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Hitlers Kriegsreligion: Die Verankerung der Weltanschauung Hitlers in seiner religiösen Begrifflichkeit und seinem Gottesbild (Taschenbuch)
Die zentrale Aussage von Schirrmachers Buch ist bereits im Titel enthalten: HITLERS KRIEGSRELIGION. Das heißt, Hitler hatte eine Religion, und zwar eine "Kriegsreligion". Diese Religion stand in der Tradition des Sozialdarwinismus: Das Leben als Kampf, der Schwächere unterliegt, der Stärkere setzt sich durch. Die stärkere Rasse kann sich ausbreiten und die Welt beherrschen. Und das alles sei im Willen Gottes. Wobei Hitler statt "Gott" oft auch "Vorsehung" sagt. Der Sieg sei aber auch für das deutsche Volk mit seinem überlegenen Rassewert nicht sicher, die Deutschen haben zu kämpfen und zu glauben - eben an diese Sicht Hitlers. Zu diesem Kampf gehöre die Reinhaltung der Rasse (d.h. keine Vermischung mit niedrigen Rassen), der Kampf gegen die Juden und das Schaffen von Lebensraum im Osten (daher wurde der Krieg in Osteuropa von vornherein brutal geführt, rücksichtslos auch gegen Zivilisten - die Bevölkerung im Osten sollte dezimiert werden). Die Umsetzung dieser (bereits in "Mein Kampf" dargelegten) Weltanschauung band viele kriegswichtige Ressourcen (etwa durch den Massenmord an Juden). Hitler agierte nicht mit dem primären Ziel vor Augen, den Weltkrieg zu gewinnen, sondern er wollte seinen Glauben umsetzen - in der Erwartung, von seinem Kriegsgott dafür gesegnet zu werden. - Soweit die Vorstellung Hitlers, wie sie von Schirrmacher dargelegt wird.

Könnte es sein, dass Hitler manche religiöse Begriffe bloß seiner Zuhörer wegen macht, um sich als "gläubig" zu präsentieren? (Aus Anpassung oder Opportunismus also.) Nein, denn Hitler bezieht sich auf seine Weltanschauung auch im privaten Gespräch z.B. mit Joseph Goebbels, der kirchenfeindlich war - ihm gegenüber hätte Hitler keine solche Rücksicht nehmen müssen. Und Hitlers Weltanschauung lässt sich seit etwa 1925 (als Bd.1 von "Mein Kampf" erschien) gleichbleibend beobachten, es gibt da keine Abwandlung je nach Situation und Zuhörerkreis. Und es war diese Weltanschauung, die im 2.Weltkrieg umgesetzt wurde - und von der Hitler nicht abrückte, auch als sich zeigte, dass auf diese Art der Krieg für Deutschland verlorengehen werde.

Eine solche "Kriegsreligion" steht in krassem Gegensatz zum christlichen Glauben mit seiner Barmherzigkeit den Schwachen gegenüber. Parallelen zwischen beiden Religionen lassen sich natürlich finden - z.B. die Vorstellung eines höchsten Gottes. Aber Parallelen gibt es zwischen allen Religionen. Die Aufgabe eines Religionswissenschaftlers - und als solcher geht Schirrmacher an sein Thema heran - ist es eben, die genaue Gestalt einer bestimmten Religion zu erheben, und nicht vorschnell aufgrund mancher Ähnlichkeiten von "Identität" oder "Beeinflussung" zu sprechen.

Es handelt sich hier um eine Dissertation an der Universität Bonn. Die Darstellung ist (dennoch) flott lesbar. Der eigentliche Textteil umfasst 500 Seiten, danach kommen das Literaturverzeichnis, und schließlich der 2.Band mit seinen umfangreichen Zitaten von Äußerungen Hitlers. Der nicht ganz niedrige Preis (99 € für beide Bände) wird verhindern, dass Neonazis dieses Werk wegen der Hitlerzitate kaufen und verbreiten.

Die Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus ist nicht wirklich angenehm. Aber die heutige Welt, so wie sie ist, ist wesentlich auch das Ergebnis des (kurzen) Wirken Hitlers (wäre es sonst z.B. 1948 zur Gründung des Staates Israel gekommen?). Und wenn wir die Vergangenheit verstehen wollen, dann ist eine zutreffende Einordnung historischer Vorgänge wichtig, auch der Beweggründe Hitlers. Dazu hilft dieses Werk, durch seine Analyse von Hitlers Äußerungen, in Auseinandersetzung mit der unübersehbaren Literatur über Hitler. Wer Schirrmachers Buch liest, hat einen guten Überblick über den Wert einzelner Quellen und über die Zuverlässigkeit der Sekundärliteratur.

Dr. Franz Graf-Stuhlhofer, Historiker, Wien
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