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63 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Reihenhäuschen und Tanzcombos
Mein damaliger bester Freund wuchs in genau jener Vorstadtsiedlung auf, die der 1962 geborene Autor Heinz Strunk in diesem Buch beschreibt. Ich selbst empfand es dort damals immer als sehr angenehm, und wenn man ganz genau hinsieht, dann sind auch Strunks Reminiszenzen an dieses grüne und friedliche Wohnviertel gelegentlich von fast liebevoller Melancholie...
Veröffentlicht am 31. Mai 2006 von H. Schwoch

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen lustig, aber alles andere als spannend!
Hatte schon viel über das Buch gehört... und wenn man aus dem Landkreis Harburg stammt sollte man es auch gelesen haben!

Vorweg: hier lässt es sich ganz gut leben - sooo langweilig ists nun auch wieder nicht!!

Aber zum Buch: Es bringt einen von der ersten bis zur letzten Seite immer wieder zum Lachen. Der Autor versteht es, den Leser...
Veröffentlicht am 8. August 2008 von q-big


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63 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Reihenhäuschen und Tanzcombos, 31. Mai 2006
Von 
H. Schwoch "hschwoch" (Seevetal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Mein damaliger bester Freund wuchs in genau jener Vorstadtsiedlung auf, die der 1962 geborene Autor Heinz Strunk in diesem Buch beschreibt. Ich selbst empfand es dort damals immer als sehr angenehm, und wenn man ganz genau hinsieht, dann sind auch Strunks Reminiszenzen an dieses grüne und friedliche Wohnviertel gelegentlich von fast liebevoller Melancholie geprägt. Letzte Woche habe ich die Gegend für einen nostalgischen Spaziergang mal wieder aufgesucht und dabei festgestellt, dass sich zwischen Walsroder Ring, Bispinger Weg und Celler Weg äußerlich rein gar nichts verändert hat.

Im Wesentlichen spielt "Fleisch ist mein Gemüse" aber in einem Zeitraum von etwa zwölf Jahren, die der Autor als durchaus begabter Saxophonist einer ansonsten unsäglich schlechten Tanzcombo namens Tiffanys (bitte niemals 'Die Tiffanys' sagen!!) auf Hochzeiten, Schützenbällen und Silvesterfeiern im erweiterten Bereich des Landkreises Harburg verbracht hat. Heinz Strunk ist ein begnadeter Erzähler seiner eigenen Lebensgeschichte, und die unmittelbare Wucht dieses grandios geschriebenen Buches verdankt sich wohl ganz wesentlich dem Umstand, dass es sich hier gleichsam um einen Tatsachenbericht handelt. Es wäre interessant zu wissen, ob eine von ihm ausgedachte, also rein fiktive Story auch nur annähernd gleichartige Qualitäten aufweisen würde.

Wer in diesem Buch zu schmökern beginnt, der wird es nicht wieder aus den Händen legen, bis er es quasi in einem einzigen, nur von den wesentlichsten Dingen der Daseinserhaltung unterbrochenen Durchgang zu Ende gelesen hat. Es ist zum Brüllen komisch, ironisch und lakonisch, gleichzeitig aber auch geprägt von schmerzhaftester (Selbst-)Ehrlichkeit und maßloser Trauer über die tägliche Bürde einer jeden Durchschnittsexistenz. Zwischen ungebremsten Lachanfällen und allertiefstem Mitleiden liegt beim Lesen häufig nicht mehr als ein Augenaufschlag.

