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Kundenrezensionen

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am 3. Januar 2000
"Das Herz der Finsternis" ist ein sehr interessantes Werk von Joseph Conrad. Man muss jedoch genau lesen, zwischen den Zeilen, um den Roman wirklich zu genießen. Es ist kein einfaches Buch, doch eines, welches sich lohnt zu lesen, welches in die Tiefe geht, bis ins Herz der Finsternis, Leben und Tod auslotet. Auch die deutsche Übersetzung ist nicht schlecht, bedenken sollte man jedoch, dass Conrad auf Englisch schrieb, nicht seine Muttersprache, eine Sprache, die er erst als Erwachsener gelernt hatte. Er lebte eigentlich mit dem Namen Josef Teodor Konrad Nalec Korzeniowski, zwischen 1857 und 1924. In der Ukraine geboren, in Krakau zur Schule gegangen, begab er sich dann mit 17 Lenzen nach Marseille und wurde Seemann. Als Offizier begann er das Schreiben, und mit 37 Jahren, als er Kapitän unter britischer Flagge war, musste er den Beruf aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen, wurde wieder zur Landratte, und zwar in England. Reich war er nicht, trotz der vielen Romane, die er dann verfasste, der Ruhm kam später. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 4. Dezember 2005
Das Hörbuch ist nicht nur eindrucks-, sondern auch anspruchsvoll, es eignet sich kaum zum „Nebenbei-Hören“ bei anderen Tätigkeiten; diese Produktion fordert die vollste Aufmerksamkeit vom Hörer. Wer eine permanent voranschreitende Handlung und atemberaubende Spannung erwartet, wird hier sicherlich enttäuscht: Das Hörbuch holt weit aus, bietet viele Schilderungen von Gedanken und Eindrücken, lässt Kapitän Marlow weit ausschweifend und sinnierend erzählen und ergeht sich in faszinierenden, wenngleich auch bedrückenden Beschreibungen der Natur. „Herz der Finsternis“ ist keinesfalls kurzweilig, aber bei Weitem nicht langweilig!
Übrigens hat Joseph Conrads Roman auch als „Mainstream“ Weltruhm erlangt, wenn auch indirekt und unter anderem Namen: Der erstmalig im Jahr 1902 in englischer Sprache erschienene Roman inspirierte den Regisseur Francis Ford Coppola zu seinem Film „Apocalypse Now“ (1979 / 2001 als „Apocalypse Now Redux“ erneut in den Kinos); Coppola verlegte die Handlung und den menschenverachtenden Kurtz jedoch in den Vietnamkrieg.
Fazit: Eine sehr dichte, intensive und düstere Hörbuchproduktion, die durch ihren starken Sprecher zum Hörvergnügen wird. Nicht umsonst wurde das Hörbuch 2005 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Wer jedoch eine lebhafte Handlung, „Action“ oder gar Humor erwartet, wird sich mit ziemlicher Sicherheit langweilen – die Geschichte kommt zu düster, zu langsam und zu sperrig daher, um als unterhaltsam im klassischen Sinn zu gelten. Conrads Roman ist ein interessantes Zeitzeugnis der Kolonialzeit und der damaligen Gedanken der Menschen; nicht zuletzt birgt es eine weitreichende Kritik an den damaligen Praktiken der Ausbeutung der Einheimischen und am Rassismus.
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am 21. Mai 1999
Wenn man es liest, mag man es kaum glauben: Ein so gutes Buch so grauenhaft übersetzt - das ist wahrlich eine Leistung. Keine Poesie, keine Sprachmelodie, Weltliteratur auf Mittelstufen-Aufsatzniveau erniedrigt. Der einzige Grund, dieses Machwerk zu kaufen, ist der Anhang: Auszüge aus Conrads Tagebüchern und ein Nachwort, das dazu anregt, mehr über die Hintergründe von "Herz der Finsternis" erfahren zu wollen (leider ohne Bibliographie). Ansonsten empfehle ich die Taschenbuchausgabe von detebe.
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am 16. Oktober 2011
Conrads Schilderungen sind Formulierungen allererster Güte, wie er mit Sprache umgeht, ist perfekt. Perfekt, ohne ins Fabulieren zu geraten, ohne Worthülsen zu verwenden oder aufgesetzt zu wirken, seine Sprache ist eindringlich und sie wirkt und ist echt. Das macht seinen Roman so wertvoll, denn niemand hätte die Erlebnisse besser beschreiben können. Er findet den Ton und die Ausdrücke, die der Situation punktgenau entsprechen. Leider fehlt mir persönlich der Gefühlsfaktor, die Identifikation mit dem inneren Empfinden des Erzählers und die Spannung in den brenzligen Situationen. Bei "Der Kurier des Zaren" schlägt einem das Herz bis zum Hals, wenn er wagemutig Gefahren meistert, hier bleibt der Erzähler, obwohl im Geschehen, doch immer außerhalb. Deshalb fehlt dem Roman dann doch sozusagen der Punkt auf dem I.
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am 25. August 2007
Heart of Darkness/Herz der Finsternis ist eine fiktive Erzählung die auf realen Erfahrungen von Joseph Conrad während der belgischen Kolonialzeit im Kongo basiert. Der Protagonist Marlow fährt auf einem Dampfer den Kongo flußaufwärts mit dem Auftrag die im Dschungel gelegene Elfenbein-Handelsstation zu erreichen. Auf seiner Fahrt werden die Zustände immer chaotischer und das Verhalten der beteiligten Akteure (Kolonialisten und Einheimische) immer irrationaler und barbarischer.

