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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Buch für nebenbei
Handke Peter
Die Angst des Torwarts beim Elfmeter Erzählung
Süddeutsche Zeitung Bibliothek, 20004, 106 Seiten
Nur weil der Polier vom Essen aufschaut, glaubt Josef Bloch, früher ein bekannter Torwart, sich entlassen und verlässt seine Arbeitsstelle. Ziellos wandert er durch Wien, nächtigt in einem Hotel und besucht ein Kino, dessen...
Veröffentlicht am 19. August 2004 von Rolf Kamradek

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Angst des Tormanns vor sich selbst
Peter Handkes Erzählung 'Die Angst des Tormanns beim Elfmeter', die er 1969 verfasste, beschäftigt sich mit dem Monteur und ehemaligen Torwart Josef Bloch, der nach dem Mord an einer Kassiererin in einen Grenzort flüchtet. Die Geschichte beginnt damit, dass Bloch glaubt, ihm wurde gekündigt. Daraufhin flaniert er ziellos durch Wien, lässt sich auf...
Veröffentlicht am 6. Juli 2010 von Marcel G.


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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Buch für nebenbei, 19. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Handke Peter
Die Angst des Torwarts beim Elfmeter Erzählung
Süddeutsche Zeitung Bibliothek, 20004, 106 Seiten
Nur weil der Polier vom Essen aufschaut, glaubt Josef Bloch, früher ein bekannter Torwart, sich entlassen und verlässt seine Arbeitsstelle. Ziellos wandert er durch Wien, nächtigt in einem Hotel und besucht ein Kino, dessen Kassiererin er nach einer Liebesnacht erwürgt. Mit dem Bus fährt er in einen Ort an der Grenze, führt Gespräche mit einer ehemaligen Freundin, mit zahlreichen Dorfbewohnern, prügelt sich grundlos und entdeckt die Leiche eines ertrunkenen, taubstummen Jungen, ohne es zu melden. In der Zeitung liest er seinen eigenen Steckbrief und beobachtet abschließend einen Torwart, der einen Strafstoß hält, indem er einfach stehen bleibt. Soweit der Inhalt.
Im Ablauf des Romans treten bei Bloch immer häufiger Wahrnehmungsstörungen auf. Er ist dann unfähig Gegenstände, seinen eigenen Körper, Personen, deren Aussagen oder zeitliche Abläufe als Ganzes zu sehen und ihre Bedeutung zu erfassen. Er fixiert sich vielmehr auf deren Einzelteile, aus denen er wieder eine anders geartetes, stets auf ihn selbst bezogenes Ganzes entwickelt, das aber nicht mehr der ursprünglichen Bedeutung entspricht. (Medizinisch gesehen macht er also nicht nachvollziehbare Gedankensprünge - ein Leitsymptom der Schizophrenie). Aus jeder Einzelheit seiner von Handke akribisch geschilderten Umgebung, etwa aus Handbewegungen einer Person oder der Anordnung auf dem Tisch liegender Kekse, konstruiert Bloch qualvolle Anspielungen auf seine Person oder ihm gestellte Fallen. Sie lösen Gefühle in ihm aus und zwingen ihn zu für andere nicht nachvollziehbaren Handlungen. Umgekehrt bemängelt er, dass andere Menschen ihn nicht verstehen und seine kompliziert gedachten Aussagen nur einfach wörtlich nehmen. Zuletzt denkt er zeitweilig in Bildern. Schon früher, als Tormann, war er bei dem aussichtslosen Versuch gescheitert die Gedanken des Elfmeterschützen zu erfassen.
Kein Buch für nebenbei. Ein interessanter, literarischer Versuch, die nichtnachvollziehbare Gedankenwelt des Schizophrenen nachzuvollziehen. Kurze Sätze erleichtern das Nachdenken, die Beschränkung auf 106 Seiten verhindert bei geringem Handlungsumfang das Aufkommen von Langeweile, wie auch der gekonnte Einsatz der Stilmittel für Abwechslung sorgt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Angst des Tormanns vor sich selbst, 6. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Peter Handkes Erzählung 'Die Angst des Tormanns beim Elfmeter', die er 1969 verfasste, beschäftigt sich mit dem Monteur und ehemaligen Torwart Josef Bloch, der nach dem Mord an einer Kassiererin in einen Grenzort flüchtet. Die Geschichte beginnt damit, dass Bloch glaubt, ihm wurde gekündigt. Daraufhin flaniert er ziellos durch Wien, lässt sich auf Schlägereien ein und erwürgt schließlich die Kino-Kassiererin Gerda, nachdem er mit ihr die Nacht verbracht hat. Anschließend begibt er sich mit dem Bus zu einer Bekannten, die in einem Grenzort lebt. Dort irrt er weiterhin umher, während er immer wieder wie unbeteiligt in der Zeitung wahrnimmt, dass die Polizei auf seiner Spur ist. Die Erzählung endet mit einem Elfmeter bei einem Fußballspiel, kurz vor Blochs Verhaftung.