Für "Fleisch ist mein Gemüse", das inzwischen bereits in der 16. Auflage (!) vorliegt, gilt in jedem Fall meine allerhöchste Empfehlungsstufe. Und jenes Reihenhäuschen, in dem der Autor so viele Jahre vor sich hin wohnte, sollte eigentlich längst eine ausgewiesene Kultstätte zigtausender Heinz-Strunk-Anhänger sein!
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53 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heinzi goes Tiffany und ich war dabei, 14. November 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse, 5 Audio-CDs (Audio CD)
Ich habe "Fleisch ist mein Gemüse" während einer eigentlich langweiligen Fahrt von Münster zur Insel Fehmarn gehört. Gemeinsam mit einem Bandkumpel, mit dem ich seit mehreren Jahren Cover-Rockmusik mache und ebenfalls unzählige "Mucken" auf Geburtstagen und Hochzeiten bestritten habe, wollte ich mir zwei ruhige Tage auf der Insel gönnen.
Um es kurz zu machen. Die Fahrt verging wie im Flug. Das Hörbuch zog uns bereits nach kürzester Zeit in seinen Bann. Zwischenzeitlich lachten wir Tränen ("Ihr Schweine, Ihr. Was macht Ihr hier oben die ganze Zeit" oder "Neger beim Friseur") , zwischenzeitlich hörten wir einfach nur gebannt, ergriffen und bewegt zu.
Vielleicht war es deshalb so genial, weil vieles, was Heinz mit "Tiffanys" erlebt hat, aktuell noch unser Alltag ist. So kam uns vieles sehr vertraut vor (Muckerstarre, endloses Warten, verlassene Gasthöfe, Hochzeitsgesellschaften, endloses Auf- und Abbauen etc.)
Das Hörbuch hat uns so fasziniert, dass wir auf dem Rückweg mit Hilfe des Navigationssystemes in Hamburg-Harburg spontan eine Art private Stadtführung unternahmen und uns viele Orte des Hörbuches einfach einmal ansahen(Heinzes Wohnhaussiedlung incl. Zwergenhäuser, diverse Straßen und vor allem die PHÖNIX-Gummiwerke). Es war wie eine Fahrt durch unsere Phantasie und zugleich der Höhepunkt des Wochenendes. Das Hörbuch ist schlicht weg genial. Der Sprecher und Autor unendlich nett und echt und man wünscht sich fast, mit ihm einfach mal ein Stündchen zu quatschen. Denn natürlich will man wissen, wie es mit Heinzer nach dem Ausstieg bei "Tiffanys" weiterging. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung, denn die ist er uns irgendwie schuldig.
Wir jedenfalls können "Fleisch ist mein Gemüse" nur wärmstens empfehlen.
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37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen All mein Respekt gilt den Tanzmuckern, 11. Februar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch voller Abscheu dem Land und dessen Sitten gegenüber angefangen, und aufgehört habe ich mit einem großen Platz für das Land in meinem Herzen.
All die Schützenfeste, Hochzeiten und anderen Saufrituale könnte ich als junger niedersächsischer Dorfmensch miterlebt haben, die Atmosphäre, die Lieder, die Leute. Auch, wenn man meint, man hasse all das, dank Herrn Strunk lernt man es wieder schätzen. Diese brachiale Ironie, diese Absurdität, herrlich. Aber dieses Buch ist durch und durch ehrlich, man traut sich gar nicht zu denken, es sei erfunden, geschweige denn, seine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen. Und eines ist noch wunderbar: Trotz Eigenleben entwickelnder Akne und schweren Problemen mit Frauen ist der gute Herr Strunk einer der lustigsten Menschen hierzulande geworden (wie gesagt, ich halte jedes Wort in diesem Buch für wahr, weil ich schlicht und ergreifend weiß, dass es stimmt).
Und endlich lache ich auch nicht mehr über all die schlechten Showbands, sondern zolle ihnen gewaltigen Respekt-diese armen Leute, die unterbezahlt doofe Schlager für noch dööfere Besoffene spielen müssen, jahrelang. Obwohl sie größeres könnten.

