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46 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiger und trotz der gemächlichen Schilderungen spannender Roman.
Ich verstehe, dass viele Leser diesen Roman langatmig und langweilig finden. Es hängt wohl davon ab, ob die Liebe zum Roman trotz der raumgreifenden und zeittrotzenden Schilderungen erhalten bleibt: bei mir blieb sie erhalten. Ich stelle mir aber den Zeitgeist der heutigen Schulklassen vor und kann gut nachfühlen, dass die Geschichte dort bei vielen nicht gut...
Veröffentlicht am 7. August 2007 von sonnenblumensammler

versus
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vorsicht: Mogelpackung
Leider sind auf der CD nur Auszüge aus den beiden Büchern vorhanden. Es wäre schön, wenn Amazon in der Produktbeschreibung darauf aufmerksam machen würde.
Vor 8 Monaten von Golfo veröffentlicht


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46 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiger und trotz der gemächlichen Schilderungen spannender Roman., 7. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde: Roman (Taschenbuch)
Ich verstehe, dass viele Leser diesen Roman langatmig und langweilig finden. Es hängt wohl davon ab, ob die Liebe zum Roman trotz der raumgreifenden und zeittrotzenden Schilderungen erhalten bleibt: bei mir blieb sie erhalten. Ich stelle mir aber den Zeitgeist der heutigen Schulklassen vor und kann gut nachfühlen, dass die Geschichte dort bei vielen nicht gut wegkommt. Bei mir sieht die Paperback-Ausgabe nach dem Lesen nicht mehr gut aus: Ergebnis von 6-wöchigem vielfachem Herumtragen, Einpacken, Herausnehmen, auch Nassregnen.

Ein Thema dieser Geschichte ist die Malerei: spontan hat mich auch die Art des Erzählens und Beschreibens ans Malen erinnert: Lenz lässt sich viel Zeit: mit ein paar Pinselstrichen skizziert er die Stimmung, durch zaghaft und langsam aufgetragene Farben füllt er die Handlung mit Leben, es kann schon ein paar Seiten dauern, bis das Bild fertig ist.

In Rückblenden reflektiert ein Jugendlicher seine Kindheit und das Verhältnis zu seiner Familie mit einer Ausdauer, Detailtreue und Einfühlsamkeit, dass ich den Roman spontan ins Herz geschlossen habe. Sehr betroffen hat mich der im Elternhause Jepsen herrschende Ton gemacht: hier fehlen Liebe und Verständnis völlig. Darüber hinaus kommt es einer gemeinen Vergewaltigung des Kindes Siggi gleich, dass er von der Eltern als Horchposten und Helfershelfer missbraucht wird. Für den Vater soll Siggi den Maler ausspionieren, mit dem er befreundet ist. Seine Mutter benutzt ihn, um die Sachen des von den Eltern gehaßten (aber von Siggi geliebten) Schwiegersohnes zu packen, als dieser aus dem Haus gewiesen wird. Zwischen den Eltern und der Zuneigung zum Maler zerrieben und verwirrt entwickelt er Ängste und kleptomanische Neigungen, die ihn schließlich in die Besserungsanstalt bringen.

Dass die Eltern in ihrer Sturheit derart aufgehen (hier mit dem Wort Pflicht verwechselt) zeugt von übergroßem Haß gegen alles und jeden. Aber so geht es allen drei Kindern: Klaas muß fürchten, von seinen Eltern an die Kriegsgerichtsbarkeit ausgeliefert zu werden, Siggi wird zwischen den Familienfronten zerrieben, Hilkes Freund wird aus dem Hause verwiesen, da der den Vorstellungen von einem Schwiegersohn nicht entspricht. Die Eltern haben alle ihre Kinder verraten. Somit ist die Freude an der Pflicht nur ein Synonym für die kalte, gefühlsstarre Welt des Hauses Jepsen. Und so gleitet Siggis Stimmung von Melancholie beim Betrachten des Eises auf dem Fluß bis zu tiefer Traurigkeit bei den Rückblenden zur Kindheit in Rugbüll.

