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28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unbequemer Erzähler
Der Autor, Jahrgang 1924, hat die deutsche Okkupation Polens während des Zweiten Weltkrieges selber miterlebt. Vielleicht wirken deshalb viele der vorkommenden Handlungsstränge so authentisch. Der Roman selber spielt im Polen des Jahres 1943. Jedoch führt uns der Autor durch Zeitsprünge in die Zeit vor 1914 bzw. 1968, so dass der Lebenslauf der...
Veröffentlicht am 12. März 2005 von Wolfgang Haan

versus
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hochinteressant, leider am Ende nicht wirklich gelungen und abgerundet....
Die ersten Kapitel waren fantastisch, sehr plastisch und nah am Geschehen, schildert der Autor die Vorkommnisse im Polen unter deutsche Besatzung. Die Handlungsweisen der Menschen sind interessant und der von ihm gewählte Blickwinkel erlaubte zumindest für mich sehr tiefe und neue Einblicke in die damalige Zeit.
Der Sprachstil ist flüssig, leicht...
Veröffentlicht am 23. November 2008 von Janie


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28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unbequemer Erzähler, 12. März 2005
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 (Gebundene Ausgabe)
Der Autor, Jahrgang 1924, hat die deutsche Okkupation Polens während des Zweiten Weltkrieges selber miterlebt. Vielleicht wirken deshalb viele der vorkommenden Handlungsstränge so authentisch. Der Roman selber spielt im Polen des Jahres 1943. Jedoch führt uns der Autor durch Zeitsprünge in die Zeit vor 1914 bzw. 1968, so dass der Lebenslauf der Protagonisten nicht alleine auf das Jahr 1943 beschränkt bleibt.

In knapper Form für die Fülle der gut unterscheidbaren Personen werden die Schicksale von 15 Personen aufgezeigt, die alle in irgendeiner Weise miteinander verbunden sind. Herausragend, da vermutlich das alter ego des Autors, sind hier Pawel Krynski sowie die namensgebende Frau Seidenman, in die Pawel heimlich verliebt ist. Die Erzählstränge, die einzelnen Personen betreffend, laufen in der Mitte des Romans zusammen, als Fr. Seidenman von dem Juden Blutman an die Gestapo verraten wird und sich bisher eher unauffällig verhaltende Menschen, ja sogar ein Deutscher mit Parteiabzeichen, zu einem riskanten Manöver zusammen finden, um Fr. Seidenman zu befreien.

Durch die Vielzahl der Personen im Roman gelingt es dem Autor, die vielen Facetten des Entsetzens, der Erniedrigung, der Willkür und der ständigen Todesgefahr durch das Naziregime darzustellen, ohne plakativ zu werden. Gleichzeitig prangert er auch den Anti-Semitismus der Polen an, der 1968 seinen Höhepunkt fand und im Buch durch die Ausweisung Fr. Seidenmans aus Polen Ausdruck findet.

Gleichzeitig macht es der Autor dem Leser nicht einfach. Dadurch, das selten eine der Personen ausschließlich positiv dargestellt wird, regt er zum Nachdenken an. Desweiteren sieht er die Täter nicht ausschließlich bei den Nazis, sondern auch bei den Polen und sogar bei den Juden. Er vermeidet es sogar bewußt, sich ausschließlich mit der Psyche der Opfer zu beschäftigen. Er malt die Täter nicht schwarz auf schwarz sondern sehr facettenreich und nötigt damit fast den Leser, sich intensiver mit den einzelnen Personen zu beschäftigen, als manchem lieb sein wird.

Stilistisch gesehen ist dieser Roman dem kritischen Realismus zuzuordnen. Der Autor bedient sich eines allwissenden und oft ironischen Erzählers, der die Fäden der Einzelgeschicke in den Händen hält. Die bewegenden Ereignisse führen uns glaubhaft in das Polen der Okkupation sowie der End-sechziger. Stilsicher und kunstvoll fügen sich die Einzelschicksale zu einem Ganzen, dass viele Leser noch lange nach der Lektüre des Romans beschäftigen wird.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vor den Mauern des Ghettos, 1. November 2006
Von 
marielan - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 (Gebundene Ausgabe)
Warschau zur Zeit der Naziherrschaft. Aufgrund ihres Aussehens und ihrer gut gefälschten Papiere auf einen polnischen Namen glaubt niemand, dass die blonde blauäugige Irma Seidenman Jüdin ist. Bis sie eines auf der Straße erkannt und denunziert wird.

