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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Japan in seiner dunkelsten Stunde
1945 - das Jahr der japanischen Kapitulation. Im 20ten Jahr der Regentschaft des Kaisers Showa kapituliert Japan vor den alliierten Mächten nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki. Damit beginnt eine neue Zeitrechnung für die japanische Gesellschaft - die Stunde Null.

David Peace beobachtet sehr genau und zeichnet eine bis ins...
Veröffentlicht am 9. Oktober 2009 von B. Schulze

versus
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tokio 1945/46: Die Hölle auf Erden
David Peace schreibt Kriminalromane, die keine Kriminalromane sind, und er schreibt Thriller, die keine Thriller sind. Nichtsdestoweniger sind seine Werke, die nur schwer zu qualifizieren sind, spannend. Seine ersten Bücher befassten sich im Red Riding Quartet" mit dem Yorkshire Ripper (1974", 1977", 1980" und 1983") und sind mittlerweile von unterschiedlichen...
Veröffentlicht am 3. April 2011 von Ewald Judt


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tokio 1945/46: Die Hölle auf Erden, 3. April 2011
Von 
Ewald Judt (Vienna, Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
David Peace schreibt Kriminalromane, die keine Kriminalromane sind, und er schreibt Thriller, die keine Thriller sind. Nichtsdestoweniger sind seine Werke, die nur schwer zu qualifizieren sind, spannend. Seine ersten Bücher befassten sich im Red Riding Quartet" mit dem Yorkshire Ripper (1974", 1977", 1980" und 1983") und sind mittlerweile von unterschiedlichen Regisseuren als Serie verfilmt worden. Die Fortsetzung findet der Yorkshire Ripper in einer Tokio-Trilogie, deren erster Band Tokio im Jahr null" (Heyne 67531 - Tokyo Year Zero", 2007) ist. Die Kulisse: Tokio nach der Kapitulation, Häuserruinen, zerstörte Infrastruktur, zerbombte Produktionsanlagen, Hunger, Armut, Angst, verzweifelte Menschen, Besatzungssoldaten, Yakuza, Korruption und Schwarzmarktgeschäfte. Der Plot (offenbar auf einer wahren Begebenheit beruhend): Ein bereits einmal wegen mehrere Morde in den 30er- und 40er-Jahren in China (während des Krieges von Japan gegen China) und Japan verurteilter Serienmörder, der während des 2. Weltkrieges freikam, setzt seine Mordserie fort. Inspektor Minami von der Tokioter Polizei wird mit der Aufklärung betraut. Der Inspektor: In der Hierarchie ist Inspektor Minami ziemlich weit unten, obrigkeitshörig und korrupt, was ihn für Intrigen innerhalb der Tokioter Polizei angreifbar macht. Er ist der Ich-Erzähler und hat nach vielen Seiten den Täter identifiziert, doch im Zuge der Ermittlungen musste auch er sich seiner persönlichen Geschichte stellen, die er verdrängt hat. Und diese Geschichte beinhaltet eine schwere Schuld. Der Stil: Ungewohnt. Kurze, nüchterne Sätze reduziert auf das Wesentlichste. Immer wiederkehrende (japanische) Worte. Ton-ton, Ton-ton, Ton-ton ... das Hämmern (der Gedanken); Chicu-taku, Chicu-taku, Chicu-taku ... das (rasche) Vergehen der Zeit; Gari-gari, Gari-gari, Gari-gari ... das Jucken und Kratzen (der Gedanken?). Wird bald nervend. Viele (zu viele?) handelnde (japanische) Personen mit Namen, die man leicht durcheinander bringt. Kurzum, die Schreibweise von David Peace unterscheidet sich total von der anderer Autoren. Die Quintessenz: Harter Realismus in Zeiten wo nichts als das (Über)Leben Wert hat. Niemand ist der, der er vorgibt zu sein. Alles in allem ein spannendes, zum Teil verwirrendes, nicht einfach zu lesendes Buch, das nicht von allen potentiellen Lesern, die in Tokio im Jahre null" einen Kriminalroman/Thriller erwarten, goutiert werden dürfte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Außergewöhnlich spannendes Setting, aber sehr gewöhnungsbedürftiger Erzählstil, 11. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
'Tokio im Jahr Null' ist in zweierlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Roman. Erstens hat der Handlungsort, das vom Krieg erschütterte Tokyo/Japan der Jahre 1945/46, Seltenheitswert (nicht nur im Bereich von Kriminalgeschichten). Zweitens verwendet David Peace für seinen Roman die Erzähltechnik des 'stream of consciousness' in Kombination mit fortwährenden Einschiebungen japanischer Lautmalerei. Im Zusammenspiel von Handlungsort und Erzähltechnik wird dem Leser die damalige Situation auf eine derart eindringliche Weise nahe gebracht, dass es unangenehm unter die Haut geht. Der ständige Lärm 'Ton Ton' von außen und im eigenen Kopf, das ständige Jucken und Kratzen 'Gari Gari' der verlausten Haut und Haare, und über allem die ständige Angst vor dem Erinnern, den Schatten der Vergangenheit, all dies wird dem Leser wie mit dem Presslufthammer in die Rübe geballert.
Die dritte wesentliche Komponente ist die Rahmenhandlung, ein Kriminalfall über einen Serien-Sexualmörder junger Frauen, den der Hauptprotagonist/Erzähler als Inspektor der Polizei aufklären muss. Die Kriminalgeschichte selbst bietet allerdings (für einen Roman) nichts außergewöhnliches.
Es sind also diese drei Komponenten (Setting, Erzählstil und Rahmenhandlung), die für mich den Lesegenuss maßgeblich beeinflusst haben und auf die ich daher im Folgenden eingehe.