Die Fahrt auf dem Kongo stellt gleichzeitig eine Metapher dar. Während der Fahrt werden immer mehr die zivilsatorischen Errungenschaften wie Recht, Moral und Menschenrechte zurückgelassen und die handelnden Personen lassen ihrem Charakter freien Lauf. Je weiter Marlow zur Handelsstation vordringt, desto näher kommt er dem "Herz der Finsternis".

Heart of Darkness war die Basis für den sehr bekannten Film Apokalypse Now von Francis Ford Coppola der die Handlung in den Vietnam Krieg versetzt hat.
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am 26. Januar 2006
Tief hinein in das Herz Afrikas geht die Fahrt von Kapitän Marlowe auf einem alten rostigen Dampfschiff. Vorbei an urwaldbedeckten Bergen, durch Schluchten und Stromschnellen. Eine Fahrt deren Schilderung mich begeistert hat.
Doch Josef Konrad zeigt dem Leser auch einen Weg an den Rand der Menschlichkeit, wo ein Kontinent ausgebeutet wird, wo Profit mehr zählt als Leben. Und eben dieser Weg ist es, der mich sehr nachdenklich machte. Am Rande der Zivilisation geschehen grausame Dinge, vor denen man die Augen nicht verschließen darf.
Ein sehr nachdenkliches Buch.
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Marlow erzählt von einer Geschichte, die im tiefsten Afrika stattfindet. Es ist seine eigene Geschichte. Als Kapitän schlängelt er sich durch den Kongo, um den Elfenbein-Agenten Kurtz ausfindig zu machen, über den viele schauervolle Geschichten bereits erzählt wurden, z.B., dass er vor Mord und Raub nicht zurückschreckt, um die Ziele seines Handels zu erlangen. Immer tiefer flussabwärts gerät Marlow in das Herz der Finsternis der Wildnis und entdeckt dabei die düstere Seite seines eigenen Ich, bis er auf Kurtz trifft und dieser mit einem Schuldeingeständnis vor ihm stirbt...

Das Werk wird von Conrad als Novelle bezeichnet und dies wird daran deutlich, dass sie in eine Rahmenerzählung und Binnengeschichte - wie z.B. auch Zweigs "Schachnovelle" - eingeteilt ist. Conrad wollte mit diesem Werk die Ausbeutung des herrschenden Kolonialismus im ausgehenden 19. Jahrhundert unterstreichen und hat mit dem skrupellosen Kurtz die perfekte Verkörperung für einen ausbeutenden und Machtgier ausübenden Kolonialisten gefunden. Die ungerechte Behandlung der Schwarzen war vor einem guten Jahrhundert ein hochaktuelles Thema, dessen sich Conrad mit diesem Werk annahm.