Während ich die Kapitel des Romans las, hatte ich schon die Stimmen meiner ehemaligen Deutschlehrer und -lehrerinnen im Ohr: Widerstandskampf, NS-Zeit, Wertung des Romans im Kontext der damaligen Zeit. So ein Quatsch. Ist dieser Roman nicht gänzlich unpolitisch? Da ist ein Mensch, der malt und ein anderer, der sich hinter dümmlich starrer Pflichterfüllung versteckt und hier seine Bestimmung zu finden glaubt. Am Anfang sind es immer Menschen, die den Ton vorgeben, bevor dann andere hinterhertrotten. Denn es lohnt sich für sie: trotz seiner relativ unbedeutenden Landpolizisten-Autorität kann er sich auf, ja über das Niveau des Malers erheben.

Fazit: ein toller Roman voller Gefühl, trauriger Erinnerungen und vielfältiger Nordseestimmungen.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der (zeitlichen) Distanz gelesen: ...,, 26. Februar 2006
Von 
Amazon Kundenrezensionen "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28 (Gebundene Ausgabe)
...immer noch ein großartiger Roman!
Es ist ein interessantes Gefühl, wenn man sich einen Roman, der vor Jahrzehnten (konkret:1968) erschienen ist und damals ein Riesenerfolg war, nach einer längeren Zeit wieder einmal "zu Gemüte führt". Da die Spannung auf den Ausgang ja wegfällt, kann man sich auf andere Sachen konzentrieren. Ergebnis: viele neue Einsichten - wobei die wohl wichtigste diejenige ist, dass das Buch nichts von seiner Qualität eingebüßt hat.
1968, im Jahr der Studentenrevolte, erschien das Werk. Zufall? Oder war Siegfried Lenz fast hellseherisch "voll am Puls der Zeit", als er gerade in diesem Jahr die Figur des Siggi Jepsen, der die Sünden seines Vaters büßen will und muss, der Öffentlichkeit vorstellte?
Die Handlung ist wahrscheinlich den meisten literarisch Interessierten bekannt: Siggi sitzt in einer Jugendstrafanstalt und soll einen Aufsatz über die "Freuden der Pflicht" schreiben. Zu viel fällt ihm ein, sodass er ein leeres Heft abgibt. Folge: Er muss den Aufsatz noch einmal schreiben - und die Sache gewinnt eine Eigendynamik. Siggi schreibt sich in monatelanger Arbeit seinen Frust über die Auseinandersetzung zwischen seinem Vater, "dem nördlichsten Polizeiposten von Deutschland", und dem Maler Max Nansen, der von den Nazis ein Malverbot bekommen hatte, das Siggis Vater überwachen sollte, von der Seele. Unter dieser Vaterfigur leidet Siggi, rund 10 Jahre nach dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern, immer noch; ebenso leiden sein Bruder Klaas und seine Schwestwe Hilke. Alle drei sind Kinder von Eltern, die im Nationalsozialismus "nur ihre Pflicht taten" - und das Ergebnis geriet (im Privaten wie im Öffentlichen) zur Katastrophe.
Die Sprache wirkt heute noch frisch und modern; die formale Gliederung in 20 Kapitel mit dem Erzähler Siggi überzeugend.
Interessantes Detail am Rande: Siegfried Lenz, der 2006 seinen 80. Geburtstag feiert(e), erhielt nach dem Erschienen des Buchers Briefe von Lesern, die das Schicksal von Siggi Jepsen, das zum Schluss offen geblieben war, weitergesponnen haben. Mehr kann man sich als Autor eigentlich nicht wünschen, oder?
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vater und Sohn, 20. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde: Roman (Taschenbuch)
In einer Besserungsanstalt einen Aufsatz über die Pflicht zu schreiben, ist schon ein Anachronismus in sich. Kein Wunder, dass Siggi Jepsen angesichts seiner Kindheit daran scheitert. Er muss sich einer Vergangenheit stellen, in der die Pflicht eine deutsche Tugend, in der das Land dem Nationalsozialismus verfallen war. Ausgerechnet sein Vater ist Ausdruck dieses Pflichtgefühls schlechthin, in dem er das Malverbot für einen expressionistischen Maler überwacht. Wie die Nationalsozialisten ein Land abseits ihrer Parteigänger hat überwachen können, wird in dieser eindringlichen Geschichte geschildert. Die Menschen funktionieren über Freundschaftsgrenzen hinweg, fühlen sich berufen, Anordnungen durchzusetzen, zu gehorchen. Doch Siegfried Lenz erschafft auch ein Stück Widerstand in der Figur des Jungen, der sich dem Vater in seiner blinden Pflichterfüllung widersetzt, indem er dem Maler hilft, seine Bilder zu verstecken. Dass Verblendung häufig in Starrsinn übergeht, zeigt Lenz in dem Verhalten des Vaters nach dem Krieg, indem er keinen Zweifel zulässt, weiterhin glaubt, seine Pflicht erfüllen zu müssen, indem er die versteckten Bilder in Brand setzt. Siegfried Lenz ist mit der Deutschstunde sowohl gelungen, seine Leser einen Einblick in den nationalsozialistischen Alltag zu geben, als auch die Frage aufzuwerfen, wie hätte man selbst reagiert, neigt man nicht selber dazu, sich hinter dem aufgetragenen Notwendigen zu verstecken. Dass ausgerechnet Siggi Jepsen, der zu helfen versucht hat, in der Besserungsanstalt landet, ist an Hohn kaum zu überbieten. Siegfried Lenz kennt sein Land, die Menschen darin. Ihnen beim Leben zuzusehen, kann manchmal erschrecken. Nach dem Fall des Dritten Reiches haben viele behauptet, sie hätten nichts von Gräueln gewusst. Sie hätten nur Befehle ausgeführt. Wie ein solches Leben im Kleinen, in der Nachstellung, in der Unterdrückung aussieht, das alles formt der Autor zu einer mitreißenden Geschichte.