SETTING:
Das Setting hat mich überhaupt erst auf diesen Roman neugierig gemacht, da ich sehr Japan-affin bin. Ich kenne nur wenige Geschichten, die in den Jahren unmittelbar nach der Kapitulation spielen (und dann meist eher mit dem Fokus auf die Kriegsjahre zuvor). Darunter kein einziger Krimi.
David Peace hat mich mit seiner Darstellung der damaligen Verhältnisse überzeugt. Ich würde allerdings gerne mehr darüber erfahren, welche Quellen er benutzt hat und ob er auch mit Menschen, welche die damalige Zeit erlebt haben, intensiv gesprochen hat.
Doch auch wenn ich nicht weiß, wie nahe seine Schilderung an die Realität heranreicht, habe ich trotzdem das Gefühl einen besseren Eindruck von der damaligen Zeit bekommen zu haben, als bei vielen anderen Werken.

ERZÄHLSTIL:
Ich muss zugeben, ich habe mich beim Lesen sehr schwergetan. Erstens macht es die Erzählweise sehr anspruchsvoll der Handlung zu folgen. Es werden die Gedanken und Wahrnehmungen des Protagonisten dargestellt, doch dieser ist durch Tablettenkonsum, Unterernährung und Stress kaum noch wirklich klar im Kopf. So wird die Handlung immer wieder durch schwammige Erinnerungen unterbrochen und nicht immer ist klar, ob man gerade das hier und jetzt des Protagonisten verfolgt oder dieser wieder irgendwo in seiner Vergangenheit schwelgt (und ich denke dies ist vom Autor auch so beabsichtigt).
Des Weiteren gilt es die Übersicht über viele Namen von Beamten-Kollegen, von Opfern und deren Angehörigen zu bewahren. Für Leser, die mit japanischen Namen nicht so vertraut sind, könnte dies sogar doppelt schwierig werden. Ein Namensglossar fehlt leider. Gleichzeitig möchte man schließlich außerdem noch die Details des Falls zuordnen können. Aber man wird ohnehin immer wieder daran erinnert, dass niemand wirklich der ist, der er vorgibt zu sein, jeder seine Taten der Kriegsjahre verschwinden lassen möchte.
Am meisten hat mich jedoch die extreme Redundanz im Roman gestört. Wenn man jedes doppelte Vorkommen eines Satzes streichen würde, würde man den Roman sicherlich um ein Drittel kürzen. Teilweise habe ich ganze Passagen nur überflogen, oder Sätze bewusst übersprungen. Ich war nicht selten richtig genervt und habe das Lesen unterbrochen.
Ich denke an dieser Stelle ist ein Beispiel sinnvoll, um ein wenig einen Eindruck von der Erzähltechnik zu vermitteln. Ich muss ganz deutlich betonen, dass es sich hier nicht um einen Extremfall handelt. (Ich habe das folgende Beispiel deshalb ausgewählt, weil es auch ohne Kontext von jedem verstanden werden kann.)
"Es juckt mich von den Kopfläusen. Ich kratze. Gari-gari. Ich erhebe mich von dem niedrigen Tisch. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Ich gehe zur Küchenspüle. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Ich kämme mir die Haare. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Die Läuse fallen in kleinen Klumpen heraus. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Ich zerdrücke sie im Waschbecken. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Die Hautläuse sind härter. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Sie sind weiß und deshalb schwerer zu finden. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Ich drehe den Wasserhahn auf. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari. Das Wasser läuft. Das Rinnsal bricht ab. Dann läuft es wieder. Es juckt. Ich kratze. Gari-gari." (Tokio im Jahr Null, S.65)
Das 'Gari-gari' ist übrigens ein Beispiel für die fortwährende Verwendung von japanischen lautmalerischen Ausdrücken (in Japan sehr verbreitet) und beschreibt ein Kratzgeräusch. Ein angehängtes Glossar erklärt im übrigen diese und einige weitere japanische Bezeichnungen.
Die Erzählweise ist ohne Zweifel sehr eindringlich und ich habe mich tatsächlich phasenweise in die Wahrnehmung des Protagonisten hinein versetzt gefühlt, doch andererseits wurde dann auch immer wieder der natürlich Lesefluss (zumindest für mich) regelmäßig massiv gestört und zu oft war ich schlichtweg genervt.

STORY:
Die eigentliche Handlung war für mich das Uninteressanteste am ganzen Roman. Am persönlichen Schicksal des Protagonisten konnte ich nicht wirklich Anteil nehmen. Leider bleiben die traumatisierenden Erlebnisse seiner Vergangenheit zu vage. Sein Leid steht eher repräsentativ für das aller. Auf die Verbrechen im Krieg in der Mandschurei wird nie wirklich näher eingegangen, daher ist hier das Vorwissen und die Vorstellungskraft des Lesers erforderlich.
Zudem scheint nach den Schrecken des Krieges auch der Kriminalfall einen Teil seines Schreckens zu verlieren. Außerdem gibt es im Fall kaum offene Fragen und wenig Spannung (Wohlgemerkt nur was den Fall selbst angeht! Ansonsten gibt es schon einige offene Fragen). Und somit ist das ganze Drumherum viel mehr im Zentrum des Interesses, als die Krimigeschichte selbst.

FAZIT:
Ich verbuche 'Tokio im Jahr Null' für mich persönlich als lesenswert, auch wenn sich das Lesevergnügen extrem in Grenzen hielt. Nicht immer muss ein Roman an erster Stelle unterhalten, wenn er stattdessen an anderer Stelle interessante Eindrücke vermitteln kann.
Allerdings empfehle ich den Roman anderen Lesern nur, wenn diese wirklich in erster Linie am Setting interessiert sind und dafür auch bereit sind einen anstrengenden Erzählstil zu tolerieren.
Eine spannende Krimigeschichte bietet 'Tokio im Jahr Null' meiner Ansicht nach auf keinen Fall. Allerdings bringt gerade die Perspektive eines ermittelnden Inspektors einige interessante Einblicke, die sie sich bei 'normalen' Bürgern wohl nicht ergeben hätten.
Insgesamt also eine eingeschränkte Empfehlung.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Japan in seiner dunkelsten Stunde, 9. Oktober 2009
Von 
B. Schulze (Karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
1945 - das Jahr der japanischen Kapitulation. Im 20ten Jahr der Regentschaft des Kaisers Showa kapituliert Japan vor den alliierten Mächten nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki. Damit beginnt eine neue Zeitrechnung für die japanische Gesellschaft - die Stunde Null.