Heinz Strunk, mein Leidensgefährte,...
er spricht mir von der Seele

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41 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Leute: begeistert!, 19. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
800 Auftritte hatte Heinz "Heinzer" Strunk mit der Tanzkapelle Tiffanys. "Die immer gleichen endlosen Mucken" schreibt Heinzer und lässt den Leser an zahlreichen Hochzeitsfeiern, Schützenfesten, Sylvesterpartys und Geburtstagen teilhaben. Trotz sich stets wiederholender Rituale ist beim Lesen von Langeweile keine Spur! Eine großartige, nie dagewesene Analyse erbärmlicher Dorffeten der 80er und 90er Jahre aus Sicht eines verzweifelten Berufsmusikers. In Fleisch-ist-mein-Gemüse am besten wiederfinden werden sich diejenigen, die selber einmal Tanzmusik gemacht haben, sich nächtelang auf dörflichen Tanzfesten amüsiert haben, mit nicht enden wollender Akne zu kämpfen hatten, alkohol- oder spielsüchtig waren, eine kranke Mutter zu pflegen hatten oder bei denen es mit den Frauen nie so geklappt hat wie man gern gewollt hätte ... Also im Grunde jeder. Wenn man es nicht besser wüsste, müsste man sich ernsthaft Gedanken machen, ob wohl aus dem armen Heinzer noch mal was geworden ist. Die Leute: begeistert!
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grossartig! Lustig! Böse und Unterhaltsam!, 18. April 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Selten so gelacht! Selten so gegruselt oder Gänsehaut bekommen.

Es ist alles so authentisch provinziell, wie man es sich selbst garnicht vorstellen kann! Wie die schlimmsten Alpträume, über die deutschen Kleinstadtproll-Wüsten Schützenfest, Karneval oder Silvesterfeiereien: Fleischplatte mit brauner Soße. Kette

rauchen, Dosenbier, Spiegeleier und Merkur-Disk 2000.

Strunk ließt das dann auch noch so vor, dass man denk, man sitze mitten dabei und kucke ihm bei seinem Märtyrium und Abmelk-Orgien zu. Man kann es fast riechen! Wer glaubt er habe eine beschissene Jugend gehabt, der muss sich das anhören. Is nämlich alles halb-so-wild dagegen!

Das beste das ich seit langem gehört habe. Das nachfolge (Hör-)Buch "Mit Hass gekocht" hab ich schon bestellt.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön, wenn man nicht dabei war..., 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Wenn man weiß, dass Heinz Strunk bei Studio Braun ist (und auf VIVA "Fleischmann-TV" gemacht hat), hat man gewisse Erwartungen an "Fleisch ist mein Gemüse". Er hat bei den Telefonterroristen schon die Rolle desjenigen inne, der in Volksfloskeln spricht, ungefähr so, wie die Leute, denen man eher aus dem Weg geht, wenn sie so schon anfangen. Persifliert kann man aber darüber lachen, und in der Form war das Buch dann auch zu erwarten.

Wenn man seine Stimme kennt, kann man Heinz Strunk (bzw. Jürgen Dose) durchaus reden hören, während man liest. Aber das Lachen bleibt einem schnell im Halse stecken. Unerwartet ernst und sachlich, wenn auch in der gut beobachteten Sprache seines Klientels, erzählt er von einer Jugend mit einer Mutter, die im medizinischen Sinne verrückt ist, und den daraus resultierenden Depressionen. Der Heinz des Romans ist eigentlich ein verkommenes Subjekt, depressiv, alkohol- und spielsüchtig ("Stichwort: Angstfreie Zone", um mal eine seiner Formulierungen zu benutzen), ohne Selbstwertgefühl, aber dafür im eigenen Rahmen ein selbstgerechtes Arschloch. Seine Mitmusiker stehen auf der gesellschaftlichen Leiter genauso weit unten wie er (weshalb man sich ja zusammentat), aber wie überall gibt es auch dort Hierarchierangeleien. Und wie er seine Musikschüler behandelt, ist ebenfalls Folge eines unterfüllten Machtbedürftnisses.

