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38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, tiefgründig, und bewegend. Sehr lesenswert !
Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen. Das ist insofern wichtig zu erwähnen, weil ich es sonst vermutlich nie gelesen hätte. Und ohne Frage bin ich während des Lesens zu der Erkenntnis gelangt, das es mehr als nur Schade gewesen wäre, hätte ich dieses Buch und diesen Autor nicht kennen gelernt.
Im Roman geht es um ein ungeheuer tragisches...
Veröffentlicht am 23. März 2005 von Thomas Kerstens

versus
5 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Interessantes Thema schlecht verpackt
Harry Mulisch teilt sein Buch in fünf Episoden ein. In der ersten wird 1945 ein Nazikollaborateur von Widerstandskämpfern erschossen und durch verzwickte Umstände wird die Familie des damals 12 jährigen Antons dafür verantwortlich gemacht und erschossen. In den folgenden vier Episoden wird deutlich, wie Anton zunächst die Geschehnisse...
Veröffentlicht am 8. Januar 2001 von Sandra


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38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, tiefgründig, und bewegend. Sehr lesenswert !, 23. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen. Das ist insofern wichtig zu erwähnen, weil ich es sonst vermutlich nie gelesen hätte. Und ohne Frage bin ich während des Lesens zu der Erkenntnis gelangt, das es mehr als nur Schade gewesen wäre, hätte ich dieses Buch und diesen Autor nicht kennen gelernt.
Im Roman geht es um ein ungeheuer tragisches und dennoch fast zufälliges Ereignis, das im Winter 1945 in Holland stattfindet. Der zwölfjährige Anton Steenwijk wird Zeuge, wie der Polizist Ploeg, der mit den Nazis zusammenarbeitet, erschossen wird. Er muss mit ansehen, wie die Nachbarn, vor dessen Haus Ploeg erschossen wurde, die Leiche packen und vor seinem Elternhaus ablegen. Bevor sein Bruder oder seine Eltern Gelegenheit haben, darauf zu reagieren, rollen die ersten Mannschaftswagen der Deutschen die Straße hinunter und die Situation eskaliert. Anton wird von den Soldaten mitgenommen, während seine Eltern und sein Bruder einem mehr als ungewissen Schicksal entgegensehen.
In Fünf Abschnitten aus Antons Leben unterteilt, wirft Mulisch einen fast dokumentarischen Blick zurück auf die Ereignisse und wie sie das Leben von Anton beeinflusst haben. Das ist fast immer spannend und tief bewegend. Mehr als einmal legte ich das Buch beiseite und fragte mich, wie mein Leben durch so ein Ereignis geprägt worden wäre. Natürlich eine rein hypothetische Frage, aber es spricht für dieses Buch, das man sich Begriffen wie Schuld und Sühne, Vergebung und Verdrängung nicht mehr so ohne weiteres entziehen kann. Im Buch dauert es fast Jahrzehnte, bis Anton bereit ist, die Ereignisse nicht mehr zu verdrängen und sich gezielt an eine Aufarbeitung der Vergangenheit heranwagt. Dabei kommen immer mehr Einzelheiten zum Vorschein, die sich, einem Puzzle gleich, zu einem Gesamtbild fügen, das den Eindruck erweckt, das Leben sei manchmal nur eine Anhäufung von katastrophalen Zufällen.
Ein Happy End oder die Aussicht auf Vergebung darf man letztendlich nicht erwarten; wohl aber die eindringliche Botschaft, aus der Vergangenheit zu lernen und niemals wegzuschauen.
Das Attentat ist ein wichtiges und bewegendes Stück Gegenwartsliteratur das unter die Haut geht und vom Leser mehr fordert als nur seine Aufmerksamkeit.
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36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Schlimme im Nebensatz, 6. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Taschenbuch)
Im Krieg serviert einem das Leben Grausames mit einer Beiläufigkeit, die einem Menschen jeden Glauben nehmen kann. Der Krieg tötet wahllos, zufällig, willkürlich. Alles hundertmal gehört, gelesen, geschrieben - keiner will's mehr hören, nicht wahr? Aber auf das Erzählen kommt es an. Kann man aus dem Krieg eine unterhaltende Geschichte machen ohne viel Lärm, Getöse, Bombast? Oh, man kann, und dann ist es viel intensiver. Nur ein paar Schüsse. Unspektakulär, fast im Nebensatz, findet Mulischs Krieg statt. Macht das Licht aus! Redet nicht, es ist besser nicht zu reden. Still!
