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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Weltliteratur: 155 Jahre Struwwelfieber,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter: Originalausgabe für die ganze Familie. Mit einem Vorwort für Kinder und einem Nachwort für Eltern (Gebundene Ausgabe)
Von Goethe stammt die Feststellung, daß sich alles, was eine große Wirkung gehabt hat, dem Urteil entzieht. Ein Befund, der auf den «Struwwelpeter» nicht zutreffen dürfte, zumal die Resonanz ja noch anhält. In der Literaturwissenschaft wird Heinrich Hoffmann, der Autor des legendären Buches, inzwischen als «Kopernikus der Kinderliteratur» bezeichnet. Andere möchten das Buch hingegen verbieten. Wie ist die von Hoffmann ausgelöste kopernikanische Wende zu verstehen? Werden Wirkungsweise und Aktionsradius des Klassikers, der mit ungebrochener Potenz Richtung Zukunft eilt, womöglich von überzeitlichen Kräften in Schwung gehalten?«Sieh einmal, hier steht er...» Auf der Suche nach einem Bilderbuch für seinen Sohn entdeckte der Arzt Heinrich Hoffmann (*1809) Mitte des 19. Jahrhunderts lediglich «lange Erzählungen oder alberne Bildersammlungen», so daß er kurzerhand beschloß, selbst ein Kinderbuch zu ver-fassen. Die unter dem Titel «Struwwelpeter» versammelten Bilder-Geschichten wurden auf Anhieb ein Bestseller, schon bald ein Welterfolg und schließlich ein Longseller. Heute gehören sie zum Kulturgut unserer Nation. In viele Sprachen, sogar ins Chinesische übersetzt, sind bislang mehr als 540 Auflagen erschienen, eine sogar in Blindenschrift. Von der «Struwwel-liese» über den «Struwwelhitler» und «ägyptischen Struwwelpeter» bis zur «Schnatterliese» und Comic-Adaption ' die Variantenfülle ist unerschöpflich, der Drang nach Umdichtung und Interpretation hält bis heute an. So ist der Struwwelpeter bislang in 25 deutsche Mundarten übertragen worden. Welches Werk hat ähnliches vorzuweisen? Das Buch wurde verfilmt, vertont, adaptiert und karikiert. Seine Wirkungsgeschichte kennt kein Ende: Es wurde sogar zum Impulsgeber moderner Genres; eine deutsche Rock-Band hat vor einigen Jahren die Geschichte mit dem Streichholz rezipiert und in provozierender Weise verfremdet: «Immer, wenn ich einsam bin, zieht es mich zum Feuer hin.» Danke, Rammstein, aber so genau wollten wir das nicht wissen. «Pfui! der Struwwelpeter!» Wo der Erfolg einer Sache so groß ist, kann die Kritik nicht ausbleiben. Von der klinischen Psychologie und der Jugendpsychiatrie entdeckt, erfolgte die Auseinandersetzung nicht nur in literarischen Bearbeitungen («Anti-Struwwelpeter»). In den letzten Jahrzehnten mehrte sich die Kritik zunehmend sowohl aus dem Kreis antiautoritärer, dem Zeitgeist verpflich-teter Pädagogen, Psychologen und anderer Wissenschaftler, aber auch seitens der journa-listischen, weitgehend vom Ungeist des Relativismus heimgesuchten Zunft, die schon dort Gespenster sieht, wo einfachste Kontraste winken. Als zu brutal wurden die angeblich dem Buch zugrunde liegenden Erziehungsprinzipien eingestuft und zurückgewiesen. Eine mo-derne Gesellschaft, hieß es, «bevorzuge andere Methoden der Kindererziehung als die Ausübung oder Androhung psychischer und physischer Gewalt» (wikipedia). Seltsam nur, daß ihre Methoden wie in kaum einer anderen Zeit von Versagen und Ratlosigkeit geprägt sind. Weshalb wird nicht verstanden, daß die Brutalität im Struwwelpeter lediglich eine Erzählfolie bildet, die, ebenso wie im Film oder im Roman, dazu dient, archetypische Strukturen sichtbar zu machen? «Sei hübsch ordentlich und