Immerhin ist Strunk nicht der Voll-Loser. Folge seiner extrem langweiligen Jugend ist ein versiertes Blasinstrumentespiel, mit dem er seine Mitmusiker bei Tiffanys, der Tanzkapelle, die der Leser über Bucheslänge begleitet, musikalisch locker in den Schatten stellt. Und da kommt das nächste deprimierende Element: die Veranstaltungen, auf denen er zu spielen hat. Ab Harburg südwärts in der niedersächsischen Pampa, auf Schützenfesten, Lokalpromihochzeiten, Jugendtanzabenden oder Silvesterfeiern, auf Schützensälen, in heruntergekommenen Hotels oder irgendwo auf freier Pläne in gammeligen Schuppen - auf Veranstaltungen, die man, wenn man im Nordkreis Gifhorn aufwuchs, kennt und, wenn man einigermaßen Geschmack und Verstand hatte, alsbald mied. Das Publikum dort ist nicht minder mitleiderregend als die ausrangierten Exschlagerstars, die bisweilen Tiffanys als Begleitband buchen.

Nicht zuletzt der erste Sex ist eines der Ziele, die Strunk in knapp 15 Jahren als Tanzmusiker verfehlt, aber mit ständigem "Abmelken" zu kompensieren versucht. Er scheitert überall auf unterem Niveau, aber dennoch deprimierend nachvollziehbar. Im Prinzip muß man "Fleisch ist mein Gemüse" und "Dorfpunks" von Strunks Studio-Braun-Kollegen Rocko Schamoni parallel lesen, denn beide erzählen von Adoleszenz auf dem Lande, aber mit gegensätzlichen Verläufen. Aus dem Punk ist immerhin "was geworden", bei Strunk fehlt am Ende jede Hoffnung auf ein besseres Leben. Das Buch ist deutlich aus heutiger Sicht geschrieben und verklärt nichts, im Gegenteil, bietet sogar noch eine selbstvernichtende, realistische Sichtweise des geschilderten Lebens. Man muß nur ausblenden, dass er später eben im "Comedy"-Geschäft recht erfolgreich wurde...