David Peace beobachtet sehr genau und zeichnet eine bis ins Mark erschütterte ehemalige Großmacht. Die japanische Gesellschaft baut auf einem Eigenverständnis auf, das weder Niederlage noch ein Infragestellen der eigenen Weltordnung zulässt. Die Kapitulationserklärung des japanischern Kaisers trifft dabei jeden einzelnen Japaner persönlich. Insebsondere das Umbrechen alter Traditionen im täglichen Leben, welches nun dominiert wird durch die verhassten Siegermächte, wird nur unter täglichen phsychischen Schmerzen akzeptiert. Hinzu kommt der kriegsbedingte Kapmpf ums nackte Überleben - Schwarzmärkte als einzige Bezugsquelle, alte Triadenbanden als Kriegsgewinnler.

In diese Zeit hinein erzählt David Pearce seinen Roman um die Jagd nach einem Serienkiller. Inspektor Minami, als Prototyp des zerissenen Japaners auf der Suche nach einem Frauenmörder. Gefangen im Labyrinth aus Korruption, alten Netzwerken, verschiedenen Interessengruppen und selbst genauso Täter wie Opfer.

Die Zeitgeschichte steht bei Peace sicher stärker im Vordergrund als die Mörderjagd, die die Rahmenhandlung bildet. Die authentische Schilderung der Lebensumstände geht unter die Haut.

