newseasonhw2015 Hier klicken mrp_family lagercrantz Cloud Drive Photos WHDsFly Learn More praktisch ssvpatio Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket Autorip

Kundenrezensionen

30
4,7 von 5 Sternen
Propaganda: Die Kunst der Public Relations
Format: BroschiertÄndern
Preis:16,90 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. November 2010
Selten gibt es ein Buch, das gleich mit einem derartigen Paukenschlag beginnt, der einen geradezu umhaut. Deshalb sei es erlaubt, hier den Anfang des rezensierten Buches zu zitieren:

"Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie: Wenn viele Menschen möglichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich."

Diese Sätze sind nicht dem aktuellen Traktat einer Globalisierungsgegnerin entnommen; es sind nicht die Worte eines modernen Medienkritikers oder eines Analysten des heutigen politischen Systems; mit diesen Ausführungen beginnt das Buch Propaganda", das bereits 1928 in den USA veröffentlicht wurde. Sein Autor ist eine heute legendäre Figur in der Geschichte der Public Relations. Es war Edward Bernays, der als erster PR als professionelle Dienstleistung für Unternehmen und Organisationen angeboten hat. Auf seiner Arbeit basiert noch heute ein Großteil dessen, was wir über Public Relations-Management wissen.

In den vergangenen 80 Jahren sind unzählige Bücher zum Thema PR erschienen. Oft kleiden die Autoren ihre etwas anrüchig wirkende Profession dabei in weichgespülte Worthülsen oder abstrakte Struktur- und Prozessdiagramme. Was Bernays' Buch noch heute lesbar und interessant macht, ist seine Offenheit. Er sagt wie es ist, ohne sich beschönender oder tarnender Vokabeln zu bedienen. Dabei stellt er die Arbeit von Public Relations-Experten nicht in Frage - im Gegenteil: Für Bernays ist PR eine Notwendigkeit, um Zustimmung in der Öffentlichkeit für bestimmte Entscheidungen und Ideen zu bekommen. Kritiker mögen das anders sehen, doch macht Bernays (übrigens ein Neffe von Sigmund Freud) wenigstens seine Position klar. Und erzählt nebenbei, was gute PR ausmacht, angereichert mit einer Vielzahl von Anekdoten aus seiner beruflichen Laufbahn, die auch heute noch spannend zu lesen sind.

Management-Literatur wirkt oft schon wenige Jahre nach ihrem Erscheinen veraltet. Auf den Bestseller-Listen tauchen immer nur die Titel auf, die etwas Neues anpreisen. Und ein PR-Buch mit dem Titel Propaganda" wirkt heute politisch extrem unkorrekt, auch wenn der Begriff zu Beginn des Jahrhunderts noch weitgehend neutral verwendet wurde. Wenn aber ein PR-Buch den Rang eines Klassikers" und damit auch viele Leser verdient, dann ist dieses.
33 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. April 2008
Anhand von zahlreichen Beispielen veranschaulicht und durch eine klare Gliederung zugänglich gemacht, breitet Bernays die Bedeutung oder vielmehr Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit für Regierungen, Wirtschaftsunternehmen, soziale Bewegungen, die Wissenschaft und sogar für die Kunst vor uns aus. Die Abläufe zwischen der unbewussten Aufnahme gezielt gesetzter Reize bis hin zu deren Wirkung (und konkreten Auswirkungen) werden genau erläutert.

Die Unverfrorenheit, mit der der Autor die inneren Zusammenhänge zwischen Emotion und Manipulation, zwischen Gruppenidentitäten und gezielt steuerbaren Konsumgelüsten darlegt, kann einem sogar unsympathisch werden. Dass unsere Selbstwahrnehmung als Individuen eine (heute von der Werbung mehr denn je gepflegte) Illusion ist und wir im Grunde nur leicht zu beeinflussende Bestandteile der Masse sind, die von einer (natürlich völlig zu Recht diese Position einnehmende) Elite gelenkt werden, ist für Bernays ganz selbstverständlich. Und leider ist seine kühle Argumentation teilweise nachvollziehbar. Vielleicht hat er doch recht, und nur so ist menschliches Zusammenleben zu organisieren?