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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Nährschlammprotokolle, 12. Februar 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Heinz Strunk ist 1962 auf der falschen Seite der Elbe geboren und aufgewachsen, im trostlosen Hamburg-Harburg, im Schatten einer alles dominierenden Autoreifenfabrik, seine "Landjugend mit Musik", die er in der Unterzeile seines autobiografischen Romans "Fleisch ist mein Gemüse" meint, ist schon nicht mehr eine Jugend, sondern da ist er bereits 23, aber wie jeder Adoleszentling genauso orientierungslos, isoliert, phlegmatisch und noch dazu mit einer verheerenden Akne ausgestattet, in einem winzigen "Zwergenhaus" mit seiner depressiven Mutter vor sich hinbrütend, er "wartet einfach mal so ab was passiert" und hofft eines Tages doch noch vierzig zu werden. Dann hätte er es wohl geschafft, was genau, weiss er allerdings nicht so recht. Einzig erkennbarer Lebensinhalt scheint zu sein, zu rauchen, sich zu "entsaften" und sein Querflötenspiel so zu perfektionieren, dass er, wie ein Storch auf einem Bein stehend, als Jethro-Tull- Impersonator durchgehen kann. Was dann seinem Leben eine entscheidende, wiewohl verhängnisvolle Richtung gibt, ist ein Anruf eines Bekannten, der ihn fragt, ob er ihn bei einer Tanzkapelle namens "Tiffanys" als Musiker vertreten könne, einer Showband mit flamingofarbenen Anzügen, die auf Schützenfesten, Hochzeiten und ähnlich trüben Anlässen in morschen Dorfwirtschaften in einer Art Paralleluniversum viele zähe Stunden den Saal am Kochen halten müssen, "Tanzmusik ist weder cool noch sexy. Tanzmusik hat nichts mit Kunst zu tun, sie hat noch nicht einmal besonders viel mit Musik zu tun. Sie ist die dritte Welt der Musik" Er bleibt bei "Tiffanys" fünfzehn Jahre, absolviert etwa 800 Auftritte. Ablenkung in dieser bleiernen Zeit findet er in riesigen Mengen an Fleisch, die er und seine Mitmusikerkollegen verdrücken, mit Obst und Gemüse solle man sparsam umgehen, "weil es sonst schnell zu einer ungewünschten Vorsättigung kommt", wenn es ihm schlecht geht, saugt er nur an seinen Schnitzeln, oder führt sich "Nährschlamm" zu, am Ende jedes der anstrengenden Auftritte, fahren sie gemeinsam nach Hause und verdrücken massenweise Spiegeleier, selten wurde Nahrungsaufnahme derartig desillusionierend beschrieben wie hier, nichts bereitet den Protagonisten hier Freude, nur weniges spendet Trost, wie die Eier und das "Daddeln", Geld in primitive Glücksspielautomaten zu stopfen ("Abmelken der Gurken"), am besten in anonymen Spielhallen, hier will er alt werden. So wie die Rentner um ihn herum, die immer, ein wichtiges Detail in dieser trostlosen Idylle, gerade vom Einkaufen kommen. Ihr Alter kann man daran erkennen, ob sie die dicken Mäntel anbehalten oder nicht - wer über siebzig ist behält ihn an.
Eine höchst tragische Figur, aber verwirrend ehrlich, und angesichts der hoffnungslosen Lage, in der er sich befindet, immer wieder gnadenlos komisch. Strunk, den alle nur Heinzer nennen, ähnelt in seiner Sackgasse, in der er es sich eingerichtet hat, Henry Chinaski, dem "Mann mit der Ledertasche" von Charles Bukowski, mit dem Unterschied, dass der aber als Briefträger offenbar auf Frauen anziehend wirkt, Heinzer hingegen kann nur Starren, "Man sah uns tausend Meilen gegen den Wind an, aus welch hölzernem Holz wir geschnitzt waren. Von den Futtertrögen des Lebens unüberbrückbar weit entfernt, verdammt zum ewigen Starren. Der Starrer empfindet jede halbwegs attraktive Frau gleichzeitig als Provokation und als Demütigung". Und während seine Mutter vor Verzweiflung aus dem Fenster springt, mit zahlreichen Knochenbrüchen überlebt, und im Krankenhaus und später in einem sie betreuenden, ansonsten vollkommen leeren Hotel vor sich hinvegetierend immer mehr die Gestalt eines Vogels annimmt, schreibt er in seinem stickigen Kinderzimmer das wohl düsterste Gedicht, das je in deutscher Sprache verfasst wurde: "Stupor", jemand fleht darum, dass man ihm die Arme brechen möge, weil er nicht mehr aufhören kann sich zu "melken". Dass er es dennoch schafft, aus diesem Hamsterrad der Verzweiflung herauszukommen und bei "Tiffanys" durch einen "pflegeleichten Ungarn" ersetzt wird, liegt wohl auch daran, dass er sich inzwischen als Komiker Jürgen Dose etablieren konnte, der mit der Gruppe "Studio Braun" mit zweifelhaften Klingelstreichen bekannt wurde.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mosaik des Lebens, 17. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Es gibt sicherlich viele Definitionen des Begriffs " Gewinner", Heinzer ist davon sicherlich soweit entfernt wie die Erde vom nächsten Sonnensystem. Aber seien wir doch mal ehrlich, ein wenig Heinzer lässt sich doch in der Vita eines jeden wiederfinden. Anfangs dachte ich, dass diese Zeilen ausschließlich der Erheiterung des Lesers dienen; gegen Ende des Buches bin ich doch ein wenig nachdenklicher geworden. Es spielt dabei für mich übrigens keine Rolle, ob sämtliche Informationen genau den Tatsachen entsprechen.Gute Unterhaltung mit einer gesunden Portion Selbstironie

