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am 20. September 2011
Das Buch Generation Koffer spricht ein Thema an, das äußerst wichtig ist und bisher noch nicht wirklich thematisiert wurde. Migration ist ein großer Schritt, der nicht immer und nicht nur einfach ist. Wie erst muss es Kindern gehen? Vor allem Kindern, die zurückgelassen werden müssen oder hin und her geschoben werden. Davon erzählt dieses Buch. Acht Menschen berichten von ihren Erfahrungen. Es ist zu spüren, dass noch nicht alle von ihnen verzeihen konnten - vor allem den Eltern. Die Autorin gibt auch einen kleinen Einblick in die Umstände und die Geschichte der sogenannten GastarbeiterInnen. Und Sie erzählt, dass es nur den EinwanderInnen aus der Türkei untersagt war, die Familie mitzubringen bzw. nachzuholen. Wie viele darunter leiden mussten und vor allem, wie viele Familien niemals wirkliche Familien sein konnten, erfahren wir mit diesem Buch ziemlich eindringlich. Hier gibt es etwas aufzuarbeiten und zwar nicht nur zwischen den Eltern und den Kindern, sondern auch für die Regierung und die deutsche Gesellschaft. Zumal, und auch deshalb ist das Buch so wichtig, auch heute noch unzählig viele Menschen nach Deutschland kommen, um zu arbeiten und ihre Familien daheim zurücklassen. Fragen, Zwickmühlen und Beweggründe, die sich viele in der deutschen Dominanzgesellschaft gar nicht stellen, nicht stellen müssen und die nicht präsent sind.
Das Buch sollte gelesen werden - unbedingt.
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am 2. Dezember 2011
Generation Koffer - Die zurückgelassenen Kinder.

'Generation Koffer' oder 'Pendelkinder' bezeichnen diejenigen, die im Zuge der Arbeitsmigration aus der Türkei nach Deutschland noch Säuglinge oder kleine Kinder waren und zunächst in der Türkei zurückgelassen wurden. Sie wuchsen bei Verwandten auf, bevor sie nach Deutschland geholt wurden. Viele pendelten auch über Jahre hin und her. Im Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland, das 1961 geschlossen wurde, war Familiennachzug nicht vorgesehen; im Gegenteil, es galt ein zweijähriges Rotationsprinzip, das für den Nachschub junger, alleinstehender und gesunder Arbeiter und Arbeiterinnen sorgen sollte.
Ich habe mich oft gefragt, wie man mit solch einem Verlust lernt umzugehen und welche Strategien man entwickelt, um das Leben zu meistern. Als Kleinkind verlassen zu werden, ist eine schmerzvolle Erfahrung, die das weitere Leben prägt. Das Thema sei ein Tabu, 'vermutlich sogar eines der schwerwiegendsten und schmerzhaftesten in der Migrationsgesellschaft', schreibt Wilhelm. Das ist naheliegend, denn fast jede Familie, die aus der Türkei nach Deutschland migrierte, ist betroffen. Darüber sprechen will (noch) kaum jemand. Deshalb ist das Buch von Gülcin Wilhelm auch so wichtig. Sie hat acht Personen aus der zweiten Generation zu Wort kommen lassen. Auf der Grundlage von Interviews zeichnet sie ihre Biografien nach. Ein kurzes Kapitel beleuchtet die deutsche Einwanderungspolitik, daran anschließend geht Wilhelm auf die Perspektive und Haltung der Elten ein und versucht aufzuzeigen, wie es dazu kommen konnte, dass sich dieses Thema zu so einem starken Tabu entwickelt. Eine Aussprache - obwohl wahrscheinlich ein Entlastung - findet in den allermeisten Fällen nicht statt. Die Eltern leben verständlicherweise mit Schuld- und Schamgefühlen und haben Angst vor der Reaktion ihrer Kinder. Die betroffenen Kinder schweigen ebenfalls aus Angst und Scham. Statt die Auseinandersetzung zu suchen, verlässt man sich lieber auf die bewährten Verdrängungsmechanismen - ein weit verbreitetes Muster in allen Bereichen der Gesellschaft. Claudia Haarmann, eine der PsychotherapeutInnen mit denen Gülcin Wilhelm über das, was sie in den Interviews erfahren hat, gesprochen hat, um es besser einschätzen und einordnen zu können, benennt die Sprachlosigkeit als eines der Merkmale der Traumatisierung: 'Man redet nicht über die Ereignisse, weil der Schock und der Schmerz, die damit verbunden sind, zu groß zu übermächtig erscheinen. Man spricht nicht darüber, in der Hoffnung, das Thema so in Abstand zu halten, man drückt es weg. Das bedeutet aber auch, ein Teil der Erinnerung, ein Teil vom Selbst wird völlig ausgegrenzt und verdrängt.' (S. 33)
Die Situation der Zurückgelassenen ist sehr komplex und schwankt einerseits zwischen der Wut den Eltern gegenüber, die sie für ihr Unglück verantwortlich machen und die Tendenz, den eigenen Schmerz zurückzustellen, wenn es darum geht, die Handlungen der Eltern zu kritisieren.