Interessanterweise spricht dieser erfolgreiche PR-Spezialist, ein Mann der Praxis, die Frage nach einer Ethik von Propaganda an. Denn die Manipulation von Meinungen ist für an sich nichts Verwerfliches, im Gegenteil – es kommt ja nur darauf an, in den Dienst welcher Sache man sich stellt; und gelogen werden darf natürlich nicht! Jeder durchschnittliche Medienkonsument (also jeder) sollte sich heute darüber im Klaren sein, als wie unverbindlich diese noblen Ansprüche zu bewerten sind. Schon bei Edward Bernays, einem der ersten und prominentesten Vertreter seiner Branche, einem Gründervater der PR, funktionierte offensichtlich der Mechanismus, die eigene Rolle so zu relativieren, dass praktisch jede Handlung gerechtfertigt werden kann.

Ein empfehlenswertes historisches Buch - mit zeitlosen Fragestellungen und Überlegungen, die ausgesprochen gut zu den gegenwärtigen gesellschaftlichen Trends passen.

Zu loben ist auch nach hervorragende Nachwort, das eigentlich wie eine Einführung funktioniert und viel wertvolle Hintergrundinformation bietet.
22 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Oktober 2008
Für Bernays ist Propaganda zunächst einmal ein neutraler und wertfreier Begriff, der einen organisierten Versuch bezeichnet, bestimmte Ideen und Lehren in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Propaganda solle, so der Autor, nach seinen Zielen und dem Wahrheitsgehalt der Informationen beurteilt werden. In diesem Sinne geht Bernays auch immer wieder auf die ethische Verantwortung des Propagandisten ein. Doch wirklich überzeugend ist sein Rehabilitationsversuch nicht. Bereits die ersten Sätze seines Buches verursachen dem aufgeklärten Leser unserer Zeit ein unangenehmes Frösteln: Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen "Regierungen in unserem Land."

Frösteln lässt einen weniger die darin beschriebene Aussage, als vielmehr die Art und Weise wie Bernays den Leser davon zu überzeugen versucht, dass Manipulation gut und wichtig ist. Nach Meinung des Autors ist Propaganda, und damit die Manipulation der Massen, für eine demokratische Gesellschaft unerlässlich. Organisation und Fokussierung der öffentlichen Meinung sind nötig, damit die Gesellschaft nicht im Chaos der Vielfalt versinkt und somit quasi handlungsunfähig wird. Aber nicht nur für das politische System ist Propaganda wichtig und nötig, sondern auch für die Wirtschaft. Die Gesellschaft hat sich für den freien Wettbewerb entschieden und damit dafür, über Propaganda und Meinungsmanagement gesteuert zu werden. In Zeiten der Massenproduktion muss der Warenumsatz konstant gehalten oder besser noch gesteigert werden, damit die Produktion profitabel ist. Wäre lediglich der Preis für die Kaufentscheidung bedeutsam, würde das zu einem mörderischen Verdrängungswettbewerb" führen, der erst beendet wäre, wenn die Marge auf Null geschmolzen wäre. Während es zu Bernays Zeiten durchaus üblich war, dem Kunden in Werbeanzeigen ein Produkt verkaufen" zu wollen, kehrt Bernays - ebenso wie die heutigen Public-Relations-Berater - den Prozess um, indem sie den Kunden so manipulieren, dass er von sich aus zum Händler geht und ein bestimmtes Produkt kaufen will - einfach weil es schick ist oder modern, weil es bestimmte unbewusste Sehnsüchte zu befriedigen scheint oder weil scheinbar unabhängige Dritte sagen, dass es gesund ist und so weiter. Doch Bernays widmet sich der Propaganda nicht nur im politischen und wirtschaftlichen Umfeld, sondern ebenso in der Frauenbewegung, Bildung, Wissenschaft und im Sozialwesen.