HEINZER! Carpe diem
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Kurt Cobain der Tanzmusik, 12. September 2006
Von 
junior-soprano "Powderfinger" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Heinz Strunk ist erst spät zu einem, wenn auch noch begrenzten, Ruhm gekommen. Der Mann ist inzwischen über 40 und machte in der Sendung Zimmer frei einen interessanten und sympathischen, aber auch unsicheren Eindruck. Studio Braun, diese Mitschnitte von Juxanrufen und die Sendung Fleischmann-TV auf Viva waren kleinere Erfolge.
Fleisch ist mein Gemüse könnte die Wende für Heinz Strunk bedeuten und ihn aufrücken lassen in die Liga der anspuchsvolleren deutschen Satiriker. Es ist auf den ersten Blick nicht allzu tiefschürfend, was Strunk in diesem Buch über seine Zeit in einer Laien-Band schreibt. Aber es ist auch nie ausschließlich albern. Der Mann hat schon einiges miterlebt, er kann tatsächlich gut schreiben und er hat interessantes zu berichten. Der Titel des Buchs klingt etwas gewollt witzig, ist aber gut gewählt, um dem Buch Aufmerksamkeit zu bescheren.
Ist es ein Buch über das Erwachsenwerden? Eher nicht, da die Geschichte die Zeit vom 22. bis zum 34. Lebensjahr erzählt. Sicherlich die Zeit, in der man sich von den Kindheitsträumen verabschiedet und die wesentlichen Weichen fürs Leben stellt. Strunk leidet offensichtlich darunter solch folgenschwere Entscheidungen treffen zu müssen. Er ist ein Träumer. Aber ein pessimistischer Träumer. Gerne wäre er Profimusiker geworden, konnte sich aber nicht zu einem Studium aufraffen, trotz Abitur und Talent. Seiner Meinung nach fehle ihm die wichtigste Voraussetzung: der Wille zum Erfolg. Und das ist einer der wenigen bemerkenswerten Sätze, die Dieter Bohlen bisher gelungen sind: "Erfolg ist die Ausnahme".
Strunks Welt ist klein und deprimierend. Uneheliches Einzelkind. Kleines Haus, in dem er bis zum Ende des Buchs mit seiner, ebenfalls depressiven, Mutter wohnt. Schwere Hautkrankheit. Keine Freundin bis zum 34. Lebensjahr. Aufgewachsen in Hamburg-Harburg, dem Viertel, daß die Attentäter vom 11.9.01 bereits so sehr abgeschreckt hatte, daß sie eine Terrorzelle gründeten, um Geborgenheit zu finden. Kein Witz.
Fleisch ist mein Gemüse ist stellenweise äußerst amüsant geschrieben, es enthält einige wirklich großartige Gags. Der triste Alltag in der niedersächsischen Provinz in den Achtzigern und Neunzigern ist besonders für Menschen aus dieser Gegend sehr unterhaltsam, weil gut beobachtet und pointiert dargestellt. Für Liebhaber des Trash werden echte Perlen der Schlagermusik ins Gedächtnis zurückgerufen. Ich persönlich finde ja einige der, durch den Kakao gezogenen Interpreten und Songs gar nicht schlecht.
Ob das Buch wirklich bis ins letzte Detail autobiographisch ist, weiß ich nicht. Ist er nie auf die Idee gekommen seiner quälenden Erfolglosigkeit bei Frauen mit Geld ein Ende zu bereiten? Jemand der geradezu peinlich offen über seine Hautkrankheit schreibt, verschweigt seine Bordell-Besuche? Das ist nur eine der vielen Fragen, die ich Strunk gerne persönlich stellen würde und das ist dann auch ein Reiz des Buchs, man stellt sich Strunk als hilfsbedürftigen Freund vor, mit dem man gerne lange Gespräche führen würde und von dem man im Gegenzug viel über das Leben und die Musik erfahren könnte.
Besonders interessant ist Fleisch ist mein Gemüse für all jene, die gerne Musik zu ihrem Beruf machen wollen, und generell für alle, die im kreativen Bereich Fuß fassen wollen. Strunk faßt es ganz richtig zusammen: viele richten es sich ganz bequem in ihrer Rolle als verkannte Genies ein und scheuen es sich der Öffentlichkeit zu stellen. Aber wer nur für sich selbst malt, schreibt, musiziert etc. der wird nicht herausfinden, ob er wirklich ein Künstler ist oder sich nur für einen hält. Strunk ist sehr hart in seinem Urteil. Es wird klar warum er Probleme hat Freunde und eine Frau zu finden, wo er so sehr mit sich selbst im Unreinen ist. Wer mit 20 noch kein Instrument beherrscht, mit 30 noch nicht den großen Durchbruch geschafft hat, aus dem wird auch nichts mehr, das scheint mitunter die Botschaft zu sein. Strunk selbst hat das Gegenteil bewiesen und fährt seine Ernte erst mit über 40 ein.
Eine Spur zu weinerlich, zu selbstmitleidig ist er, um ein größeres Publikum begeistern zu können. Bei Max Goldt etwa ist immer die große Welt spür- und greifbar, das hat etwas erhebendes. Strunk steht sich selbst im Weg. Er ist ein wenig der Kurt Cobain der Tanzmusik, hochbegabt, launisch, depressiv und mit einem sehr speziellen Humor.