fromm, bis nach Haus ich wieder komm» Als pädagogischer Katechismus des Kleinbürgertums verunglimpft, wird Hoffmanns Werk in bestimmten, unter dem Deckmantel der «Aufklärung» operierenden Zirkeln unterstellt, den kindlichen Willen zu unterdrücken. Die drastischen Bilder simulierten die archaische Qualität der Ängste übermäßig, statt sie zu besänftigen. Weil die Bildfolgen zentrale unbewußte Fantasien und Schrecken mobilisieren, werden die Kinder zwar intensiv emotional ange-sprochen, doch die negativen und dramatischen Folgen und Strafen, die von den Bildfiguren erlebt werden, führten, so die Kritik, zu drastischen Strafängsten, die das Kind dahin bringen, auf verbotene Triebbefriedigungen zu verzichten. Die Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt behauptet, es gelinge Kindern kaum, die notwendige Distanz zu Hoffmanns stark übertriebener verbaler und visueller Ironie herzustellen, das Modewort Traumatisierung fällt sogar: «Die Strafängste' können vom kindlichen Ich nicht ertragen und müssen daher ins Unbewußte verbannt werden.» Triebbefriedigung ' Traumatisierung ' Unbewußtes ' Triebdurchbruch: Sobald solche Schlagwortketten aus der Rüstkammer der Psychoanalyse zum Einsatz kommen, ist Vorsicht geboten; im Zugriff auf wissenschaftliche Standards, die im Allgemeinen ja durchaus ihre Berechtigung haben, werden Besonderheiten ignoriert und simple Sachverhalte auf den Kopf gestellt, indem im deduktiven Zirkelverfahren Inhalte kurzerhand durch Ideologien ersetzt werden ' Wahrheit muß Gelehrtheit weichen. Dies wird im Fall des Struwwelpeters besonders deutlich. «Bauz! da geht die Türe auf...» Kinder denken weniger kompliziert. «Für mich sind die Geschichten einfach nur aufregend», erklären Kinder immer wieder auf die Frage, was ihnen am Struwwelpeter gefällt. Schnell entwickeln die Geschichten eine faszinierende Eigendynamik; die grausamen Details wirken mitreißend und abstoßend zugleich. Die Erzählstrategie setzt auf Erkenntnis durch Satire; schließlich sind die Erzählungen derart überzeichnet, daß auch Kinder die Diskrepanz zwischen Realität und Fiktion wahrnehmen. «Das Buch soll ja märchenhafte, grausige, übertriebene Vorstellungen hervorrufen», erklärte Hoffmann seinerzeit. «Und er hat offenbar mit seiner Annahme Recht gehabt, daß gerade dies den meisten Kindern gefällt.» (bikonline.de) Kinder machen über die Lektüre Fantasie-Erlebnisse, die ihnen die schmerzliche Erfahrung an Leib und Seele erspart, und sie fühlen sich durch das Surreale der Hoffmann'schen Figuren, die das Geschehen «aus dem direkten Bezug zur kindlichen Alltagswelt herausheben und in den freien Raum der Fantasiewelt stellen», magisch angezogen. «...und herein in schnellem Lauf springt der Schneider in die Stub'» Hoffmann hat berichtet, daß er die Ideen seiner Geschichten als Arzt im Umgang mit seinen kleinen Patienten gewonnen hat. Seine Zeichnungen sind einfach, skizzenhaft beinahe, aber von apodiktischer Klarheit und vom pädagogischen Scharfsinn beseelt. Präzise und virtuos im dramaturgischen Aufbau, schlicht und wirkungsvoll in der Abfolge bühnenmäßiger Szenen, lakonisch und treffsicher in der Sprache, springen die Kompositionen geradewegs in die Phantasiewelt der Kinder; die kurzen, suggestiven Verse, die den direkten Weg zu Herz und Verstand nehmen, prägen sich dem Gedächtnis schnell ein, und so gehört manches noch heute zum deutschen Zitatenschatz. Alle Geschichten im Struwwelpeter zeigen eine deutlich erkennbare Moral mit belehrender Wirkung. Im Zentrum des Geschehens stehen Kinder mit Unarten, die