Ich vergebe drei Sterne, obwohl ich zugeben muss, dass es mir schwerfiel, irgendeine Bewertung abzugeben, denn das Werk, obwohl es wirklich eine großartige Geschichte ist, hat mich nicht sonderlich touchiert. Möglicherweise liegt es an der Übersetzung, vielleicht aber auch an Conrads Stil. Mir kam die Novelle nicht packend vor, man fühlt sich beim Lesen wie ausgegrenzt und wenn man sich nicht konzentriert, kann es schon einmal vorkommen, dass man, ganz en passant, den Faden verliert und eine Abscheu gegen das Weiterlesen hegt. Zwar fällt dieses Werk unter Harenbergs Buch der 1000 Bücher, jedoch, muss ich gestehen, gefallen mir andere Werke in dieser Auflistung schlichtweg besser. Ich kann nur raten andere Werke von Conrad zu lesen, die möglicherweise eine bessere Wirkung haben werden. Man sollte sich also nicht durch dieses eine Werk beirren lassen, sondern andere Möglichkeiten ausschöpfen.

~Bücher-Liebhaberin~
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Persönliche Erfahrungen verarbeitete Joseph Conrad, einer der bedeutendsten Erzähler der englischen Sprache, in seiner Erzählung "Herz der Finsternis", ein Buch von außergewöhnlicher Gedankendichte, welches er 1899 in nur zwei Monaten zu Papier brachte. Conrad erkannte, dass auch die eigene Seele, gleich einer Landkarte, noch genug weiße Flecken unerforschten Landes bietet. Seine Seelenreise in das eigene Herz der Finsternis lies ihn die Wut entdecken, die dort schlummert: sein ganz persönlicher, unerkundeter Urwald.

Bereits 1990 inszenierte Michael Köhlmeier Conrads Novelle für den ORF als Hörspiel, welches "der hörverlag" nun erstmals auf CD herausgebracht hat. Köhlmeiers Bearbeitung enthält nur einen Extrakt des kompletten Romans. Er hat sich auf das Wesentliche beschränkt, sozusagen die Kernzelle Conrads herauskristallisiert. Der Gesamtzusammenhang ist jedoch keineswegs gestört. Großartig ist ihm die atmosphärische Untermalung der düsteren Stimmung gelungen. Der Hörer spürt beinahe körperlich das Grauen.

Erzähler ist Kapitän Marlow - Conrads Alter ego -, der einen alten Flussdampfer übernommen hat, um Elfenbein aus dem Landesinneren Kongos an die Küste zu transportieren. Doch bevor Marlowe sein Schiff übernehmen kann, muss er sich auf einer Station melden. Dort bekommt er einen ersten grauenvollen Eindruck davon, wie es zugeht im Herz der Finsternis.
Auch von dem geheimnisumwitterten, legendären Agenten Kurtz, der sich im Landesinneren sein eigenes kleines Reich geschaffen hat, sich als Gott verehren lässt, sagenhafte Mengen Elfenbein abliefert und für die Durchsetzung seiner Interessen über Leichen geht, hört er dort zum ersten Mal. Kurtz ist schwer erkrankt und Marlow soll den Todkranken zur Küste bringen, von wo aus er nach Europa gebracht werden soll.
Marlows Auftrag - wie so manches im Roman - scheint ziemlich vage. Er stößt in den dunklen Kontinent vor, zugleich auch in die Finsternis eines skrupellosen Charakters. Als er Kurtz das erste Mal gegenüber steht, fühlt sich Marlow von diesem Mann gleichermaßen fasziniert und abgestoßen und wird direkt mit den Widersprüchen seiner eigenen Persönlichkeit konfrontiert.

Doch Kurtz stirbt während der Fahrt den Fluss hinab. Seine letzten Worte: "Das Grauen, das Grauen!", gehören spätestens seit Marlon Brandos Rezitation in Francis Ford Coppolas Vietnamfilm "Apocalypse Now", dessen Handlung auf Conrads Roman basiert, zu den berühmtesten letzten Worten einer literarischen Figur. Sie sind der Fluchtpunkt, auf den die gesamte Erzählung hinausläuft, und Kurtz ist gleichsam das dunkle Zentrum von Conrads gesamtem Werk.