Gülcin Wilhelm weist darauf hin, dass Begriffe wie 'Betroffene' und 'Tabu' keinesfalls mit Opfer gleichzusetzen seien. Im Gegenteil, es dränge sich der Eindruck auf, als seien diese Menschen gerade durch die Härte ihrer Kinderjahre mit einer besonderer Überlebensfähigkeit ausgestattet worden. 'Die größte Angst eines Kindes ist, verlassen zu werden', so der Psychotherapeut Kenan Demir. Mit dieser Angst mussten diese Kinder umgehen und um überleben zu können, haben sie sehr früh, die Verantwortung für ihr Leben selbst übernommen. Für das Selbstwertgefühl, das eng mit diesem Urvertrauen zusammenhängt, hat dies eine nicht zu überschätzende Bedeutung, völlig unabhängig von Migration. Die ausgeprägte Leistungsorientiertheit, die bei den Betroffenen zu beoachten ist, könne zum Teil auf ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung zurückgeführt werden. So finden sich viele, die als Kinder verlassen wurden, in dem Irrglauben wieder, nichts wert zu sein und nicht geliebt zu werden.'

Die acht Portraits, die den letzten und größten Teil des Buches ausmachen, sind spannend zu lesen und geben einen Einblick in sehr verschiedenen Biografien. Denn obwohl alle die schmerzvolle Erfahrung des Verlassenseins teilen, hat doch jede/r individuell verschiedenen Strategien entwickelt, damit umzugehen. Ilker, dessen Geschichte das Buch abschliesst, bringt das Dilemma, das man vielleicht sein Leben lang mit sich trägt, sehr schön auf den Punkt: 'Es ist eine Sache, ein Denkmuster, das du aufgrund emotionaler Schäden entwickelt hast, zu durchschauen, und eine andere, es nach dreißig Jahren abzulegen. (...) Dieser Zustand des ständigen gedanklichen Umherirrens ist anstrengend und mühsam. Seitdem ich die Dinge in Frage stelle, kann ich es mir nicht mehr leisten, zu sagen, so ist mein Leben eben. Gleichzeitig möchte ich aus der ewigen Leier heraustreten, die ich wegen meines frühkindlichen Traumas ununterbrochen wiederhole. Es kann doch nicht sein, dass man mit neunzig immer noch davon redet, wie man als Kind zurückgelassen worden ist.' Vielleicht ist damit aber schon viel erreicht, immerhin spricht Ilker darüber. 30 bis 50 Jahre scheint eine lange Zeit, aber die Psychotherapeutin Meral Renz weist darauf hin, dass das Geschehene vielleicht noch nicht lange genug zurückliegt, und der Abstand noch nicht groß genug ist, um das Erlebte zu verarbeiten.

Ein Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. Cem Özdemir fordert im Vorwort eine humane Migrationspolitik, die erst gar nicht zur Trennung von Eltern und Kindern führt. Eine Forderung, die selbstverständlich sein sollte. Die bundesdeutsche Migrations- und Visapolitik ist davon weit entfernt. Eine Politik, die Menschen, die ihr halbes Leben in Deutschland geschuftet haben, nicht Partizipation und gleiche Rechte ermöglicht, kann wohl kaum als Demokratie bezeichnet werden.
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