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41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heute Europa morgen die ganze Welt übermorgen Katerstimmung, 25. September 2004
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28 (Gebundene Ausgabe)
Es lohnt sich allein schon wegen des Umgangs mit der deutschen Sprache diesen Roman zu lesen. Das Lesen macht Spaß! Lenz widmet sich zwar dem Thema über das wirklich schon alles gesagt wurde, aber er formuliert es zumindest sehr gut. Wieder mal geht es um die Zeit des Nationalsozialismus. Genauer gesagt um die Zeit danach und die Verarbeitung dieser folgenschweren 12 Jahre. Ehemalige überzeugte Nationalsozialisten wollten nach 1945 natürlich damals nie dabei gewesen sein. Alle waren nur Opfer. „Die Freuden der Pflicht" ist das Thema einer Strafarbeit, die die Hauptfigur des Romans in einer Schule im Nachkriegs-Hamburg schreiben soll. Das könnte auch der Titel des Romans sein. Lenz beleuchtet das deutsche Wesen, mit seiner Autoritätshörigkeit, Treue, Disziplin, Fleiß, Altruismus und seiner Opferbereitschaft. All die Eigenschaften, die Deutschland groß gemacht haben und dann im Dritten Reich für Hitlers Ziele instrumentalisiert wurden und für Jahrzehnte nur noch negativ besetzt waren. 1968 als dieser Roman erschien wurde die Vergangenheit im großen Stil aufgearbeitet.
„Deutschstunde" hat bis heute nichts an Wichtigkeit verloren.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vorsicht: Mogelpackung, 15. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Leider sind auf der CD nur Auszüge aus den beiden Büchern vorhanden. Es wäre schön, wenn Amazon in der Produktbeschreibung darauf aufmerksam machen würde.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über "die Freuden der Pflicht", 24. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28 (Gebundene Ausgabe)
Mein Weg zu diesem Buch war recht einfach. Meinungsmache! In der Liste der Süddeutschen Zeitung und unter den 50 beliebtesten Büchern der Deutschen, war ich auch ohne Vorwissen zum Kauf bereit und habe mich überraschen lassen.
Siegfried Lenz stellt seine Hauptfigur Siggi Jepsen in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche auf. Siggi soll auf der Anstaltsinsel im Rahmen der Deutschstunde einen Aufsatz für die Freuden der Pflicht abfassen. Keiner kann ahnen, dass dieses Aufsatz-Thema in Siggi eine Flut von Erinnerungen zum Vorschein bringt, eine derartige Flut, dass er den Aufsatz in der Deutschstunde nicht zu Papier bekommt. Sein leeres Blatt wird als Missachtung der Anweisungen gedeutet und Siggi wird mit den notwendigen Utensilien ausgestattet in ein Einzelzimmer gesteckt. Hier soll er sich mit seinen Pflichten gegenüber dem Deutschlehrer Korbjuhn und den Freuden der Pflichten auseinandersetzen. Er bekommt die Versicherung, dass er sich ruhig die erforderliche Zeit für die Arbeit nehmen könne. Diese Aktion bringt Siggi, der ja das Ende seiner Strafarbeit selbst bestimmen darf, in ein mehrmonatiges Exil... Er allein mit seinen Erinnerungen an die Zeit um 1943; an den Vater, den Polizeiposten Rugbüll. Sein Vater, Jens Ole Jepsen, dessen Pflicht es unter dem Nazi-Regime war, ein Malverbot durchzusetzen und zu überwachen. Ein Malverbot gegen Max Ludwig Nansen, ein Mann der Jens Ole Jepsen in anderen Zeiten einmal das Leben gerettet hat.
Siggi beschreibt die Freuden der Pflicht sehr eindrucksvoll anhand der Besessenheit seines Vaters, der Pflicht genüge zu tun. Ein seltsamer Reigen entspinnt sich da. Die Familie Jepsen und die Kommune der Nansens. Die Kinder von Jens Ole Jepsen haben allesamt einen engen Kontakt zu dem Maler Nansen und er wirkt, wenn auch teilweise verschroben, viel eher wie eine väterliche Figur. Jepsen Senior und seine Frau sind überaus kalt angelegt und strahlen keinerlei familiäre Zuneigung aus. Einzig die Erfüllung der Pflicht scheint ihnen ein erstrebenswertes und lohnenswertes Ziel zu sein, wie viel Menschlichkeit dabei auf der Strecke bleibt, scheint unbedeutend. Nansen hingegen ist rebellisch, widersetzt sich dem Malverbot, lebt seine Leidenschaft...er ist das Feuer und Jepsen das Eis. Irgendwo, ganz nahe am Watt findet ein kleiner Krieg statt, zwischen zwei Menschen die ohne die Pflicht fast so etwas wie Freunde waren. Selbst als der 2. Weltkrieg sich dem Ende neigt, selbst als er definitiv zu Ende ist, kann der Polizeiposten Rugbüll seine Pflicht nicht vergessen, zu sehr fühlt er sich seiner Aufgabe beraubt und in seiner Autorität untergraben. Der irrwitzige Kleinkrieg nimmt kein Ende.