Erst mit diesem Buch habe ich ein bisschen was verstanden vom Krieg, den ich nicht erlebt habe. Weil es nicht mit Anklage arbeitet, nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht mit Klischees. Sondern im Kopf.
Vor allem habe ich mit diesem Buch erst verstanden, warum Mulisch so schreibt wie er schreibt - in allen seinen Büchern...
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fatales Wegducken!, 16. August 2004
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Harry Mulisch verdeutlicht in diesem Roman die Bedeutsamkeit des organisierten Widerstandes gegenüber politischer Tyrannei jedwelcher Art. Zudem zeigt der Autor, dass Verzagtheit im Hinblick auf despotische Strukturen letztlich dazu führen kann, in ethisch bedenkliche Situationen zu gelangen und schließlich, dass angstvolles Wegducken kein wirksamer Garant ist für die Sicherheit der eigenen Existenz.
Der Anästhesist Anton Steenwijk hat im Herbst 1981 auf einer Friedensdemonstration in Amsterdam gewissermaßen ein Erweckungserlebnis. Er protestiert dort gemeinsam mit Zehntausenden gegen die fragwürdige Abschreckungsphilosophie der Atomwaffentyrannei. Durch einen kollektiven Angstschrei erwacht Anton endlich aus seiner inneren Lähmung, die entstanden ist durch ein furchtbares Kriegserlebnis während seiner Kindheitstage.
Was war geschehen? Anfang 1945 ist Holland immer noch von den Deutschen besetzt. Kollaborateure gehen gemeinsam mit den Nazis gegen die Zivilbevölkerung vor. Es herrscht Terror. Anton lebt gemeinsam mit seinem älteren Bruder und seinen Eltern - zurückgezogen - in einem idyllischen Villenviertel in Haarlem. Man befasst sich mit altphilologischer Problematik. Als auf der Straße vor besagten Häusern seitens der Widerstandskämpfer ein besonders sadistischer, holländischer Faschist hingerichtet und dessen Leiche dort zurückgelassen wird, versperrt Anton aus Furcht vor dem, was kommen wird, die Türen der elterlichen Wohnung. Lange dauert es nicht, bis die Nazis, durch die Schüsse aufmerksam geworden, vor Ort sind, den Toten auf der Straße vorfinden und daraufhin mit einem willkürlichen Akt der Vergeltung, die üblichen Terrormaßnahmen einleiten. Antons Eltern und dessen Bruder werden erschossen und das familiäre Anwesen dem Erdboden gleichgemacht. Anton wird verhaftet, später dann zu seinem Onkel nach Amsterdam gebracht. Dort wächst er auf, studiert Medizin und möchte viele Jahrzehnte lang von den grauenvollen Geschehnissen in Haarlem nichts wissen. Er verdrängt. Der Zufall will es, dass immer wieder neue Mosaiksteinchen für das von ihm ungeliebte Puzzlespiel der Erkenntnis auftauchen und an ihn herangetragen werden. Wie er damit umgeht, erfährt der Leser im Laufe der äußerst subtil aufgebauten Handlung.
Nochmals, die Botschaft des Autors ist eindeutig: Angst- und Ohnmachtsgefühle gegenüber einer despotischen Obrigkeit dürfen nicht im Wegducken und Schweigen enden. Gemeinsame Aktivitäten sind sinnvoll, wenn es gilt undemokratische, inhumane Verfahrensweisen anzuprangern und diesen mit verstärkten Kräften, nach Möglichkeit frühzeitig, Einhalt zu gebieten.
Mulisch verdeutlicht in dieser Parabel dezidiert, dass sich ein mündiger Bürger seiner Verantwortung nicht entziehen kann.
