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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gestern, heute und morgen, 1. November 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Welt ohne Weltordnung: Wer wird die Erde erben? (Gebundene Ausgabe)
Michael Stürmer – Welt ohne Weltordnung

Gestern, heute und morgen

Im seinem neuen Buch, die Welt ohne Weltordnung widmet sich Michael Stürmer, Historiker und Chefkorrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ der Analyse der politischen Zukunft, ihre Risiken und Chance, Gefahren und Potenzen.

Die Gliederung unterliegt in drei Teilen, der Kalte Krieg, die aktuelle Lage der Welt und die zukünftigen Bedrohungen und Herausforderungen.

Die Ära des Kalten Krieges war gekennzeichnet vom Frieden, der durch eine hypothetischen gesicherten Vernichtung ermöglicht wurde. Michael Stürmer skizziert die wichtigsten Entwicklungen zu solch einem Frieden, ratifiziert in verschiedenen Abrüstungsverträgen, in dieser Epoche. Ferner werden die Gründe für das Beenden des Kalten Krieges, politisch sichtbar durch den Zerfall der Sowjetunion, niedergeschrieben und in Verbindung zu einander gestellt.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die daraus resultierende politische Weltlage und ihre Entwicklung in ein Jahrzehnt werden im zweiten Kapitel des Buches „Mächte ohne Gleichgewicht“ verfasst.

Der Begin des 21. Jahrhundertes ist gekennzeichnet von Europas Suche nach ihre Lage im Weltgefüge, sichtbar in der Ohnmacht auf Konflikt zu reagieren und der Inakzeptanz der europäischen Bevölkerung; Russlands Aufstreben zur alter Stärke, finanziert durch Rohstoffe, durchgesetzt durch eine fromme politische Führung; Chinas wirtschaftliche und politischer Aufstieg zum globalen Schwergewicht und der amerikanische war on terror und Durst nach Rohstoffen.

Im dritten Teil des Buches „Die Potenzen der Zukunft“ probierte der Autor die westlichen politischen Herausforderungen und Chance der nahen Zukunft aus der aktuellen Lage der Welt herzuleiten.

Die vier wesentlichen Herausforderungen sind die islamische Welt, die ständige Nachfrage nach Rohstoffen, Terrorismus und die illegitimen Verbreitung von nuklearem Material.

Die islamische Welt steht auf vielen Ebenen im Umbruch. Der Iran strebt mit sehr viel Selbstbewusstsein, resultierend aus dem Bewusstsein der Abhängigkeit der westlichen Welt an Rohstoffen und dem nuklearen Programm,

die Hegemonialvormacht im Mittleren Osten an. Die Büchse der Pandora ist im Irak auch noch nicht geschlossen, geschweige vom Israel – Palästina Konflikt.

Nicht nur der Iran ist dem Durst der westlichen Welt nach Öl bewusst, auch andere Ländern sehen im Öl einen neuen politischen und wirtschaftlichen Faktor. Somit entwickelt sich das Öl zu einem weiteren Risikofaktor in naher Zukunft.

Spätestens nach dem Nine Eleven ist der Terrorismus allgegenwärtig. Auch der Autor sieht insbesondere im religiösen, motivierten Terrorismus eine Gefahr, die auf vielen unterschiedlichen Ebenen bekämpft werden muss.

Die wohl apokalyptische Bedrohung der nahen Zukunft ist die Verbreitung von nuklearem Material, trotz des Nonproliferationsvertrag.

Michael Stürmer schreibt seine politische Analyse in einer sehr gut nachvollziehbaren Art nieder, das die Zusammenhänge der verschiedenen Herausforderung erkennbar zeigt und somit ein besseres Verständnis zur politischen Lage, ihre Gefahren und Chancen, beiträgt.

Verdiente fünf Sterne!!! Lesen und die gestrige, heutige und zukünftige Lage verstehen und nachvollziehen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drastische Bedrohungsszenarien für unsere Welt, 18. Dezember 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Welt ohne Weltordnung: Wer wird die Erde erben? (Gebundene Ausgabe)
Wenn man sich das Cover dieses Buches anschaut, muss man schon rein optisch den Eindruck haben, es wird gefährlich. Diese Welt glüht doch sehr Lava rot und es sieht nicht gerade heimelig aus. Das ist aber nicht nur ein Einfall des Grafikers, sondern der Autor zeichnet relativ drastisch Bedrohungens Szenarien auf in denen sich unsere Welt, vor allem die westliche Welt, befindet.

Professor Dr. Michael Stürmer ist Historiker, Publizist in vielen Zeitungen, seit 1998 Chefkorrespondent der Welt und er war Regierungsberater bei Helmut Kohl. Er bringt alle Voraussetzungen mit, um aus der historischen Vergangenheit die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Und das macht er in einer markigen Form. Anders als der amerikanische Politologe Francis Fukuyama von der Johns Hopkins University of Washington, der Ende der 80 er Jahre meinte, die Welt sei am Ende der Geschichte angekommen, glaubt der Historiker Stürmer, dass die Welt sich anschickt in neue Krisen, um nicht zu sagen, neue Kriege hinein zu schlittern.