Bernd Rumpf hat als Stimme Kapitän Marlows die tragende Rolle inne. 95% des Hörspiels bestreitet er allein. Ein Monolog ist es trotzdem nicht. Sondern Hans Gerd Kübel steht ihm als unbenannter Gegenüber zur Seite. Er fungiert als eine Art Interviewpartner, stellt immer wieder Fragen und hakt nach: nahezu ein Verhör.
Dieses Zwiegespräch ist mit sparsamen Geräuschen (Stühlerücken, Türknarzen, Urwaldgeräusche) oder Jingles mit afrikanischen Klängen hinterlegt. Aber dies sind nur Tupfer in einem sonst sehr ruhigen, düsteren Redefluss, den Rumpf, der seine Synchronstimme u. a. bereits George Clooney und Liam Neeson lieh, großartig intoniert. Er vermag hervorragend Conrads Stil, der eine Atmosphäre der Unwirklichkeit hervorruft, die Zerrissenheit Marlows und dessen inneren Kampf wiederzugeben. Auch bei erneutem Hören, was zweifelsohne zu empfehlen ist, entstehen neben den konkreten Schilderungen des Urwalds, der Fahrt und der Aktionen zum Gelingen der Reise, verschwommene Bilder von Kurtz und seinem sagenumwobenen Reich.

Hervorzuheben ist gleichfalls das ausführliche 23seitige Booklet, welches eine Fülle an Informationen zum Autor, dem Buch und vor allem zu dessen Verständnis enthält.

Fazit:
"Herz der Finsternis" ist nicht nur die Schilderung einer abenteuerlichen, gefährlichen Flussfahrt und eine Anklage gegen Sklaverei, es ist der Versuch, das Böse und seine Faszination zu beschreiben.
Ein (Hör-)Buch, was gleichzeitig politisch und psychologisch zu verstehen ist.
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am 11. Dezember 2007
Der Roman "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad ist manchem Leser, besonders aber den Kinogängern unter ihnen bekannt unter den Titel "Apocalypse now" von Francis Ford Coppola, der die Handlung einfach vom Jahre 1891 ins Jahr 1968 verlegte. Die Schiffsreise wanderte vom Kongo zum Nung und Kurtz residiert in Kambodscha statt in Zentralafrika.

Die Reise von Kapitän Marlow den Fluss hinauf - in der Conrad selber sein Kongoreise aus dem Jahre 1891 verarbeitet - ist ein Abstieg in den Wahn, die unendliche menschliche Gier, die vor nichts Halt macht.
Im Auftrag einer belgischen Handelsgesellschaft soll Marlow den sagenumwobenen Mr. Kurtz finden, der der Gesellschaft unfassbare Mengen an Elfenbein beschafft hat, zugleich aber eine Schreckensherrschaft unter der schwarzes Bevölkerung führt.

Marlow ist fasziniert von der Person und größenwahnsinnigen Persönlichkeit des Mr. Kurtz und alsbald ein ebenso willfähriges Opfer wie die schwarze Bevölkerung, die sich Kurtz mit Brutalität unterworfen hat.

Es gibt nur wenige Bücher, in den die Schrecken einer Kolonialmacht (der Kongo war Ende des 19. Jahrhunderts belgische Kolonie) so deutlich hervortreten. Gleichzeitig schafft Conrad den Typus des totalitären Herrschers und zeigt auf welche Weise sich Abscheu in Faszination wandeln können.

"Das Grauen ..." sind Kurtz letzte Worte. Von ebendiesem handelt dieses zeitlose Werk. Und hier schließt sich der Kreis zu Coppola: Das Grauen der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen endet genau so wenig wie die Kriege zwischen den Nationen. Den Grund findet Conrad in der menschlichen Niedertracht.

Das Hörbuch wird von Christian Brückner ungekürzt auf vier CDs schnörkellos, ohne jegliche Effekte und kongenial zu Autor und Buch passend vorgelesen.

Fazit: Ein höchst bemerkenswertes und zeitloses Werk über die Perversion der Macht.
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Persönliche Erfahrungen verarbeitete Joseph Conrad, einer der bedeutendsten Erzähler der englischen Sprache, in seiner Erzählung "Herz der Finsternis", ein Buch von außergewöhnlicher Gedankendichte, welches er 1899 in nur zwei Monaten zu Papier brachte. Conrad erkannte, dass auch die eigene Seele, gleich einer Landkarte, noch genug weiße Flecken unerforschten Landes bietet. Seine Seelenreise in das eigene Herz der Finsternis lies ihn die Wut entdecken, die dort schlummert: sein ganz persönlicher, unerkundeter Urwald.