auf die Ermahnungen ihrer Eltern nicht hören und dafür oft mit schlimmen Konsequenzen rechnen müssen. Die Kritik am Struwwelpeter hat «in Bezug auf manche Nachfolgebücher, die tatsächlich geradezu sadistische Strafen für oft belanglose Verge-hen ausmalen, mehr Berechtigung als für den Struwwelpeter selbst». (members.aon.at) Das Besondere an diesem Buch ist der Umstand, daß «Ermahnungen nicht aus der Ferne des Erwachsenseins, mit der Autorität des Erziehenden transportiert, sondern Kinder in die Lage versetzt werden, sich in die Handlung hineinzudenken und gebannt von den Versen, die ihr mystisches Weltbild ansprechen, die Situation nachzuvollziehen». «Wo der Wind sie hingetragen - Ja, das weiß kein Mensch zu sagen» Ein besonderer Reiz in den grotesk zugespitzten Illustrationen liegt ferner darin, daß sie ' gegenläufig zu den Stereotypen der Grundsatzkritik, wonach einer autoritären, ja grau-samen «schwarzen Pädagogik» Vorschub geleistet werde ' den bürgerlichen Alltag der Kinder unterschwellig ins Lächerliche ziehen. Hoffmanns Zeitgenossen beanstandeten sogar die «fratzenhafte» Illustration, die sich angeblich über elterliche Autorität lustig mache; seine Zeichnungen, so hieß es, glichen Karikaturen und verliehen seinem Buch einen ironischen, spielerischen Effekt. Ein auffallender Widerspruch zur aktuellen Kritik, die im Struwwelpeter den Bilderbuchschreck vergangener Tage sehen will. Doch wird nicht gerade in dieser Gegensätzlichkeit deutlich, daß dort, wo Kompositionen konträre Betrachtungsweisen provozieren, die Weitläufigkeit des interpretatorischen Spielraums nur scheinbar ist ' ein Kunstgriff, auf den große Literatur wie die Kunst überhaupt immer zurückgreift, wenn sie nicht durch Beliebigkeit, sondern durch die Universalität des Subtextes auf den unbekannten Leser reagieren will? Zeitlos. Anstatt Gefahr zu laufen, pädagogische Bemühungen zu konterkarieren oder Kinderseelen zu brechen, ist der Struwwelpeter mit seinem ebenso selbstverständlichen wie unmißver-ständlichen Pendelschlag zwischen Strafe und Gerechtigkeit gerade in unseren Tagen geeignet, erste Moralvorstellungen auszubilden und normale, ubiquitäre Fantasien zu entzünden. «Hoffmann erzählt ja auch von der Vermeidbarkeit des Unglücks' Lesen war und ist für Kinder' auch Probehandeln: 'Wenn ich das nicht mache, ist alles in Ordnung'. Aber natürlich genießen sie zugleich die Grenzüberschreitung der Helden und dürfen zufrieden sagen: 'Ich bin das ja nicht.'» (Bettina Hurrelmann ' derwesten.de) Hei! Da schreit der Mainstream sehr! Der Erfolg hat Heinrich Hoffmann Recht gegeben. Sein Buch hat, was für die Weltliteratur typisch ist, Beine, die allen Anfechtungen zum Trotz durch die Jahrhunderte laufen ' zielsicher, den Kindern auch künftiger Generationen entgegen. Der Struwwelpeter ist der Prototyp des modernen deutschen Bilderbuches und steht in einer aufklärerischen Erziehungstradition: Kinder sollen Strafe nicht als Willkürakt der Erziehenden begreifen, sondern als unmittelbare Folge ihrer eigenen Handlungen. «Das Böse birgt seine Strafe schon in sich.» Der Struwwelpeter ' ein Gelegenheitsbuch, zum Familienbuch bestimmt, zum ewigen Bestseller erhoben. Ein Geniestreich auf dem Gebiet der Kinderliteratur. Durch wie viele Jahrhunderte wird er noch eilen? Viele Bücher, Filme, Reime Schüren doch nur Langeweile. Doch ein Buch geht weit voran, Stößt zuletzt am Himmel an. Wohin die Zukunft es wird tragen, Ja! das weiß nur Gott zu sagen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Die Supernanny als Kontrast zum Struwwelpeter,
