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4.0 von 5 Sternen Treffsichere Bosheit
Ich möchte es auf den Punkt bringen: es lohnt sich diesen Roman zu lesen. Selten habe ich es erlebt, dass es einem Autor so gut gelingt seinen Leser einzuwickeln, völlig in der Gedankenwelt des monologisierenden Protagonisten heimisch werden zu lassen. zugegeben: aller Anfang ist schwer; so auch der Einstieg in das Buch. Man muss sich an den eigenwilligen...
Veröffentlicht am 23. Dezember 2004 von Christopher Busch

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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Über das Virtuosentum
Die Handlung dieses Werkes von Thomas bernhard läßt sich erstaunlich schnell zusammenfassen:
Ein Mann betritt eine Kneipe und nimmt sich ein Zimmer.
Während der Erzähler dies tut denkt er nach. Durch seine Gedankengänge erfährt der Leser die Geschichte der Beiden Freunde des Erzählers, die zu dem Zeitpunkt in dem der...
Veröffentlicht am 21. Januar 2005 von Da..Ko


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Treffsichere Bosheit, 23. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte es auf den Punkt bringen: es lohnt sich diesen Roman zu lesen. Selten habe ich es erlebt, dass es einem Autor so gut gelingt seinen Leser einzuwickeln, völlig in der Gedankenwelt des monologisierenden Protagonisten heimisch werden zu lassen. zugegeben: aller Anfang ist schwer; so auch der Einstieg in das Buch. Man muss sich an den eigenwilligen Bernhardschen Stil gewöhnen, aber ist dies gelungen, wird man mit den Urängsten (versagen, Wahnsinn) des Menschen konfrontiert und man wird sich hüten aufzuhören. Es ist die treffsichere und absichtlich übertriebene Bosheit Bernhards und die Faszination des Grausamen und Angstvollen, die diesen Roman für Literaturfreunde zu einem Genuss machen. Nicht zuletzt wegen der vordergründigen Thematik der Musik, die wiedermal auftaucht. Kleiner Tipp: legen sie einfach Bachs "Goldbergvariationen" auf. Es hilft.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Über das Virtuosentum, 21. Januar 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Die Handlung dieses Werkes von Thomas bernhard läßt sich erstaunlich schnell zusammenfassen:
Ein Mann betritt eine Kneipe und nimmt sich ein Zimmer.
Während der Erzähler dies tut denkt er nach. Durch seine Gedankengänge erfährt der Leser die Geschichte der Beiden Freunde des Erzählers, die zu dem Zeitpunkt in dem der Gedankengang stattfindet aber schon tot sind. Erzählt (oder besser gedacht) wird die Geschichte dreier befreundeter Musiker. Zwei der Freunde beenden ihre Laufbahn als Pianist, als sie feststellen, dass der Dritte im Bunde ein wahrer Virtuose ist. Sie glauben nicht daran, dass sie einmal so gut wie er spielen könnten und wenden sich völlig von der Musik ab, was für einen im Selbstmord endet.
Ich muss zugeben, dass ich die Idee Bernhards eine Geschichte sozusagen als Gedankengang wiederzugeben als sehr reizvoll emfand, jedoch war ich sehr enttäuscht von seinem hochgelobten Stil. Vielleicht liegt es an der Eingeschränktheit meines Geistes, doch ich konnte nichts besonderes daran entdecken. Im Gegenteil: Bernhards Stil störte mich sogar teilweise. So setzt er hinter nahezu jede Aussage, an die sich der Erzähler erinnert ein ",dachte ich". Das sieht dann ungefähr so aus:
"Der wahre Künstler könnte nicht leben in dieser Stadt. ,sagte er, dachte ich. Er würde nach einem Tage eingehen. ,sagte er, dachte ich."
Sicherlich ist mir klar, dass Bernhard dies wohl als Stilmittel benützt hat, es ist allerdings äußerst störend und nach einiger Zeit sogar nervend.
Ansonsten ist das Thema des Buches - für meinen Geschmack - nicht besonders interessant.
Bernhard hat hier ein Buch über drei Künstler verfasst von denen der eine (um den es ja geht) in völligem Selbstmitleid aufgeht. Er ist wahrlich ein Untergeher. Er gibt die Musik auf, weil er jemanden hört der besser spielt als er und von da an leidet er. Für ihn ist das ganze Leben leiden. Bernhard bringt seine Stimmung sehr gut zum Ausdruck. Das ganze Buch wirkt auf den Leser deprimierend und ich war froh als ich es zur Seite legen konnte.
Daher drei Sterne. Einigen wird diese Art Literatur gefallen, mir persönlich nicht.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychogramm eines Gescheiterten, 31. März 2007
Von 
dr_rgne - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Der Untergeher glänzt nicht gerade mit seiner spannenden Handlung. Alles was auf den ersten 100 Seiten passiert (immerhin zwei Drittel des Buches), es betritt ein Mann ein Gasthaus und wartet auf die Wirtin. Während des Wartens verliert er sich in Gedanken und erinnert sich zweier Freunde die mittlerweile verstorben sind. Der eine eines natürlichen Todes, der andere, von dessen Begräbnis der Wirtshausbesucher gerade kommt, durch Selbstmord.