Bereits 1990 inszenierte Michael Köhlmeier Conrads Novelle für den ORF als Hörspiel, welches "der hörverlag" nun erstmals auf CD herausgebracht hat. Köhlmeiers Bearbeitung enthält nur einen Extrakt des kompletten Romans. Er hat sich auf das Wesentliche beschränkt, sozusagen die Kernzelle Conrads herauskristallisiert. Der Gesamtzusammenhang ist jedoch keineswegs gestört. Großartig ist ihm die atmosphärische Untermalung der düsteren Stimmung gelungen. Der Hörer spürt beinahe körperlich das Grauen.

Erzähler ist Kapitän Marlow - Conrads Alter ego -, der einen alten Flussdampfer übernommen hat, um Elfenbein aus dem Landesinneren Kongos an die Küste zu transportieren. Doch bevor Marlowe sein Schiff übernehmen kann, muss er sich auf einer Station melden. Dort bekommt er einen ersten grauenvollen Eindruck davon, wie es zugeht im Herz der Finsternis.
Auch von dem geheimnisumwitterten, legendären Agenten Kurtz, der sich im Landesinneren sein eigenes kleines Reich geschaffen hat, sich als Gott verehren lässt, sagenhafte Mengen Elfenbein abliefert und für die Durchsetzung seiner Interessen über Leichen geht, hört er dort zum ersten Mal. Kurtz ist schwer erkrankt und Marlow soll den Todkranken zur Küste bringen, von wo aus er nach Europa gebracht werden soll.
Marlows Auftrag - wie so manches im Roman - scheint ziemlich vage. Er stößt in den dunklen Kontinent vor, zugleich auch in die Finsternis eines skrupellosen Charakters. Als er Kurtz das erste Mal gegenüber steht, fühlt sich Marlow von diesem Mann gleichermaßen fasziniert und abgestoßen und wird direkt mit den Widersprüchen seiner eigenen Persönlichkeit konfrontiert.

Doch Kurtz stirbt während der Fahrt den Fluss hinab. Seine letzten Worte: "Das Grauen, das Grauen!", gehören spätestens seit Marlon Brandos Rezitation in Francis Ford Coppolas Vietnamfilm "Apocalypse Now", dessen Handlung auf Conrads Roman basiert, zu den berühmtesten letzten Worten einer literarischen Figur. Sie sind der Fluchtpunkt, auf den die gesamte Erzählung hinausläuft, und Kurtz ist gleichsam das dunkle Zentrum von Conrads gesamtem Werk.

Bernd Rumpf hat als Stimme Kapitän Marlows die tragende Rolle inne. 95% des Hörspiels bestreitet er allein. Ein Monolog ist es trotzdem nicht. Sondern Hans Gerd Kübel steht ihm als unbenannter Gegenüber zur Seite. Er fungiert als eine Art Interviewpartner, stellt immer wieder Fragen und hakt nach: nahezu ein Verhör.
Dieses Zwiegespräch ist mit sparsamen Geräuschen (Stühlerücken, Türknarzen, Urwaldgeräusche) oder Jingles mit afrikanischen Klängen hinterlegt. Aber dies sind nur Tupfer in einem sonst sehr ruhigen, düsteren Redefluss, den Rumpf, der seine Synchronstimme u. a. bereits George Clooney und Liam Neeson lieh, großartig intoniert. Er vermag hervorragend Conrads Stil, der eine Atmosphäre der Unwirklichkeit hervorruft, die Zerrissenheit Marlows und dessen inneren Kampf wiederzugeben. Auch bei erneutem Hören, was zweifelsohne zu empfehlen ist, entstehen neben den konkreten Schilderungen des Urwalds, der Fahrt und der Aktionen zum Gelingen der Reise, verschwommene Bilder von Kurtz und seinem sagenumwobenen Reich.

Hervorzuheben ist gleichfalls das ausführliche 23seitige Booklet, welches eine Fülle an Informationen zum Autor, dem Buch und vor allem zu dessen Verständnis enthält.

Fazit:
"Herz der Finsternis" ist nicht nur die Schilderung einer abenteuerlichen, gefährlichen Flussfahrt und eine Anklage gegen Sklaverei, es ist der Versuch, das Böse und seine Faszination zu beschreiben.
Ein (Hör-)Buch, was gleichzeitig politisch und psychologisch zu verstehen ist.
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