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter: Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3 bis 6 Jahren (Gebundene Ausgabe)
Vorwort: Jegliche Diffamierungen in Bezug auf die Supernanny und RTL geschehen rein zufällig und die meinige Person distanziert sich ausdrücklich davon.Katja Saalfrank, die scheinheilige Sozialpädagogin bei RTL, würde Gewalt natürlich strengstens verabscheuen und dieses Buch bestimmt nur unter Zwang, wenn auch angeekelt, anfassen. Aber dass das Motiv der elterlichen Gewalt bei der Sendung "Die Supernanny" eine quotenschaffende Entertainmentfunktion hat, wobei insgeheim die Regie zu "actionmäßigen Handlungen" auffordert, lässt ihre Seriosität in Frage stellen. Zumal die Supernanny innerhalb der zwei Wochen Drehzeit selten länger als zwei Stunden da ist (Quelle: Fernsehkritik TV) Aber nun zum Struwwelpeter: Da hat man es mit der Gewalt einige Jahrhunderte früher, wenngleich nicht perfekt, aber zumindest deutlich löblicher gehandhabt. Gewalt oder körperliches Leid ist hier nicht Konsequenz eines Kamerateams, sondern potenzielle oder wahrscheinliche Folge von kindlichem Fehlverhalten. Natürlich gibt es deutlich schonendere Ansätze zur Erziehung, die aber nicht zwangsweise effektiver sind. Meine persönliche Kindheitserfahrung mit dem Struwwelpeter ist durchwegs positiv. Retrospektiv ist es gefühlte 50 Jahre später deutlich Angst einflößender, wenn man sich in die Lage eines Kindes versetzt, als früher. Das fällt mir auch des Öfteren bei Zeichentrickfilmen auf, die ja unterschwellig und unterm Strich oft auch ziemlich gewalttätig sind, aber die Verpackung ist ja so schön bunt, wodurch das kaum jemandem auffällt. Vor allem Kindern nicht. Und ich kenne viele inzwischen Erwachsene, die seit frühester Kindheit Spiele und Filme gesehen haben, die ihrem Alter bei Weitem nicht entsprechen würden (lt. FSK). Ich kenn des Weiteren niemanden, der davon Schaden getragen hat. Den meisten wurde irgendwann einmal der Struwwelpeter vorgelesen und niemand machte den Anschein, ein ernsthaftes Trauma davongetragen zu haben. Die meisten finden die Geschichten - damals wie heute - recht unterhaltsam und lustig. Von diesen Erfahrungen aus - Ausnahmen gibt es natürlich immer - wird dieses Buch auch heute noch einen angemessenen pädagogischen Effekt erzielen, da die Geschichten sehr einprägsam (nicht zu verwechseln mit traumatisiderend) sind. Und es ist allemal besser, schlimme Folgen in literarischer Form darzustellen, die im Buch NICHT durch die Eltern bewirkt werden, sondern durch physikalische oder biologische Phänomene erklärbar sind. (Die Daumengeschichte schließe ich hier aus, da die Konsequenz hier in keiner Relation zum "Fehlverhalten" steht und überzogen ist.) Das Spiel mit dem Feuer kann dir, lieb gewonnenen Personen oder Tieren erheblichen Schaden zufügen. Nicht auf den Weg zu achten, kann dir schaden. Stolpern, ausrutschen usw. Mit dem Stuhl schaukeln, kann gefährlich sein. Rassistisch zu sein, kann bestraft werden und ist ungerecht. Nicht zu essen, lässt dich abmagern und dich im Extremfall verhungern. Beim Thema Ernährung kann ich natürlich keinem Kind erklären, dass Protein ja so wichtig für die geistige Entwicklung und Vitamine und Mineralstoffe für die Gesundheit nicht ganz unwichtig sind. Damit kann ich kaum ein Kind zum Essen bewegen. Andererseits ist das Gegenteil zu befolgen, ebenso kontraproduktiv. Aber die steigende Anzahl an übergewichtigen Kindern auf den Suppenkasper zurückzuführen, halte ich für sehr gewagt. Im Großen und Ganzen sei