Es stellt sich heraus, dass alle drei Klaviervirtuosen von außergewöhnlichem Talent waren, jedoch nur einer, der Amerikaner Glenn Gould von nicht zu überragender Genialität. Und genau daran zerbrechen die beiden anderen, weil sie wissen, dass sie sein Können nie erreichen werden. Sie brauchen zwar einige Zeit um es zu realisieren, geben aber schließlich beide das Klavierspielen gänzlich auf und wenden sich den Geisteswissenschaften zu.

Der Roman lässt sich nicht immer einfach lesen. Das ganze Buch über gibt es keinen einzigen Absatz und der Autor ist gerade zu verliebt in den Nebensatz „dachte ich“, der wohl im Schnitt auf jeder Seite dreimal auftaucht. Trotz alledem ging von diesem Buch eine große Faszination auf mich aus, die ich nur schwer in Worte fassen kann. Es ist das Psychogramm einer gescheiterten Persönlichkeit, die über den ebenfalls gescheiterten Freund ins Gericht zieht. Anfangs noch wohlwollend, später immer kritischer. Der Freund wandelt sich vom talentierten Virtuosen und Lebenskünstler mehr oder weniger zum Psychopaten und man kann sich doch nicht des Eindrucks verwähren, dass dieser mehr mit dem Icherzähler gemein hat, als diesem lieb ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klaviervirtuosen, 27. März 2007
Von 
Berthold Knoche (Waldsolms / Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch vermischt Bernhard Fiction und Realität auf unterhaltsame Art und Weise. Der berühmte Pianist Glenn Gould ist eine der Hauptpersonen dieses Romans. Außer um ihn geht es um die Titelfigur Wertheimer und um den Ich-Erzähler. Die drei Klaviervirtuosen aus jeweils wohlhabendem Haus lernen sich bei einem Kurs von Horowitz am Salzburger Mozateum kennen. Dem Ich-Erzähler und der Titelfigur wird schnell klar, dass sie niemals die Genialität des dritten erreichen können und beenden deshalb ihre Pianistenlaufbahnen, bevor sie diese überhaupt begonnen haben und scheitern von da ab.

Die Erzählzeit ist nach der Beerdigung von Wertheimer, der als 51-jähriger Selbstmord begannen hat. Glenn Gould ist zu diesem Zeitpunkt auch bereits tot, er starb etwa ein Jahr früher an einem Schlaganfall. In der (Bernhard-üblichen) vielschichtigen Geschichte erzählt der Ich-Erzähler, wie er nach der Beerdigung am letzten Zufluchtsort des Untergehers in ein Gasthaus geht, um dort ein Zimmer zu mieten bis zu dem anschließenden Besuch im Landhaus des Verstorbenen, und alles, was ihm in dieser Zeit durch den Kopf geht. Also während er in den Gasthof geht, denkt er daran, wie sie sich damals kennengelert haben und so weiter.