Der Erzähler berichtet zwar in der dritten Person, jedoch aus Blochs Perspektive. Die Umwelt wird von Bloch extrem detailliert wahrgenommen und auch interpretiert. Bloch versucht, völlig unspektakuläre Ereignisse in seiner Umgebung zu analysieren und auf sich zu übertragen. Dabei gerät er im Laufe der Geschichte immer mehr in einen wahnartigen Zustand. Die Absichten der Hauptperson sind dabei nicht ersichtlich. Man fragt sich beim Lesen, wie Bloch wohl auf die Menschen seiner Umgebung wirkt, da dies in der Erzählung nicht deutlich wird. Die Erzählung wird so geschildert, als ob jedes Ereignis den gleichen Stellenwert hätte. Handke schildert die innere Entwicklung, die Entfremdung des Protagonisten sehr genau. Die Handlung selber geschieht eher im Hintergrund. All dies fordert sowohl die Konzentration als auch das 'Durchhaltevermögen' des Lesers. Beim Lesen stellt man sich die Hauptfigur Bloch als psychisch Kranken mit einer multiplen Persönlichkeit vor. Des weiteren fällt auf, wie viele Dinge einem im Leben normal vorkommen und nicht wirklich beachtet werden. Durch die sehr wenigen wirklichen Ereignisse und die ausgedehnten Passagen, in denen die Gedanken Blochs geschildert werden, ist es zeitweise schwer, seine Lust am Lesen zu erhalten. Empfehlenswert ist das Buch für Leser, die sich für die Darstellung eines schizophrenen Charakters und dessen anomalen Denkweise und Lebensansicht begeistern lassen und nicht vor anspruchsvoller Lektüre zurückschrecken.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unter strikter Beobachtung, 8. Juni 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Peter Handke: ein mitunter schwieriger Fall. Sein Roman „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" immerhin ein kleiner Geniestreich. Andere Werke des Österreichers hingegen häufig schwerfällig, nachgerade unlesbar. In genannten Buch war Handke noch ganz nah bei Bernhard (o, welch Freude!). Keine böswillige Unterstellung: Peter Handke kopierte hier ganz bewusst Thomas Bernhard (der so genannte ‚Übertreibungskünstler" hat dies jedenfalls seinerzeit über Handke behauptet). Dabei machte Peter Handke seine Sache noch sehr gut. Seinen im Jahre 1970 publizierten Roman „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" will ich deshalb auch uneingeschränkt zur Lektüre empfehlen.
Zum Inhalt: Der ehemalige Torwart Josef Bloch glaubt, seinen Arbeitsplatz verloren zu haben. Ohne Ziel und Plan streift er sinnlos durch Wien. Er begeht einen Mord ohne Motiv an einem jungen Mädchen. Und verreist in ein Dorf an die Grenze. Seine Verhaftung nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Ihn kümmert's minder. Sein Leben hat keinerlei Sinn. Er treibt dahin. Am Ende besucht er ein Fußballspiel. Es wird ein Elfmeter gegeben. Der Ball geht nicht ins Tor.
Die Handlung wirkt bescheiden. Und ist doch fesselnd. Gerade jene Passagen, die in dem kleinen Dorf an der Grenze spielen, zeigen Thomas Bernhard pur. Hier scheint - wie einst bei weiland Bernhard in ganz Österreich - der Schwachsinn beheimatet. Dorftrottelige Polizisten, fettleibige Pensionsbedienstete, verkrüppelte Kinder (in diesem konkreten Fall ein taubstummes Kind, welches ertrinkt und ‚naturgemäß' noch nicht einmal um „Hilfe" rufe konnte) bilden das übliche, zudem von Peter Handke noch ins Groteske verzerrte Bernhard-Personal. Bravo, Peter Handke!
Es lohnt auch die Erwähnung der Verfilmung des Stoffes durch Wim Wenders aus dem Jahre 1972. In den Hauptrollen Arthur Brauss, Lipgart Schwarz, Kai Fischer und Erika Pluhar. Der Film musste glücken. Denn mitunter liest sich der Roman wie ein Drehbuch. Mit einer nahezu mikroskopischer Beschreibung des Handlungsablaufs. Peter Handke ging dabei ins Detail. Und hielt sein Personal unter strikter Beobachtung. Eine Musterung, die sich lohnt. Aber auch traurig machen kann.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gefühle der Ohnmacht, 10. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Verstand, Verständigung, Sprache und die Ohmacht, dieser aller Herr zu werden ist das zentrale Thema dieser Erzählung. Nicht die Handlung, diese ist in nur wenigen Sätzen erzählt, sondern das Thema und die Sprache, durch die es erschlosssen wird, machen aus dieser Ezählung ganz große Literatur.