aber gesagt, dass das Kind in der Regel von diesem Buch profitieren wird. Man wird es wohl ohnehin frühzeitig merken, wie ein Kind darauf reagiert und man muss das Buch ja dann nicht zu Ende lesen. Aber es ist besser, dem Kind Gefahren konkret aufzuzeigen und das, ohne dass das Kind die Eltern fürchten muss oder eben gar nichts fürchtet und sich selbst ins Unglück stürzt. Am besten ist es, wenn es das als natürliche Folge von falschen Handlungen sieht. Wenn es dann groß genug ist und die Geschichten ohnehin nicht mehr glaubt, sollte der Vorsichtseffekt trotzdem noch nachwirken. Das ist mit dem Führerschein ab 17 und der Probezeit zu vergleichen, die die Fahrer statistisch gesehen, auch nach der Probezeit vorsichtiger und unfallfreier macht. Das alleine wird zweifelsohne nicht die Erziehung alleine entscheiden, aber dennoch unterstützt es sie positiv; zumindest kann ich heute diese Zeilen schreiben, ohne mein Elternhaus in Brand gesetzt zu haben. (Breno hat es jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gelesen :-). ) Natürlich ist das Buch des Weiteren auch gute Unterhaltung, lässt zumindest mich in nostalgischen Kindheitserinnerungen schwelgen und natürlich ist es literarisch betrachtet Kult! Ich kann den Struwwelpeter also nur empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
37 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Kultbuch, das polarisiert,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter: Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3 bis 6 Jahren (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch verstößt ganz sicherlich gegen alle Regeln der politischen Korrektheit. Alleine deshalb gefällt es mir als Erwachsener im 21. Jahrhundert ganz besonders gut!Aber auch als Kind zählte es zu meinen Lieblingsbüchern und die Geschichten waren unterhaltsam, einprägsam, lehrreich und riefen bei mir sicherlich keine Angstzustände oder ähnliches hervor. Die meisten Rezensenten scheinen sich einige darüber, dass das Buch als historisches Werk deutscher Literatur, das nicht nur näheren Aufschluss über seine Entstehungszeit und deren Mentalität gibt, sondern auch sehr unterhaltsam für Erwachsene ist, als sehr gut einzustufen ist. Diesem Eindruck schließe ich mich vollkommen an. Ob es als Kinderbuch heute geeignet ist, ist natürlich eine schwierige Frage. Obwohl ich persönlich als Kind ausschließlich positive Erfahrungen mit dem Buch gemacht habe, schließe ich natürlich nicht aus, dass es bei anderen tatsächlich negativ aufgenommen werden kann. Jedoch halte ich, falls es wirklich dazu kommt, ein paar in ihrer Anzahl begrenzte Albträume für wesentlich wahrscheinlicher als tatsächliche nachhaltige psychische Schädidung. Meiner persönlichen Meinung nach ist die größte Gefahr, die Kindern in der heutigen Zeit droht, nicht die Möglichkeit von ein oder zwei Albträumen, sondern das konsequente Erziehen in einer rosa behüteten Scheinwelt in der es absolut kein Unheil gibt. Da dies nicht der Realität entspricht, muss das früher oder später zur Katastrophe führen. Natürlich ist es klar, dass das Buch im 19. Jahrhundert geschrieben wurde, und daher der Autor nicht über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse verfügen konnte. Daher muss jeder Elternteil selbst wissen, ob er dies seinem Kind zumuten will. Persönlich halte ich die Geschichten aber für sogar sehr gut für die Erziehung von Kindern geeignet. Die vielzitierte "Rohrstockpädagogik" kommt selten bis gar nicht zum Einsatz. Es gibt keine Geschichte in der Eltern ihre Kinder wegen Ungehorsams