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5.0 von 5 Sternen Eine wunderbare Entdeckung
Es sind seltene Momente, in denen auf dem Markt erscheinende Werke längst verstorbener Schriftsteller die aktuellen Bücher perfekt ergänzen, ja manchnal sogar mehr als das: Sie begeistern!
Dicks Roman ein bemerkenswerter Blick auf das Amerika der Nachkriegsjahre, auf eine Zeit, in der die Zukunft noch groß und Land und Menschen dennoch unendlich...
Veröffentlicht am 10. Mai 2010 von Laurel

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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Konturlose Schatten
In gewisser Hinsicht erinnert diese in den 1950er Jahren angesiedelte Geschichte zweier Ehepaare in einem kleinen Ort in Kalifornien an Yates "Zeiten des Aufruhrs". Auch hier die bonbonfarbene Plastikwelt kalifornischer Einfamilienhäuser, die alle, egal wo sie sich befinden, Teil der Vororte des großen Nirgendwos zu sein scheinen, bewohnt von Menschen, die sich...
Veröffentlicht am 9. Januar 2011 von Helga Kurz


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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderbare Entdeckung, 10. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Unterwegs in einem kleinen Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es sind seltene Momente, in denen auf dem Markt erscheinende Werke längst verstorbener Schriftsteller die aktuellen Bücher perfekt ergänzen, ja manchnal sogar mehr als das: Sie begeistern!
Dicks Roman ein bemerkenswerter Blick auf das Amerika der Nachkriegsjahre, auf eine Zeit, in der die Zukunft noch groß und Land und Menschen dennoch unendlich klein waren.
Roger Lindahl ist in zweiter Ehe mit Virginia verheiratet. Diese möchte den gemeinsamen Sohn Gregg auf ein Internat schicken, doch Roger ist dagegen. Dick bringt uns die Charaktere zunächst auf eine sehr interessante Art und Weise nahe: Er beschreibt sie beim Autofahren. Virginia fährt ängstlich und defensiv. Jeder Spurwechsel ein Problem, jeder Lastwagen eine Bedrohung. Und dennoch fährt sie mit Gregg zur neuen Schule. Roger hingegen beherrscht das Fahrzeug souverän, ist ohnehin der Ansicht, dass Männer die besseren Autofahrer sind. Doch er fährt den Weg zur Schule, um Gregg dort wieder abzumelden.
Das Eheleben der Lindahls ist die Hölle. Die durch den Fahrstil ausgedrückten klar definierten Rollen gibt es in Wahrheit nicht, dies wird umso offensichtlicher, als die Lindahls die Bonners kennenlernen, die ihre Söhne auf die gleiche Schule schicken. Liz Bonner ist merkwürdig. Für Virginia ist sie einfach nur dumm, für andere wurde sie nie richtig erwachsen. Roger beginnt ein Verhältnis mit Liz, das er nicht vor Virginia verbergen kann. Virginia hingegen ist von der Idee begeistert, dass Charles Bonner in das kleine Geschäft Rogers einsteigen will. Roger betreibt einen Fernseh- und Radioreparaturservice, und schon nach dem ersten Besuch des Ladens hat Charles große Visionen, was die Zukunft des Geschäfts betrifft. Immerhin steht das Farbfernseh-Zeitalter vor der Tür.
Wirklich sehr zu empfehlen!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr Schein als Sein, 6. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Unterwegs in einem kleinen Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Jahr 1952 betreibt Roger Lindahl ein kleines Geschäft für Fernsehelektronik in Los Angeles. Mit seiner Ehefrau Virginia war er 1944 während des zweiten Weltkriegs von Washington nach L. A. gekommen, da man dort damals gutes Geld in der Rüstungsindustrie verdienen konnte. Nun, im Jahr 1952, läuft Lindahls Geschäft nur schleppend.
Der 7-jährige Sohn Gregg soll in eine Privatschule in den Bergen geschickt werden. Wegen seines Asthmas, aber eigentlich da "die Situation zu Hause etwas schwierig ist. Die Atmosphäre ist ziemlich angespannt...", wie Virginia der Schulleiterin Mrs. Alt erklärt.
Roger lässt sich nur mühsam von dieser Idee überzeugen. Als jedoch das Ehepaar Liz und Chic Bonner, die zwei 12-jährige Söhne auf dieser Schule haben und in der Nähe der Lindahls in L. A. leben, sich zu einer Fahrgemeinschaft bereit erklären, beginnt Gregg das neue Schuljahr an der Los Padros Valley School.
Schnell entwickeln sich zwischen den Ehepaaren Lindahl und Bonner über die Fahrgemeinschaft hinaus private Kontakte und die Welt beider Paare gerät gehörig in Unordnung.