Bernays "Propaganda" ist ein zeitloses Buch, dass die Grundmechanismen der Public Relations anschaulich und anhand vieler Beispiele erklärt. Nach achtzig Jahren hat es nichts von seiner Gültigkeit verloren, auch wenn die darin beschriebenen Strategien zur Manipulation der öffentlichen Meinung im Laufe der Jahre verfeinert wurden. Die Beispiele stammen zumeist aus Bernays Arbeit als Berater und helfen seine Aussagen zu illustrieren. Der Autor vermittelt keine detaillierten Anleitungen, wie ein Public-Relations-Berater vorzugehen hat, sondern allgemeine Strategien und Überlegungen. Aufgeklärte Leser wird es nicht erschrecken, dass unsere heutige Gesellschaft funktioniert, wie in einem Buch aus dem Jahr 1928 beschrieben. Die Naivität aber oder auch Kaltschnäuzigkeit, mit der Bernays von der Manipulation der Massen spricht und sie als etwas Positives, ja Nützliches propagiert, wird es schon eher. Mit einem gewinnenden Lächeln und scheinbarem Wohlwollen gibt er das Ideal der Aufklärung auf.
An sich verhält es sich mit dem Begriff Manipulation" wie mit dem Begriff Propaganda", er hat eine negative Konnotation und seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Doch selbst wenn man die Begriffe wertneutral einsetzt, ist das, was Bernays beschreibt, unbewusste Einflussnahme auf die Öffentlichkeit, die sich, ganz fatalistisch gesehen, nur zu gerne einer nebulösen Führung unterwirft, die ihre unbewussten Triebe und Sehnsüchte kanalisiert und steuert.