verprügeln. Was es hingegen gibt, sind drastische Konsequenzen für Fehlverhalten, die aber nicht von den Eltern herbeigeführt werden, sondern ganz einfach reale Folgen von Handlungen sind. Manche Folgen haben in der Realität drastische Konsequenzen und das wird Kindern mit diesen Geschichten erklärt und durch diese Geschichten können sie das auch durchaus begreifen. Die beste Methode, damit ein Kind 'falsches' Verhalten nicht ergreift, ist, wenn es begreift warum dieses Verhalten falsch ist. Zugegebenermaßen ist hier die 'Die Geschichte vom Daumenlutscher' sicherlich eine Ausnahme und ich erkenne nicht den pädagogischen Wert darin, dass man einem Kind sagt, dass da einfach irgendein Schneider kommt, der ihm die Finger abschneidet. Unterhaltswert und/oder Gruselfaktor kann es aber durchaus bieten. Bei den meisten anderen Geschichten werden den Kindern einfach reale Konsequenzen von bestimmten Handeln aufgezeigt. Wer mit Streichhölzern spielt kann verbrennen. Das ist nicht das Erfinden eines schwarzen bösen Mannes damit das Kind aus Angst dieses Handeln nicht ausführt, sondern die Realität. Das ist die reale Konsequenz. Sie ist drastisch, aber das ist die Realität. Wenn man einen Brand auslöst, dann kommt nicht ein rosa Winnie Puh geflogen und bläst das Feuer mit Zauberpuste aus und nichts passiert, nein, man kann verbrennen - das ist die Realität. Und diese Realität verstehen Kinder auch und es kann nur positiv sein, wenn sie die Realität begreifen wie sie ist und sie nicht in einer abgeschirmten behüteten Welt heranwachsen, die es ihnen verunmöglicht später mit ihrem Leben zurechtzukommen. Wer in die Luft schaut, wird irgendwo dagegenlaufen (das kann drastische Folgen haben) Wer nichts isst, der schadet seiner Gesundheit (brandaktuelle - Grüße an 'Germany's Next Top Model') 'Die Geschichte von den schwarzen Buben' - bringt bereits Kindern Toleranz bei mit Mitteln, die sie verstehen. Kurz gesagt: ich finde das Buch hervorragend, aber es ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Aber bitte hören wir doch auf es zu dämonisieren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Auf das Kind kommt es an,
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter: Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3 bis 6 Jahren (Gebundene Ausgabe)
Bei der Bewertung dieses Buches bin ich hin- und hergerissen, und die bereits erfolgten Rezensionen zeigen ja, wie gespalten die Leserschaft bezüglich des Struwwelpeters ist.Zunächst kann ich mal von mir selbst ausgehen. Die Geschichten haben auf mich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Obwohl ich das Buch bestimmt 30 Jahre nicht in der Hand hatte, konnte ich kürzlich alle Geschichten lückenlos aufzählen. Ich habe ein gutes Gedächtnis, aber bei welchen Büchern gelingt einem das nach so langer Zeit? Haben mich nun diese Stories in meiner Kindheit entsetzt? Nein - bis auf eine große Ausnahme, dazu aber später! Zappelphilipp, der fliegende Robert, Hans-guck-in-die-Luft, der Suppenkasper (als Kind dachte ich immer, wie blöd ist der Kerl? Heute sehe ich in jeder Modelshow die weiblichen Pendants.), fast jedes Bild habe ich so genau angeschaut, dass ich heute noch die davonschwimmende Mappe des gestürzten Hans sehe. Auch wenn die Darstellungen natürlich altertümlich sind, mit wieviel mehr Liebe sind sie doch im Detail gestaltet als so manches Kinderbuch heute. Ich habe als Kind die Folgen für manche Handlung gelernt, zum Beispiel, dass Feuer gefährlich ist, und ich habe nie gezündelt - wobei das natürlich nicht nur eine