Ein nachdenklich stimmender Text, eines hervorragenden Schriftstellers.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vergangenheit läßt uns nicht los, 23. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Taschenbuch)
Ein kurzer Trip nach Amsterdam war der Anlass diesen Roman von Mulisch zu lesen. Ich hatte vorher nichts von ihm gelesen, aber da seine eigene Bekenntnis ist 'In Holland bin ich weltberühmt' , dachte ich, es wird an der Zeit, dass ich etwas von ihm lese. Der Roman ist vor 20 Jahren verfilmt worden und erhielt damals den Oscar als bester ausländischer Film. Ich habe ihn damals gesehen und war sehr beeindruckt von dem Film. Ich würde ihn gern wieder sehen, aber in Deutschland gibt es ihn nicht als DVD und in Holland nur auf Holländisch mit holländischen Untertiteln. Schade. Ich hoffe, er kommt bald auf DVD auf den Markt.
Aber zum Buch. Der Anschlag bezieht sich auf die Ermordung eines Nazi durch holländische Widerstandskämpfer. Zur Vergeltung löschen die Nazi neben anderen Geiseln auch eine holländische Familie aus, nur der jüngste Sohn überlebt. Das Buch ist seine Geschichte. Er versucht den Verlust und die unglaubliche Brutalität zu verdrängen, aber immer wieder gibt es Ereignisse, die ihn mit seiner Vergangenheit konforntieren. Mulisch zeichnet ein sorgfältiges Porträt eines Mann, der erst zum Schluß lernt, dass man sich sicher eigenen Geschichte stellen muss und dass man auch auf die Gesellschaft Einfluss nehmen muss. Ein sehr beeindruckendes Buch, das ich innerhalb kürzester Zeit beendete. Es macht wirklich neugierig auf mehr von Mulisch.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Frage der Schuld, 12. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Wieder ein Roman über die Nachkriegszeit und die Verarbeitung von schrecklichen Kriegs-Erlebnissen? Ja. Aber so einfach ist das nicht zu umschreiben. Mulisch hat einen äußerst spannenden, tiefgründigen und kurzweiligen Roman verfasst. Darin geht es vor allem um die Frage nach Schuld. Immer wieder muss man als Leser seine eigene Meinung im Laufe des Buchgeschehens revidieren. Und immer wieder verurteilt man eine neue Person als Schuldigen. Am Ende schließt man das Buch mit dem Gefühl, dass die Dinge oft anders sind als sie erscheinen. Absolut empfehlenswert!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unglaublich schön und gut komponierter Roman, 4. Juni 2012
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Es gibt einen Grund, warum man manche Bücher Romane nennt, welcher nicht allein daher rührt, dass es ein längeres erzählerisches Werk ist. Nein, Roman nennt man solche Bücher, die zwischen zwei Buchdeckeln können, was sonst das Leben nur kann, wenn man es lebt. Zusammenhänge, Verwirrungen, Nuancen, Beziehungen, Wiederkehrendes und Erinnertes, Verlorenes - ein Roman kann all das Erfinden und doch ist es auf eine seltsame Weise Wirklichkeit.

Harry Mulisch (ich bin auf ihn und seine Romankunst bereits in meiner Rezension zu Zwei Frauen näher eingegangen) hat mit "Das Attentat" ein Werk abgeliefert, dass nicht nur die Bezeichnung, sondern wahrhaftig den Titel "Roman" mehr als verdient hat; als wäre dieses Wort ein Zauberwort, etwas Mystisches, beinah Unerklärliches, wäre es nicht so ein realer Gegenstand. Es ist ein Buch voller Einfachheiten und doch ist es sprachlich so gut komponiert und genial konzipiert, dass das Einfache sich hier weit über die Summe seiner Teile hinaushebt zu einer spannenden, anrührenden und unvergleichlichen Geschichte.

Tatsächlich beginnt diese Geschichte zwar an einem Abend im Jahr 1945, aber irgendwie ist es eher so, als würde Mulisch dort einsetzten und nicht dort beginnen. Vielleicht gerade deswegen, wegen dieses Stilgriffes, ist man sofort, ohne große Vorarbeit gefesselt - was natürlich auch an seiner wunderbar filigranen und erlebnisnahen Sprache liegt, die einen hineinzieht in ihre Wirklichkeiten.