Das Buch hat allerdings einen sehr eigenen Rhythmus, der nicht immer ganz einfach und flüssig zu lesen ist, zudem zwingen die japanischen Begriffe sowie insbesondere die japanischen Namen immer wieder Denkpausen auf ("...wer war nochmal gleich Nakadate?"). Wer sich davon allerdings nicht abhalten lässt und das angefügte Glossar fleissig nutzt, bekommt neben einem authentischen und spannenden Roman der japanischen Nachkriegszeit sogar noch einen kleinen japanischen Sprachkurs.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anstrengend - aber spannend und schockierend, 29. Juli 2013
Von 
Xirxe (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Was habe ich mich mit diesem Hörbuch schwer getan! Dreimal habe ich stets auf's Neue begonnen, die bereits gehörten drei, vier, fünf CDs nochmal laufen lassen, bis ich letzlich doch noch das Ende erreicht habe. Nicht dass dieses Buch schlecht wäre - ganz im Gegenteil! Aber die Vielzahl der handelnden Personen mit den für EuropäerInnen so ungewohnten Namen verlangen größte Aufmerksamkeit. Eine zu große Pause zwischen zwei CDs - und schwupps, hatte ich schon wieder keine Ahnung mehr, wer Misuko Mitsu war (oder so ähnlich). Dazu drei, vier parallel verlaufende Handlungsstränge; das fordert schon den bzw. die ganze/n ZuhörerIn :-)
Erzähler ist Inspektor Minami, der sich kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in Tokio auf die Suche nach einem Serienmörder macht, der immer wieder junge Mädchen missbraucht und umbringt. Tokio liegt in Trümmern, es herrscht bittere Not und die Menschen haben kaum genug zu Essen und Trinken um zu überleben. Der Autor beschreibt das Umfeld derart präzise und detailliert, dass man die armseligen Verhältnisse in denen die Menschen hausen, deutlich vor sich sieht. Dreckige Tatamis (Reisstrohmatten), verschlissene Vorhänge, immer nur kärgliche Portionen Reis, ein Ei wird zum Festmahl. Ein weiterer Erzählstrang bildet Minamis Beziehung zu Senchu, dem Boss des Schwarzmarktes, der Minamis Schlafmittelsucht für seine eigenen Zwecke zu nutzen weiss.
In diese chronologisch berichtete Geschichte brechen immer wieder Minamis Gedanken und Erinnerungen ein, die vornehmlich mit seinen Kriegserlebnissen in China zu tun haben. Sie verfolgen ihn und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen, weder Tags noch Nachts. An ihm wie auch an seinen Kollegen sieht man, wie tief das Ehrgefühl im japanischen Volk verwurzelt ist. Die Kapitulation wurde als die größte Schmach empfunden ebenso wie der darauf folgende Aufenthalt der Siegermächte in Japan.
Manfred Zapatka trägt das Ganze als Inspektor Minami vor und auch wenn ich zu Beginn äußerst skeptisch war (es klang recht monoton) - er ist eine hervorragende Besetzung. Die Hoffnungslosigkeit, die Resignation, die Wut, aber auch die ständige mühevolle Beherrschung und Selbsterniedrigung gegenüber Ranghöheren: Zapatka vermittelt diesen permanenten Kampf höchst überzeugend.
Auch wenn dieses Hörbuch 'nur' als Krimi deklariert ist: Tokio im Jahr Null ist ein Sittengemälde der Zeit unmittelbar nach der Kapitulation - ungewöhnlich geschrieben und anstrengend zu hören, aber nichtsdestotrotz spannend und an die Nieren gehend.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht verstanden, 16. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