Folge des Struwwelpeters ist. Die meisten Geschichten empfand ich eher als lustig und originell, allein die Vorstellung, einen ganzen Eßtisch versehentlich abzuräumen, ließ mich kaum einschlafen vor Kichern. Den Nikolaus fand ich klasse, wie er die drei Lümmel ins Tintenfass stülpte, um noch schwärzere Schwarze zu erzeugen als der malträtierte Junge selbst farbig war. Wie modern! Eine Ausnahme gab es aber, und das war der Daumenlutscher. Der daumenlose Konrad ließ mich viele Nächte nicht zur Ruhe kommen, und ich erinnere mich, dass ich lange noch nur bei Licht einschlafen konnte, da ich fürchtete, der Schneider käme um die Ecke - und ich lutschte schon lange nicht mehr selbst am Daumen. Habe ich meinem 6jährigen Jungen den Struwwelpeter vorgelesen? Bisher nein. Ich gebe zu, meine eigene monatelange Furcht vor dem Daumenschnippler hindert mich daran. Aber wenn er noch ein wenig größer ist, werde ich ihm das Buch zeigen, als hübsches altes Buch mit skurrilen Geschichten, die alle ein bißchen Wahrheit in sich tragen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Genial!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter. CD (Audio CD)
Herrlich subversive Interpretation der Originaltexte von Heinrich Hoffmann! Bierbichler deklamiert und singt respektlos, immer mit leicht bayerischem Einschlag, überhöht die Dramatik der ohnehin dramatischen Geschichten - und das ganze begleitet von einem brillanten Orchester. Für Menschen ohne ideologische Vorbehalte gegen die meiner Meinung nach völlig zu Unrecht verfemten Bildergeschichten Hoffmanns und mit Sinn für ein Musikerlebnis jenseits des Mainstreams ein Muss! Meine Tochter (4) liebt Buch und CD - ein Stück Kultur für's Kinderzimmer.Kaufen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Klassiker!,
Von ThorThunder "Thunder" (Wilmington, NC) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter (Gebundene Ausgabe)
Ich studiere Germanistik und dafür ist dieses Buch super! Heutzutage ist es nicht genau ein Kinderbuch, aber es enthält viel Brauch und Geschichte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
ein prima buch,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter (Ungekürzte Fassung) (Gebundene Ausgabe)
sehr lehrreich und unvergeßlich. aus meiner kindheit weiß ich noch einige geschichten. mein enkel hört sehr interessier zu. er ist 3 jahre. kann ich nur empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Thank you!,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter (Ungekürzte Fassung) (Gebundene Ausgabe)
My daughter has requested many books from Deutschland to teach her child how to speak the language. Thank you very much.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Super,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter (Ungekürzte Fassung) (Gebundene Ausgabe)
Da ich schon von meiner Großmutter die Geschichten kannte, bin ich mit diesem Buch sehr glücklich.Hoffe meinem Kleinen gefällt es auch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Bin damit aufgewachsen,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder (Kindle Edition)
Ist ein wenig lieblos. Die Auflösung ist nicht schön aber ich kenn es auswendig. Mein Sohn ist trotzdem begeisstert. Da es gratis war ist es nicht so tragisch.
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Der Struwwelpeter: Originalausgabe für die ganze Familie. Mit einem Vorwort für Kinder und einem Nachwort für Eltern von Heinrich Hoffmann (Gebundene Ausgabe - 27. September 2010)
EUR 12,90
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