Strunk hebt sich angenehm vom zu derben Diermar Wischmeyer ab, der sich auch mit der niedersächsischen Provinz abgemüht hat. Allerdings ist er genau so klug und witzig wie dieser. Angenehmerweise er ist auch kein Florian Illies, der mit seinem, unsympathisch wirkenden und durch nichts gerechtfertigten, blasierten Überlegenheitsgefühl nervt. Leider ist er aber auch kein Helge Schneider oder Max Goldt. Auch wenn er sich bei letzerem bedient zu haben scheint.
Wer meint, daß das Buch nur oberflächlich sei, dem kann ich nicht zustimmen. Für mich hat Strunk mit diesem Buch erreicht, was ihm mit seiner Musik bislang nicht vergönnt war und was selbst vielen weit berühmteren Musikern und Autoren nicht gelingt: er hat ein Kunstwerk geschaffen, daß berührt und nachdenklich macht, und dabei auch noch gut unterhält. Die große Botschaft des Buchs lautet für mich, daß auch ewige Verlierer wie Mucker, die auf Hochzeiten spielen müssen, Anerkennung verdient haben. Warum so sehr damit quälen den vermeintlichen Ansprüchen anderer Menschen zu entsprechen? Studium, teures Auto, großes Haus, schöne Frau, Traumkarriere, Reisen - schön und gut. Aber wer das eine oder andere oder gar nichts davon hat, ist deshalb nicht wertlos. Könnte vom Papst sein, diese Botschaft. Eine andere gefällig? "Alle wollen etwas sein, niemand will etwas werden". (Goethe). Oder einfach nur: "Here we are now entertain us."
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25 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ....geht ab wie Schmidt's Katze !!!!, 26. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
auch wer kein gestörtes Sexualleben und Pickel im Überfluss hat, wem psychische Probleme sowie Tanzmusik fremd sind, egal, selbst diesen Lesern droht erhebliche Kurzweil.
Einzige Nachteile sind die überanspruchten Gesichtsmuskeln und der Umstand, dass dieses Buch einfach zu schnell zu Ende gelesen ist.
Kaufen !!!!
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Fleisch ist mein Gemüse, 5 Audio-CDs
Fleisch ist mein Gemüse, 5 Audio-CDs von Heinz Strunk (Audio CD - 18. Oktober 2011)
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