Von dort, von dieser einen Nacht aus, die alles verändert, spinnt sich die Geschichte über einige Jahrzehnte fort, mit einigen Schüsselereignissen, welche alle im Bezug zu der einen Nacht im Jahr 1945 stehen. Aus der Abfolge ergibt sich, zusammen mit den kleinen Nebenhandlungen, eine Lebensgeschichte und die Geschichte jener Nacht; aber auch die Geschichte einiger weniger Gefühle: Liebe, Rache, Verdrängung und natürlich die Analyse eines bestimmtes Prozesses: des Erinnerns. Alles zusammen macht diesen Roman unvergleichlich vielschichtig.

Es gibt erstaunlich viele gute Bücher, die mit dem, was sich in den Jahren 1939-1945 in Europa an verschiedensten Stelle zutrug, auseinandersetzten und beschäftigen: Das Brandopfer z.B. oder auch Lenz Deutschstunde, Damals war es Friedrich und viele andere. Doch trotzdem, auch weil es nicht das einzige, zentrale Thema von Mulischs Roman ist (weil seine Romane selten zentrale Themen haben: sie erzählen Geschichten, die am Ende oft Parabeln auf etwas sind - wie so viele Geschichten), ist "Das Attentat" eines der besten Bücher über die Fragen, die sich zu diesem Zeitalter aufdrängen. Nicht, weil es sie erklärt, diskutiert oder aufwirft. Sondern weil es erst einmal versucht sie zu erkennen, zu finden und zu verstehen.

Ich empfehle diesen Roman, weil es ein wunderbarer Roman ist; weil er eine Geschichte erzählt und diese Geschichte sehr gut erzählt. Und letztlich auch, weil ich hoffe, dassjeder vielleicht, wie ich, am Ende, mit Tränen in den Augen (oder einem entsprechenden Gefühl), das Buch zuklappt und zu sich sagt - das war gut, verdammt gut. Auch wenn einem vielleicht die Worte fehlen, um zu sagen, wie gut - man hält ja immer noch die richtigen Worte in Händen, zwischen zwei Buchdeckeln.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der ungewöhnlichsten Bücher über ein Opfer des NS, 23. April 2001
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Taschenbuch)
Dieses Buch ist das ungewöhnlichste, was ich über den Nationalsozialismus gelesen habe. Mulisch beschreibt über die Ichperson die Geschehnisse so kühl, daß es einem einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen läßt. Ich dachte mir nur: wie kann jemand, nein das Opfer, das so neutral sehen? Aber durch die Neutralität gewinnt das Buch so dermassen an Authentizität, das man trotzdem zutiefst erschüttert ist.
Vor allem die Erzählweise trägt sehr zu dem Feeling bei, dieses Buch zu lesen. Das Buch findet nämlich in mehreren Akten statt. Zwischen den Akten liegen immer viele Jahre. Dadurch merkt man wie jemanden ein Ereignis viele Jahre in Ruhe lassen kann um dann doch nur stärker wieder aufzubrechen. Alles in allem: ein SEHR gutes Buch.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Folgenschwere Schüsse, 7. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Nach dem großartigen "Die Entdeckung des Himmels" hatte ich an allen anderen Mulisch-Büchern etwas auszusetzen. Nicht so bei dem hier.
Die Geschichte beginnt 1945 in Haarlem, Holland, im kalten "Hungerwinter". Anton lebt mit seinem Bruder und seinen Eltern in einer stillen Seitenstraße. Eines Nachts zerreißen Schüsse die Stille, die Mutter läuft ans Fenster und sieht vor dem Nachbarhaus auf der Straße die Leiche des Nazisympathisanten und Polizisten Fake Ploeg. Die Nachbarn kommen aus dem Haus und schleifen den Toten ein Haus weiter. Antons Bruder will die Leiche wegschaffen, doch da kommen die Deutschen, verhaften die ganze Familie unter Verdacht, Ploeg getötet zu haben und brennen das Haus nieder.
Anton wird von seinen Eltern getrennt und erfährt später, dass sie und auch sein Bruder von den Deutschen umgebracht wurden. Er wächst bei seinem Onkel auf, studiert Medizin, wird Anästhesist, heiratet, wird Vater - ein an der Oberfläche völlig normales Leben. Doch tief im Inneren trägt er immer noch die quälende Erinnerung an diese furchtbare Nacht mit sich.