Erst spät im Buch erfährt man, warum Siggi ‚einsitzt' und wie es für ihn so ungünstig gekommen ist. Und am Ende stellte ich mir die Frage, ob Siggi in der Suche nach Antworten wirklich weiter gekommen ist. Ob all die Aufarbeitung ihm wirklich etwas geholfen hat, ob er letztlich vielleicht gar nicht auf der Suche nach Antworten war.
Interessant fand ich die Worte, die Siggi bei seiner Einlieferung für die Horde Psychologen übrig hatte. Zitat: „Ich bin stellvertretend hier für meinen Alten (...) Vielleicht sind sogar alle Jungen stellvertretend für irgend jemand hier. (...) Weil man sich nicht selbst verurteilen möchte, schickt man andere hierher: die Jungen. Das gibt zumindest Erleichterung. Das befreit. Es ist einfach: das schlechte Gewissen wird auf eine Barkasse gebracht, hier herübergefahren, und dann kann man wieder mit Genuß frühstücken und abends seinen Grog schlürfen."
Auch wenn Lenz das Buch 1968 geschrieben hat. Es trifft auch heute noch den Nagel auf den Kopf.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine Deutschstunde, 17. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28 (Gebundene Ausgabe)
Ich gebe es umunwunden zu : ich kaufte dieses Buch weder, weil ich schon die ersten 27 Bände der SZ-Reihe gelesen hatte und es nun an der Reihe war, noch weil mich das Oevre von Siegfried Lenz schon immer interressiert hatte - ich kaufte es schlicht deshalb, weil ich nach einigen "schundigen" Büchern wieder mal was Anspruchsvolles lesen wollte, und mir die knapp 5 Euro in die knapp 500 Seiten gut investiert schienen.
Nun, "die Deutschstunde" hat wirklich viel von dem, was eine gute Erzählung ausmacht. Zuvorderst fällt die unglaubliche Sprachgewalt auf, mit der Lenz die Geschichte aus der Perspektive des Siggi Jepsen erzählt - zu großen Teilen als 12-jähriger im Nazideutschland und zu einem kleineren Teil als Jugendlicher nach dem Krieg. Die Sprache ist so bildhaft und intensiv, dass man sich beim Lesen schon fast in einem Kinofilm wähnt.
Als besonders einsdruckvoll sind mir die Schilderungen der Langsamkeit seines Vaters, des Polizeipostens Rugbüll in Erinnerung geblieben und die Beschreibungen der abstrakten Bilder des Malers.
Inhaltlich dreht sich der Roman um das Thema "Opportunismus und Zivilcourage im Dritten Reich" - ein Sujet, das auch 60 Jahre danach noch extrem spannend und vielschichtig ist.
Trotz dieser Pluspunkte wollte sich bei mir der Lesegenuss aber nur phasenweise einstellen. Während sich die schöne Sprache und das Thema im Laufe des Buches fortlaufend abnutzen, bleibt die Handlung langsam und träge - vielleicht bin ich ja wirklich ein kleiner Banause, aber das Buch war mir definitv zu lang.
Trotzdem, wieder mal ein schönes Gefühl, ein "gutes" Buch gelesen zu haben - mein nächstes (viertes) Buch aus der SZ-Reihe wird dann aber wieder etwas dünner werden :-)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man muss Siegfried Lenz schon mögen ..., 14. Januar 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde. Roman. (Taschenbuch)
... sonst verliert man sich womöglich bei dem teilweise doch recht gemächlichen Erzähltempo in den "maulwurfsgrauen Gräben entlang zum Deich". Aber mag man ihn und hat einen erst einmal das norddeutsche Flair der Geschichte gefangengenommen, dann ist es gut möglich, dass einen während der knapp 500 Seiten des Romans das Bild des Dorfpolizisten Jens Ole Jepsen nicht mehr loslässt, wie er auf seinem Fahrrad "mit prallem, geblähtem und fast explodierendem Umhang" auf dem Kamm des Deichs entlangfährt, auf dem Weg zu den "Freuden der Pflicht". Mir ist es jedenfalls so gegangen, und selbst jetzt noch - immerhin einige Wochen nachdem ich das Buch gelesen habe - erscheint dieses Bild immer wieder vor meinem geistigen Auge: ein wolkig-grauer Hintergrund, davor der wulstige Deichkamm und darauf die dunkle Gestalt des Dorfpolizisten mit windgeblähtem Umhang. Für mich ist dieses Bild symbolhaft für die Geschichte und überhaupt für den dargestellten Pflichterfüllungstyp: Und wenn die Widerstände noch so groß sind und die Vernunft einen eigentlich umkehren lassen müsste - nicht nachdenken, sondern Augen zu und durch. Ganz zwangsläufig ergeben sich dann auch die Konflikte zwischen dem Pflichterfüller und dessen Sohn Siggi, dem Ich-Erzähler der Geschichte.
(Darüber hinausgehende Inhaltsangaben erspare ich mir, da diese ohnehin reichlich vorhanden sind.)