Etwas näher am Wahnsinn noch als 'Holzfällen', vorallem durch die Vermischung von erdichtetem mit authentischem Material, eine wirkliche Empfehlung.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner Spalter, 4. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Eins vorweg: Ich kann es vollkommen verstehen, wenn man Thomas Bernhard nicht mag. Sein Stil ist so prägend für sein gesamtes Werk, dass man ihn einfach lieben oder hassen muss. Mit der Ausgabe aus der "SZ-Bibliothek" hat man nun jedoch die einmalige Möglichkeit, sich für ein paar Euro in die Welt des Österreichers einlesen zu können, um festzustellen, zu welchem Lager man sich fortan zählen kann. Und wer mit Bernhard etwas anfangen kann, dem kann ich einige höchst unterhaltsame Lesestunden garantieren. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß auf den Busfahrten meiner letzten Woche und musste mich teilweise mit dem Lachen vor den anderen Fahrgästen zurückhalten - obwohl die Thematik des Buches ganz und gar nicht zum Lachen ist: Es geht permanent um Tod, Verderben, Selbstmord, Zugrundegehen, Verzweiflung, Scheitern, Wahnsinn, kurz: um den Untergang. Dies wird aber in einer solchen vollkommen übertriebenen Drastik und Skurrilität formuliert, dass es (für mich jedenfalls!) einfach nur noch komisch ist. Wo in anderen Romanen noch Auswege oder positive Entwicklungen nach Rückschlägen und Fehltritten der Charaktere gesucht werden, ist hier schlichtweg alles vollkommen aussichtslos. Wunderbar! Ich habe schon früher ein paar andere Erzählungen von Bernhard gelesen, aber so genial wie "Der Untergeher" war nichts davon. Zwei Tipps also: 1. einfach mal reinlesen, 2. auf keinen Fall die gute Laune beim Lesen verlieren. Und vielleicht noch ein dritter: Nicht zu viel am Stück lesen, sondern sich die knapp 160 Seiten einteilen, damit die Bernhard-typischen zyklischen Satzstrukturen mit ihren Wiederholungen nie langweilen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich gut, 3. November 2004
Von 
C. Beeh "Christoph" (Göttingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Dies ist mein erster "Bernhard", aber es wird definitiv nicht mein letzter bleiben. Nach anfänglichem Zweifel (wiederholt sich der Erzähler doch häufig) bemerkte ich relativ schnell, wie großartig Bernhard die Geschichte bzw. das Leben dreier Freunde durch den Erzähler aufarbeiten lässt. Unzählige Einschübe machen den Monolog (aus dem die Erzählung besteht) deutlich (,,dachte ich") und verflechten gleichzeitig die Vergangenheit mit dem gegenwärtigen Geschehen; der Erzähler steht die ersten 106 Seiten lang im Wirtshaus und denkt nach. Erst ab da (,,...da trat die Wirtin ein.") unternimmt und beschreibt der Erzähler auch gegenwärtige Handlungen.
Die großartige Verarbeitung von Genie und Wahnsinn sind vordergründig, nebenbei findet man zu vielen anderen Themen eine Fülle interessanter Aussagen: zu Glück und Unglück des Lebens, zum Verhalten der Menschen allgemein, Freundschaft und Neid.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Bernhard, der Übertreibungskünstler, 16. Mai 2004
Von 
Amazon Kundenrezensionen "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Aus ganzen 4 Absätzen besteht dieses Werk: die ersten 3 Absätze umfassen 10 Zeilen; der 4. Absatz - 150 Seiten.
Damit ist alles klar: das Werk kann man nicht in einem Zug lesen; es erschließt sich nur langsam. Wenn man allerdings "drinnen" ist, kommt man nicht mehr davon los.
Worum geht es? "Der Untergeher" ist ein Ich-Monolog eines (verhinderten) Klaviervirtuosen - viele Jahre nach den eigentlichen Ereignissen. Er ist gescheitert an Glenn Gould, dem Virtuosen aus Übersee - während Wertheimer an Glenn Gould zerbrochen ist.
Rund um diesen Inhalt finden wir den typischen Thomas-Bernhard-Fundus: alle "kriegen ihr Fett ab": Salzburg; die Schweiz; der Sozialismus; Passau; österreichische Küchenfenster (!); die österreichische Wirtschaft; die ÖBB; Chur; Wien; Österreich.....
Ein typischer Thomas Bernhard eben - "Holzfällen" lugt schon um die Ecke; manche Szenen aus dem "Heldenplatz" sind nicht weit...
All das ist in einer glasklaren, geschliffenen Sprache geschrieben - und beim "Wiederlesen" wird einem klar, was die literarische Welt an Thomas Bernhard hat(te).
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Ununterbrochene, 18. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch von Thomas Bernhard ist genauso anstrengend und undurchschaubar, wie sein Autor.
Gott sei Dank nutzt Bernhard wenigstens Punkt und Komma, denn sonst hat er fast sämtlichst auf Absätze und Satzzeichen verzichtet, was das Buch zu einem einzigen, 157 Seiten langen Wust von Gedanken des Ich-Erzählers macht.
Worum es geht, ist im Prinzip sehr schnell beschrieben und in den ersten drei Sätzen des Buches zusammengefasst. Die Absätze danach sind übrigens die einzigen des Buches. Der Absatz, der mit dem vierten Satz beginnt, endet zeitgleich mit dem Buch.
Der Erzähler, bzw. Denker, ein ehemaliger Klavierspieler namens Wertheimer sowie das Genie am Klavier Glenn Gould bilden dabei ein Trio, dessen Charakteristiken und Beziehungen zueinander zentraler Punkt des Buches sind. Alle drei verfeinerten ihr Klavierspiel unter dem Einfluss eines gewissen Horowitz. Dieser ist, ebenso wie Glenn Gould, einer realen Person nachempfunden. Allerdings beginnt hier bereits das bernhardsche Verwirrspiel. Denn nachempfunden bedeutet eben nicht, dass zugeschriebene Lebensdaten und Eigenschaften tatsächlich denen der real existierenden Personen entsprechen. So liegt hier ein Verwirrspiel zwischen Realität und Fiktion vor, welches sich beispielsweise in feinen Nuancen, wie der Lebensdauer äußert. Bedenkt man, wie umfangreich der Ich-Erzähler den Drang zum Selbstmord nach dem 50. Lebensjahr durchdenkt, sieht man regelrecht das Grinsen auf Bernhards Gesicht, wenn der Glenn Gould des Romans 51 wird, während der reale Glenn Gould nur 50 wurde.
Eigentlicher Star des Romans ist meines Erachtens jedoch der dritte im Bunde: Wertheimer. Ebenso wie der Erzähler, wird er durch Goulds Meisterschaft am Klavier demotiviert, hört auf zu spielen und gibt sich "der Geisteswissenschaft" hin, was er scheinbar genauso wenig ernst betreibt, wie es Bernhard präzisiert.
Sein Leben und sein eher unsympathischer Charakter werden ausführlicher beschrieben, als dies bei Gould der Fall ist. Zudem ist er auch die titelgebende Figur.