Die Geschichte wird in fünf Episoden zwischen 1945 und 1981 erzählt, in jeder Episode nach dem schrecklichen Vorfall hat Anton eine Begegnung, die die Erinnerung wieder wachruft und ihn zwingt, sich damit auseinanderzusetzen.
Mulisch erzählt nachdenklich, tiefgründig, aber auch sehr plastisch, man sieht die Geschehnisse wie einen Film vor dem inneren Auge ablaufen und macht sich mit Anton selbst so seine Gedanken um Erinnerung, Schuld, Vergangenheit und Zukunft.
Trotz der Zeitsprünge und eingestreuten längeren Gedankengänge ist das Buch sehr flüssig zu lesen und "rund".
Nur das letzte Kapitel konnte ich nicht so gut einordnen, weil ich zuwenig Ahnung von der holländischen Zeitgeschichte habe, mit etwas mehr Hintergrund hätte ich damit wohl noch mehr anfangen können.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Holländern und Deutschen, 24. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Ich habe Harry Mulisch im Jahr 2000 als Festredner im Bonner „Haus der Geschichte" erlebt, als eine Ausstellung über die niederländisch-deutschen Beziehungen eröffnet wurde. Sowohl von seiner Biographie als auch von seinem Werk her war er für diesen Anlass prädestiniert.
Vor allem sein Buch "Das Attentat" ist ein ausgezeichnetes und spannendes Werk. Das Thema Nationalsozialismus bzw. Kollaboration während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen wird am Beispiel eines außerordentlichen Ereignisses und einer Einzelperson aufgezeigt. Vor allem die Narben, die dieses "Attentat" bei den Überlebenden schlägt, beschreibt Mulisch aus der Sicht des Protagonisten in verschiedenen späteren Lebensphasen, in denen dieser immer wieder mit Personen aus dem Zusammenhang dieses Attentates konfrontiert wird und sich ihm so - wie in einem Kriminalroman - langsam die genaueren Umstände und Verflechtungen offenbaren. Die Frage nach Schuld, Sühne und Annehmen der Vergangenheit wird so sehr differenziert und vielschichtig bearbeitet.
Vor allem die neue Ausgabe im Rahmen der SZ-Bibliothek macht dieses lesenswerte Buch zu einem sehr erschwinglichen Ereignis.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Angstschrei, der Urschrei der Menschheit, 9. Januar 2008
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Attentat (Gebundene Ausgabe)
Mulisch, Harry, Das Attentat, 1982, Edition Richarz CWNiemeyer

Ein gutes Buch mit einer Botschaft, die nicht leicht zu entschlüsseln ist.

Die Geschichte spielt zur Zeit der Nazi-Okkupation der Niederlande. Ploeg, ein niederländischer Kollaborateur und zuständig für Harlem, wird von holl. Widerstandskämpfern erschossen. Das Attentat findet vor vier Häusern am Fluss statt, von links nach rechts wohnen darin: 1) das alte Ehepaar Beumert, 2) Steenwijks, deren jüngster Sohn Anton wird der Protagonist des Romans, 3) Herr Kortweg und seine Tochter Karin, 4) die Familie A., über die wenig bekannt ist. Am Schluss wird enthüllt, dass diese Familie im Krieg eine jüdische Familie in ihrem Haus versteckte, die überlebte. Ploeg wird vor Kortwegs Haus erschossen, Herr Kortweg rennt hinaus und schleppt den Leichnam vor Steenwijks Haus, weil er weiß, dass die Nazis an den Bewohnern des Hauses ein Exempel statuieren werden, vor dem der Leichnam gefunden wurde. In der Tat wird die Familie Steenwijk hingerichtet, alle außer Anton, dessen Lebensweg im Folgenden den Inhalt des Romans darstellt, indem er in einem Prolog und 5 Episoden dargestellt wird. In diesen Episoden aus dem Krieg bis 1981 werden jeweils Antons Lebenssituationen und die veränderten politischen Situationen verdeutlicht: Anton studiert Medizin, wird Anästhesist (!), heiratet zunächst Saskia, die Tochter de Graafs, z.Zt. Botschafter in Griechenland und ehemaliger Widerstandskämpfer im Krieg. Er hat eine Tochter, Sandra, mit Saskia, trennt sich dann von Saskia, um ein zweites Mal zu heiraten, hat einen weiteren Sohn: Peter. Sein Leben scheint abgesehen von dem Attentat durchschnittlich und normal zu verlaufen. Auffällig ist aber, dass A. wie im Traum durchs Leben geht. Er hat dumpf das Gefühl, im Griff seiner Vergangenheit zu leben, setzt sich mit ihr aber nicht aktiv auseinander, er wird lediglich häufig von unerklärlichen Angstattacken und Migränen bzw. Schmerzen heimgesucht.