==> Ich vergebe fünf Sterne, wenn ich in eine Geschichte so hineingezogen werde, dass ich sie wie eine der Figuren darin miterleben kann.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer norddeutscher Roman, 11. März 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde (Pappbilderbuch)
Lenz erzählt die Geschichte von Siggi Jepsen, der als Strafarbeit einen Aufsatz über "die Freuden der Pflicht" schreiben soll. In diesem Aufsatz beschreibt Siggi seine Jugend in Nordfriesland. Sein Vater ist der pflichtbesessene Polizist des nördlichsten Polizeipostens Deutschlands. Als solcher muß er das Malverbot gegen seinen Jugendfreund Max Nansen (Nolde) überwachen. Der Romen beschreibt eindrucksvoll den Konflikt zwischen Dissident und Werkzeug der Politik während der Hitlerdiktatur, zwischen Freundschaft und Pflichtbewustsein, zwischen Vater und Sohn, zwischen Vernunft und Befehl.
Lenz schreibt in einem Stil, der wie die norddeutsche Nordseeküste ist. Hart, klar, gerade heraus. Man spürt dem Wind, man riecht das Salz und den Tang beim lesen.
Der Roman ist übrigens als Fernsehfilm sehr gut verfilmt worden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker durch und durch, 6. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch gehört zweifelsohne zu den ganz großen Büchern unserer Zeit. Und Siegfried Lenz zu den ganz großen Autoren unserer Zeit.