Für aufgeklärte Leser eine lesens- und empfehlenswerte Lektüre, die Mechanismen der Einflussnahme beschreibt und seinen Reiz aus der immer noch währenden Gültigkeit bezieht.
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. April 2008
Ausgehend vom Titel erwartete ich zunächst einen kritischen zeitgenössischen Text zum Thema Public Relations. Dementsprechend war ich überrascht zu sehen, dass der Autor das Buch schon 1928 geschrieben hat, und zwar als Plädoyer FÜR Propaganda; er wollte den negativ besetzten Begriff schon von seinem negativen Image befreien, bevor wir in Deutschland überhaupt einen Reichspropagandaminister hatten.
Die USA sind uns auf dem Gebiet der PR eben einen deutlichen Schritt voraus, und die geschichtliche Entwicklung, die sich einem hier offenbart, bringt einen auf bemerkenswerte Gedanken: Propaganda von Goebbels und aus DDR-Zeiten ist naturgemäß „böse“ - aber inwiefern unterscheidet sie sich substanziell von der „Öffentlichkeitsarbeit“, die uns im 21. Jahrhundert von demokratischen Regierungen sowie von den Werbestrategien kapitalkräftiger Großunternehmen geboten wird. Letztere sind schließlich der sprichwörtliche Eisberg, von dem wir in Form von Plakatkampagnen, TV-Spots, Anzeigen etc. nur die Spitze wahrnehmen.
Insofern sind es Binsenweisheiten, die uns Edward Bernays da erläutert. Schließlich sind wir Medienprofis, die ihre Portion Aufklärung schon abgekriegt haben. Wieso aber wird einem trotzdem ganz anders zumute, wenn man von diesem Buch mitgenommen wird in eine Zeit, als Begriffe wie „Pressemeldung“ und „Lobbyarbeit“ noch nicht jedem Laien selbstverständlich waren, wieso hat bereits Bekanntes hier so eine ganz andere Wirkung? Der Autor kommt bei seinen Beschreibungen ohne die üblichen PR-Worthülsen aus, was sich sehr apart liest und vielleicht damit zu tun hat, dass der entsprechende Jargon einfach noch nicht gestanzt war. Man befindet sich in den Pioniertagen der PR, der Leser ist ganz dicht dabei bei diesem Entstehungsprozess, der letzlich unsere mediale Umwelt in ihrer heutigen Form hervorgebracht hat. Manchmal scheint es fast, als hätte sich die Redaktion der Sendung mit der Maus des Themas „PR“ angenommen, so klar, unvoreingenommen und scheinbar naiv wird es präsentiert – und das erinnert auf leicht gruselige Art dann eher an Science Fiction als an die 20er Jahre.
Ein erstaunliches Buch.
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zutiefst befremdlich mutet dieses 1928 erstmals erschienene Werk des Gurus der Öffentlichkeitsarbeit an, in dem er einem interessierten Publikum aus Wirtschaft und Politik die Grundlagen der Lenkung und Beeinflussung von Menschen darbringt.
Ursprünglich waren die Kapitel aus Fachzeitschriften für Industrie und potentielle Kunden gedacht und mit den Beispielen aus der bemerkenswerten Karriere des Autors gespickt. Doch ganz im Sinne der Optimierung wurden die Artikel sowohl zu einem Manifest der Positivität von Öffentlichkeitsarbeit als auch zu einem Werbeprospekt für Bernays selbst.
Wären die Techniken der schleichenden Manipulation zur Formung von Meinungen nur zur Steigerung des Verkaufserfolgs eingesetzt worden, könnte man sie als subtile, aber außer für die Haushaltskasse, unschädliche Umsatzbringer definieren.
Das Problem liegt in der Anwendbarkeit auf Politik, wie seit dem Aufkommen der Konzepte eindrucksvoll und grauenhaft bewiesen wird. Wie nur wenige andere Werke befähigt das Buch in den Händen von Kriegstreibern und angehenden Diktatoren zur besseren, effizienteren Umsetzung ihrer Weltherrschaftspläne. Es fehlte nur noch, dass Bernays auch dafür Beispiele nach dem Schema „Wie eliminiere ich unter Zuhilfenahme anfangs noch demokratischer Prinzipien die politische Opposition und hebele die Verfassung aus, um im Zuge der Verwirrung die Macht zu übernehmen und einen Terrorstaat zu etablieren“ in sein Werk eingebettet hätte. Musste er nicht, denn ein großer Bewunderer des Juden Bernays nahm ihm diese Arbeit ab. Joseph Goebbels.
Wenn man sich vor Augen führt, dass seit Erscheinen des Buches bald 90 Jahre vergangen sein werden, kann man ein aufkeimendes Unbehagen samt Gänsehaut nur schwer unterdrücken. Diese genial diabolischen Konzepte waren schon ohne elektronische Hilfsmittel von einer erschreckenden Effizienz. Mit der parallelen Entwicklung von immer ausgefeilteren PR-Techniken und der digitalen Revolution gelangen die Beeinflussungsmechanismen immer näher an den Grad zur Perfektion. In Kombination mit immer leistungsfähigeren Computern, Big Data, flächendeckender Überwachung, beängstigenden politischen Tendenzen in westlichen Demokratien und dem Erstarken von Populismus und religiösem Fundamentalismus eine beunruhigende Entwicklung. Dank Computerunterstützung, Empirie, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik und Konsorten lassen sich alle gewünschten Szenarien, Optionen und erwünschten Endresultate flexibel variieren, an die Umstände anpassen und in kürzester Zeit umsetzen.
Die These von der Lenkung der Massen durch intelligente und wohlmeinende Eliten zur Freude aller Beteiligten ist ein zweischneidiges Schwert. Macht sich ein Staat von der hitzigen, nicht unbedingt durch Nachdenken oder persönliche Meinungsbildung, sondern eben eher durch Beeinflussung geprägten Stimmung der Volksseele abhängig, steigt die Gefahr von Konflikten und innerstaatlichen Diskrepanzen beträchtlich. Das ist zwar im weitesten Sinn demokratischer als die praktizierte Alternative, nur leider eben nicht besser. Mit dieser frustrierenden Tatsache konfrontiert verzweifelten schon viele kluge Männer aus den Bereichen Soziologie, Ethik, Anthropologie und Psychologie. Ist die Lenkung durch die Eliten, die zum Machtmissbrauch nur so anstachelt besser als eine Herrschaft des Pöbels unter dem Kommando derer, die am demagogischsten kreischen?
Im Gegensatz zu anderen, kritischen Wissenschaftlern betrachtet Bernays sein Metier als ein für alle Involvierten positives Unterfangen. Da er sich Zeit seines Lebens für einen Verhaltenskodex der PR-Branche einsetzte und seine Tätigkeit für die Tabaklobby, nachdem er von der Schädlichkeit des Rauchens erfahren hatte, einstellte, lässt sich sein ambivalentes Verhältnis zur Wahrheit nur schwer einschätzen.
Dass die Kapitel zu Sozialwesen, Kunst und Wissenschaft wie nachträglich eingefügte Ablenkungen wirken, spricht Bände. Nicht nur, dass sie relativ kurz gehalten sind und ohne Beispiele oder nennenswerten Inhalt auskommen. Nein, sie erscheinen eher auch noch wie eine Kaschierung der wahren Absichten unter dem Deckmantel der Offerierung von Optionen für karitative Zwecke. Denn aufgrund Bernays messerscharfer Intelligenz kann man die Wahrscheinlichkeit, er wäre von den hehren Absichten seiner Klientel überzeugt gewesen, in das Reich der Mythen einordnen.
Vor allem weil ein unheilsames, bis heute Verheerungen uneinschätzbaren Ausmaßes verursachendes, Dogma aus den Seiten des Buches quillt. Die hanebüchene, aber leider zur Lehrmeinung aufgestiegene Irrsinnigkeit, in einem freien Markt würden lügende Hersteller von mündigen, informierten Kunden durch eine Art „Überleben der Anständigsten“ frei nach Darwin ausselektiert, vom Markt gedrängt und ruiniert. Denn durch die von eben diesen Firmen verbreiteten Botschaften wäre es möglich, sie als gut oder schlecht einzustufen. Als Märchen unterhaltsam, in der Realität grauenhaft.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. August 2013
Habe ich überhaupt eine eigene Meinung, oder ist meine Meinung das Ergebnis von geschickter Manipulation meines Denkens? - diese Frage stellt sich der Leser im laufe des Buches.