Wie bereits erwähnt, geschieht im Buch prinzipiell nichts. Diesen Mangel an Geschehnissen gleicht Bernhard jedoch durch das Portrait seiner Figuren mehr als aus. Zwar sind Wertheimer und Gould extreme Charaktere, erscheinen aber zu jedem Zeitpunkt plausibel. Zudem lässt es sich Bernhard nicht nehmen, regelmäßig Seitenhiebe gegen die österreichische Politik einzubauen.

Das Buch zu bewerten ist nicht einfach. Es ist anstrengend zu lesen, teilweise wiederholen sich einige Gedankengänge über mehrere Seiten und etwas Handlung wäre trotz allem wünschenswert gewesen. Was das Buch aber deutlich aufwertet, ist, dass man das Gefühl hat, dass etwas "bleibt". Es fällt nicht direkt nach dem Zuklappen dem Vergessen anheim, sondern dreht weiterhin seine Kreise durch den Kopf des Lesers. Dadurch kann es die Schwächen, welche es direkt beim Lesen zeigt, auf gewisse Art wieder ausgleichen.

Der Untergeher ist ein anstregendes Vergnügen. Wer diese Anstrengung nicht scheut, wird letztendlich aber belohnt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Künstler unter sich, 4. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Einen Stern für Thomas Bernhard und dieses wunderbare Buch - das kann man ja nicht so stehenlassen! Natürlich hat diese Schreibweise etwas Manisches, etwas Wiederholungszwangartiges. Aber in dieser Form insistierender Gedankengänge bohrt sich Bernhard in die Phänomene hinein und fördert ihr Innerstes zutage.
Selten habe ich einen Roman gelesen, der dermaßen konsequent das Scheitern in der Kunst thematisiert hat. Hier ist eine Absolutheit formuliert, die nur noch die Alternative "Genie" oder "Tod" kennt. Wer sich freilich mit seiner eigenen Mittelmäßigkeit restlos arrangiert hat, der wird mit der Radikalität des Untergehers, dem das mit seiner Mittelmäßigkeit einfach nicht gelingen will, nicht viel anfangen können.
Mir leuchtet dieser Charakter sehr ein, der sein eigenes durchaus vorhandenes, aber eben nicht geniales Talent, vor allem vor der Folie des wirklichen und wahrhaftigen Genies Glen Gould, für null und nichtig erklärt und sich schließlich selbst auslöscht, - wenn ich es privat auch eher mit der Rolle des Chronisten oder Beobachters halte, wie sie Thomas Bernhard zwischen diesen beiden Extremen einnimmt - ist einfach gesünder...
Eines der schönsten Bücher Thomas Bernhards - übertroffen vielleicht nur noch von "Wittgensteins Neffe"...
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen psychologisches Gedanken-Feuerwerk, 5. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 (Gebundene Ausgabe)
Für den Nachttisch ungeeignet, lässt der Autor einen Protagonisten aus seinem Leben erzählen, was sich deutlich in der Satzstruktur auswirkt. Während sich unser Hauptdarsteller auf den Weg zu einer Gaststätte macht, lässt er innerhalb weniger Minuten sein Leben vor seinem geistigen Auge ablaufen und somit kommen Sätze wie "sagte er, dachte ich, und schaute mich um" zustande. Auf jeden Fall anstrengend zu lesen, auf jeden Fall sprachlich spannend gestaltet -wer es durchhält.
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Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5 von Thomas Bernhard (Gebundene Ausgabe - 2004)
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