Lenz erzählt in „Deutschstunde“ die Geschichte des Jungen Siggi Jepsen und bedient sich dabei einer Binnen- und einer Rahmenhandlung.

In der Rahmenhandlung sitzt 21-jährige Siggi in einer Strafanstalt für Jugendliche und soll einen Aufsatz zum Thema „Die Freuden der Pflicht schreiben“. In der Deutschstunde schafft er diese Aufgabe allerdings nicht, weil ihm so viel einfällt, dass er nicht weiß, worüber er schreiben und wo er damit anfangen soll.

Zur Strafe wird Siggi Jepsen in eine Art Gefängniszelle gesperrt, um seinen Aufsatz zu schreiben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beginnt Siggi dann wie ein Besessener die Geschichte seiner Familie aufzuschreiben.

Diese beginnt zum Anfang des 2. Weltkriegs. Sein Vater Jens Ole Jepsen ist der Polizeiposten der Außenstelle Rugbüll, einem kleinen Örtchen irgendwo an der Ostsee. Er soll im Zuge der Entartung von Kunst die künstlerischen Tätigkeiten des im Ort ansässigen Malers Max Ludwig Nansen überwachen. Der Vater steigert sich dabei zu einer geradezu fanatischen Pflichterfüllung, und das, obwohl Nansen und er seit frühester Kindheit eng verbunden waren.

Gleichzeitig schickt er seinen Sohn Siggi, für den Nansen so etwas wie ein zweiter Vater ist, zum Spionieren zu dem Maler. Siggi zerreißt es förmlich unter dem Druck, auf der einen Seite dem Freund treu zu bleiben und auf der anderen Seite dem Vater zu helfen.

Dabei entwickelt er geradezu eine Paranoia vor seinem Vater und sieht vor seinem geistigen Auge immer wieder Bilder brennen. Dadurch steigert er sich in den Wahn, dass er alle Bücher Nansens retten muss, um am Ende dann selber in einer Strafanstalt zu enden, die dann die Binnen- und Rahmenhandlung (die durchaus auch eine wichtige Rolle spielt, weil sie viel über Siggis Charakter offenbart) vereint.

Diese Darstellung des Inhalts ist allerdings geradezu respektlos verkürzt, da es bei Lenz kaum einen Satz gibt, der nicht eine ganz eigene Geschichte erzählt. Die Familienverhältnisse und –tragödien in der Familie Jepsen werden sehr genau beleuchtet, diese absolut grauenhafte Mutter, der verstoßenen Bruder, alle werden genauestens analysiert. Auch die Dorfbewohner bekommen ihre Plattform, Lenz zeichnet ein sehr genaues Bild einer ganzen Dorfgesellschaft, die alle in ihrem reinen „Pflichtgefühl“ gebunden und verloren sind.

Alle Personen in diesem Buch verlieren oder verleugnen ihre Identität aus einem „Pflichtgefühl“ heraus, das „Pflichtgefühl“ zerstört Familien und Freundschaften.

Und diesen Erkenntnisweg, den begeht der junge Siggi Jepsen, dessen Kindheit von nichts so sehr geprägt war wie von der Pflicht, in seiner ganz eigenen Deutschstunde. Allerdings wird diese Deutschstunde in der Rahmenhandlung zu ganzen Deutsch- Monaten.

Natürlich lässt der Titel aber auch noch andere Rückschlüsse zu: eine Unterrichtsstunde, in der vom Deutsch sein erzählt wird, beispielsweise.

In dem 1968 erstmals erschienenen Roman spielt mutmaßlich viel Bitterkeit über die jüngste Vergangenheit hinein, aber Lenz schafft es, diese komplett auszublenden und in ganz feiner, behutsamer Art und Weise über grausamste Verhältnisse zu berichten. Besonders die Sprache, für die Lenz vielfach ausgezeichnet wurde, sei hier an dieser Stelle nochmal erwähnt. Es gibt wirklich kein Wort, keinen Halbsatz, der keinen Sinn hätte. Die Sprache ist so auf den Punkt, so ausgeklüngelt, dass es für den Leser wirklich faszinierend ist, sich nicht nur oberflächlich, sondern auch tiefergehend mit dem Roman zu beschäftigen.

Eines der ganz großen Bücher seiner Zeit und seines Themas.
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Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28
Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28 von Siegfried Lenz (Gebundene Ausgabe - 2004)
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