Die Erzählung ergibt nur dann Sinn, wenn man für die Zeit der Lektüre selbst ganz Josef Bloch wird (ob das gut oder schlecht ist, lasse ich einmal dahingestellt ...), und sich sich dabei seine Gedanken völlig zu eigen macht, sie wie fast nur zur Bestätigung liest. Der Stil, der an vielen Stellen zu einem "stream of consciousness" wird, fordert den Leser geradezu heraus, sich der Lektüre auf diese Weise zu nähern. Meiner Meinung nach wird man belohnt, denn Handkes Gedanken liefern viele Anstösse, Themen selbst weiterzuentwickeln um dann nach kurzem "Abheben" wieder sanft in der Gedankenwelt Josef Blochs zu landen. Nimmt man als Leser jedoch die Rolle des reinen Beobachtenden ein, so wird man das Buch nach den gut hundert Seiten mit großer Sicherheit verständnislos und kopfschüttelnd zur Seite legen und dankbar dafür sein, dass es Peter Handke bei 100 Seiten belassen hat.
Beim Kauf der Lektüre erwartete ich eine kurze "Arbeitswoche" im Rahmen der Bibliothek der Süddeutschen Zeitung. Ich hatte mich getäuscht. Und ich bereue keine Minute.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Versuch über Beckett, 16. November 2004
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Entweder aus reinem Zufall oder einer Ahnung folgend, habe ich Samuel Becketts „Molloy" und Peter Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" direkt hintereinander gelesen. Warum ich das erwähne, erklärt sich gleich. Die Erzählung Peter Handkes hatte ich schon um 1984/5 gelesen, und musste nun erstaunt feststellen, dass mir kein Detail mehr in Erinnerung geblieben war. Kein besonders gutes Zeichen für ein literarisches Werk, denke ich. Handke polarisiert die Leser, das sieht man auch an den vorangegangenen Rezensionen, ich tendiere eher dazu, ihn als überschätzt einzustufen. Andererseits bekommt ein Schriftsteller Auszeichnungen wie den Gerhard-Hauptmann-Preis, den Büchner-Preis oder den Schiller-Gedächtnispreis, und unlängst auch noch den Siegfried-Unseld-Preis nicht völlig zufällig.
Auch wenn sich nicht unendlich viel Gutes über die vorliegende Erzählung sagen lässt, so sollte man doch nicht vergessen, dass Handke erst 28 Jahre alt war, als das Buch erschien. (Ja, ich weiß, Thomas Mann war erst 26 Jahre als „Die Buddenbrooks" veröffentlicht wurden.) Das war im Jahr 1970. Genau ein Jahr zuvor, 1969 also, erhielt Samuel Beckett den Nobelpreis für Literatur. Mir scheint, als war Handke, obwohl er vorher bereits andere Werke veröffentlicht hatte („Die Hornissen" und vor allem auch die „Publikumsbeschimpfung"), entweder noch auf der Suche oder aber schwer beeindruckt von den Werken Becketts. „Molloy" (siehe auch meine Rezension dazu) und Blochs Geschichte, Bloch ist die Hauptfigur in Handkes Erzählung, gleichen sich frappierend. In beiden Werken haben die Protagonisten den Bezug zu ihrer Umgebung verloren und irren durch die Welt. Die Grundaussagen sind ebenfalls ähnlich. Handkes Sprache löst sich im Laufe der Seiten beinahe auf. Fragen, die sich Bloch stellt, werden anfangs noch beantwortet, später nicht mehr, zum Schluss gar nicht mehr fertig ausformuliert.
Die nihilistische Tendenz bei Beckett findet man auch in Handkes Werken. Es gibt keinen Fortschritt und kein Ziel. Unser Tun ist beliebig und ohne jeden tieferen Sinn. Wahrheit ist immer subjektiv. Der Mensch ist auf sich selbst zurückgeworfen, eine übergeordnete Instanz (Gott) ist nicht vorhanden.
