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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deep in the Jungle, 24. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Arraia. Novelle (Gebundene Ausgabe)
Arraia ist der brasilianische Name eines Rochens. Eines Tieres also, das irgendwo unter Wasser lebt und von dem man als normal Sterblicher eigentlich nicht allzuviel mitbekommt. Was dieses Geschöpf mit der Handlung der gleichnamigen Novelle zu tun hat bleibt lange Zeit so dunkel, dass man die Titelwahl von „Arraia" unbewusst bald als ästhetischen Missgriff einordnen will. Doch als das Geheimnis gelüftet wird, wird seine Bedeutung schlagartig klar.
Die Berliner Journalistin Anne Zielke (u. a. F.A.Z. am Sonntag, Süddeutsche Zeitung, GEO) liefert mit „Arraia" ihre Debütnovelle und hebt sich darin von der sonst oft so strukturlosen Literatur der Gegenwart durch ein klares Konzept und die Liebe zu einem klassischen Stil ab. Dies allein wäre wenig wert. Eine facettenreiche und ungemein bildhafte Sprache mit Pioniergeist, ein gekonnter Spannungsaufbau und nicht zuletzt das beharrliche Einflechten großer philosophischer Themen geben der Novelle jedoch inhaltlich ein unverwechselbares Profil, so dass sie getrost als, das bezeichnet werden kann, was wir gemeinhin gut nennen.
In „Arraia" schickt Anne Zielke zwei Theologiestudenten, die auf die exquisiten Namen Georg Santin und Wilmar Olaf Hegenberg hören, auf eine Reise, den Amazonas flussaufwärts. - Eine äußere Reise, die, nicht zum ersten mal in der Geschichte der Kunst, zur Reise in den Geist und in die Seele der Reisenden selbst gerät. Von Abenteuerlust gepackt und einen todgeweihten, aber dennoch lustigen (!) Leprakranken im Gepäck, treten die zwei angehenden Gottesdiener ihre Fahrt an. Doch schnell führen ihre unterschiedlichen Lebensauffassungen die beiden in einen nicht enden wollenden Zwist, dessen Schatten auch die prachtvolle Welt des Amazonas kaum zu überlagern vermag.
Mag die äußere Handlung von „Arraia" auch recht simpel gestrickt sein, so schafft es Zielke dennoch fast mühelos, den Leser mit ihren liebevollen Beschreibung, sowohl der Natur des Flussdeltas als auch der Psyche der Hauptpersonen, in eine komplett neue Welt zu versetzen. „Man konnte den Wald förmlich riechen" lautet des Buches allererster Satz, beschrieben aus der Sicht des hoch oben über dem Urwald im Helikopter sitzenden Hegenberg. Auch beim Lesen hat man des Öfteren das Gefühl, dass man diesen Wald riechen kann, so feinfühlig beschreibt die Autorin das die zwei Theologen umgebende Medium. Dennoch kann von bloßem Deskriptivismus keine Rede sein. Hand in Hand gehend mit der Beschreibung der Reise durch den Dschungelfluss, lässt die Anne Zielke immer aufs neue dessen Charakter des Ewigen und Zeitlosen einfließen und kontrastiert damit das, zwar um das Absolute bemühte, doch in Wirklichkeit immer mehr ins Triviale abgleitende Gebaren von Santin und Hegenberg. Bis deren Diskussion um das richtige Leben letztlich nicht mehr von der Macht der Natur rings um sie getrennt werden kann und beides, für die zwei Menschen ebenso schmerz- wie lehrreich, verschmilzt... Neben all diesen philosophischen Ein- und Ausflügen, und der langsam einsetzenden Dramatik des Amazonas, sind es einige, im wahrsten Sinne des Wortes, traumhafte Szenen, die das Sahnehäubchen auf Zielkes nicht gerade monumentalen, aber dennoch sehr tiefgehenden Erzähldebüt bilden, und es schaffen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Fazit: „Arraia" ist kurz und leicht zu lesen, dennoch ist nichts daran oberflächlich oder vereinfacht. Anne Zielke hat ein kleines Buch über große Themen geschrieben. Und das so gut, dass es am Ende irgendwie schade ist, dass das Buch so kurz war. Man will weiterlesen. Vielleicht kommt ja einmal ein Roman...
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse!, 21. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Arraia. Novelle (Gebundene Ausgabe)
Äußerst gelungenes Debüt. Zwei junge deutsche Priester-Seminaristen geraten im Amazonas-Gebiet in ein folgenschweres Abenteuer.
Die Autorin schafft es durch ihre meisterhafte Sprache den Leser dicht an das Geschehen heranzuführen. Die spezielle Urwald-Atmosphäre, Nebel und Regen, sind jederzeit spürbar. Die abenteuerliche Flussfahrt auf einem großen Nebenfluss des Amazonas wird authentisch beschrieben, Stromschnellen, Sandbänke, Moskitos und Lianen werden greifbar. Die Atmosphäre und die Umgebung werden meisterlich eingesetzt um die Katastrophe, in die die Protagonisten fahren, anzudeuten. In dieser Hinsicht steht die Autorin in der Tradition eines Heinrich v. Kleist. Ihr Schreiben in Andeutungen, ihr perfekter Umgang mit dem Konjunktiv lässt auf Kenntnis und Bewunderung der großen deutschen Novellenschreiber deuten. Der präzise Aufbau ihrer Novelle auf einen Höhepunkt hin, auf eine "unerhörte Begebenheit" (Goethe)ist ein wahrer Lesegenuss.
Weiter so, Frau Zielke!
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Arraia. Novelle
Arraia. Novelle von Anne Zielke (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 2004)
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