Philip K. Dick schildert das Leben zweier durchschnittlicher amerikanischer Mittelstandfamilien in den 1950er Jahren. Dabei treffen grundverschiedenen Charaktere aufeinander: Virginia, die eine übertrieben hohe Meinung von ihrer Herkunft hat, tritt kühl und unangenehm arrogant auf, dabei aber intelligent und gut erzogen. Roger, der aus ärmeren Verhältnissen stammt und den frühen Tod seines Bruders nicht verwunden hat, wirkt ängstlich, flüchtet sich zuweilen in Fantasiegeschichten, fühlt sich schnell gedemütigt und übergangen. Chic ist nüchtern, ein gewiefter und betuchter Geschäftsmann, auch wenn er etwas behäbig wirkt. Seine Ehefrau Liz wird als liebenswerter Dummkopf beschrieben, sie scheint in ihrer eigenen Welt zu leben und vergisst darüber oft die Realität.
Dicks Protagonisten bemühen sich eine Fassade von Wohlanständigkeit und Moral aufrecht zu erhalten, obwohl sie sich zunehmend in einem unauflösbaren Dilemma verstricken.

Dick dringt nicht zu tief in seine Figuren ein. Er beschreibt sie zwar liebevoll und genau, lässt ihnen aber respektvoll ihre kleinen Geheimnisse - mit einem kleinen Augenzwinkern. Dadurch bleiben die Handlungen glaubwürdig und die Charaktere authentisch. Der Erzählstil ist etwas melancholisch, ruhig und sachlich, aber durchaus sehr unterhaltsam.

Der Autor zeichnet gleichzeitig auch ein Bild von den gesellschaftlichen Verhältnissen in Kalifornien zu jener Zeit. Die Industrialisierung nimmt zu, der Kapitalismus startet durch und fordert seine ersten Opfer.

Philip K. Dick, der als Science-Fiktion-Autor erst nach seinem Tod Ruhm erlangte, schrieb diesen Roman vermutlich Mitte der 1950er Jahre.
Diese Milieustudie, auch etwas der Stil, erinnert an Zeiten des Aufruhrs: Roman von Richard Yates ohne dessen sprachliche Brillanz zu erreichen.
Deshalb 3,5 Sterne.
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4.0 von 5 Sternen Unruhige Geister in unruhigen Zeiten, 10. Januar 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unterwegs in einem kleinen Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Roger Lindahl, der immer sehr unruhig gewesen ist lebt nun seit zehn Jahren in zweiter Ehe mit seiner Frau Virginia und seinem Sohn Gregg in Los Angeles. Seine Schwiegermutte hat ihm zu Virginias Schwangerschaft einen Fernseh- und Rundfunkladen grundfinanziert und in dem er mehr oder weniger zufrieden und vergleichsweise erhgeizlos seine Tage verbringt. Doch zwischen den Ehepartner kriselt es und um den Asthma-kranken Sohn aus der emotionalen Schussliniee zu nehmen will ihn Virginia in ein Internat einweisen. Bei einer Besichtigungsrunde lernt Roger das Ehepaar Bonner - und dabei speziell die Frau Liz - kennen und von diesem Moment an verändern sich die Leben aller Beteiligten grundlegend.