Er legt dabei besonderen Wert auf die genuinen Machtprozesse. In der Welt finden ja nicht nur wirtschaftliche Macht- und Verteilungsprozesse statt, sondern gleichzeitig, damit eng verbunden, praktisch darüber gestülpt, finden politische Machtprozesse statt. Und wenn, wie es im Oktober dieses Jahres geschehen ist, Nordkorea als Bedrohungspotential eine Atombombe oder eine atomare Vorrichtung zündet, dann ist das ein gravierender Bruch in der Ordnungsstruktur dieser Welt.

Wie die Machtstrukturen sich entscheidend verändert haben und verändern werden, möglicherweise zu einer Welt ohne Weltordnung" führen, das arbeitet der Autor in den Kapiteln über die Machtverteilung der Nuklearwaffen sehr anschaulich heraus. So schreibt er zum Beispiel:" Wo Todeskult und Endzeitbewusstsein sich mit der Atombombe verbinden, wie im heutigen Iran, ist das Undenkbare jeder Zeit denkbar". Die Iraner haben nach heutigem Kenntnisstand noch keine Atombombe, aber sie streben danach. Sie haben Raketen die bis nach Europa reichen. Sie dienen nicht unbedingt der Kriegsführung, aber mit Bestimmtheit der Erpressung. Man muss diese Massenvernichtungswaffen ja nicht zwingend abfeuern, um Respekt zu bekommen oder Unterwürfigkeit zu erlangen. Und im Einknicken haben ja die Europäer in letzter Zeit ihre Meisterschaft unter Beweis gestellt. Was bedeutet das für die Weltordnung? Europa ist nicht in der Lage seine Interessen selbst zu schützen. Bisher konnten wir uns da immer auf Amerika als Weltpolizei verlassen. Aber Amerika hat in letzter Zeit mit sich selbst mächtig viel zu tun. Der verlorene Irakkrieg wird ein gewaltiges Syndrom hinterlassen, vergleichbar mit Vietnam. Die Europäer müssen antreten, wenn es darum geht, Maßnahmen gegen nukleare Emporkömmlinge, gegen Terrorismus jeglicher Art zu ergreifen. Das Spektrum der Möglichkeiten, die zur Nervenlähmung der modernen Gesellschaft führen können, ist ja sehr breit und vielleicht sind es Dinge die nicht im allgemeinen Bewusstsein vorhanden sind. Der Terrorismus, wie wir ihn heute erleben, ist ein relativ billiges Unternehmen welches nicht nur menschlichen und moralischen Schaden, sondern gleichzeitig auch kaum zu messenden ökonomischen Schaden anrichten kann. Terror, ein lateinisches Wort, heißt Schrecken und so ist es nicht nur der objektiv vorhandene Schrecken, sondern es ist auch der Schrecken der sich in der Seele der Opfer befindet, man beugt sich schließlich dem Terror.

Herr Prof. Stürmer spricht in seinem Buch vom alt" gewordenen Europäer. Nach seiner Sicht ist Europa weder Ernstfall bewusst, noch Ernstfall fähig, weil man immer noch glaubt, dass Fukuyama Recht gehabt hat. Wir glauben das Ende der Geschichte ist erreicht, den Rest erledigen wir mit etwas Polizei, Interventionen hier und dort und ein paar milden Gaben. Das Gegenteil ist der Fall, wie wir inzwischen durch die Ereignisse auf dem Balkan, im Nahen Osten, im Fernen Osten, usw. hätten lernen können. Die Interessen der Europäer reichen weiter als wir sie schützen können und wollen. Vieles funktioniert heute noch, weil Amerika das Potential besitzt um für Ordnung zu sorgen. Das wir bald nicht mehr der Fall sein, weil die Interessen der Amerikaner nicht deckungsgleich mit denen der Europäer sind. Sie werden andere Prioritäten setzen und das bedeutet für die Europäer, sie müssen sich zusammen tun, Europa muss sich in dieser komplizierter gewordenen Welt bewegen.

Die Fähigkeit dazu erkennt der Autor an, er bezweifelt jedoch, ob die Europäer dazu auch den Willen haben. Seit 1993 reden die Europäer via Europäische Union von den so genannten Petersberg Hoffnungen. Das sind bisher große Sprüche geblieben. Doch wenn man auf der einen Seite erfolgreich Intervenieren will, dann kann man auf der anderen Seite nicht kontinuierlich die Militärhaushalte kürzen.

Dieses Buch sollte man sich nicht entgehen lassen, weil es engagiert und mit außerordentlich großer Sachkunde geschrieben ist. Die heutigen Konflikte, Krisenherde und Kriege sind nicht mehr die des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Die Gesellschaften sind dazu viel zu komplex. Es entsteht bei der Lektüre dieses Buches eine unglaubliche Lesearbeit, weil es so viele verschiedene Reflexionsebenen aufzeigt. Wenn der Autor auch einen möglichen nuklearen Supergau nicht ausschließen will so wollen wir doch alle die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir nicht miterleben müssen, wie denn diese Welt zu Grunde geht.
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Welt ohne Weltordnung: Wer wird die Erde erben?
Welt ohne Weltordnung: Wer wird die Erde erben? von Michael Stürmer (Gebundene Ausgabe - 1. August 2006)
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