Es gibt zweifellos sprachliche Höhepunkte in Handkes Buch, eine möchte ich zitieren:
„Als die Kellnerin sich zu ihm setzte, tat er nach einiger Zeit, als wollte er den Arm um sie legen; sie merkte, dass er nur so tun wollte, und lehnte sich zurück, noch bevor er deutlich machen konnte, dass er nur so tun hat wollen. Bloch wollte sich rechtfertigen, indem er den Arm wirklich um die Kellnerin legte, aber sie war schon aufgestanden. Als Bloch aufstehen wollte, ging die Kellnerin weg. Jetzt hätte Bloch so tun müssen, als wollte er folgen. Aber das war ihm zuviel, und er verließ das Lokal."
Das ist meines Erachtens richtig gut geschrieben und zeigt das frühe Potenzial Handkes.
Ich bleibe bei der Beurteilung Handkes weiter gespalten und drücke das in drei Sternen aus. Die Tendenz ist deutlich in Richtung zwei Sterne. Vielleicht wage ich mich mal an "Mein Jahr in der Niemandsbucht" heran, dann fallen Entschuldigungen '(frühes Werk) weg und mein Urteil wird eindeutiger sein müssen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Am Ende des Existenzialismus - nichts für Schöngeister, 23. Februar 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Alles ist gesagt.
Was lässt sich den bisherigen Rezensionen noch hinzufügen?
Grund eins: Ermutigung, dieses Buch (dennoch) zu lesen.
Grund zwei: Anhaltspunkte zu geben, für wen dieses Buch weniger geeignet sein könnte.
Bei kaum einem deutschsprachigen Autor gehen die Meinungen so auseinander wie bei Peter Handke. Dabei gibt es nur zwei Lager: Großer Schriftsteller - überschätzter Schriftsteller.
Der Titel der vorliegenden Erzählung ist immerhin jedem Literaturinteressierten bekannt. Gelesen haben sie vermutlich nur wenige. Wer sich mit dem Existenzialismus beschäftigt hat und Autoren wie JP Sartre, Camus, Beckett, besonders aber auch einige österreichische Kollegen Handkes (Bernhard, Innerhofer, Roth, Haushofer) schätzt, kommt hier auf seine Kosten.
Wer diese Autoren und die morbide, kalte Endzeitstimmung, die in deren Werken weit verbreitet ist, nicht mag, möge die Finger von ihr lassen. Ein Wilhelm Genazino als Beobachter des alltäglichen Wertezerfalls ist die "reinste Freude" verglichen damit.
Wir alle kennen vermutlich Menschen, die wie Bloch, die Hauptfigur dieser Erzählung, durch Fügungen des Schicksals ihren Halt verlieren. Arbeitslosigkeit, Alkohol, Abrutschen in die Gosse, Apathie. Kaum einer hat das je so eindringlich beschrieben wie Handke in diesem Buch.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwer zur lesen doch unglaublich detailiert..., 30. Juni 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
In einer äusserst eigenen Sprache dokumentiert hier Peter Handke das Leben eines ehemaligen Torwarts, der seinen Job verliert und dadurch in äusserst komische und verzwickte Situationen gerät, ein Mord geschieht...
Ein durchaus schwieriges Buch, das sich mir vielleicht noch nicht ganz erschlossen hat, oder liegt gar kein tieferer Sinn dahinter ? Doch war ich stark beeindruckt von der Ausdrucksweise dieses Autors, da ich bis jetzt kaum in einem so ausführlichen Detail gelesen habe wie es sich bei ihm zuträgt, wer die Anstrengung auf sich nimmt wird ein lesenswertes Buch vor sich haben das sich in einer wunderschön eigensinnigen Sprache vor einem entfaltet
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Herzloser Auszug aus dem Dasein, 10. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist eine Belastung. Vier Jahre nach der "Publikumsbeschimpfung" hier eine Art "Leservernichtung". Die Hauptfigur, Josef Bloch fällt aus dem Dasein, aus der eigenen Existenz raus. Der Text selbst beginnt dabei zu zerfallen, löst sich auf. Ende der 60er Jahre gab es gesellschaftliche und philosophische Diskussionen um die Begriffe Existenz und Dasein. Wer sich seinerzeit sattgelesen und sattgehört hat in Sachen Sartre, Heidegger, Hegel, Bloch (!), etc. wird sekundenweise sogar etwas mit dem Text "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter" anfangen können.
Das Thema "Auflösung des Daseins" wird für den Leser scheinbar auf die Gesellschaft übertragen; implizite Gesellschaftskritik; sehr über Bande gespielt. So etwa, wenn in einem kleinen Dorf ein Junge vermisst wird und sofort Zigeuner als Täter verdächtigt werden.