Obwohl ich eine routinierte Leserin bin und das Buch zweimal gelesen habe, habe ich es nicht wirklich verstanden. Dabei fand ich ich die zahlreichen Wiederholungen nicht störend (aber auch nicht hilfreich oder stilistisch bereichernd), ich habe einfach die schlußendlichen Zusammenhänge nicht klar erkennen können. Nichts desto trotz schlägt das Buch durch seinen sehr eigenwilligen Rhythmus in den Bann und ich werde es bestimmt auch ein drittes Mal lesen, vielleicht weiß ich dann, worin Minamis Schuld liegt.
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3.0 von 5 Sternen Gari-gari von Anfang bis Ende, 20. Januar 2012
Von 
Malte Neumann (Hochfeld) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich konnte mich nicht dazu durchringen dem Buch vier Sterne zu geben. Obwohl vieles an dem Roman stimmte, war doch der Schreibstil von Peace einfach zu anstrengend und letztlich nicht zielführend. Er hat sich als Erzählmethode für den stream of consciousness entschieden und meiner Meinung nach verfehlt er damit die beabsichtigte Wirkung. Dabei ist das Setting absolut vielversprechend: ein Serienmörder in den Ruinen der von amerikanischen Flächenbombardements verheerten Millionenstadt Tokio. Man denkt an "Barfuss durch Hiroshima" und "Battles without Honor and Humanity". (Ein bisschen 'Angel Heart' ist auch noch dabei) -Aber es geht um das Innenleben des Inspektors Minami, die Schilderung seiner Gedanken, Subgedanken und Quergedanken, bei der eine doppelbödige Geschichte angedeutet wird. Peace wählte bewusste Widerholungen, weil man nunmal immer wieder auf dieselben Gedankenschleifen zurückgreift, nicht zuletzt in permanenter Ausnahmesituation: Aber kann man das wirklich gut finden: schwarze Galle, braune Galle, ich verfluche ihn, gari-gari, weiße Schuhe mit roten Sohlen, wo ist Fujita, niemand ist der, der er vorgibt zu sein, rauf und runter, immer wieder über 400 Seiten lang? Im Nebel dieser Gedanken scheint nur sehr undeutlich eine Handlung auf, in welcher der Protagonist von A nach B und C und wieder nach A läuft und in irgendwelche Krisensituationen platzt. Man muss sich schon sehr anstrengen, um die Geschichte richtig einsehen zu können, selbst um die Täuschung nicht zu übersehen, die Peace eingebaut hat; alles ist verstellt von diesen Widerholungen und Einschüben und bedauerlicherweise überlagern diese die guten, atmosphärisch dichten Szenen bei weitem. Es wäre besser gewesen Peace hätte eine konventionelle Erzählweise gewählt, denn talentfrei ist der Mann bestimmt nicht. Schade.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nur für ausdauernde Vielleser, 28. Dezember 2010
Von 
Andreas Gruene "Froide" (Niederbayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch erielt ja Top-Kritiken, Grund für mich, es zu erwerben. Ich habe allerdings das Lesen nach zwei Dritteln abgebrochen, das wurde mir einfach zu anstrengend und zu ermüdend. Ich bin allerdings auch nur Gelegenheitsleser, mal abends im Bett oder im Urlaub, kein so'n Elke Heidenreich-Typ. Die Story ist schon recht mystisch, der Autor beschreibt das Japan der Nachkriegstage sehr facettenreich und möglicherweise auch realistisch. Es gelingt ihm auch, phasenweise eine gewisse Spannung aufzubauen und das weckte anfangs auch mein Interesse. Aber die Story zieht sich und zieht sich, es sammeln sich immer mehr japanische Namen, die ich mir nicht mehr merken konnte, dazu werden ständig auf einer zweiten gedanklichen Ebenen die selben Gedanken des Helden aufgeführt, man spürt schon, daß es sich alles irgendwie auf etwas fokussiert, aber das alles zusammen machte es immer anstrengender, ermüdender und aussichtsloser beim Lesen, wenn man nicht ganz eng dran bleibt. Ich gab auf. Wobei meine Frau, die ich durchaus als routinierte Leserin bezeichnen würde, das Buch im Urlaub durchlas, dennoch genervt und etwas erschöpft wirkte. Sie hatte es durchgelesen, weil man ein Buch eben möglichst zu Ende liest, begeistert war sie auch nicht. Also mein Rat: Gelegenheitsleser sollten auf jeden Fall die Finger davon lassen.