Das Buch ist, anders als der Titel vermuten lässt, nicht primär die Geschichte der Irma Seidenman und ihrer Verhaftung. Zwar steht sie im Mittelpunkt, gleichzeitig aber ist das Buch die Geschichte aller, die mit ihr zu tun, an ihrer Verhaftung und Freilassung teilhaben. In Kürzestbiographien erzählt der Autor von ihren Freunden und Verbündeten, von Denunzianten und Nazischergen, von Überzeugten, Mitläufern und Opfern. Die Verknüpfung ihrer Lebensschicksale ist mitunter nur die allerkleinste Verbindung zum Schicksal der Frau Seidenman.

Der Autor vermeidet jede Art der Schuldzuweisung. Manchmal ist die Entscheidung einer Person für oder gegen die Menschlichkeit aus ihrem Lebenslauf zu erklären, manchmal nicht. Eine Kausalität des Verhaltens gibt es nicht, wenn auch das weitere Leben jeweils mitgeprägt ist von der Episode Seidenman.

Über 40 Jahre nach dem Warschauer Ghetto ist das Buch geschrieben worden, und die Schicksale derer, die dorthin verbannt waren, klingen in jeder Seite an und sind ständig präsent, aber inhaltlich beschäftigt sich das Buch mit den Menschen, die das Glück hatten, im anderen Teil Warschaus zu leben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Einblick in den polnischen Patriotismus, 3. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 (Gebundene Ausgabe)
Das Buch bietet sicherlich keine ausgewogene Beschreibung Warschaus in der Zeit der deutschen Okkupation. Vielmehr zeigt es ein guten Querschnitt des polnischen Patriotismus und der Quellen, aus denen er sich speist. Ohne ein gewisses Vorwissen über die polnische Geschichte verliert man sich vielleicht schnell in den vielen Verweisen auf Personen und Orte der polnischen Geschichte. Wenn man das Buch aber vor dem Hintergrund des Zeitpunktes seines Erscheinens liest, als das Ende des Kommunismus in Polen noch keineswegs eine klare Sache war, kann man es wohl auch als Appell an den Widerstandsgeist der Polen verstehen. Katholizismus, Opferkomplex, Speerspitze des Abendlandes, Christus der Nationen - wer wissen will, wie manche Polen ganz tief drinnen ticken, dem ist die Lektüre zu empfehlen. Eine spannende Geschichte im Warschau unter den Nazis sollte man sich nicht erwarten.
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5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk der Moderne, 9. Juni 2009
Von 
Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 (Gebundene Ausgabe)
Knapp ein Vierteljahrhundert nach seinem Erscheinen hat "Die schöne Frau Seidenmann" nichts von seiner Frische verloren; die Konzeption des Werkes überzeugt heute mehr denn je.
Die Haupthandlung spielt in Warschau zur Zeit der deutschen Besetzung 1942/43; es gibt aber immer wieder Rückblenden (z.T. bis in jene Zeit zurück, als Polen noch zwischen den 3 Großmächten Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt war) bzw. Blicke in die Zukunft (Polen als kommunistischer Staat).
In 21 Kapiteln wird das Schicksal von diversen Figuren (der Schneider Kujawski; Pawel Krynski; Henryk Fichtelbaum, Schwester Weronika usw.) mehr oder weniger lose miteinander verknüpft. Im Mittelpunkt des Romans steht allerdings Irma Seidenmann, die Witwe eines Röntgenologen, die verzweifelt versucht, die Judenverfolgung der Nazis zu überleben...
Es gibt Täter und Opfer (auf beiden Seiten); manche Menschen beweisen Charakter, andere wieder nicht; manche machen sich schuldig, manche nicht: es geht in dieser Ausnahmesituation wie im wirklichen Leben zu (natürlich um einige Potenzen gesteigert!)
Kein Wunder, dass dieses Buch bereits bei der 1. Runde der SZ-Bibliothek dabei war - das Meisterwerk hat es wahrlich verdient!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hochinteressant, leider am Ende nicht wirklich gelungen und abgerundet...., 23. November 2008
Von 
Janie (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 (Gebundene Ausgabe)
Die ersten Kapitel waren fantastisch, sehr plastisch und nah am Geschehen, schildert der Autor die Vorkommnisse im Polen unter deutsche Besatzung. Die Handlungsweisen der Menschen sind interessant und der von ihm gewählte Blickwinkel erlaubte zumindest für mich sehr tiefe und neue Einblicke in die damalige Zeit.
Der Sprachstil ist flüssig, leicht verständlich und durchaus angenehm. Sehr klare Formulierungen und keinerlei Hang zu Ausschweifungen reduzieren hier den Blick angenehm auf das Wesentliche.
Leider wurde dieser so positive Eindruck für mich durch die letzten 5 Kapitel zerstört, hier wird erklärt, sich in Erläuterungen verstrickt, die Langeweile machte sich breit und das Unverständnis ebenfalls.
Am Ende bleibt man als Leser ein wenig ratlos zurück, welche Aussage des Buches, denn nun die gewollte ist.