Die Umbruchszeiten vom Ende des Krieges und der Stellenreduktion in der amerikanischen Rüstungsindustrie, von der Virginia und Roger beide betroffen gewesen sind, bis Roger seinen Laden hat und die Veränderungen in der Gesellschaft in Los Angeles in den Folgejahren sind der Fokus dieses Romans, in dem Chic Bonner, Liz Bonner, Roger und Virginia jeweils eigene Reaktionstypen für Veränderungen darstellen und dabei miteinder in teils explosiver und teils unerwartet ruhiger Form miteinander interagieren. Interessant.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Konturlose Schatten, 9. Januar 2011
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unterwegs in einem kleinen Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
In gewisser Hinsicht erinnert diese in den 1950er Jahren angesiedelte Geschichte zweier Ehepaare in einem kleinen Ort in Kalifornien an Yates "Zeiten des Aufruhrs". Auch hier die bonbonfarbene Plastikwelt kalifornischer Einfamilienhäuser, die alle, egal wo sie sich befinden, Teil der Vororte des großen Nirgendwos zu sein scheinen, bewohnt von Menschen, die sich dem wachsenden Wohlstand hingeben, aber dennoch vage durchs Leben schlittern und verschwommenen Träumen nachhängen. Dick verfügt bei weitem nicht über Yates Talent, seine Geschichte wirkt hölzern und den Dialogen mangelt es an Geschmeidigkeit. Ein Vergleich mit Updike, dem Meister des literarischen Ehebruchs, verbietet sich völlig. Dennoch ist das Buch lesenswert, da es eine interessante Milieustudie beinhaltet und den Geist einer Zeit atmet, die schon viel länger als ein gutes halbes Jahrhundert zurückzuliegen scheint. Ehebruch ist noch strafbar, straffe Kleiderordnungen existieren ebenfalls noch, doch schon sind unter der hellen Sonne Kaliforniens Auflösungserscheinungen sichtbar, die 1960er Jahre werfen ihre Schatten voraus. Geraucht wird immer und überall und besonders das Auto, das Unterwegssein auf den Highways, prägen bereits den amerikanischen Lebensstil. Der Straßenverkehr nimmt zu, das Fahren wird zeitraubend und anstrengend. Nicht wenige sehen das Auto jedoch als selbstverständliche Erweiterung ihres natürlichen Bewegungsapparats an. Doch Virgina Lindahls Talent zum Autofahren ist begrenzt. Das wird zum Problem, als sie gegen den Willen ihres Ehemanns beschließt, den gemeinsamen Sohn 1952 in ein abgeschiedenes Internat ins kalifornische Hinterland zu geben. Die Fahrgemeinschaft mit einem anderen Ehepaar, den Bonners, scheint eine gute Lösung zu sein, beschleunigt jedoch das Scheitern ihrer Ehe mit Roger. Roger Lindahl, ein verlogener Mann, der von karger Kindheit und frühen Verlust seines Bruders gezeichnet ist, entpuppt sich als gefühlsarm und bindungsunfähig. Mit seiner komplizierten Ehefrau verbindet ihn wenig, und seine Schwiegermutter, eine autarke, illusionslose Witwe, die nichts von ihm hält, verabscheut er. Sehr schnell beginnt er ein Verhältnis mit Liz Bonner, die entweder besonders dumm oder besonders raffiniert ist und glaubt, in Roger den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Die Geschichte zwischen ihnen entwickelt sich auf Groschenromanniveau, während die betrogenen Ehepartner sich aufs gesunde Geldverdienen konzentrieren. Die Kinder sind und bleiben blass und zweidimensional, aber auch die Erwachsene sind nicht viel mehr als konturlose Schatten im immerwährenden Sonnenschein.

Helga Kurz
9. Januar 2011
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Unterwegs in einem kleinen Land: Roman
Unterwegs in einem kleinen Land: Roman von Philip K. Dick (Gebundene Ausgabe - 24. August 2009)
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