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5.0 von 5 Sternen Japanischer Nachkriegsalbtraum, 6. Februar 2013
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
David Peace schreibt Kriminalromane von ganz eigenem Wert, ja eigentlich als selbst kreiertes Genre. Wer Tempo, Wort- und Motivwiederholungen, schnelle Schnitte, laufende Absatzschaltungen und die enge Ich- oder personale Erzählperspektive all der verlorenen Helden im grandiosen Red-Riding-Quartett ausgehalten halt und gar genießen lernte, der kann sich nach Regen und Schlamm in Yorkshire auch das schwüle Tokio ein Jahr nach der japanische Kapitulation zumuten. Die Niederlage hat die schuldbeladene Nation traumatisiert. Depression und Verzweiflung liegen mit der Hitze über der Hauptstadt, in der Inspektor Minami, selbst ein an sich und den Umständen Verzweifelnder, einen Serienkiller jagt. Dabei wird er von der Vergangenheit verfolgt, wird bedroht und angefeindet und ist in allerlei Machenschaften verstrickt. Das Psychologische, Atmosphärische, ja selbst das landeskindlich Geschichtliche mag für diesen Roman sogar wesentlicher sein als das Kriminalistische. Man lernt die geschundene Seele eines Volkes kennen, das den Anschluß an seine große Geschichte nach faschistischem Furor und Katastrophe nicht mehr findet. Ein zerstörtes Land mit zunächst kaputten Menschen, deren Gesten und Handlungen – die Höflichkeit, das Verneigen, das fortlaufende Entschuldigen einerseits, die Brutalität andererseits – wie pathologisiert wirken. Druck, Enge, Elend, Dreck und Ungeziefer verstärken einen geradezu expressionistischen Eindruck. Weit mehr als ein Unterhaltungskrimi. Literatur!
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen sehr speziell oder zu speziell, 27. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mein erstes Buch von David Peace und nach langen und mühsamen Seiten habe ich es nach 100 Seiten entnervt aufgegeben.Ja, es ist sperrig zu lesen. Es ist schwierig in einem Buch eine spannende Geschichte und einen so komplexen geschichtlichen Rahmen zu verbinden. Meiner Meinung nach ist es nicht gelungen. Wer soviel Zeit braucht um in Gang zu kommen hat mich nicht überzeugt. Die permanente Wiederholung von Sätzen oder Wörtern ist anfangs spannend, dann nervend und irgendwann bei mir entscheidend für die Aufgabe gewesen. Wahrscheinlich wäre das Buch, ohne diese künstlichen Verlängerungen nur 300 Seiten umfassend. Wer schnelle, spannende und handlungsstarke Bücher liebt, der sollte es sich gut überlegen dieses Buch zu erwerben. Unbedingt vorher mindestens 2 Seiten mittendrin zur Probe lesen.Tokio im Jahr Null
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Opus Magnum im Jahr Null!, 14. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Tokio im Jahr Null: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es gibt viele gute Krimis und viele gute Schriftsteller die diese schreiben. David Peace ist einer der Besten.
Schon mit dem Red Riding - Quartett bewies er sein Können für Fakten und Fiktion und verstand es meisterlich dem Leser die Spannung, den Nervenkitzel und das so anders sein mit der Wucht eines krachenden Hiebs entgegenzuschmettern. Ausweg? Gibt es keinen!