Bernays beschreibt die Kunst der Propaganda im Bezug auf Bildung, Sozialwesen, Politik, Wirtschaft etc..

Wenn man beachtet wie alt das Buch ist, könnte man erschrecken. Wie sieht es heute erst mit der Propaganda in Politik, Wirtschaft und Medien aus? Wo fängt sie an und wo hört sie auf?

Ein tolles kurzes Beispiel der Public Relations aus dem Buch:

Ein Fleischgroßhändler, der mit einer Werbekampagne der alten Schule mehr Speck verkaufen will, würde demnach in ganzseitigen Anzeigen möglichst oft herunterbeten: Esst mehr Speck. Speck ist billig, gut und gibt Kraft".
Ein Verkäufer der neuen Schule, der die Gruppenstrukturen der Gesellschaft und die Prinzipien der Massenpsychologie versteht, würde sich als Erstes fragen: Wer beeinflusst die Essgewohnheiten der Menschen am meisten?" Die Antwort liegt auf der Hand: Die Ärzte". Der neue Verkäufer wird also Ärzte dazu anhalten, öffentlich zu verkünden, wie nahrhaft und gesund Speck sei. Weil er die seelischen Abhängigkeiten vieler Menschen von ihrem Arzt kennt, kann er mit der Gewissheit eines Naturgesetzes vorhersagen, dass sehr viele Menschen dem Rat ihres Arztes folgen werden."

..nun werde ich nie wieder auf meinen Arzt hören :-)
- Klar ist das alles mittlerweile nichts Neues mehr, man muss aber beachten zu welcher Zeit das Buch geschrieben worden ist -

Bernays war ein Meister der PR und traurig, dass das Wort Propaganda" so negativ behaftet ist. Er profitierte von seinem berühmten Onkel Sigmund Freud und dessen Forschung im Bezug auf Massenpsychologie. Freud wiederum orientierte sich an Gustave Le Bon - Psychologie der Massen - welches ich in Verbindung mit Bernays Buch unbedingt zu lesen empfehlen würde.

Das Buch gibt tolle Einblicke in die Kunst der PR und eröffnet dem Leser einen etwas anderen Blickwinkel auf Marketing im gesamten.

Lesenswert
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Edward Bernays wusste es bereits 1928. Public Relations ist enorm wichtig, um Firmen und Organisationen in ein gutes Licht zu rücken. Image ist alles. Jetzt erschien die deutsche Übersetzung zu seinem Klassiker Propaganda" im Orange Press Verlag.

Wenn der Leser nicht wüsste, dass das Buch im Original vor 80 Jahren erschienen ist, könnte er den Eindruck bekommen, das Buch ist von heute. Denn der Autor stellt mit seinen Aussagen fundamentale Thesen und Begründungen auf, die heute aktueller sind, denn je.