Doch damit hält sich Handke nicht auf. Intellektuelle Floskeln aus der äußersten Hinterbank eines existenzialphilosophischen Seminars werden der Figur Josef Bloch einfach aufgestülpt. Dabei ist Romanfigur Monteur und ehemaliger Torwart! Man kann den Text so lesen, als würde eine psychische Krankheit im Text emuliert, die den Leser zur Teilnahme an der Krankheit verpflichtet. Doch dann muss der Text mangelhaft erscheinen, da er keinem Vergleich standhält. Döblin hat in Berlin Alexanderplatz mit der Figur Franz Biberkopf DAS singuläre Beispiel für den psychologisch-forensichen Roman gelegt. Die Figur Biberkopf besteht aus Fleisch und Taten; Bloch besteht aus Thesen und Hypostasen.
Das Buch ist im schlimmsten Sinne des Wortes areligiös. (Die Wortwurzel von Religion bezieht sich auf "Bindung"). Es wird nicht deutlich woran die Romanfigur oder sein Autor glauben und was dem Leser denn nun zum Assoziieren aufgetragen sei.
Das Buch strengt an, fordert vom Leser Energie, gibt nichts zurück und sagt noch nicht einmal "Tschüß". Literatur muss kein eindeutiges Ende oder gar Happy End haben; das Buch lebt aber von der unmittelbaren Begegnung und der intimen Vereinigung mit dem Leser. Seit den Ausführungsbestimmungen zu Hartz IV ist mir kein Text begegnet, der dem mehr entgegen steht als Handkes sperriger und dröger Text.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Seltsam, aber gut geschrieben, 24. Mai 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
Bloch war mal ein bekannter Torwart. Eines Tages glaubt er, die Fabrik, in der er arbeitet, hätte ihn fristlos entlassen. Daraufhin streunt er wie ein Vagabund durch Wien. Doch alles scheint irgendwie rätselhaft, laut und außer Kontrolle geraten. Bloch nimmt sich ein Hotelzimmer. Er trifft den einen oder anderen Bekannten und zieht durch Kneipen. Nach der ersten Nacht erwürgt er seine neue Frauenbekanntschaft. Bloch verschlägt es daraufhin in einen Wald, wo er sich ein Zimmer in einem Gasthof nimmt und mit den Bewohnern des Dorfes in Kontakt kommt. Durch Zufall erfährt er, dass die Polizei ihm auf der Spur ist. Er erlebt zunehmend Wirres und scheint seinen eigenen Fall aufklären zu wollen. In der Schlussszene sieht er einen Torwart, der einen Elfmeter hält, weil er sich einfach nicht bewegt.

Ich kann zu dieser Erzählung nur ein paar Eindrücke wiedergeben. Da wäre zuerst Handkes Sprache, die mich in ihrer Satzkonstruktion und Wortwahl mehr an die 1920er-Jahre, teilweise sogar an Kleist erinnert, als an eine Erzählung von 1970. Dann bekommt der Leser wenig Einblick in das Innenleben des Helden und so bleiben dessen Motive völlig im Dunkeln. Dabei trägt der Er-Erzähler nicht viel bei die Hirngespinste des Helden zu erklären. Erzähltechnisch jedoch hat das Buch einiges zu bieten, viele Vorgänge werden sehr indirekt und subtil beschrieben und die vielen kleinen beschriebenen Dinge schaffen eine interessante Athmosphäre. Inhaltlich dachte ich an ein wenig Dostojewskis Schuld und Sühne. Mit Fußball hat das Ganze letztendlich nur sehr bedingt zu tun, dafür dürften Germanisten ihre Freude daran haben, vieles in die Erzählung hineinzuinterpretieren. Ich hätte es nicht unbedingt lesen müssen.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverzichtbar, 14. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 (Gebundene Ausgabe)
In typischer Handke-Manier ist dieser Roman nichts für Leser von Trivialliteratur. Aber wer Erzählungen mit Ecken und Kanten, mit Verwirrung und Unerwartetem gerne liest, kommt hier voll auf seine Kosten. Von dem Titel sollten sich Fußball-Fans allerdings nicht angesprochen fühlen. Um Fußball geht es hier wahrlich nicht. Sondern um einen psychologisch verstrickten Kriminalroman, der schwer durchschaubar ist und zu dem der Leser sich selbst viele Gedanken machen sollte.

Die Hauptfigur hat Ticks und Marotten jenseits des Alltäglichen. Die Handlungsstränge sind stilistisch außergewöhnlich ineinander verwoben, ohne übertrieben oder unglaubwürdig zu erscheinen.

Für mich eines der besten und interessantesten Werke der modernen deutschen Literatur. Nicht nur für Germanisten ein Muss!
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Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek Band 13 von Peter Handke (Gebundene Ausgabe - 2004)
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