Mit Tokio im Jahr Null setzt er seiner Yorkshire-Sippe die Krone auf. Auf über 400 Seiten taucht man in den kriegerisch, trügerischen Kosmos des David Peace ein. Statt Yorkshire befindet man sich nun in Tokio, als dieses die Stunde Null nach der Kapitulation gegenüber den USA einleitet. Der Zweite Weltkrieg umgibt einen wie ein eisiger Wind, ist aber nie zu aufdringlich und bittet nur den Rahmen für die Kriminalgeschichte, die sich vornehmlich um die Morde an mehreren Frauen, teils Mädchen, dreht. Ein Inspektor von zweifelhaften Ruf und mit einer wenig lupenreinen Vergangenheit ("Niemand ist der, der er zu sein vorgibt...") stellt sich seiner eigenen Psyche und der Tokios entgegen, um am Ende zwar zur Aufklärung der Mordserie mit beigetragen zu haben, aber der mit dem Gefühl zurückbleibt, Schuld und Sühne nie ganz abspenstig geworden zu sein.
Die Charakterzeichnung gehört nur teils zu Peace Stärken. Die Inszenierung selbiger ist es, was der Brite so meisterlich beherrscht. Er verbindet die einzelnen Elemente kongenial miteinander, so dass die erfundene Krimi-Fiktion ohne Fehl und Tadel mit den gut recherchierten Fakten um Kodaira Yoshio und den Morden verschmilzt. So wirft sich einem ein Kaleidoskop aus Mord und Totschlag, Verzweiflung und Wehmut, Verletzlichkeit und Zwang entgegen, und formt eine Handlung die sich nach und nach wie eine Blutlache vor einem ausbreitet. Man riecht das Blut förmlich, fühlt den Angstschweiß, kann seine Augen vor der Stunde Null nie verschließen, will es auch gar nicht.

Wer mit dem Peace'schen Stil keine Schweremut gleichsetzt, noch Probleme beim lesen der vielen Text-Wiederholungen und des als Stakkato-Stils bezeichneten Aufbaus hat, der verliert sich in höllisch guter Unterhaltung auf kaum zu toppenden Niveau.
Probelesen sei für alle Unwissenden durchaus empfohlen, um nicht mit einem blauen Auge aufzuschlagen; Peace bringt nicht jedem Frieden. Seinen Charakteren am aller wenigsten.

David Peace lesen ...
Ton-Ton
... und lesen ...
Gari-Gari
... und lesen
Chiku-Taku
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Tokio im Jahr Null: Roman
Tokio im Jahr Null: Roman von David Peace (Gebundene Ausgabe - 24. August 2009)
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