Dennoch ein interessantes und wichtiges Buch und durchaus lesbar und lesenswert!
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13 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Süßlich und bieder, 4. August 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 (Gebundene Ausgabe)
Eine interessante Story, dachte ich - dann wurde leider klar, daß „Die schöne Frau Seidenman" kaum eine ernstzunehmende Schilderung des Lebens in Warschau unter der deutschen Okkupation ist, sondern vor allem ein Gemisch aus Kitsch, polnischem Patriotismus und Katholizismus. Manchmal mochte ich kaum glauben, daß dieser Roman von 1986 stammt.
Man lese nur einmal die Schilderung des Werdegangs von Dr. Korda aus dem Nichts zum Doktor der Philosophie (!!!): „Erst später kam er auf die Beine, lebte aber stets in Armut, stolz und einsam, Sohn landloser Knechte, der sich durch eigene Kraft, Entschiedenheit und Charakterstärke (...) hinaufgearbeitet hatte. Er verdankte alles sich selbst und brauchte nichts von der Welt" und so weiter. Abgeschmackter und hohler geht es nun wirklich nicht mehr. Frau Seidenmans Werdegang ist ähnlich, sie ist nicht bloß schön, blond und großgewachsen, sondern hat sich, allein durch das Ordnen des Nachlasses ihres Mannes, Fachkenntnisse in Röntgenologie erarbeitet! Offenbar gehört sie auch zur „Elite der Nation": „gebildet, belesen, frei, stolz und höflich, vor allem aber sehr feinfühlig, klug und schön, sogar in ihrer unangenehmen Armut, sogar wenn sie die letzten Nippes verkauften, eine silberne Obstschale oder ein altes Buch." Ja, das muß wirklich schlimm für die feinfühlige Elite sein - so ganz ohne silberne Obstschale weiterzuleben! Andere Figuren dagegen müssen zwar sterben, aber selbst das ist meist freundlich weichgespült: „Jetzt kann ich sterben", sagt der 18jährige, nachdem er zum ersten Mal Sex hatte, und geht freiwillig ins Ghetto zurück; der Anwalt Fichtelbaum wird von den Nazis aufgespürt und blickt in die Gewehrmündung, dann blendet die Szene gnädig über in eine Vision; der Schneider Kujawski schließlich wird unschuldig an einer Hauswand erschossen, aber er stirbt „würdevoll und schön" und „seiner Seele widerfuhr die Freude, Gott zu begegnen, aber auch der Seele Benjamin Mitelmans und den Seelen der freundlichen und würdigen Personen, die er (...) unterstützt hatte" - ja wenn das so ist!! Wie ultrakatholisch kann man eigentlich sein? Wie soll man diesen wahrlich allwissenden Erzähler noch ernstnehmen können? Und wie soll man ihn nennen - naiv oder verlogen?
Überhaupt hatte die Tatsache, daß Szczypiorski die Einzelschicksale der Figuren noch bis zu ihrem Ende weiterführt, für mich etwas Märchenonkelhaftes und rief mir immer wieder das Fiktive des Ganzen in Erinnerung. Aber das ist Geschmackssache, der SZ-Rezensent fand es einen genialen Einfall...
Auch der polnische Patriotismus ging mir auf die Nerven - die Figuren scheinen laufend damit beschäftigt zu sein, die Namen ihrer sämtlichen Nationalhelden herunterzubeten (dankenswerterweise ist ein Anhang beigefügt) und das Schicksal Polens durch die Jahrhunderte zu bejammern - ist es doch „der Mittelpunkt der Erde, die Achse des Weltalls"!
Die Sprache ist vorhersehbar, wenn nicht klischeehaft (der Bösewicht erbleichen plötzlich, die ehrbare Dame lehnt sich schwer atmend gegen den Türrahmen, als sie verbotene erotische Gefühle verspürt). Handwerk, keine Weltliteratur, und ganz sicher kein „Muß".
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Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41
Die schöne Frau Seidenman. SZ-Bibliothek Band 41 von Klaus Staemmler (Gebundene Ausgabe - 25. Dezember 2004)
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