In den Episoden nach dem Krieg wird er jeweils auf eine andere Art mit seiner Vergangenheit konfrontiert, bis sich für den Leser (und für A.) allmählich ein umfassendes Bild vom Attentat und den Motiven aller Beteiligten ergibt.
Fake, der Sohn Ploegs, läuft Anton als Erster über den Weg, er verteidigt seinen Vater, so gut es geht, wichtiger ist die Begegnung mit dem Attentäter Jakes, der z.Zt. der Begegnung ziemlich heruntergekommen ist. Der rechtfertigt seine Tat ebenfalls, obwohl ihn Anton ebenso wenig wie Fake beschuldigt. Die nächste Begegnung ist mit Karin Kortweg, die das Verhalten ihres Vaters erklärt: Er habe zunächst Angst um seine Reptiliensammlung (!) gehabt , so dass er nicht riskieren wollte, von den Deutschen geschnappt zu werden. Zur Familie A. habe er den Leichnam nicht schleppen wollen, weil er wusste, dass diese eine Judenfamilie versteckte. Also ergibt sich für Anton die Ironie des Schicksals, dass seine Familie sterben musste, damit die Judenfamilie gerettet werden konnte. Die ehemaligen Widerstandskämpfer (Jakes, de Graaf) finden sich in neuen politischen Konstellationen wieder, die das Bild verwirren: die einstigen Befreier und Verbündeten, die Amerikaner, sind nun die Feinde (im Zusammenhang mit ihrer Opposition gegen den Vietnamkrieg und in der Abrüstungsbewegung).
Anscheinend will Mulisch auf die schicksalhafte Verstrickung des Menschen in politische Konstellationen hinweisen, die sich sinnlos über den Einzelnen hinwegsetzen, jeder hat jeweils gute Motive, um sein Tun zu rechtfertigen, aber er kommt nicht umhin, anderen perönliches Leid zuzufügen, also weiteres Unrecht zu tun.. Am Schluss sieht man Anton unfreiwillig in Amsterdam in einer Massendemonstration gegen die Aufrüstung in einem immer mehr anschwellenden Menschenstrom mitziehen, abwechselnd trifft und verliert er wieder seine beiden Kinder, aber er hat das Gefühl in diesem Strom Mensch unter Menschen zu sein. Plötzlich fällt ihm die Antwort auf eine Quizfrage nach der Umschreibung des Sonnengottes ein: Ravage - was das englische Wort für Heimsuchung ist. Und aus der Menge steigt wiederholt "ein Angstschrei, der Urschrei der Menschheit, den jeder in sich trug" auf (276).
In den vielfältigen politisch-moralischen Auseinandersetzungen in den Episoden nach dem Krieg werden jeweils neue geschichtliche Konstellationen deutlich, die wiederum zu ähnlichem Leid führen könnten, wie das der Familie Steenwijk, so dass die fatalistische Haltung am Schluss nachvollziehbar ist. Im Übrigen hat Mulisch ein Buch geschrieben, dass sich selbstkritisch mit jeglicher Glorifizierung der holländischen Rolle im Dritten Reich auseinandersetzt. Der Stil ist von Anfang an fesselnd und authentisch, er schreibt schlicht und einfach wie einer, der eine wirklich stattgefundene Begebenheit darstellen muss, um sich Klarheit über deren komplizierten Implikationen zu verschaffen.
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Das Attentat
Das Attentat von Harry Mulisch (Gebundene Ausgabe - 2004)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,07
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