Zwar hat er nur die Demokratie der USA im Blick, wenn er sich mit dem Thema auseinandersetzt. Dennoch lassen sich Aussagen wie Denn oft wird nur anhaltendes, ehrliches und tief greifendes Informieren die Öffentlichkeit dazu bringen, die Absichten eines Industrieunternehmens, Bildungsträgers oder Staatsmannes zu verstehen und zu akzeptieren. Ungenaue Informationen oder falsche Informationen aus zweifelhaften Quellen können enorme Folgen haben, darum muss der Berater in PR- Fragen stets wachsam sein", ins Allgemeine übertragen.

So schreibt bereits ZDF Moderator Ulrich Kienzle im Vorwort über das Wesen von Propaganda und Image: Auch wenn es zynisch klingt: Die Terroristen von al Quaida haben bisher weltweit weniger Menschen getötet, als in Deutschland jährlich durch den Autoverkehr ums Leben kommen."

Leider wirkt der Text des Buches mitunter langatmig und die Kapitel sind nicht modern in großen Kapiteln angeordnet. Der Autor schreibt vielmehr in einer losen Kapitelsammlung, die jeweils zu einem bestimmten Unterthema geschrieben sind:

Trotzdem sei allen Pressesprechern und PR Beratern dieses Buch zu empfehlen, um einen kurzen Einstieg in die Historie der PR zu liefern. Sicherlich werden die einen oder anderen feststellen, dass bestimmte Passagen heute in der PR Arbeit nicht mehr so vorbehaltlos übernommen werden könnten oder sollten. Denn viele Dinge fallen heute in die Rubrik Marketing und Werbung.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. August 2010
Aufgrund der Bewertungen hier und Empfehlungen aus diversen Foren habe ich dieses Buch gelesen. Obwohl es kein schlechtes Buch ist war ich wohl wegen meiner hohen Erwartungen etwas enttäuscht.

Nach dem interessanten Auftakt gibt es leider nur eine Reihe von Aufzählungen, wie Bernays bei verschiedenen Projekten Propaganda zur Kaufförderung von irgendwelchen Produkten oder Ideen eingesetzt hat. Dabei bleibt es gänzlich im Hintergrund wer genau dies beauftragt hat und welche Ideologie damit den Menschen aufgezwungen wird. Dadurch wirkt das Buch relativ harmlos, obwohl seine Methoden grade heutzutage das Denken und Konsumverhalten der meisten Menschen steuern.

Mechanismen der Propaganda sind ja kein reiner Selbstzweck und dienen selten nur der Bewerbung von Produkten. Damals wie heute wird durch Propaganda eine Weltanschauung verkauft, welche die Kontrolle über die Massen ermöglicht. Dieser Aspekt und dessen Hintergründe werden nicht genauer betrachtet.

Fazit: Für den Einstieg in die Mechanismen der Propaganda ist das Buch gut. Für die Gründe zum Einsatz dieser Methoden und deren Auswirkungen gibt es wesentlich bessere Bücher.
55 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Dezember 2013
Auch wenn 1928 zum ersten Mal erschienen ist Propaganda an Aktualität kaum zu überbieten. Eine echte Kaufempfehlung. Wem dieses Buch gefällt dem empfehle ich auch "Psychologie der Massen" von Gustave le Bon.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. August 2014
Dann ist er mit diesem Buch gut bedient. Der geneigte Leser erfährt Motive und die ersten Gehversuche auf diesem Feld. Das war es auch, was mich interessierte. Mittlerweile sind diese Dinge jedoch alle bekannt und pervertiert worden. Edward Bernays' Darlegung der Dinge lässt vor allem auf Zweierlei schließen. Entweder war man damals sehr naiv, oder es waren echt goldene Zeiten. Da es sich auf Vorgänge in den USA bezieht, schließe ich Zweiteres aus.
Wie gesagt, interessant ist das Buch aus historischer Sicht. Irgendwelche Geheimtipps in Sachen Werbung und Manipulation sucht man darin vergebens.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Psychologie der Massen
Psychologie der Massen von Gustave Le Bon (Gebundene Ausgabe - April 2009)
EUR 4,95

Die Kunst, Recht zu behalten
Die Kunst, Recht zu behalten von Arthur Schopenhauer (Gebundene Ausgabe - April 2009)
EUR 4,95

Propaganda
Propaganda von Edward Bernays (Taschenbuch - 1. September 2004)
EUR 14,23